23.09.16 Faule Kartoffeln

Fragt man Liebhaber traditioneller Schiffe, was sie bei deren Anblick besonders anspricht, werden hölzerne Masten mit an erster Stelle genannt. Diese Schönheit hat ihren Preis.
Am 21.08. berichteten die HAFENMELDUNGEN über einen tödlichen Schiffsunfall auf dem historischen Zweimaster AMITICIA, der das Leben dreier Männer (19, 43 und 48 Jahre alt) beendete. Sie waren allesamt Chartergäste und Mitglieder einer Familie aus Deutschland. Beim Einlaufen in Harlingen brach der vordere Mast, worauf der obere Teil samt Gaffel und Segel auf das Deck stürzte. Die drei Unfallopfer starben noch an Bord.


Die Abbildung aus der Sicherheitsempfehlung der BSU zeigt die Bruchstelle


Der Bericht über die Untersuchung der Bundesstelle für Seeunfall-Untersuchung (BSU) liegt heute noch nicht vor. Jedoch hat die BSU auf Grundlage ihrer Erkenntnisse schon jetzt eine Sicherheitsempfehlung veröffentlicht, die alle Eigner und Betreiber von Schiffen mit Holzmasten kennen sollten.
Denn auch von deutschen Traditionsseglern, deren Masten gebrochen sind, wird immer wieder berichtet.




Das Sprichwort sagt "Eine faule Kartoffel im Korb macht, dass alle stinken". Selten werden Regeln ohne einen konkreten Anlass verschärft. Im Hinblick auf die gegenwärtige Debatte über die Sicherheitsauflagen für Traditionsschiffe könnte uns daher ein obligatorischer TÜV für Holzmasten blühen. Jährlich durchzuführen von einem amtlich zertifizierten Mastgutachter mit abschließender Bescheinigung, die in dreifacher Ausfertigung an Bord mitzuführen und auf Verlangen nachzuweisen ist. Und zwar nicht nur auf Schiffen, deren verrottete Masten von fahrlässigen Bastlern "repariert" wurden. Sondern selbstverständlich auch von allen übrigen, die ihre Schiffe ordnungsgemäß in Schuss halten.
Der Preis für sichere (schöne) Holzmasten ist sorgfältige, regelmäßige Untersuchung und Pflege, notfalls den Mast ziehen und ersetzen. Und die häufig an Masten angebrachten Blechmanschetten gehören allesamt in den Schrott.

23.09.16 Umfallgefahr

Während wir uns hierzulande wegen der Schiffsicherheit sorgen, passieren anderenorts die merkwürdigsten Unfälle. Jetzt finden wir eine Nachricht aus Schottland, dass eine Ufertraße gesperrt werden musste, weil eine norwegische Colin Archer Ketsch umzufallen drohte. Das 12 Meter lange Unglückschiff sei bei Locham zu nahe an die Ufermauer geraten und auf Grund festgekommen. Damit die SAILING THE FARM nicht umkippte, sicherte die Crew den Havaristen mit Leinen und Ketten am Geländer der der Promenade. Die Stornoway Coastguard sperrte daraufhuin die Straße weil sie befürchtete, dass jemand durch brechende Leinen verletzt werden könnte.
Auf der Internetseite der SAILING THE FARM ist der Reiseplan des Schiffes skizziert: Im September nach Schottland, dann über den Atlantik nach Südamerika weiter zum Pazifik. Soweit bekannt, soll SAILNG THE FARM nach dem Konzept von Ken Neumeyer betrieben werden, d.h. sich durch nachhaltige Bewirtschaftung an Bord autark versorgen. Wer mitsegeln möchte, soll Kontakt aufnehmen.
Dann man tau!

22.09.16 Traditionsschiffe in Gefahr

Da braut sich was zusammen: Dunkle Wolken über alten Seglern
Foto: rho spuerbar






















Ein Skipper bringt es auf den Punkt "Die müssen was gegen uns haben" lautet sein Resumée auf den Anlass für die augenblickliche Erregungswelle in der die Gemüter der Traditionsschiffer hochgehen. Das Flensburger Tageblatt widmete heute dem Thema gar zum zweiten Mal in acht Tagen einen mehrspaltigen Artikel. Der Titel des ersten drückte "Sorge um Traditionsschiffe aus", der von heute legt deutlich zu "Ministerpläne gefährtden Alex & Co". Er endet mit der düsteren Prophezeiung: "Das maritime Erbe unseres Landes wird dann nur noch in Museen besichtigt werden können." Mit Alex ist natürlich ALEXANDRA gemeint, der museale Salondampfer aus Flensburg. Er hat einen besonders hohen Sympathiewert in der Region. Minister Dobrindt hat ihn nicht, er stammt aus Bayern.
Es ist nicht die erste Welle dieser Art. Vor vier Jahren ging schon einmal die See hoch, als das Oberlandesgericht Hamburg einem Traditionsschiffer klarmachte, "(Sein) Schiff (sei) "kein historisches Wasserfahrzeug, das hauptsächlich mit den Originalwerkstoffen im Original oder als Einzelnachbildung gebaut wurde". Das Gericht führte weiter aus "Insbesondere ist die Ausfüllung des Begriffes 'historische Wasserfahrzeuge' daran zu messen, ob es sich um Wasserfahrzeuge handelt, die in der Vergangenheit bereits existiert haben. Denn nur hinsichtlich solcher Fahrzeuge besteht, ... ein öffentliches insbesondere kulturelles Interesse an der Erhaltung und Präsentation in Fahrt." Mit einfachen Worten: Der persönliche Geschmack des Eigners oder sein Nutzungskonzept reicht nicht, um die geforderte Historizität nachzuweisen. Tatsächlich entsprachen viele Schiffe nicht zweifelsfrei dieser Anforderung.

Gleichwohl sind die Traditionsschiffe Publikumsmagnet auf den einschlägigen Veranstaltungen der Hafenstädte von Greifswald bis Leer. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und so erregten sich mit den Schiffseignern auch Regionalpolitiker. Schließlich sah sich das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastuktur genötigt, die Richtlinie zu überarbeiten und zu präzisieren. Der Entwurf liegt vor, die neue Richtlinie soll ab Januar 2017 in Kraft treten. 

Von neuen Vorgaben für das historische Erscheinungsbild der alten Segel- und Motorschiffe ist in den Zeitungsberichten jedoch nicht die Rede. In dem jetzt für Empörung sorgenden Entwurf ist stattdessen die Sicherheit das zentrale Thema. Der Zeitungsartikel legt nahe, dass die Schiffe, finanziell ohnehin meist am Limit segelnd, ihren Betrieb einstellen müssten. Und tatsächlich werden Forderungen bekannt, die einen hohen finanziellen Aufwand nach sich ziehen. Zusätzliche Sicherheitsausrüstungen, periodische Schulungen, Zertifizierungen... das volle Programm aus dem Repertoire der Bürokratie, wenn es darum geht Menschen vor sich selbst zu schützen. Im Ergebnis kämen die Auflagen jetzt denen für die Berufsschiffahrt sehr nahe. Während diese jedoch zum Ausgleich Gewinne einfahren darf, dürfen Traditionsschiffe nur für den Erhalt der Schiffe Geld einnehmen

Dazu muss man sich erinnern, dass die Forderung nach dem historischen Erscheinungsbild im Kern dadurch begründet ist, dass die - gegenüber der Berufsschifffahrt niedrigeren - Anforderungen an Ausrüstung und Qualifikation einen Kostenvorteil der Traditionsschiffe bedeutet. Die Novelle lässt nun diesen Vorteil schrumpfen. Im Ergebnis könnte die Kombination von Historizität und Sicherheit manchen, wenn nicht sogar vielen Traditionsschiffen den Garaus bereiten. 
Die Forderung nach dem historischen Erscheinungsbild ist nachvollziehbar - schließlich sollen Zeugnisse maritimer Kultur bewahrt werden. Bei der Sicherheitsanforderung liegen die Dinge jedoch anders. Selbstverständlich müssen die Menschen an Bord zuverlässig vor Gefahren geschützt werden. Dazu braucht es aber nicht in jedem Fall höhere materielle Ausstattung und höhere bürokratische Hürden. Ein Skipper fragte sich heute, wozu er Ausrüstungen für Hochseefahrt nachweisen müssen, wo er doch mit Gästen immer nur in geschützten Gewässern fahre und warum eine nach Fahrgebiet abgestufte Ausrüstung und Ausbildung nicht vorgesehen ist. 

Vollends unverständlich werden Forderungen in dem Entwurf, die dem Erhalt historischer Schiffe zuwider laufen. Dazu gehört beispielsweise, dass in hölzerne Schiffe Schottwände aus Stahl (zusätzlich) einzubauen sind. Das allein wird nicht nur wegen der immensen Kosten das Ende vieler Schiffe bedeuten. Sie wären, wenn der Umbau konstruktiv überhaupt möglich ist, anschließend keine Traditionsschiffe im Sinn der selben Verordnung mehr. 

Erstaunlich ist auch, dass die Stoßrichtung der Novelle erst jetzt, kurz vor Ultimo bekannt wird. Hat das Bundesministrium die Angelegenheit so lange als geheim klassifiziert, oder hat man einfach zu wenig miteinander geredet? 

21.09.16 Gut Ding...

... will Weile haben und gut soll ABSALON werden. Gestern traf mal wieder ein Lebenszeichen der unverdrossenen Crew um das mittlerweile 113 Jahre alte Isefjordboot ein. Seit fast einer Dekade ist der Veteran nicht mehr in Flensburg gesehen worden. Er hat nämlich in Hamburg seinen Jungbrunnen gefunden. Der verspricht: "Wer jünger wird, ist länger alt." Das Versprechen wirkt: ABSALON ist während der Verjüngungskur nun schon fast zehn Jahre älter geworden. Wir wünschen weiterhin "Eile mit Weile!"


Noch ist die Bilge gut belüftet
Fotos. Stephan Kufeke
Aber nicht mehr lange
   











Die Bilder bekamen wir von Stephan Kufeke. Herzlichen Dank an dieser Stelle. Der Begleittext ist wieder von erfrischender Kürze: "Stand der Dinge" mit dem hilfreichen Zusatz "es geht stetig voran". Stimmt: Hier der Stand die Dinge von vor drei Monaten.

19.09.16 ex FS FLENSBURG auf Grund gelaufen

NOORDERLICHT (ex FS KALKGRUNG II, ex GFS FLENSBURG)
Foto: Rolf Stange www.spitzbergen.de
Feuerschiffe: Sie sollten einst andere Schiffe vor Untiefen warnen und vor Gefahren schützen. Dann wurden sie durch Leuchttürme und andere Seezeichen ersetzt. Gestern Abend hätte dem ehemaligen Feuerschiff FLENSBURG ein warnendes Licht erspart, selbst bei Dunkelheit auf Grund zu laufen.

Wie das auf Seenotfälle  spezialisierte Internetportal esys berichtet, ist der Zweimastschoner NOORDERLICHT (ex FS FLENSBURG) bei Tryghammna (Spitzbergen) mit 23 Personen an Bord auf Grund gelaufen. Der 106 Jahre alte Segler musste freigeschleppt werden. Menschen kamen nicht zu Schaden und auch das Schiff scheint die Havarie ohne größere Schäden überstanden zu haben.

Die NOORDERLICHT wurde im Jahr 1910 im Auftrag der deutschen Marine als
FS FLENSBURG im Jahr 1960
Foto: Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln 2013
Feuerschiff für den Einsatz an der Untiefe Kalkgrund in der Geltinger Bucht von der Flensburger Schiffbau Gesellschaft gebaut und auf den Namen KALKGRUNF II getauft. Es löste das Feuerschiff KALK GRUND ab, das seit 1876 eine Seemeile weiter südlich auf Station lag. Wie zu der Zeit üblich, wurde der Rumpf entsprechend einem Segelschiff gebaut. Das Rigg entsprach im Gundsatz dem eines Dreimastschoners. Im Jahr 1925 wurde das Schiff auf den Namen FLENSBURG umgetauft. Während des zweiten Weltkrieges wurde der Großmast entfernt um auf dem Deck Platz für einen Aufbau zu gewinnen. Anfang der fünfziger Jahre wurde FS FLENSBURG um sechs Meter verlängert. 1963 wurde das Feuerschiff außer Dienst gestellt, war dann schwimmende Unterkunft für Gastarbeiter, ab 1968 Klubheim für die Segelkameradschaft Möltenort bis sie 1986 nach Holland verkauft wurde.

1992 wechselte sie erneut ihren Besitzer und wurde zu einem Schoner für Charterfahrten umgebaut, 2004 mit Eisschutz versehen und für Expeditions- und Kreuzfahrten um Spitzbergen eingesetzt.