22.04.17 Vier Schwestern

WIEBKE BOHLEN
Foto: Ronald Eichler

KRISTIANNA
TASSEN
Hat man nach langer Suche oder nach dem berüchtigten "Coup de Foudre" sein Wunschboot gefunden, kommt unweigerlich der Augenblick, in dem man mehr über das gute Stück erfahren möchte. Zum Beispiel, wer es baute und ob es noch weitere Boote aus der selben Werft gibt. Lange haben wir nach Spuren unseres eignen Bootes gesucht. Die Jahre vergingen und mit den Jahren gewöhnten wir uns an den Gedanken, dass wir ein altes Boot ohne Geschichte besitzen. Bis plötzlich im letzten Jahr ein Sohn der Bootsbauer-familie Djupevag aus Norwegen auf dem Bohlwerk stand und, nachdem er unser Boot lange angeschaut hatte, sagte "Guten Tag. Sind Sie der Eigner? Ich habe dieses Boot gebaut". Er hatte es zufällig auf der Durchreise von Norwegen hier in Flensburg gesehen. Bei diesem Besuch erfuhren wir unter anderem auch, dass er derzeit ein Schwesterschiff unserer WIEBKE BOHLEN restauriert, dass sein Vater ebenfalls ein Schwesterschiff*) besitzt und, wie könnte es anders sein, seine Schwester ebenfalls. Das ist wohl unvermeidlich, wenn man in einer Bootsbauerfamilie aufwächst.
LADEGARDSØEN
Fotos (3): Cecilie Juell



Nun haben wir auch noch Fotos der Schwestern bekommen: Zwei sind als Ketsch geriggt, eine als Kutter. Alle drei noch im Negligé, was sie im Vergleich etwas schlechter wegkommen lässt. Nur gut, dass wir uns nicht für eine von ihnen entscheiden müssen. Die Wahl wäre nicht einfach geworden, und seit dem Krieg um Troja kennen wir ja die Folgen einer solchen Entscheidung.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Cecilie Juell aus Norwegen für die Fotos!


*) Apropos Schwesterschiff:
WIKIPEDIA definiert Schwesterschiffe als "See- bzw. Wasserfahrzeuge gleichen Typs, die in der Regel auf derselben Werft in kleiner Serie errichtet wurden. Die dem ersten einer Serie folgenden Schiffe weisen gegenüber diesem Schiff keine oder nur unwesentliche Änderungen auf" Das bezieht sich in erster Linie auf den Rumpf. Das Rigg wurde häufig dann angepasst, wenn ein Boot nach einem Eignerwechsel unterschiedlich genutzt wurde, beispielsweise nach dem Regattasport ais Fahrtenboot. Bei der Inneneinrichtung sind Abweichungen ebenfalls nicht erheblich. 


16.04.17 Osterspaziergang

Das kleine, liebevoll gestaltete Fischereimuseum an der
Ostseite erinnert an die ehemalige i Fischerei in
Flensburg
Es zeigt alte Hafenansichten, Geräte der Küstenfischerei...
Nein, jetzt kommt nicht der vielzitierte Text aus Faust. Nur ein paar Fotos von heute morgen. Nach einem Start in den Tag bei dem leichten Nieselregen, dem ältere englische Fräulein ihren berühmten Teint verdanken hatte Petrus später ein Einsehen mit den eiersuchenden Kindern und schob die Wolken auf Seite. Nicht komplett, aber doch so weit, dass Stadt und Hafen immer wieder minutenlang in gleißendes Sonnenlicht gehüllt wurden. Ideal, um eine Runde um den Hafen zu laufen. Egal, wenn das Mittagessen deswegen erst zur Teezeit zuende ging. Kaum zu Hause, prasselten schwere Schauer auf die Dächer. Na, wenn schon. Wir sind ja schon wieder unter Dach und Fach.
Und noch mehr Geräte. Hier sind es Aalstecher; Sie sind
heute verboten. Es gibt aber noch mehr zu sehen.
Und was man hier so fischen kann. Hier lebende Dorsche
im Aquarium.
Von der Ostseite her sehen wir die Altstadt mit den Traditionsschiffen am Bohlwerk davor immer wieder gerne an.
Heute Fällt uns das kleine Fischereimuseum ins Auge. Außen schmuck hergerichtet und innen sehr informativ. Es zeigt gerade so viel, dass man es auch mit kleineren Kindern besuchen kann (Eintritt frei) ohne die älteren zu unterfordern. Außerdem sind auch historische Fotos ausgestellt, die zeigen den Hafen von der selben Stelle aus, nur eben Jahrzehnte früher. Für Technik-Freunde ist etwas versteckt auch ein SABB HK10, ein typischer Bootsmotor von damals, ausgestellt. Fehlt nur eine Tonspur mit dem typischen "tok-tok-tok" Geräusch des Einzylinders. Und wie geschickt die Bootsführer damit umgingen! Die meisten Fischerboote hatten einen so genannten Verstellpropeller. Mit dem konnte der Schub bei laufendem Propeller stufenlos von voll voraus auf voll zurück verändert werden. Zusammen mit dem Radeffekt konnte das Boot auf kleinstem Raum aufgestoppt und gewendet werden. Allerdings waren die Boote nicht so schnell wie die Flitzer der Kleinfischer von heute. Mit Außenbordmotoren schnell
Die rassigen Rennyachten sind Zeugen der
Sportschifffahrt früher, werden aber immer noch
bei internationalen Ausscheidungen auf Sieg gesegelt.
auf Gleitfahrt gebracht, hat der moderne Fischer kürzere Wegezeiten. 

Unser Weg führt heute bis zur Steganlage der Robbe& Berking Yacht Werft im Industriehafen. Da liegen schon ein paar der großen klassischen Regattayachten im Wasser und warten darauf, für die kommende Saison geriggt zu werden. Schön, die schnellen Exklusiven zu sehen. Mag ja sein, dass geniale Yachtkonstrukteure die Leistung
Die ehemaligen Berufssegler im Museumshafen auch.
An jedem Himmelfahrt-Wochendende messen sie sich
bei der Rmregatta.
der modernen Rennyachten im Vergleich immer mehr verbessert haben. Doch was wir hier sehen, gefällt einfach besser. Das Problem ist leider: Geschwindigkeit kann man objektiv messen, Stil und Ästhetik nur subjektiv empfinden - wer's kann.
Es geht den gleichen Weg zurück. Auf dem Rückweg haben wir Muße, die Altstadt zu betrachten. Trotz der einmaligen Kulisse, bleibt unser Blick am Museumshafen hängen. Auch hier sind noch nicht alle Boote fertig für die Segelsaison, manche werden erst zur Rumregatta aus dem Winterhafen zurück sein. Wer sein Boot in der dunklen Jahreszeit nicht zur jährlichen Wartung bei einer Werft abgeben kann (kann hier keiner) ist auf kurze Wege zwischen Wohnung und Hafen angewiesen.

19.08.16 Weiße Wand und leichte Brise

Die letzten sieben Wochen waren wie ein demonstrativer Beweis, dass schlechtes Wetter am Siebenschläfertag geradewegs schicksalhaft zu sieben Wochen schlechtem Wetter führt. Aber nun: Hurra!, die sieben Wochen sind vorbei. So dachten wir zu Beginn der Woche, machten unser Boot segelklar und brachen auf zu einem Kurzausflug. Nicht nur die Temperatur war ideal, auch das Wetter spielte mit. Leichte Bewölkung, Temperatur um 20 Grad und dazu dieser Wind! Der Wind, ach was, die Brise blies gleichmäßig aus West - Nordwest mit drei auf der Skala des Herrn Beaufort. Wenn die Brise dazu auch noch durchhält, dann heißt es Segeln mit "Damenbrise". Voll und bei zum Ankerplatz, voll und bei zurück. Herz, was willst du noch mehr?
Gaffelsegler, Ketschen zumal, sind auf diesem Kurs zum Wind nicht zu toppen. Besonders dann, wenn man sich den Luxus leistet, etwas abzufallen um die Geschwindigkeit zu steigern. Dann steht der Klüver voll und bauchig, das Großsegel ist weit aufgefiert, das Unterliek etwas lose getrimmt. Dann wehen alle Windfähnchen waagrecht aus und der Rudergänger seufzt vor Vergnügen. Voll und bei: Sogar der Besan hilft noch kräftig, ohne den Druck aufs Ruder zu steigern. Gut getrimmt, steuert der Traditionssegler auf diesem Kurs zum Wind sich ganz alleine und der Rudergänger kann sich zu seiner Liebsten setzen und Kaffe und Kuchen genießen. 
Die "Weiße Wand" von Bord aus gesehen.
Toppsegel (li.o.), darunter Großsegel, Besanstagsegel (Mi.)
und Besan (re.). Die Vorsegel sind hier durch das Großsegel
verdeckt.
Schnell und entspannt segeln heißt, Erinnerungen für die unvermeidlich kommenden Winterabende zu sammeln, um sich an ihnen zu erwärmen. Wer sich aber dann nicht beherrschen kann und meint, die Welt werde seinen Überschwang mit begeistertem Zuhören belohnen, wird bald vergräzt die erschreckende Gleichgültigkeit der Mitmenschen beklagen. Kein Wunder, ist er doch allen Bekannten mit seinen begeisterten Beschreibungen gründlich auf den Wecker gefallen. Denn wenn die Opfer seiner Mitteilungsfreude selber Segler sind, zappeln sie vor Ungeduld, eigene Erlebnisse zum Besten zu geben - keine gute Voraussetzung für Leute, die schließlich dazu dazu da sein sollen, jedes eigene Wort begierig aufzusaugen.
An alle anderen Mitmenschen ist der Überschwang verschwendet. Wen der
Und hier von weitem betrachtet.
Die Aufnahme entstand früher im Limfjord
Segelvirus nicht gepackt hat, verharrt im Stadium eines Ignoranten. Wer so einen vor sich hat, kann nur den Blick nach innen wenden und seine Erinnerung genießen - alleine und oihne Zuschauer. Andauerndes glückseliges Lächeln hat schon manchen aus seinen Träumen in einer Zwangsjacke aufwachen lassen. Dann ist sozusagen Schluss mit lustig.
Trotz dieser Warnung muss doch eine kleine Episode erlaubt sein. Mit der normalen Arbeitsbesegelung (Klüver, Fock, Groß und Besan) von rund 100 Quadratmetern beschleunigen drei Beaufort unsere ca. zwanzig Tonnen auf etwa drei Knoten Geschwindigkeit. Das ist das Tempo eines rüstigen Wanderers. Schnell genug, um uns in vier bis fünf Stunden in die Bucht von Hörup Hav zu befördern. Wenn wir jedoch das Besanstagsegel und dazu auch noch das Topsegel setzen, können daraus gerne auch fünf Knoten und mehr werden. Nun weiß jeder, dass kein Wind absolut gleichmäßig weht. Am Montag belebten zusätzliche Böen die drei Beaufort und hoben die Geschwindigkeit auch schon mal über die Marke von sechs Knoten. Den Spaß ermöglichen die 40 zusätzliche Quadratmeter Segelfläche. Wir bezahlten dafür gerne mit einem Krampf in den Lachmuskeln.

Auch in der Nacht hielt die Brise aus Nordwest durch. Der Vollmond zauberte Lichtpunkte auf tausend kleine Wellen und über den wenigen Wolken standen die Sterne hell und klar. 

Irgendwann ist auch die schönste Nacht zuende. Morgens wehte immer noch dieselbe Brise, so konnten wir uns hoch am Wind auf die Heimreise machen. Noch vor Anker liegend hatten wir das Großsegel gesetzt; den Besan hatten wir stehen lassen, wie beinahe immer vor Anker, das Boot liegt dann ruhiger. Vor dem Hafen von Hörup Hav konnten wir dann nach Südwest abfallen. Der Wind erreichte uns nun wieder backstags - ideal  für die Segelführung vom Vortag. Allerdings wehte es jetzt schwächer als bei der Hinreise. Erst am Mittag erreichten wir den Süden der Sonderburger Bucht. Aber was macht's? Wer beschwert sich über milde 20 Grad Celsius und eine ebenso milde Brise? Jedenfalls hatten wir genug Muße für unser beliebtes Spiel "Schiffe erkennen". Eine Tjalk segelt in großer Entfernung auf parallelem Kurs Richtung Süd. Das könnte Skutsje FROUWE FORTUNA sein. Ein Gaffelkutter mit einem weißen Rumpf und weißen Segeln verläßt den Hafen Hörup und segelt später Richtung Kalkgrund. Den haben wir nicht erkannt. Über die entfernte Begegnung mit DAGMAR AAEN auf ihrer Heimreise in den Museumshafen haben wir schon berichtet. Später erfuhren wir, dass wir von deren Besatzung auch gesehen, aber nicht erkannt wurden. Kein Wunder, ist doch Rumpf und Rigg des rot-weißen Expeditionsschiffs markanter als unsere Silhouette. Zurück im Hafen wird sie schmeichelhaft als "Weiße Wand" beschrieben. Ziemlich dick aufgetragen, aber dennoch - das Kompliment hat was. 
Leider geht dem Wind nach und nach die Puste aus, wenn man den Kalauer einmal anbringen darf. Er reicht noch um FORTUNA bei der Schwiegermutter nahe zu kommen. Sie konnte mit ihrem viel geringeren Tiefgang dicht unter Land fahren und hatte daher einen kürzeren Weg. Aber schon in der äußeren Förde mußte sie hoch an den Wind gehen, da sind wir einfach besser dran. Der Wind reicht uns noch bis durch die Enge von Holnis, dann war's mit dem Segeln vorbei. Es ist früher Abend. Bedauerlich, aber wahr: wir starten die Maschine. Die braucht das ohnehin immer wieder mal, wenn sie keinen Schaden nehmen soll. Obwohl wir jetzt auch mal mit aufgetuchten Segeln in Flensburg einlaufen können, ist es ein wenig traurig. Aber wie sagte Stefanie "Es iss’ ja wie’s iss".

14.04.17 Salzwasserspray

Während wir auf dem Sofa sitzen und niesen, hat MARIE schon mal bei Pöls Riff ihre Nase in den salzigen Wind gesteckt - und ein Video geschickt. Kommentar in der Begleit-Mail: "Geschätzte sechs bis sieben Beaufort. Hat Spaß gemacht". Wir glauben's aufs Wort und angeln uns ein neues Taschentuch aus der Packung. Haaatschi - und Danke!

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