16.02.18 Noch 86 Tage

Chalupy KNIPDUL aus Danzig
Vorgestern hat sich die Lokalzeitung zu dem wahrhaft entusiastischen Satz hinreißen lassen "Das war ein Wetter wie ein Geschenk"! Und, in der Tat, das Sonnenlicht war so hinreissend hell, wie man es sonst nur aus sehr hohen Breitengraden und aus dem tiefsten Süden kennt. Da wurde klar, dass der Winter seinen Höhepunkt erreicht hat und dass der Frühling nicht mehr weit entfernt ist. Auch wenn es gestern noch einmal einen Rückfall in kaltes, feuchtes und graues Wetter gab: Heute schien die Sonne schon wieder kräftiger und, besser noch, sie schien auch wieder deutlich länger. 
Da zeigt ein Blick auf den Kalender: Es sind nur noch 86 Tage bis zur Rumregatta. Wie beliebt dieses Treffen der traditionellen Gebrauchssegler bei Enthusiasten von nah und fern ist, konnten wir auch auf der Facebook-Seite von "Kapitan Ryszard Knipdul Grabowski" lesen:
"Rum Regatta 2018 in Flensburg. In diesem Jahr kommen drei Boote von der Kaschubei: JULK von Jack Strucka. EPLONGA von Jedrusia Treppy und meine KNIPDUL aus der Hand von Aleksander Celarek. Schöne Party. Es gibt etwa 130 Einheiten von Fregatten bis zu kleinen Booten wie unsere. ... Sehr empfehlenswert. Es ist die größte Regatta in der Ostsee. Ich gehe zum dritten mal dorthin." (Übersetzung von Google aus dem polnischen)
So hört sich Begeisterung an! Dabei kommt Ryszar mit seinem Boot von weit her, aus der Kaschubei. Das ist ein ist ein "Landstrich in Pommerellen in Polen, westlich und südwestlich der Städte Danzig und Gdingen (Gdynia), in der Kaschubisch gesprochen wird." (Wikipedia). Dort baut man sehr bemerkenswerte Fischerboote, die sich hervorragend segeln lassen. Die erwähnte KNIPDUL zeichnet sich  durch zwei nebeneinader angebrachte Schächte für das Schwert aus. Sie sind gegen die Mittschiffsebene geneigt. Dadurch kann die Lateralfläche vergrößter werden, wenn das Boot gekrängt ist. Das ist derselbe Effekt wie bei den Schwenkkielen an Regattajachten. Entsprechend schnell wird KNIPDUL gesegelt. Sie ging bei der letzten Lüttfischer-Regatta mit 15 Minuten Vorsprung als erste über die Linie.

Wer sich ein wenig auf dieses große Treffen der ehemaligen Gebrauchssegler der Ostsee einstimmen möchte: Voilà . hier gibts (nahezu) täglich ein Bild von dieser schönen Veranstaltung.

08.02.18 Rolling at home



Kaum ein Shanty, das die Seele eines Traditionsseglers mehr anspricht, als das berühmte Lied der Leute zur See:  Rolling home. Es besingt die Sehnsucht englischer Seeleute auf Australienfahrt nach der Heimat und den Lieben, die dort warten.
Das ist für den durchschnittlichen Traditionssegler allerdings eine etwas übertriebene Emotion. Erstens ist er oder sie höchstens wenige Tage von den Liebsten getrennt und wenn doch, dann liegen weder Kap Hoorn noch die Rossbreiten vor der Heimkehr "when the gray dawn brings the light" .
Erklingen diese wehmütigen Strophen heutzutage, hat es oft mehr mit einem gehörigen "Sjluck ausse Pulle" zu tun. Was dann zwangsläufig zu einem ausgeprägten rolling on the way home führt. Heißt doch "rolling" zu deutsch "schlingernd" oder "schwankend". Das ist, wie man seit Konfuzius weiß, auch eine Frage von Maß und Mitte. Womit wir sogleich bei der Frage sind, wie viel ist zuviel?
Diese Frage stellt sich nicht nur an Jan und Jenny Maat, sondern auch an den Schipper, wenn es um sein Schiff geht. Denn schwankt das gute Stück zu sehr, könnte es an seinen Punkt ohne Wiederkehr kommen. Das nennt man dann kentern. Früher hier - und heute noch in anderen Breiten - gingen viele Schiffe und noch mehr Menschenleben verloren, weil sich Schiffe so weit zur Seite überlegten, bis sie sich nicht mehr selbsttätig aufrichten konnten und sanken.
Traditionsschiffe kentern eher selten. Das liegt  daran, dass für die Freigabe ein amtlicher Krängungstest vorgeschrieben ist, der zusammen mit Stabilitätsberechnungen ausreichende Sicherheit feststellen soll.
Heute konnten wir beobachten, wie für den Finkenwärder Kutter-Ewer PROVIDENTIA der Ostseeschule in Flensburg diese Krängungsmessung durchgeführt wurde. Laienhaft, wie wir sind. hatten wir spektakuläre Maßnahmen erwartet. Eine Überlegung war, dass die Masten so weit zum Wasser heruntergezogen würden, bis die Seitendecks überflutet sind. Davon keine Spur. Die Wirklichkeit ist viel profaner. Bevor wir kamen, und bereits bei einem früherern Werftaufenthalt, war die Form des Rumpfes durch Lasermessung genau in Bits und Bytes erfasst worden. Jetzt musste "nur" noch erfasst werden, wie sehr der Rumpf  bei einseitig aufgebrachter Deckslast krängt.
















Als wir kamen hing bereits ein Lot an dünner Leine mittschiffs über Deck befestigt in den
Rumpf hinab. Im Inneren des Schiffes zeigte die Spitze des Lots auf eine Holzleiste, die bereits eine Markierung für die neutrale Lage, also Krängung Null, enthielt. An Deck standen auf beiden Seiten unterschiedliche Gewichte von je 50 kg und zwei von 500 kg (geschätzt). Ein Kran hob sie von einer Seite auf die andere und anschließend wurde unter Deck gemessen wie weit das Lot auswanderte. "Nicht mehr als drei Grad" lautete die Vorgabe, bei größerer Änderung seien die Messwerte unbrauchbar.
Hätten wir gefragt, hätten wir sicherlich auch eine gute Auskunft bekommen wie das zusammenhängt. Aber so neugierig waren wir heute nicht. Vermutlich hätten wir uns sonst auch in die Mysterien der Berechnung komplex geformter Flächen, von Gewichtsschwerpunkten, Metazentren und Auftriebsschwerpunkten und soweiter einarbeiten sollen. Wen's interessiert: Die einschlägigen Artikel in Wikipedia sind gut verständlich verfasst, besser als wir es an dieser Stelle wiedergeben könnten.
Kurz und gut: Ein Ergebnis eines Computerprogramms, das mit den Messungen gefüttert wird, sieht dann aus wie die hier gezeigte Stabilitäskurve. Was sie aussagt: Sie zeigt, wie groß die Kraft ist, die den Rumpf aufrichtet. Dort, wo die Kurve die Horizontale schneidet, ist diese Kraft nicht wirksam. Das ist einmal  bei dem Winkel 0° Krängung und, wie in dem Beispiel hier, bei 64°. Bei dem "statischen Kenterwinkel" beginnt sowas wie die Stabilitätsreserve für heftige Böen. Die sollte man wohl besser für den Fall der Fälle schonen. Aufrecht segelt es sich ohnehin schneller - auch wenn es nicht so schön dramatisch aussieht.


GZ-Kurve mit Kenterwinkeln
Quelle: 

05.02.18 Hochzeit

Zwei Schwerewichtler im Einsatz: Links TALKLIFT 4 und rechts MATADOR 3, beide aus den Niederlanden.
Am späten Vormittag wird ein Teil der Aufbauten in Position gebracht ....

... während am Harniskai das nächste Segment bereit liegt.
Eigentlich hätte es schon erledigt sein sollen. Doch der Rumpf der Ropax-Fähre  W.B. YEATS, des bisher größten Neubaus der FSG und zwei riesige Schwimmkräne mit zusammen rund 4000 Tonnen Hubkraft und die notwendigen Bugsierschlepper mussten warten, bis sich das stürmische Wetter beruhigt hatte um die bevorstehende Präzisionsarbeit nicht durch Wellenschlag und Böen zu stören. Die separat gebauten Aufbauten sollten passgenau abgesetzt werden, um alle Leitungs- und Lüftungsschächte miteinander verbinden zu können. Wenn nicht, wäre alle Sorgfalt und Genauigkeit in der Fertigung für die Katz, wie man so sagt.
Heute Vormittag war es endlich so weit. Nach Tagen hatte der Wind über Nacht nachgelassen. Um 11 Uhr schwebte der Aufbau, getragen von den beiden Kränen über dem Schiffsrumpf.
Währenddessen wartet am Harniskai bereits ein weiterer Teil der Aufbauten auf die Montage. Insgesamt werden drei Sektionen verbaut. Sie sollen u.a. die Kajüten für Passagiere aufnehmen. Im Rumpf sollen 1200 PKW und 150 LKW-Trailer Platz finden.

P.S: morgen, am 06.02.18 wird ein Bericht über die "Hochzeit" im Schleswig-Holstein-Magazin des NDR ausgestrahlt.

02.02.18 Noch 100 Tage

Kinder, wie die Zeit vergeht! Heute trennen uns nur noch 100 Tage von der nächsten, der 39. Rum-Regatta. Am 12. Mai gehen die Teilnehmer der traditionellen jährlichen Wettfahrt ehemaliger segelnder Gebrauchsfahrzeuge an den Start, um in der legendären Spaßregatta auf der Flensburger Förde auf Platz und Sieg  zu segeln. Zwar gibt es noch kein offizielles Veranstaltungsprogramm, aber wer darauf wettet, dass der Zweite an der Ziellinie den begehrtesten Preis erhält, wird vermutlich genau so sicher richtig liegen, wie mit der Annahme, dass der Erste einen Ulk-Preis bekommen wird. So war es nun schon 38-mal und bei der 39. Rum-Regatta wird man es sicherlich nicht ändern.
Soweit zu den Sicherheiten. Nicht so sicher ist, welches Wetter uns Petrus in diesem Jahr bescheren wird. Bekanntlich ist der Frühling dann mal gerade zur Hälfte vorbei; es ist also nicht mehr Winter, aber auch noch nicht Sommer. Petrus kann sich daher sowohl aus dem Repertoire der Frühlingsstürme als auch der sommerlichen Hochdrucklagen bedienen. Deshalb hat es immer wieder auch mal extreme Wetter gegeben, von Flaute bis zu Orkanböen. Ausgefallen ist die Regatta  bisher aber nie.
Die meisten Teilnehmer - in den letzten Jahren waren es meist irgendwo über 100 und unter 150 große und kleine Gaffelsegler - kommen von weit her und deshalb hat sich zusätzlich die "Fjordregatta" etabliert, in der die Gäste am Vortag aus Sonderborg kommend anreisen. Nur die kleinsten kommen teilweise über Land. Die Schiffstypen der Teilnehmer sind sehr vielfältig; auch das macht den Reiz der Veranstaltung aus. Neben kleinen Beibooten, Fischerbooten von der Ostsee und aus Norwegen kommen Repliken von Wikingerbooten, Originale und Nachbauten von Spitzgattern, Jagten, Kuffen, Smaks, Rahsegler, ... eine Augenweide für Freunde traditioneller Segelschiffe.  Sie alle folgen dem Rat: "Lieber heil und (als) zweiter (ankommen) als kaputt und breiter" - was immer das heißen soll -  egal. ist ja schließlich eine "unernste Geschwaderfahrt". Dem entsprechend ist die Stimmung durchweg ausgelassen und heiter. Dazu tragen auch die Musiker bei, die mit "handgemachten" Klängen ein fröhliches Flair erzeugen. Lautsprecheranlagen gibt es nicht - sie wurden bisher auch nicht vermisst.
 
Weil heute kaltes und schmuddeliges Winterwetter geboten wird, hier zur Einstimmung ein Video von der letzten Rum-Regatta: 



Video: Tallship (Youtube)


Wer dann noch immer nicht genügend Bilder von der Rumregatta gesehen hat: Hier gibt es heute weitere 236.  Und täglich kommt ei  weiteres hinzu. Viel Vergnügen!

30.01.18 Fundstücke

Ein Hauch von Vor-Frühling in der Luft, Sonnenschein  über Flensburg. Starkwind und Regenschauern machen heute Pause. Ideal für einen Hafenspaziergang.

Auf  Bohlwerk und der Schiffbrücke-Pier werden Polizeitaucher fündig. Was da nicht alles im Wasser landet! Geldkassetten, ein  kleiner Safe, ein Handwagen, ein Fahrrad, eine Nationale am Flaggenstock ... Kein Wunder, denn wohin mit Überzähligem? Für gebrauchte Taschentücher oder leere Zigarettenpackungen gibt's am Hafen genügend viele Abfallbehälter. Dabei könnte man sowas leicht zuhause in den Müll werfen. Aber wenn man plötzlich, sagen wir mal,  ein Fahrrad zuviel hat? Passt in keinen Papierkorb. Wie praktisch ist dann ein Hafenbecken. Schließlich will man keinen Müll hinterlassen. Und die Polizeitaucher freuen sich immer wieder über eine Übung, sowas hält fit.

Ist das schon Kunst, oder kann das noch weg?
Nichts bleibt unbeobachtet.











JONNY - schon wieder brauchbar.
RYVAR  - bald wieder brauchbar!












Manche Boote warten unter Winterplanen auf das Frühjahr. Teils voll, teils spärlich, andere nur minimal verschleiert.
WIEBKE BOHLEN im Shador
PIROLA, DAGMA AAEN, BODIL unverschleiert










OLINE mit Burka
FULVIA mit Nikab














Der Harniskai ist für die besondere Ästhetik einer Hafenlandschaft immer eine gute Fundgrube.
Ein Schwimmkran aus Holland, davor Schlepper
DELFI aus Finnland
Schüttgutgut auf der "Europawiese" 












Plakattext passend zu GRETEL gefunden:
"Für reine Lebensfreude, Baulust, Wohnart, Lifestyle" 
MISTRAL mit Burka