28.03.17 Wie Schmetterlinge

Heute werden die Segel angeschlagen. Bei leichten Wind und blendendem Sonnenschein. Wellen schaukeln das Boot ganz sacht. Noch knistert das steife Tuch, während es sich Zug um Zug entfaltet. Wie ein Schmetterling die Flügel ausbreitet, wenn er sich von seiner Puppe befreit.

"Sie schaukeln kokett in Gotters Hand wie trunkene Schmetterlinge". Ach, Joachim Ringelnatz. Er hat uns die sicherlich schönste Allegorie von Segelbooten vermacht.


24.03.17 Frühjahrsputz

Der Winter hat sich verabschiedet, aber seine Spuren von Regen und Schmutz sind geblieben. Schwarze Streifen auf dem Rumpf markieren, wo das Regenwasser von der Winterplane abfloss. An den im Herbst noch blitzeblanken Masten sind die leuchtenden Ocker- und Sienatöne unter einem dunkelgrauen Belag verschwunden. Wanten und Stagen aus verzinktem Stahldraht zeigen in den Kepen hellbraunen Rost. Also höchste Zeit für einen gründlichen Frühjahrsputz.

Wenn die Wanten labsalbt werden, sollte man an Deck nicht ohne Regenschirm rumlaufen, auch bei Sonnenschein.

Auf WIEBKE BOHLEN hat man eine wirksame Methode gefunden, um den lackierten Mast wieder blitzeblank zu bekommen: Man nehme zwei alte Frotteehandtücher, mache sie mit Wasser gut nass, binde sie um den Mast, und befestige sie an der Klau. Wird nun die Gaffel vorgeheisst und wieder runtergelassen, ist der Mast anschließend wieder sauber. Das geht natürlich nur, wenn noch keine Segel angeschlagen sind. Es empfiehlt sich, eine Sorgleine an der Klau anzubringen, sonst könnte es sein, dass die Gaffel oben bleibt.  

26.03.17 P.S.:
Heute kam auf WIEBKE BOHLEN auch der Besanmast dran. Der ließ sich besser fotografieren und so können wir die Mast-Waschvorrichtung hier präsentieren.

Das Frotteetuch vor der Reinigung...
... und danach.
Jetzt ist es selber reif für eine Wäsche.
     

23.03.17 Alt, aber oho!

Mit alten Booten zu segeln ist herausfordernd. Alte Boote  segelfertig zu machen aber auch. In jedem Frühjahr kommt unweigerlich der Tag, an dem sich der Winter endgültig (hoffentlich) verabschiedet, der Wind moderat weht und die Sonne scheint. An diesem Tag wird die Winterplane abgenommen, das Boot  gereinigt, Lackschäden ausgebessert und das Rigg für das Ansegeln vorbereitet.
Manche Bootsfreunde kommen gleich im halben Dutzend. Männer in der Blüte ihrer Jahre, um ihr Boot aus dem Winterschlaf zu reissen. Nach ein paar betriebsamen Stunden sitzen sie an Deck, dem wohlgeordneten, trinken ein Bier und freuen sich auf das Ansegeln. Man sollte meinen, dass es nur so geht.
Überhaupt scheint segeln mit traditionellen Booten eine Domäne von Männern zu sein. Die sind, siehe oben, in der Blüte ihrer Jahre, kennen sich aus mit der überkommenen Technik und haben genügend Körperkraft und den notwendigen Sachverstand.
Es geht aber auch anders. "Wer auf einem Gaffelschiff alleine keine großen Lasten heben kann, hat es nicht verdient", sagt die Eignerin der Colin Archer Ketsch im Museumshafen und ergänzt "Auf diesem Schiff gibt es nichts, was eine alte Frau zur Not nicht auch alleine machen kann". Wohl gesprochen. Mit Taljen sind die Riggs dieser Schiffe ja reichlich versehen und bei zwei Masten ist imme einer nahe genug, um auch sperrige Lasten ohne allzu große Anstrengung zu bewegen. Wie beispielsweise wenn die Winterplane, acht Meter lang und sechs Meter breit vom an Land zu schaffen ist. Das Trumm wiegt geschätzte dreissig bis vierzig Kilo und ist ziemlich unhandlich. Mit dem vierpartigen Klaufall ist das leicht zu heben. Das sieht dann so aus:

Sodann wird eine lange Leine als Beiholer an beide
Enden der "Wurst" angeschlagen.

                              
Die Plane wird an Deck zusammengefaltet,
mit Zeisingen zu einer "Wurst" verschnürt am
Besan-klaufall hochgezogen
















Jetzt das Klaufall komplett fieren und abschlagen.
Dann die Wurst auseinander falten und zu einem
ordentlichen Paket lagerfertig zusammenlegen.
Der Beiholer wird nun zu einem entfernten Poller
gezogen, bis die "Wurst" über dem Steg ankommt.
Dabei evtl. das Klaufall etwas fieren.














P.S: Die nächste Plane wird aus mehreren Teilen bestehen. Die sind kleiner und daher leichter zu bewegen. Aber bis dahin geht es noch wie oben.

19.03.17 Glanz und Schimmer


Über Reparatur- und andere Klarlackierungen an Bord.

Im  Beitrag "Der Lack ist ab" ging es darum, wie wir die Rundhölzer fürs alljährliche Lackieren vorbereiten. Inzwischen haben wir vier Lagen Lack aufgetragen und das Ergebnis ist sehr ansprechend. Wer noch in der Schukzeit Schillers Glocke gelernt hat, erinnert sich an das Lob der züchtigen Hausfrau das mit der Zeile endet: "Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer und ruhet nimmer". Wenn wir uns jetzt das Ergebnis ansehen geht uns diese Zeile nicht ganz zufällig durch den Kopf. Vor uns liegen die seidenglatt lackierten Rundhölzer und Blöcke und glänzen wie die Auslage bei Tiffany's. Sogar die Korallen und etliche Blöcke haben ihr Quantum Lacköl abbekommen und werden die Saison vermutlich gut überstehen. Dabei kamen wir schnell voran und jedem Tag blieben 22 Stunden für andere Beschäftigungen, unter anderem auch fürs Nichtstun.

Wir haben uns vor etwa 20 Jahren für ein klares Lacköl auf Leinölbasis entschieden. Und zwar nachdem wir gelernt hatten, dass ein geeigneter Lack vor allen Dingen ein gut zu reparierender Lack sein muss.
•  Das setzt aber an erster Stelle voraus, dass er einfach von Hand geschliffen werden kann. Nur dann kann ein Kratzer oder ein Nässeschaden auch mal unterwegs leicht repariert werden. Denn wer wird schon einen Generator an Bord führen um die Reparatur im Hafen oder am Ankerplatz mit dem Exzenterschleifer zu beginnen? Mal vom Krach ganz abgesehen, und vom unvermeidlichen Protest der Nachbarn sowieso. 
•  Zum zweiten soll der Bootslack keine Pigmente enthalten. Denn sonst wird die reparierte Stelle immer deutlich heller wirken und dadurch dem Rest der Welt zur Kenntnis geben "Ich wurde repariert". 
•  Schlussendlich sollte der Bootslack keine Zusätze wie Härter, Verdünner, Haftvermittler und andere Mittel benötigne. Man schleppt auch ohne das immer mehr Material an Bord mit sich herum.

Der Klüverbaum wurde an Deck unter der Plane lackiert und
ist jetzt bereit für die Saison. Sehr praktisch: Der Vierkant am
Fuß und die Klampen.
Die Rundhölzer liegen vor uns, mit Sandpapier 80-er Körnung von Hand geschliffen. Jetzt sollen die Spuren der letzten Saison beseitigt werden, bevor die Rundhölzer wieder an Bord kommen. Als erstes wird der Lackierplatz mit einem weichen Handfeger und mit langsamen Bewegungen staubfrei gereinigt. Schließlich wollen wir den Staub nicht umverteilen. Dann wischen wir die Oberflächen mit einem fusselfreien Lappen ab, auf den wir vorher einige Tropfen Leinöl gegeben haben. Dann nimmt er alle noch verbliebenen Staubkörner zuverlässig auf und imprägniert Stellen, die bis aufs rohe Holz durchgeschliffen wurden und kriecht selbst in kleinste Ritzen in dem alten Lack.
Achtung: Leinöl kann sich selbst entzünden. Deshalb den Lappen anschließend verbrennen, in einem geschlossenen Blechgefäß aufbewahren oder an frischer Luft zum Trocknen glatt aufhängen! Außerdem soll die Oberfläche nicht abgewaschen, sondern nur nebelfeucht abgewischt werden um den Staub zu binden!

Das war's für den ersten Tag. Danach kommt an jedem Tag eine weitere Lage Lacköl auf die Oberfläche. Die ersten beiden ganz mager aber sehr gleichmäßig verstrichen. Nach je zwei Lagen werden allfällige Körnchen oder Fussel in der Oberfläche mit 180-er Schleifpapier vorsichtig beigeschliffen, ohne die neuen Lackschichten durchzuschleifen. Die nächsten zwei Lagen Lack können ein wenig dicker aufgetragen werden. Es besonders darauf an, dass die Schutzschicht möglichst gleichmäßig dick ist. Lacköl hat den Vorteil, dass es lange offen bleibt und kleine Pinselspuren sich auch noch Tage später ausgleichen. Erst die letzte Lage wird "satt" lackiert und zwar in Richtung der Maserung.
Wichtig: "Girlanden" und "Rotznasen" vermeiden. Also besonders die senkrechten Flächen beim  Lackieren und kurz danach optisch kontrollieren. Wenn der Lack schon ein wenig angezogen ist und mit dem Pinsel nicht mehr glatt verschlichtet werden kann: Den Tropfen mit einer sauberen glatten Messerklinge verspachteln. Nach dem Trocknen ist das meist nicht mehr zu sehen.
Tipp: Die Ränder einer Fläche zuerst lackieren. Dann mit dem Pinsel Lack auf die Mitte satt auftragen und erst in der einen und dann in der anderen Richtung rasch über die ganze Fläche verteilen. Das mehrfach wiederholen und dabei den Druck auf den Pinsel verringern und die Bewegung immer gleichmäßiger ausführen. Zum Schluss sollten die Borsten nur noch über die Oberfläche gleiten. Jetzt nur noch in Richtung der Maserung lackieren Sobald der Widerstand größer wird, aufhören, sonst wird die Oberfläche matt.
Noch'n Tipp: Große Flächen einteilen, sodass jede Teilfläche an den Rändern noch nass ist, wenn die nächste in Angriff genommen wird. Dadurch können die Ränder ineinander übergehend lackiert werden. Bei mehreren Lagen die Übergänge immer an anderen Stellen wählen. Bei Rundhölzern bedenken, dass sie beim Lackieren gedreht werden können. Immer auf schmale Flächen auflegen. Die letzte Auflage sollte an einer schlecht sichtbaren Stelle gewählt werden, da sie ganz zum Schluss ausgebessert wird, was aber immer zu sehen ist.

Nach dem Lackieren den Pinsel auf einer sauberen Fläche ausstreichen und mit dem Lappen von vorhin in Borstenrichtung trockenreiben. Anschließend kommt er in ein Gefäß mit klarem Wasser. Wenn alle Borsten nahezu vollständig im Wasser stehen, kann er so mehrere Monate "überleben". Der Lack unserer Wahl darf auf keinen Fall (!) mit Terpentin oder anderen Lösungsmitteln verdünnt werden oder auch nur in Berührung kommen. Das gilt auch für die Pinsel!

16.03.17 Er ist wieder dran

Ein paar Wochen lang lag der Klüverbaum des Haikutters BODIL auf dem Bohlwerk und wartete auf passendes Wetter für die Frühjahrskur. Am letzten Sonntag passte dann alles, was man braucht, um ein Holzschiff unter freiem Himmel zu warten: das richtige Wetter, den richtigen Helfer und genügend Zeit. Seitdem hat der "Spargel" noch ein paar Lagen Lack bekommen. Sonst wäre der glänzende Überzug bald abgeraspelt.

Heute kommt der Klüverbaum wieder an seinen hervorragenden Platz vor dem Bug der BODIL. Der Haikutter dreht vorher eine Hafenrunde und legt sich mit dem Bug zum Bohlwerk an die Plattform beim Historischen Krahn. Den hätte man auch nehmen können um die schwere Spiere an ihren Platz zu hieven. Aber auch hier geht es wieder einmal ganz von Hand schneller als mit der Talje. Drei Männer heben an, führen ihn durch den "Klüverbrille" genannten Beschlag auf dem Vorsteven und fädeln ihn in die dafür vorgesehene Aussparung in der Beting
Jetzt werden die Verstagungen angebracht. Ohne die könnte der Baum unter schweren Bedingungen auf See brechen. Zum Beispiel, wenn er in einer steilen Welle unterschneidet und dann vom Schiffsrumpf mit Gewalt hochgerissen wird. Manche Gebiete der Ostsee sind für ihre steilen, kurzen Wellen berüchtigt. Zum Beispiel die Ecke, wo die Äußere Förde in die Sonderburger Bucht übergeht. Dort kann es bei starkem Ostwind recht ungemütlich werden. Diese Stelle haben wir hier in Flensburg sozusagen direkt vor der Haustüre. Auch deshalb sichert der Skipper die Bolzen der Schäkel besonders sorgfältig mit Musingdraht. Jetzt sitzen die Klüvergeien und die Wasserstagtalje sicher am Nockbeschlag. Da kommt man während der Saison nicht so oft hin, um den sicheren Sitz zu prüfen.
An den Klüvergeien ist auch das Klüvernetz angenäht. Wie ein Netz im Zikus den Artisten auffängt, soll es hier den Bootsmann vor dem Sturz ins Wasser schützen. Es ist aber auch ein beliebter Ort, sich mal ein bisschen von der übrigen Crew abzusondern und alleine über dem Wasser schwebend, zur Ruhe zu kommen. Wenn es Delfine in der Nähe gibt, sind sie von hier aus besonders gut zu knipsen.
Auf dem Foto liegt die Wasserstag-Kette lose auf dem Bohlwerk. Sie kann erst gespannt werden, wenn der Bug weit genug von der Kante entfernt ist. Dazu dient die so genannte Wasserstagtalje. Auf dem Bild ruhen sich Hark und eine kleine Bootsfrau in spe im Klüvernetz aus, bevor die Arbeit weitergeht.
An der Hafenkante bleibt nichts verborgen. Besonders zu Zeiten wenn noch nicht viel los ist im Museumshafen, braucht sich keiner über Besuchermangel zu beklagen. Heute kommt sogar ein frühes Folkeboot und betrachtet fachkundig was da gemacht wird. Man oder Frau könnte ja was lernen. Aber nicht heute. Dem nordischen Klassiker fehlt es einfach an der notwendigen Voraussetzung, wie beispielsweise dem Klüverbaum.  Man kann eben nicht alles haben!

P.S. Und der Klüverbaum der WIEBKE BOHLEN? Er liegt fertig lackiert auf dem Deckshaus. Sobald die Winterplane abgebaut ist, kommt auch er wieder dran.