30.08.12 Kongelig Classic I.

Wieder einmal beginnt in Flensburg ein wunderbares Seglerfest. Heute wurde die "Kongelig Classic" eröffnet, eine Regatta zur Erinnerung an die erste Regatta in der westlichen Ostsee. Das war 1855 und zwar in Flensburg.
spielerisch
Wer sich heute an der Hafenkante bewegte, auf dem Gelände des Historischen Hafens, wurde mit einer angenehmen Stimmung und einem zauberhaft schönen Sonnenlicht belohnt. Hunderte Menschen waren gekommen um die Gäste zu sehen, die mit klassischen Jachten, mit ehrwürdigen ehemaligen Berufsseglern oder sogar mit einer großen Brigg und dänischen Galeassen angereist waren. Dazu die flotten Klänge einer Jazzband, die mit Dixieland und klassischem Blues aufspielten. Kinder probten ihre Kräfte im Vergleich von Winschen, Taljen und einem frühzeitlichen Spill. Wer konnte den Schlitten mit der Freundin oder dem Freund schneller  bewegen? Eine Gaudi für Jung und alt.


honorabel
Sogar unser Oberbürgermeister ist gekommen um die Gäste der Kongelig Classic zu begüßen. Er ging auch kurz auf die Entscheidung gegen die gemeinsame Bewerbung von Apenrade, Sonderburg, Nordfriesland und dem Kreis Schleswig-Flensburg zur europäischen Kulturregion ein. Man kann ihm nur zustimmen, in dem er sinngemäß sagt, durch diese Entscheidung könne man vor Ort viel unbeschwerter das entscheiden, was hier bedeutsam ist und müsse sich nicht nach den von Brüssel vorgegeben Kriterien leiten lassen.
vergnüglich
Das macht diese neue Hafenfest (nein, es ist kein event, dafür ist es zu schön!) so sympathisch und familiär. Denn letztlich sind wir doch alle aus der selben Familie der Schiffsfreunde, der Wasserfreunde und der Hafenfreunde in dieser bezaubernden Hafen- Grenzstadt.
 
Morgen wird die erste der drei Regatten starten, um elf Uhr in der Wasserslebener Bucht. Sie führt nach Sonderburg, gleich hinter der Grenze, knapp 20 sm entfernt. Dort wartet ein weiteres Hafenfest. Tags drauf geht es nach Apenrade wo die Regatta mit einem großen Abschlußfest enden wird.

Die Wetteraussichten sind gemischt, teils Regen, teils Sonnenschein. Aber wie sagt man: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern höchstens unpassende Kleidung. Der Wind soll schwach bis mäßig wehen. Wir lassen und überraschen.
PS: Diese Seite wurde erst heute mit Fotos aktualisiert, am Donnerstag, dem 30.08.12 versagte irgendein System und deshalb konnten keine Bilder geladen werden. Das ist nun hier nachgeholt.

30.08.12 Vergangenheitsbewältigung

Ein besonderes, ein dunkles Kapitel der Flensburger Geschichte wird im Schifffahrtsmuseum seit seiner Wiedereröffnung herausgestellt. Ihm sind eigens Räume im neuen Gebäude der ehemaligen Provinzialversicherung gewidmet.

Am 09. September wird in einer Veranstaltung der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel das Thema auch darstellerisch aufgearbeitet. Hierzu die aktuelle Ankündigung:


26.08.12 Bereitet sich IKEA auf Flensburg vor?

Die Museumswerft hat anscheinend einen sagenhaften Coup gelandet. Wer hätte schon gedacht, dass zeitgleich mit der Pressemitteilung von gestern über die angepeilte Zusammenarbeit der Stadt Flensburg mit der IKEA Tochter "IKEA Landprop" das Unternehmen jetzt aktuell eine Stoffkollektion für Vorhänge des anvisierten Studentenwohnheims herausbringt. Sie sind für die Räume der Studenten der Fachrichtung Schiffbau geeignet. Das Muster mit dem Namen "Benzy Skepp" ist aus den verschiedenen Vorlagen komponiert, nach denen zur Zeit auf der Museumswerft das Modell der FORENING gebaut wird. Unter anderen können Schiffshistoriker auch die URANUS identifizieren.
Es ist zu vermuten, daß IKEA im Gegenzug als Sponsor für den Bau der FORENING auftreten wird, zumal Fundraising ein Hauptzweck des Projektes FORENING ist, so die Werftleitung in der öffentlichen Darstellung in diesem Jahr (wir berichteten am 15. Mai 2012 darüber).


Hier nun der Entwurf aus dem neuesten Internet-Katalog von IKEA. Der Stoff wird auch der breiten Öffentlichkeit zum Meterpreis von sieben Euro angeboten (IKEA Family-Mitglieder: sechs Euro):

26.08.12 Die ersten Gäste der Kongelig Classic

Wie bei jeder größeren Veranstaltung kommen die ersten Teilnehmer bereits einige Tage vor dem eigentlichen Beginn. So auch bei der Kongelig Classic. Sie beginnt am Donnerstag und die Gäste werden um 16.00 Uhr erwartet. Tatsächlich kommen einige schon Tage vorher, weil die Eigner und Besatzungen durch ihren Beruf oder andere Verpflichtungen die Anreise nicht anders organisieren können, oder weil sie ein Wetterrisiko auf jeden Fall vermeiden möchten. Aus welchem Grund auch immer sie hier jetzt schon einlaufen: Herzlich willkommen zu der ersten Veranstaltung aus diesem Anlass. Zur Erinnerung: Am 6. September 1855 fand die erste Regatta in diesen Gewässern statt. Sie führte von Flensburg über Sonderburg nach Appenrade. Und das sind auch die Etappen der diesjährigen Gedächtnis Regatta.

Einige Schiffe können nur teilnehmen, wenn sie genügend zahlende Gäste finden, die einzelne oder alle Etappen mitsegeln möchten. Hier ist bekannt  FULVIA, PIROLA und SKYTHIA haben noch Plätze frei. Wer interessiert ist, meldet sich am besten unmittelbar bei den Skippern im Museumshafen. Viel Erfolg! Vielleicht sehen wir uns auf der Regattabahn wieder.

26.08.12 Relativ gutes Wetter

Alles ist relativ. Wer in der letzten Woche noch über die "unerträgliche Hitze" klagte, jammert heute,  dass der Sommer eigentlich schon vorbei ist und fragt, wie Meno Schrader in der Wochenendbeilage des Flensburger Tageblatt schreibt: "Kommt da noch was?"
Das Wetter ist nun mal so wie es ist. So wie je nach Sichtweise das Glas entweder halb voll oder halb leer ist, kommt es auch beim Wetter auf den Standpunkt an. Aus Sicht des Hochsommers ist das Wetter schlecht.  Aus Sicht des Winters ist es gut. Darum sei daran erinnert, ab heute sind es

nur noch vier Monate bis zum Grogtörn!


Bohlwerk im Dezember 2010

25.08.12 Drachensaat



An Land drängen sich die Zuschauer zwischen der Hafenkante und Jahrmarktsbuden. Die Firmen der Teilnehmer werben für ihre Produkte und Leistungen, dazwischen Crews die das Rennen noch vor sich haben. Sie sind leicht an ihrer einheitlichen Kleidung zu erkennen und daran, dass sie immer engen Zusammenhalt suchen. Lustig gekleidete Werber verteilen kleine Geschenke an Kinder und ältere Passanten. 

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Heute geht die Saat auf. Seit Tagen haben sich die Teams der Drachenboote auf das Rennen vorbereitet, haben sich unzählige Male mit "Are you ready? Attention! Go!" anfeuern lassen um dann SYNCHRON den Oberkörper nach vorne zu schleudern, das Paddel SENKRECHT in das Wasser zu stechen um es sofort mit VOLLER KRAFT nach hinten zu reissen um es schließlich SENKRECHT, ohne Spritzer, aus dem Wasser zu ziehen, worauf der Zyklus von auf's Neue beginnt. Für den richtigen Takt sorgt der Trommler im Bug des schlanken Bootes, im Heck steht der Steuermann. 

Auf den Start kommt es an. Dann, wenn das Boot auf Renngeschwindigkeit beschleunigt, ist die Schlagzahl am höchsten. Wer jetzt führt, gewinnt mit hoher Wahrscheinlichkeit. Bum - bum - bum dröhnt die Trommel, und das Boot ruckt mit jedem bum ein paar Meter voran.

An der Pier liegen Ausflugsschiffe und Traditionssegler. Einige Schiffe nehmen Zuschauer an Bord, andere Bootscrews. An den Bordwänden flattern Werbebanner im Wind. Der Tag beginnt trüb und mit leisem Nieselregen. Später wird die Sonne durch den Hochnebel dringen und die Szenerie in gleißendes Spätsommerlicht tauchen und in eine heiter gelassene Stimmung versetzen. Ein Drachenboot Typ "Wikinger" setzt einen ironischen Akzent. 

Was für eine wunderbare Paarung: Wettkampf und Gelassenheit, Fantasie und Disziplin. Ein schöner Tag für Flensburg. Ein schöner Tag in Flensburg. Ein schöner Tag.

24.08.12 Häfen wie früher

Heute kam ein Hinweis von der Crew der WILLOW WREN, einer viktorianischen Yawl von 1886. Das Schiff, so hieß es, habe jetzt den selben Antrieb wie zur Zeit seiner Indienststellung, nämlich nur die Segel. Der Motor bekomme derzeit eine Verjüngungskur. Das könnte man ja mal in den Hafenmeldungen ansprechen. Das ist hiermit geschehen.

Im Jahr 1886, als die meisten Segelschiffe keine Antriebsmaschine  hatten, unterschieden sich die Bedingungen für das Manövrieren in Häfen vollkommen von denen heute. Mittlerweile segeln fast nur noch Jollen oder Folkeboote in Häfen bis an den Liegeplatz. Früher war das auch bei größeren Schiffen üblich. 

Aber auch damals galt: Sicher ist sicher. Wenn die Windverhältnisse ungünstig waren, mußte man vor dem Hafen oder in der Nähe vor Anker warten. Manche Häfen hatten in Reihe stehende "Verholdalben", an denen man sich Stück für Stück in den Hafen hinein holen konnte, wie mit einem "Warpanker". Viele Häfen, die heute eng zugebaut sind mit Brücken, Stegen, Pfählen, waren früher eigentlich eher Ankerplätze mit einer Pier oder einem Bohlwerk, wie hier in Flensburg. An seichten Stellen lagen häufig Fischerboote, weil sie dort  leichter an Land gezogen werden konnten. Das war notwendig, um sie bei Hochwasser zu schützen, oder um sie zu reparieren, zu warten oder zu pflegen.

Größere Schiffe fanden Takeldalben, die von allen Seiten angelaufen werden konnten. Von dort aus wurden sie zu ihrem Liegeplatz gerudert oder mit Leinen gezogen. In größeren Häfen konnte auch geankert werden. Dann wurden die Segel am Anker schwoiend geborgen. Das sieht man heutzutage selbst in reinen Ankerbuchten nur sehr selten. 

Immer häufiger werden alte Langkieler mit einem Querstrahlruder ausgerüstet. Das wundert nicht, denn der  Schiffer eines Langkielers muss ziemlich trickreich vorgehen, um bei Seitenwind zielgenau rückwärts in eine Box zu fahren. Selbst erfahrene Rudergänger benötigen hierfür gelegentlich mehr als einen Anlauf.

Um auf WILLOW WREN zurückzukommen: Das Schiff kam 1984 erstmals mit zusätzlichem Maschinenantrieb in Fahrt. Weil der Achtersteven für die Aufnahme der Schraubenwelle zu schlank gebaut war, hat man das Wellenrohr auf der Steuerbordseite herausgeführt. Das genügt, um gut vorwärts vorankommen. Für Rückwärtsfahrt benötigt der mutige Mann an der Pinne jedoch eine gehörige Fahrtgeschwindigkeit, bis das Ruderblatt die für das Steuern notwendige Anströmung erhält. Bei Hafenmanövern werden gelegentlich Wetten abgeschlossen, wessen Blut beim Anblick zuerst gerinnt: Das der Besatzung, oder das der Zuschauer. Das zu der Frage warum die elegante Jacht inzwischen ein Bugstrahlruder hat. Denn auch heute gilt: sicher ist sicher.

24.08.12 Ausgeträumt

Heute kam die für viele erschreckende Nachricht: Aarhus (Dänemark) wird im Jahr 2017 Europas Kulturhauptstadt, gemeinsam mit einer noch zu bestimmenden Stadt auf Zypern. Und damit ist Sønderborg (Dänemark) aus dem Rennen. So das Ergebnis der international besetzten Jury. Sønderborg war gemeinsam mit der deutsch-dänischen Grenzregion Sønderjylland-Schleswig angetreten, zu der auch Flensburg gehört. Der Flensburger Oberbürgermeister Simon Faber war eigens zu der offiziellen Verkündigung geeilt. Er verwies seit seiner Kandidatur zum Amt immer auf seine besonders enge "Vernetzung" mit Dänemark. Vergebens. Es hat nicht sollen sein. Auch die Anwesenheit von unserem Ministerpräsidenten Torsten Albig und seiner Europaministerin (!) Anke Sporendonk konnten daran nichts mehr ändern. "Großes Finale an der Kaffetafel" titelte heute noch das Flensburger Tageblatt. Das stimmt weiterhin. Nur ist die Entscheidung anders ausgefallen als gehofft.

Mit dieser Entscheidung werden einige Projekte, die im Hinblick auf die grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit geplant waren, ein abruptes Ende finden, ein paar auch im maritimen Bereich. Und neue Ideen müssen erst garnicht mehr gesucht werden. Erst diese Woche kam ein öffentlicher Aufruf, man möge doch bitte Ideen für weitere Projekte einsenden. Es scheint nicht einfach zu sein, so viel Geld auszugeben. Nur gut, dass die Kongelig Classic in trockenen Tüchern ist, sonst müsste man sich für das Wochenende vom 30. August auf den 2. September doch glatt noch ein eigenes Ziel für einen Segelausflug ausdenken.

Aber es gibt auch eine positive Nachricht in der negativen: Zwei Millionen Euro Ausgaben bleiben der Landesregierung erspart. Vielleicht findet sich hierfür eine vernünftige Verwendung.

22.08.12 Paddeln statt daddeln

Teamtraining im Hafen
Wer in diesen Tagen abends in Hörweite des Hafens ist, vernimmt rhytmische Trommelschläge und laute Rufe: "Are you ready? Attention Go!" Flensburg bereitet sich auf den 9. Drachenboot-Cup vor. Am 25. August wetteifern in der  Hafenspitze mehr als 60 Mann- und Frauschaften der Flensburger Wirtschaftsjunioren auf der 250 Meter langen Bahn in 12,5 Meter  langen und 1,16 Meter breiten Drachenbooten mit bis zu 20 Aktiven um Platz und Sieg. Am Tag vorher gehen bis zu 12 Schülerteams unterschiedlicher Flensburger Schulen an den Start.
In diesem Jahr geht der Erlös des Drachenboot-Cup an den Bürgerfonds "Flensburg hilft". Er unterstützt Menschen in Notlagen. Über 300 Menschen konnte so im Jahr 2011 geholfen werden.

Die Termine:
  • 24.08. zwischen 9 und 14 Uhr            Schüler Drachenboot-Cup
  • 25.08. zwischen 10 und ca. 17 Uhr    9. Drachenboot-Cup 2012

21.08.12 Kaisers kleine Welt

Hier nun der zweite Bericht von der großen Modellschau des Modellclubs Flensburg e.V. am vergangenen Sonntag im  Hof des Schifffahrtsmuseum Flensburg. Der erste Bericht erschien am 19.08.12 unter dem Titel "Sommertag im Schifffahrtsmuseum".
Was wir im Zelt auf dem Hof zu sehen bekamen, war ein wirkliches Glanzlicht der schönen, aber leider wegen des Hochsommerwetters nur spärlich besuchten Schau: Die IG  KAISERLICHE MARINE präsentierte in einem 40 Quadratmeter und 3000 Liter großen Becken eine real/fiktive Hafenszenerie aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als das deutsche Kaiserreich nach Weltgeltung strebte, Kolonien "erwarb" um dadurch am Tisch der damaligen Weltmächte mitspielen zu dürfen. Die Kriegmarine spielte dabei eine entscheidende Rolle und die damit verbundenen Strategien trugen zum Ausbruch des ersten Weltkriegs bei aber auch schlussendlich zu den Matrosenaufständen und damit zur Demission von Kaiser Wilhelm II. Soweit zum historischen Hintergrund. Aber der war sicherlich nicht der Motor für die Begeisterung der durchweg gestandenen Männer, die das alles, was wir dort zu sehen bekamen, geplant, gebaut, getestet und unzähliche Male verbessert haben und, so ist zu vermuten, auch später immer wieder verbessern und ausbauen werden.
Da nur wenige Besucher kamen hatten wir Zeit, uns ausführlich zu erkundigen und wir bekamen bereitwillig Auskunft.
Es sind vornehmlich männliche Akademiker über dreissig, die in der IG KAISERLICHE MARINE zusammengeschlossen sind. Sie kennen sich seit langem, arbeiten unabhängig voneinander an ihren Modellen und bestreiten alla anfallenden Kosten selbst. Einer war früher professioneller Modellbauer, aber das Gewerbe stirbt aus. Heute werden Computermodelle eingesetzt, wo Firmen früher, speziell im Anlagenbau, reale Modelle in Auftrag gegeben haben. Leider vergaßen wir zu fragen, ob sich nicht auch Frauen für den Modellbau begeistern. Es fehlt an Nachwuchs, die jungen Leute spielen lieber am Computer.  Schade, aber wohl nicht zu ändern. Dabei wird ja erheblch mehr verlangt als der geschickte Umgang mit Material und Werkzeug. Allein die Recherche für den möglichst originalgetreuen Bau von Häusern, Schuppen, Eisenbahnen, Brücken, Krahnanlage und natürlich Schiffen erfordert sehr sorgfältige und detaillierte Arbeit. Das Diorama zeigt reale Gebäude, aber in einer fiktiven Zusammenstellung. Auch war die Ausdehnung des Werfthafens nicht ganz maßstäblich, hätten doch bereits die Kohlenhalden allein die gesamte für die Ausstellung verfügbare Fläche benötigt.


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Und das Ergebnis? Der kleine Film zeigt einige Passagen der ca. 45 Minuten dauernden Vorführung, die mit dem Stapellauf des Kleinen Kreuzers EMDEN abschloß. Zu diesem Anlass fuhr fuhr seine Majestät samt Entourage in zwei Sonderzügen vor, taufte Ihre Kaiserliche Hoheit Kaiserin Auguste Viktoria den Neubau mit einer frei (!) fliegenden Flasche unbekannten Inhalts, war eine komplette Infanterie- Kompanie aufmarschiert, bevölkerten die Honoratioren der Stände und die Arbeiter der Werft, insgesamt 1049 Figuren die Szenerie, während der Rumpf samt Schlitten ins Wasser glitt, seinen Anker fallen ließ und schlußendlich durch Hafenschlepper zum Ausrüstungskai bugsiert wurde.
Während dessen arbeiteten Reepschläger auf einer voll funktionsfähigen Seilschlägerbahn und ein Hund stürzte bellend aus seiner Hütte, weil er sich durch ein Pferdegespann gestört fühlte.
Viele liebevolle Details wären noch zu erwähnen, beispielsweise die Festmacherdalben im Wasser, die von winzigen Möwen (Maßstab 1:100) bevölkert waren. Die Bilder sprechen für sich. Insbesondere die Kinder waren komplett gefesselt und studierten ernsthaft und intensiv alles was sie erkennen konnten. Aber auch die Erwachsenen kamen auf ihre Kosten.
Es war ein wirklich besonderes Erlebnis. Herzlichen Dank an die Mitglieder der IG KAISERLICHE MARINE, die nach der Vorführung alles wieder abbauen, einpacken und in ihren PKW nach Hause fahren mussten. Sie sind hoffentlich gut angekommen.
Beim nächsten Mal werden wir gerne wieder kommen und uns ihre kleine Welt ansehen, die doch auch Ergebnis einer riesengroße Leistung ist.

Im Hauptgebäude des Schifffahrtsmuseums gab es weitere Modellschauen zu sehen; dazu kommt ein separater Bericht.




21.08.12 FORENING: jetzt wird's kritisch

Das Heck entsteht
Mittlerweile sind schon 22 Planken am Rumpf des Modells der Schnau-Brigg aus dem 18. Jahrhundert angeschlagen. Dieses Modell zu erstellen ist wichtig, denn hierbei soll erprobt werden, wie denn damals Schiffe im Einzelnen gebaut wurden. Schließlich gibt es nur wenige Unterlagen, und die schweigen sich über Details aus, die heute für einen Nachbau bedeutsam sind. Häufiger finden sich künstlerische Darstellungen. Von denen kann man als sicher gegeben annehmen, dass sie ihre reale Vorlage einigermaßen genau abbilden. Aber leider meist aus einem Blickwinkel, der die "kritischen" Stellen nicht zeigt. Darüber hinaus zeigen sie fast nie den Teil des Schiffes im Wasser. Und auf Einzelheiten der Konstruktion gehen sie gar nicht ein. Kurz und gut: das, was damals Schiffsbaumeister wussten und in ihrer Werft weitergaben, muß nun "nacherfunden" werden. Dabei stößt der Bootsbauer heute auf Fragen, für die es anscheinend keine Antwort gibt. Eine davon ist: Warum eigentlich hat man im Heckbereich die Planken dermaßen stark gebogen, wie es bei der FORENING den Quellen zufolge geschehen ist? War es die Tradition? Oder war es die Festigkeit des Bootskörpers? Wir wissen es derzeit einfach nicht. Jedenfalls ist es sehr aufwendig, Planken in der Stärke dieses Schiffes auf so engem Radius zu biegen. Denn auch bei Holz bester Qualität besteht die große Gefahr, dass die Planken brechen.
Baupläne der Schnau-Brigg
Beim Modell wurde jetzt ein Kunstgriff eingesetzt, indem die Planke vor der Montage im Bereich der stärksten Biegung parallel zu ihrer Oberfäche eingesägt wurde.
Noch sind nicht alle dieser Planken angeschlagen und die Stelle mit der stärksten Krümmung kommt erst noch dran. Fortsetzung folgt.

Frühere Berichte über das Projekt können über die Suchfunktion links oben in diesem Blog unter dem Stichwort "FORENING"  aufgerufen werden.

21.08.12 Otto Bjørn Leth ist gestorben

Heute kam die Nachricht vom Tod des langjährigen Begleiters der Rum-Regatta. Schon vor 33 Jahren, bei der ersten Veranstaltung, war er mit seinem Marstal Schoner, der BRITA LETH, unter den damals zwanzig Teilnehmern des mittlerweile fest etablierten Treffens traditioneller Segelschiffe der Ostseeküsten. Er und sein Schiff wirkten auch mit in verschiedenen Film- und anderen Kulturprojekten, in denen an die frühere Rolle Flensburgs in der Seefahrt erinnert wird.

Nun wird er nicht mehr dabei sein können, wenn sich die Traditionssegler in Flensburg oder irgendwo treffen. Und er wird Allen die ihn kannten fehlen.  

19.08.12 Sommertag im Schiffahrtsmuseum

Heute ist der heißeste Tag des Jahres und kein kühlender Hauch bringt der Stadt ein wenig Linderung. Die Schrecken der Hitze und der Flaute kannte auch schon Goethe:
Meeresstille
Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche rings umher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuren Weite
Reget keine Welle sich.

Heute ist auch zur Auslaufparade der Flensburg Nautics 2012 eingeladen. Bei diesem Wetter nicht eine der verführerischsten Verlockungen. Wurde nicht in der Zeitung ausdrücklich gewarnt, man solle sich bei der Hitze keiner größeren Belastung aussetzen? Dies wollen wir nicht leichtfertig in den Wind schlagen. Und überhaupt: welcher Wind ist denn da gemeint?

Heute hat Flensburg glücklicherweise mehr zu bieten als Schweiß und Sonnenbrand. Im Schifffahrtsmuseum stellen Modellbauer ihre Werke vor. Darunter soll auch eine komplette Hafenanlage der Zeit vor dem ersten Weltkrieg sein. Die wollen wir uns ansehen.
Aber bereits im Hof hinter dem alten Zollpackhaus, in dem jetzt das Schifffahrtsmuseum Flensburg residiert, bleiben wir stehen. Dort ist ein großes Wasserbecken und davor sitzen Männer bei der Arbeit. Oder doch nicht? Wenn sie denn arbeiten sollten, scheint es ihnen eine Menge Freude zu bereiten. Es sind Mitglieder eines Modellbau-Vereins, die hier ihre kleinen Kunstwerke in Aktion vorführen. Leider sind nur wenige Besucher gekommen. Bei dem Hochsommerwetter sind sicher viele Menschen, insbesondere Familien mit Kindern an die schönen Strände Flensburgs gefahren.
So, nun ist es genug der Worte, es folgt ein kurzer Eindruck von der Vorführung.



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Das Diorama des historischen Hafens haben wir uns anschließend angesehen. Es ist so vielgestaltig, dass es einen eigenen Bericht verdient. Er erscheint in den nächsten Tagen.

20.08.12 Traditionschiffer aufgepasst!

Eigner und Schipper von Traditionsschiffen werden unruhig. Einem Schiff wurde die vorläufige Anerkennung als Traditionsschiff nicht endgültig zuerkannt. Wenn  das Schule mache, so die Befürchtung, werde es bald keine Traditionssegler mehr geben. Zumindest nicht solche, wie wir sie bislang auf der Nord- und Ostsee und in den Häfen gerne sehen.

Da lohnt die Suche nach den Gründen. Welche es, bezogen auf dieses Schiff, waren, ist hier nicht bekannt, wenn man von der kolportierten Wehklage absieht.

Bekannt jedoch ist ein Spruch des Oberverwaltungsgerichtes Hamburg in einem Einspruchsverfahren aus dem Jahr 2009. Er gibt einigen Aufschluß, welche Gründe bei ehemaligen Frachtseglern über 25 Metern Länge gelten, die nach 1965 zur Beförderung von mehr als zwölf Personen so umgebaut wurden, dass ihr "charakteristisches Erscheinungsbild nicht mehr in hinreichender Weise erhalten (ist)".

Es ist der Beschluß des ersten Senats des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichtes vom 08.10.2009, 1 Bs 174/09
§ 1 Abs 3 SportSeeSchV, § 5 SchSG, EGRL 45/2009.
Der vollständige Text kann in der Datenbank des OVG Hamburg nachgelesen werden.

Entfernt man mal alle für Juristen wichtigen Bezüge auf Richtlinien und Erlasse aus dem Text, um ihn lesbarer zu machen, ergibt sich folgende Geschichte:

Es ist der Fall eines aus Stahl gebauten Frachtsegler aus dem Jahr 1930 von rund 27 Metern Länge. Sein Rumpf und die Antriebsmaschine sind, wie in dem Spruch beschrieben, " im wesentlichen im Originalzustand". Dem Schiff wurden nach Außerdienststellung 1983 zwei andere Masten aufgesetzt, 13 Kabinen für Passagiere eingebaut, sowie zwei ursprünglich nicht vorhandene Deckshäuser aufgesetzt, "von denen das hintere als Kombüse, das vordere dem Schutz der Passagiere dient".
Daraus folgert das Gericht: Das Schiff ist "kein historisches Wasserfahrzeug, das hauptsächlich mit den Originalwerkstoffen im Original oder als Einzelnachbildung gebaut wurde".
Weiter heisst es: "Infolge der Umbauten ist die Ursprungsform des Schiffes als Frachtsegler mit dem für seinen historischen Verwendungszweck charakteristischen Erscheinungsbild nicht mehr in hinreichender Weise erhalten".
Es sei unerheblich, dass "die Antragsgegnerin (hier die SeeBG) bei der Auslegung des Begriffes 'historische Wasserfahrzeuge' ... in der Vergangenheit und hinsichtlich der Beurteilung anderer Schiffe sehr großzügig verfahren sei.

Das Gericht führt aus: "Insbesondere ist die Ausfüllung des Begriffes 'historische Wasserfahrzeuge' daran zu messen, ob es sich um Wasserfahrzeuge handelt, die in der Vergangenheit bereits existiert haben. Denn nur hinsichtlich solcher Fahrzeuge besteht, wie von § 1 Abs. 3 SportSeeSchV gefordert, ein öffentliches insbesondere kulturelles Interesse an der Erhaltung und Präsentation in Fahrt."
Das wird begründet, denn, so das Gericht "Die Erhaltung historischer Wasserfahrzeuge dient der Wahrung des maritimen kulturellen Erbes und dessen Präsentation in Fahrt. Dieses maritime Kulturgut wird in aller Regel nur durch die Erhaltung vorhandener Schiffe in ihrer ursprünglichen Gestalt oder deren Einzelnachbau gewahrt. Allein der Umstand, dass die Maschine ... möglicherweise die einzige erhaltene ihres Herstellers ist, rechtfertigt nicht die Wertung, das gesamte Schiff sei im kulturellen Interesse erhaltenswert. Derartige Einzelkomponenten eines Schiffes, die für die Öffentlichkeit nicht sichtbar und nicht zugänglich sind, lassen nicht das gesamte Schiff, unabhängig von den Änderungen an der ursprünglichen Erscheinung, ausnahmsweise erhaltenswert erscheinen."
"Zwar mache der Antragsteller mit Recht geltend, dass seit dem 6. August 2005 das bis dahin zur Definition „Traditionsschiffe“ gehörige Merkmal „und deren Betrieb ausschließlich ideellen Zwecken dient“ entfallen ist.
Dennoch, so der Spruch: "Unverändert ist für die Einordnung eines Schiffes als Traditionsschiff aber erforderlich, dass an seiner Erhaltung und Präsentation in Fahrt ein öffentliches insbesondere kulturelles Interesse besteht. Es scheint nicht fern liegend, dass damit unverändert eine vornehmlich kommerzielle Zweckrichtung des Schiffsbetriebes in der Regel nicht vereinbar ist."
Zudem sei das Schiff ein Fahrgastschiff, denn "Das Schiff (befördert mehr als 12 Personen) und fällt in den Geltungsbereich der  .... Richtlinie für vorhandene Fahrgastschiffe ab einer Länge von 24 Metern. Diese Voraussetzung erfüllt das Schiff, da es bis zu 30 Personen, die nicht zur Besatzung gehören, befördern soll. Das Schiff, so die Begründung, "zählt auch nicht zu den historischen Fahrgastschiffen, für die ... die Richtlinie nicht gilt. Denn das Schiff ist nicht als Fahrgastschiff vor 1965 entworfen worden. Dabei kann vorliegend dahinstehen, ob (genannte) Richtlinien überhaupt auf Schiffe Anwendung findet, die nicht als Fahrgastschiffe entworfen und gebaut wurden, sondern ihre Eigenschaft als Fahrgastschiff durch Umbau erhalten haben. Erforderlich ist jedenfalls, dass Entwurf und Bau oder Umbau des Schiffes als Fahrgastschiff vor 1965 erfolgte".
Auch als Fahrgastschiff ohne Antriebsmaschine kann es nicht gelten, für welche die Richtlinie nicht gilt, denn "Da das Schiff mit einer Antriebsmaschine versehen ist, die, wie der Antragsteller herausstellt, historischen Erhaltungswert habe, kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um ein Fahrgastschiff ohne Maschinenantrieb (handelt).

Mit anderen Worten: Keine Traditionsschiffs-Zulassung für ehemalige Frachtsegler, die nach 1965 so umgebaut wurden, dass ihr äußerliches Erscheinungsbild vom Original maßgeblich abweicht und die mehr als 12 Personen befördern. Für andere Schiffe wurde hier kein einschlägiges Urteil gefunden. 

PS: den Namen des betroffenen Schiffes haben wir hier aus naheliegenden Gründen entfernt.

20.08.12 Nachlese zur Nautics 2012

Heute morgen berichtete auch das Flensburger Tageblatt ausführlich über die große und schöne Veranstaltung vom Wochende. Wer lesen möchte was die Professionellen der Presse schreiben, kann hier klicken.

Hafenfest unter tropischer Sonne 
Rückblick auf die Glanzpunkte der Veranstaltung
Lernort mit Glanz und Geschichte
Die KRUZENSHTERN jetzt und einst
 Viel Vergnügen bei der Lektüre!

19.08.12 Zuerst Regatta, dann zur KRUZENSHTERN

Für die Teilnehmer der Flensburg Nautics 2012 gab es am Samstagabend eine ganz besondere Attraktion als Krönung und - so kann man es auch sehen - als Belohnung.
Denn der Tag auf der Regattabahn hatte es in sich. Pünktlich um 11.00 Uhr ging es beim Start mit mageren zwei Beaufort aus südlicher Richtung los. Gemach, gemächlicher am gemächlichsten trennte sich das Feld zwischen den großen, schweren Schiffen und den kleinen, leichten. Zum Beispiel die holländischen Großseglern und die offenen Boote vom Bohlwerk. Wobei sich nicht alle auf den Wind als Antrieb verließen, sondern leise laufende Maschinen oder noch leisere Riemen einsetzten um das zu tun, was die Franzosen "corriger la fortune" nennen. Sollte jemand daran zweifeln: Wir haben uns das verkniffen, erstens wg. Moral und zweitens wg. unserer Maschine, deren kerniger Klang keine Heimlickeit zulässt.
Kurz nach dem Start kamen uns lustig geschmückte Teilnehmer des Fischkutter - Korso auf dem Weg zu dem Fischerfest im Stadthafen entgegen. Das sah hübsch aus und war auch sicherlich gut für die Nautics, denn was ist weniger spannend als eine maritime Großveranstaltung, wenn alle Schiffe ausgelaufen sind?


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Wer eine Breitfock hatte oder sogar Rahsegel setzen konnte, war eindeutig im Vorteil. Sonst half nur Geduld üben und Segel wechseln. Bei uns kam zuletzt der 45 qm große Klüver zwei und das gleich große Besanstagsegel ran. Aber der Mensch denkt, Gott lenkt. Nach der Wendeboje, auf der verkürzten Bahn östlich der Ochseninseln, nahm der Wind zu und unsere Bereitschaft ab, entweder das leichte Tuch oder Zeit für einen weiteren Segelwechsel zu opfern. Also weg mit den Leichtwindsegeln  und "hoch die Fock". Die Segelführung war nicht wirklich optimal, aber wir kamen noch in der Wertung an, ohne einen einzigen Liter Treibstoff einzusetzen. Mit einer Ausnahme. Als wir einem auslaufenden Großsegler auswichen und der nicht Kurs hielt, sondern einfach mit zog. Nun, das ist ja auch der Grund, weshalb auf derartigen Veranstaltungen die Schipper ausdrücklich aufgefordert werden, ihre Maschine stand-by zu halten. 
Schließlich war die Schlacht geschlagen und jeder war auf die Wertung und Preisvergabe gespannt. Die sollte auf der KRUZENSHTERN, ex PADUA stattfinden. Um es kurz zu sagen: Wer das verpasste, hatte doppeltes Pech. Zum einen hat er von der herzlichen Begrüßung durch die gesamte Besatzung nichts mit bekommen, auch nicht den überwältigenden Eindruck dieser riesig großen Windmaschine aus unzähligen Leinen, Drahtseilen, Blöcken und Winden unmittelbar auf sich wirken lassen können. Für uns war der Besuch auf dem größten Segelschiff, das wir je betreten haben ein großes Erlebnis.
Groß auch die Gastfreundschaft. Unser Besuch wurde gekrönt von einer Show russischer Volkstänze, artistisch in atemberaubendem Tempo aufgeführt von den jungen Kadetten. Die sind übrigens, so erfuhren wir aus der Ansprache des Kapitäns, durchweg Zivilisten und Berufsfischer in Ausbildung.
Leider konnten wir keine Bilder von diesem Ereignis mitbringen, da auf dem ganzen Schiff fotografieren nicht erwünscht ist. Und das wollten wir dann auch schweren Herzens respektieren.
Schließlich noch die Wertung (hier "Bewertung" genannt) durch die Regattaleitung. Dass wir uns mit unserer Sonderrolle als Schlusslicht eingerichtet haben, ist mangelndem Ehrgeiz geschuldet. Aber wenn schon Regatta, dann auch Wertung. Und was so vielen Seglern wichtig ist, muss einfach sein. Wirklich beeindruckt hat uns die Crew der Fregatte SHTANDARD, die tatsächlich die ganze Strecke zurück von den Ochseninseln aufgekreuzt ist. Das heißt mehrere dutzendmal: Fock, Mars und Brahmsegel back brassen, mit Gegenruder rückwärts treiben, bis der Wind von der richtigen Seite kommt, alle übrigen Segel brassen und warten, bis das schwere Schiff wieder Fahrt aufnimmt. Sie kamen als Allerletzte ins Ziel, waren aber in sportlicher Hinsicht die Allerersten. Sie haben ihren Sonderpreis als "das schnellste Schiff mit mehr als drei Kanonen" redlich verdient!



17.08.12 Szenen von der Einlaufparade

Heute begann die Flensburg Nautics 2012 mit der traditionellen Einlaufparade. Der Wind war zum närrisch werden. Bis zum Raiffeisen-Silo kam er aus Süd, dahinter aus Nord. Und das in einer "Stärke" von null bis geschätzten zwei Beaufort. Also wurden die leichtesten und größten Segel angeschlagen, welche die Segellast zu bieten hatte. Darunter auch ein Ballonklüver von 45 qm, eine echte Geheimwaffe bei sehr leichtem Wind. Leider bringt er auf der Kreuz nicht besonders viel Höhe und so musste wegen der vielen anderen Schiffe zur Vorsicht das eiserne Segel zeitweilig mithelfen. Natürlich war die Liste mit der Reihenfolge in der Einlaufparade nicht an Bord und so verkrümelten wir uns auf den letzten Platz. Das Ganze verlief in einem sehr gemächlichen Tempo und so kamen wir in zwei Stunden einmal vor die Hafeneinfahrt und zurück. Aber wie heisst es: Der liebe Gott schenkte uns die Zeit. Von Hetze hat er nichts gesagt.
So blieb Zeit für ein paar Fotos. Und für schöne Eindrücke von einem warmen sonnigen Segeltag.


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17.05.12 Morgen nach der Nacht zuvor

Der Morgen beginnt mit Dunst und Nebel über dem Hafen, wie vom Wetterbericht vorhergesagt. Das gibt Mut für die Annahme, dass die Wetterfrösche mit der Aussage Recht behalten, im Laufe des Vormittags werde sich der Nebel auflösen und dass der Tag Sonne bei leichter Bewölkung bringen werde. Der Wind, so heißt es, komme aus südlichen Richtungen bei ca. zwei Beaufort. Also wird die Einlaufparade unter Maschine gefahren werden. Denn wer bringt schon auf der Kreuz vier Knoten aufs Ziel (Hafenspitze)? Die großen Teilnehmer sowieso nicht und die kleinen ebenfalls. Oder sind Schiffe wie 49-er ebenfalls gemeldet?
Noch in dieser Woche konnten wir berichten, dass es schon einige Zeit lang keinen Vandalismus am Hafen gab. Diese Zeit ist heute abgelaufen. Damit mussten wir ja leider rechnen. 400.000 erwartete Besucher werden Flensburg und dem Hafenfest diesen Schandfleck nachsehen.
Hier ein paar Eindrücke von heute um ca 07:30 h Ortszeit. Möge der Tag so friedlich verlaufen, wie er beginnt! Das Flensburger Tageblatt hat heute Einzelheiten zu dem geplanten Ablauf berichtet. Wer's lesen möchte, möge hier klicken.



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16.08.12 Abend vor der Nautics

Der Tag begann mit Dauerregen und SHTANDART, der historischen Nachbau der Fregatte des Zaren Peter der Große wirkte mit ihren hängenden Segeln wie die Schiff gewordene Melancholie. Noch war nicht zu erkennen, dass der Tag noch strahlenden Sonnenschein bringen würde. Aber, der Wettervorhersage zum Trotz wurde es noch richtig sommerlich schön. Der milde Sommerabend lud zu einem Bummel an der Hafenkante ein, wo die ersten Gäste der Flensburg Nautics 2012 festgemacht hatten. Es waren außer den Schiffen des Museumshafen Flensburg (in der Reihenfolge von Nord nach Süd):
Fregatte RHEINLAND-PFALZ
Viermastbark KRUSENSTERN
Fregatte SHTANDARD
Haikutter CARMELAN
HENDRIKA BARTHELDS
Dreimastschoner MINERVA
Dreimastbark ARTEMIS
Schoner ELDORADO
Schoner OBAN 
Rundgatt-Kutter LONE
Missionskutter ELIDA
Seenotrettungskreuzer HANNES GLOGNER mit 
Tochterboot FLINTHÖRN

Während noch an einem Schiff nach einer vesunkenen Achterleine gefischt wurde, übten die "Sportpiraten" mit ihren bmx-Rädern den ultimativen Salto ins Hafenwasser. Nebenan wurden noch Verkaufsstände für den Marktplatz aufgebaut. Eine friedliche, erwartungsvolle Spannung am Tag vor der Flensburg Nautics 2012 liegt über der Szenerie am Hafen. Später kommt auch noch das segelnde Feuerschiff SUNTHORICE.


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15.08.12 Die ersten Gäste der NAUTICS sind da

Seit heute liegen die Viermastbark KRUSENSTERN ex PADUA und die Flugkörper-Fregatte RHEINLAND-PFALZ über alle Toppen geflaggt im Flensburger Hafen. Diese beiden Schiffe sind die größten Teilnehmer der Flensburg NAUTICS 2012. Sie können während der Veranstaltung besucht werden.

14.08.12 Aus übergeordneter Sicht

Am Freitag beginnt die Flensburg NAUTICS 2012. Heute kam der erste Bautrupp und montierte ein dreigeschossiges Gerüst auf dem Bohlwerk. Eine gute Gelegenheit, einen Blick aus übergeordneter Sicht auf den Museumshafen zu werfen.
Dort liegen zumeist nett anzusehende Schiffe, allerdings hauptsächlich Nachbauten. Die "Alten" sind derzeit unterwegs, teils nach Rostock, teils auf die Werft.
Einige der Schiffe des Museumshafens werden zum Verkauf angeboten. Aus der Vogelperspektive zeigt sich ein Bild, wie es hier aussähe, wären die Käufer mit ihren Neuerwerbungen woanders hingezogen, wie es dem Vernehmen nach der neue Eigner von FRIEDA bereits plant. Ihm sei, so heißt es, Flensburg zu unsicher. Andere Eigner überlegen einen solchen Schritt, obwohl sie nicht an einen Verkauf denken. Nun kann man einwenden, es sei ein paar Wochen lang überhaupt nichts mehr passiert. Dennoch bleibt die gefühlte Unsicherheit. Zumal jeder Fall anscheinend auf allen Ebenen als zufällige Einzelbeobachtung bewertet wird.

Gestern kam es zu einem interessanten Gespräch mit einem Besatzungsmitglied eines Behördenfahrzeuges, das derzeit im Flensburger Hafen liegt. Der sagte unter anderem, dass er keinen deutschen Hafen kenne, in dem so viele "durchgeknallten Typen" nahezu jede Nacht Randale machen. Und das unmittelbar vor der Polizeistation. Wieder mal eine solche Einzelbeobachtung individuell und aus übergeordneter Sicht überhaupt nicht repräsentativ.

Aus übergeordneter Sicht ist die hier zweifellos geübte Toleranz, das "leben und leben lassen" in Flensburg eine sehr liebenswerte Eigenschaft. Einer trinkt zuviel? Mein Gott, wir haben früher auch mal einen über den Durst getrunken! Einer wirft Rettungsringe ins Wasser? Man muss ja auch mal den Frust rauslassen können! Eine Autoscheibe wird eingeschlagen? Das gibt's doch überall!

Doch wer denkt an die Menschen, die hier einfach in Ruhe leben möchten?

12.08.12 Zwei Segeltage

Nach längerer Abstinenz  konnten wir jetzt endlich mal wieder die Innere Flensburger Förde verlassen und nach Herzenslust auf WIEBKE BOHLEN segeln. Am Freitag ging es vormittags los Richtung Hörup Hav, wenn wir denn so weit kommen sollten.
Um es kurz zu machen, wir kamen so weit. Bei W 4-5 Bft (Vorhersage) hatten wir reichlich Segel gesetzt, darunter unseren großen Klüver mit 35 qm. Hätten wir geahnt, wie stark der Wind tatsächlich wehen würde, wären wir etwas vorsichtiger gewesen. Und so schleppte uns dieses Segel bei einem Backstags- Starkwind mit ziemlicher Kraft hinter sich her bis die Logge ständig zwischen sieben und acht Knoten pendelte. Aber da wir bis auf zwei Halsen keine Manöver fahren mussten, hielt sich die Anstrengung in Grenzen. 
Vor der Passage von Holnis Enge konnten wir noch den Start der 12 Meter Regattajachten beobachten, glücklicherweise ohne ihre Bahn queren zu müssen, denn wir wären ausweichpflichtig gewesen.

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Außer diesen Teilnehmern des Robbe & Berking Sterlin Cup waren wenige Segler unterwegs. Einer davon war D'OLLY, ein Colin Archer Kutter aus Dänemark, auf der Rum-Regatta berüchtigt für seine Schnelligkeit. Heute brauchte er eine ganze Weile, bis er uns überholte. Das lag aber vermutlich auch daran, dass wir bei einem Kurswechsel halsten, während er eine Q-Wende fuhr. Das war für eine Zweier-Senioren-Crew nicht schlecht und wird uns noch lange die Winterabende verschönen. Doch schließlich war unsere Trickkiste leer und so siegten die bekannten Vorteile des Kutters auf Am-Wind Kursen. Wir konnten eine Weile sein Heck betrachten, wie es voraus kleiner und kleiner wurde. 

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Wir haben dann östlich Sonderburg unseren üblichen Ankerplatz aufgesucht, der uns wieder einmal bei dem Westwind sehr gut schützte. Und nach der Erfahrung mit der Windvorhersage gaben wir zur Vorsicht dem Bügelanker reichlich Kette denn sicher ist sicher. Wer mag schon nachts schlaftrunken einen neuen Ankerplatz suchen?
Über nacht hatte sich der Wind gelegt. Bei einer kurzen Kontrolle gegen drei Uhr morgens wurde der "Ankerwächter" mit dem Anblick eines Sternenhimmels belohnt, wie wir ihn nur selten zu sehen. Der Nachthimmel war weitgehend klar und tief schwarz und die Mondsichel verstreute nur wenig Licht. Da bildeten die Sterne in ihre vertrauten alten Zeichen und funkelten wie die Brillianten bei Tiffany's. Dazu schimmerte im Hintergrund das graue Band der Milchstraße. Wie groß ist doch unsere Welt!
Der nächste Morgen bescherte uns einen lauen Ostwind von angenehmen zwei bis drei Beaufort. Wir schaukelten backstags mit Topsegel und Besanstagsegel zurück Richtung Flensburg. Und das in einem älteren Herrschaften durchaus angemessenen Tempo. Auch die Maschine hatte wieder einen Ruhetag. So segelten wir bis in die Meierwik. Nach einem Aufschießer fiel der Anker auf sieben Metern Tiefe. Der sonnige Tag endete mit einem glühenden Abendrot.

12.08.12 AURORA, das Kulturschiff

Unverhofft kommt oft, sagt der Volksmund. Unverhofft kam jedoch das ursprünglich angekündigte Kulturschiff MIK PEDERSEN nicht nach Kollund, nachdem es ebenso unverhofft Flensburg nicht hatte anlaufen dürfen. Und ebenso unverhofft hatte auch nicht GESINE, das Küstenmotorschiff des Historischen Hafens, die Rolle der MIK PEDERSEN übernommen. Sondern diese schöne Aufgabe fiel ebenso unverhofft an Ole, den Eigner der AURORA von ALTONA aus dem Museumshafen Flensburg. Und das war in gewisser Weise auch sinnvoll, gehörte doch Altona bis 1864 zu Dänemark. Es kam dann aber dem Königreich ebenfalls unverhofft abhanden, weshalb heute noch grenzüberschreitende Projekte wichtig sind um die Nachwirkungen solcher Wechsel und Wirrungen zu überwinden. Damit schließt sich der Kreis.

Wir kamen gegen elf Uhr an Kollund Mole vorbei und wunderten uns über ein schwarz gemaltes Segelschiff, wo wir doch ein Motorschiff mit weißem Rumpf erwartet hatten. Beim Näherkommen, erkannten wir AURORA, und viele frohgestimmte Menschen an Land, erkannten auch Schauspieler in Piratenkostümen und andere Maskeraden. Nun, anlegen wollten wir nicht, denn das hätte vermutlich gestört.

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Zurück in Flensburg, kam auch bald AURORA in den Museumshafen und so fand die Veranstaltung des Museums Sönderjylland/Kuturhistorie Aabenraa und des Schifffahrtsmuseums Flensburg am Bohlwerk statt mit AURORA als Bühne und malerischem Hintergrund.
Rund fünfzig Menschen hatten sich trotz des idealen Strandwetters und der nebenan präsenten Verlockungen des Fischmarktes und derer von Bens Fischhütte versammelt, darunter viele Kinder. Sie kamen nicht zu kurz. Die Puppen - von Hand gemacht- das Schauspiel und die Musikbeiträge kamen professionell und zugleich menschlich ansprechend herüber und schlugen Jung und Alt sogleich in ihren Bann. Als die Gruppe "Godewind" nach einer Dreiviertelstunde Lieder von ABBA zu friesischen Texten intonierte sangen die Besucher und Teilnehmer mit. Eine wunderbare Veranstaltung. Und das anrührende deutsch-dänisch oder müsste man sagen dänisch-deutsch? Es sprach unmittelbar die Herzen an. Bleibt eine Frage: Warum hat man sich eigentlich früher so sehr angefeindet, dass es bis heute in den Köpfen und Herzen Rückwärtsgewandter immer noch nachwirkt? Das zu wissen und künftig zu vermeiden sollte uns alle eine große Herausforderung sein.

10.08.12 We are sailing

An diesem Wochenende segeln die Teilnehmer des Robbe & Berking Sterling Cup. Da hält es uns auch nicht im Hafen und wir sehen uns das vom Wasser aus an. Vielleicht gibt es ein paar Fotos und ein Stimmungsbild.
Lasst euch mit einer Einladung entschädigen: Kommt einen Moment lang mit auf WIEBKE BOHLEN und entspannt euch beim Segeln. So ruhig geht es zu, wenn sich 100 qm Segelfläche an 20 Tonnen Verdrängung abmühen. Wird jemand an Bord ungeduldig, können noch weitere 60 qm gesetzt werden. Das ist nicht mehr, als sich man sich Einhand selbst  zumuten kann. In dem kleinen Film ist bei circa zwei Beaufort jedoch die Entdeckung der Langsamkeit angesagt. Wir haben es ja nicht eilig. "Eile", sagte Ambrose Bierce, "das ist die Tüchtigkeit von Stümpern." Recht hat er. Außerdem schadet sie der Würde.

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Die nächsten Hafenmeldungen gibt's nach unserer Rückkehr.

10.08.12 Wacker geschlagen

Gestern Nacht bekamen wir noch einen Bericht von Günter. Demnach hat sich BODIL trotz verzögertem Start gut geschlagen und auch außer Konkurrenz auf der Haikutter-Regatta "bella figura" gemacht. Glückwunsch an Skipper, Mannschft und Schiff! 
 "Moin Wiebke und Werner
Wir haben unsere Tage in Nysted gut hinter uns gebracht. Neben den Kurztörns mit Touristen in den Offshorepark, ist uns außerdem ein sehr schönes Programm geboten worden, u.a. eine Brauereibesichtigung, die aber sehr trocken ausfiel. Außerdem haben wir ein schönes Musikprogramm mit verschiedenen Gruppen im Festzelt geniessen können. Wir sind gestern, Mittwoch den 08.08. nach einer schnellen Überfahrt ( Windstärke 7 ) von Nysted (DK) in Rostock angekommen, wo wir dann heute Abend an der Preisverleihung teilgenommen haben. Wir sind außer Konkurrenz gestartet, weil wir erst eine Stunde und 5 Minuten später starten konnten, da wir Probleme mit Luft in den Dieselleitungen hatten. Trotzdem haben wir noch die Carmelan, Frieda und den Schweden überholt, und sind eine gute viertel stunde vor denen in Rostock angekommen. 
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.
Anbei einige Bilder von Nysted und Überfahrt nach Rostock.
Gruß Günter"

hier eine kleine Auswahl der Bilder (alle Fotos: G. Lange):

Hafenspiele


Stürmische Überfahrt
Hafentage