31.10.12 Einbruch in die Fischhütte

Heute morgen bot sich ein leider vertrautes Bild am Bohlwerk: Vandalismus. Aber dieses mal waren nicht Rettungsringe oder Schiffe Ziel gewaltsamer Zerstörung. Diesmal hatten sich kriminelle Gewalttäter wieder einmal die Fischhütte am Bohlwerk ausgesucht. Die eingeschlagenen Scheiben, Glassplitter auf dem Tisch und die geöffneten "dänischen" Fensterriegel lassen vermuten, dass der oder die Täter durch das Fenster gewaltsam eingedrungen sind. Dafür spricht auch, dass eine elektronische Fernsteuerung vor dem Fenster lag, die vermutlich aus der Hütte entwendet wurde und die abgebrochene Fensterbank. Ob und was darüber hinaus beschädigt oder geklaut wurde, ist derzeit nicht bekannt.

Nun wird die Diskussion über notwendige und mögliche Sicherheitsmaßnahmen erneut in Gang kommen. Wie schon so oft in den letzten Jahren. Aber jetzt ist auch mal Zeit zu handeln. Beklagen, aussitzen, diskutieren, beschwichtigen... diese Litanei ist nun wirklich lange genug geübt worden.
Bei allen Vermutungen über Hergang und Täter ist doch Eines unbestritten richtig: Wir haben ein Problem in der Stadt mit gewaltsamer Zerstörung. Für deren Bekämpfung sind in unserem Rechtsstaat Polizisten zuständig, und nicht gemeinnützige Kulturvereine. Dass in dieser Situation augenzwinkernd vergiftete Ratschläge kursieren, wie der, man solle doch mal mit den Hells Angels sprechen, die würden schon für Ordnung sorgen, macht die Situation auch nicht besser. 

31.10.12 PIROLA an Land

PIROLA auf der Museumswerft
Wenn jemand heute beim Spaziergang über das Bohlwerk den alten Logger PIROLA vermisst, dann liegt es nicht daran, dass sie wieder einmal zu fernen Ufern aufgebrochen ist. Nein, diesmal hat sie nur zur Museumswerft verholt, um Arbeiten am Rumpf unterhalb der Wasserlinie durchzuführen. Das wird voraussichtlich eine Weile dauern, weil, wie man hört, weil bei der Gelegenheit auch Planken am Schiffsboden ausgetauscht werden sollen. Das wird bei Schiffen aus Stahl immer wieder mal notwendig, bei PIROLA genau so wie bei der GORCH FOCK.

Auch wenn es in beiden Fällen unterschiedliche Ursachen haben dürfte, ist eines beiden Fällen gemeinsam: Die Maßnahme dient der Sicherheit. 

30.10.12 Die HMS BOUNTY im Hurrikan gesunken

Wie schon in Funk, Fernsehen und der schreibenden Presse berichtet, ist der Nachbau der BOUNTY im Hurrikan "Sandy" vor der amerikanischen Ostküste gesunken. Bei diesem tragischen Ereignis konnten 16 Menschen lebend gerettet werden, zwei werden jedoch noch vermisst. Wir hoffen für sie, dass auch sie noch gefunden und gerettet werden.
In der heutigen Ausgabe der WELT Online ist ein Bericht über die Katastrophe, er kann als Link hier aufgerufen werden.
Die originale BOUNTY wurde Namen gebend für die berühmte Meuterei im 18. Jahrhundert. Sie wurde etwa in derselben Zeit gebaut*), wie das Original der FORENING, das auf der Museumswerft derzeit als Modell nachgebaut wird.

Mittlerweile wurde bekannt, dass eine der vermissten Personen, eine Frau, gestorben ist. Der Kapitän wird immer noch vermisst.

*) 1784 auf den Namen BETHIA getauft, 1787 in BOUNTY umbenannt
Der jetzt gesunkene Nachbau der BOUNTY war 1,5 mal so groß wie das   Original. Es wurde 1960 nach den originalen Plänen gebaut.

30.10.12 Närrische Zeiten

Narri-Narro! Helau! und Alaaf! Täteretää und Rumtata!

"Die Piraten" 2004
Trotz des schönen Wetters von heute muss an dieser Stelle daran erinnert werden, dass der "goldene" Oktober bald Vergangenheit ist. Mit dem November werden die Tage spürbar kürzer, die Sonnenbahn führt nur noch wenig über den Horizont und viele Tage bleiben feucht und grau. Den Menschen ist diese Umstellung schon immer schwer gefallen und sie haben sich vieles einfallen lassen, um sich über die Dunkelheit hinweg zu trösten. Das Ende der Sommerzeit ist auch so ein Einfall, aber einer von der weniger beglückenden Sorte. In den südlicheren Teilen Europas ist man auf den Karneval, den Fasching, die Fastnacht gekommen, die auch immer häufiger die "Närrische Zeit" genannt wird.

Weil das so ist, und Ben am 11.11. um 11.11 Uhr die Fischhütte ein letztes mal in diesem Jahr öffnen wird, ist an diesem Tag jeder oder jede voll kostümierte Mann respektive Frau zu einem Fischbrötchen und Punsch eingeladen, so lange der Vorrat reicht. "Die Piraten", seit Jahren Gast auf den Veranstaltungen im Flensburger Hafen, sollen eine kleine Anregung sein. Andere Kostümierungen sind auch sehr willkommen!

Am 11.11. um 11 Uhr 11 
aber bitte mit Kostüm
Narri-Narro! Helau! und Alaaf! Täteretää und Rumtata!

Wem das nicht hilft, sich über den Herbst zu trösten, dem ist vermutlich überhaupt nicht zu helfen. Außer, er freut sich auf den Weihnachtsmarkt.

30.10.12 Herbstarbeiten

Bleiben die Schiffe das ganze Jahr über im Wasser? fragen viele Besucher am Bohlwerk. Ja, sie bleiben. Aber alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird zum Winter tunlichst an Land geschafft und trocken gelagert. Wer besonders sorgfältig ist, kontrolliert bei dieser Gelegenheit alles auf Verschleiß und repariert oder ersetzt was dabei auffällt.
So auch heute auf der MEJSEN. Alle Segel werden abgeschlagen und sorgfältig zusammengelegt. Die Leinen liegen bereits bereit zum Transport. Jede ist mit einem kleinen Schild versehen, das erspart im Frühjahr lästiges Suchen und Probieren. Nun kann der Winter kommen.

Der kleine Foxterrier beobachtet die Arbeiten mit sachkundigem Blick. Nun wird er dazu gerufen, als Vergleichsmaßstab in dem Bild. Er wirkt ein wenig verwirrt. Vielleicht hat er gerade erst lernen müssen, dass Hunde beim Sortieren nicht erwünscht sind. Und jetzt das. Menschen wissen einfach nicht, was sie wollen.

29.10.12 FORENING: So weit ist es gekommen

Hier kommen ein paar aktuelle Bilder von dem Projekt der Museumswerft zum Bau der Schnaubrigg FORENING, ein Schiff aus der Anfangszeit des Westindienhandels der Stadt Flensburg, als Modell im Maßstab 1:3,5. Damit soll einerseits handwerkliches Wissen über die Bauausführung eines geplanten Nachbaues in Originalgröße gewonnen werden, andererseits soll hierdurch auch die Öffentlichkeit und erhoffte Sponsoren informiert und motiviert werden. Die HAFENMELDUNGEN haben sich in einigen Beiträgen mit dem Projekt befasst. Nicht minder bedeutend ist in dem Zusammenhang, dass die Museumswerft als Ausbildungsbetrieb Lehrlinge bei dem Bau des Modells ausbildet.

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Die Bilder zeigen einen Rundgang um den Rumpf. Jetzt muss schon auf ein Gestell steigen, wer hineinsehen will. Die Bilder erklären sich vermutlich selber. Nur ein Wort zu dem letzten Foto: Es zeigt den Vorsteven "von hinten". Die senkrechten Hölzer werden "Warpen" genannt und sind eine Unterfütterung für die Rumpfplanken. 
Man kann jedes Bild durch einen Klick auf die Fläche anhalten.

28.10.12 Zirkusreif


Vielleicht ist der Bootsmann auf LINA in einem früheren Leben einmal Cowboy gewesen oder er hat als Artist in einem Zirkus gearbeitet. Jedenfalls hat er den Dreh raus, wenn es darum geht, eine (schwere) Festmacherleine über einen Dalben zu werfen. Für das gelungene Kunststück erhielt er spontanen Beifall der zufälligen Zuschauer. Die HAFENMELDUNGEN, der Tradition und damit der deutschen Sprache (ein aussterbendes Idiom aus Mitteleuropa) verpflichtet, widerstehen der Versuchung, an dieser Stelle die Formulierung "standing ovations*) zu wählen, auch nicht in der Übersetzung "stehende Ovationen" obwohl es der Sache ebenfalls gerecht geworden wäre: Alle Beifall spendenden standen auf dem Bohlwerk. Ebenfalls wurden keine Anzeichen von Gruppenzwang beobachtet, den WIKIPEDIA als häufig ursächlich für das zujubelnde Frohlocken angibt.

27.10.12 Wäschetrockner

LINA trocknet ihre Wäsche
Nein, LINA segelt nicht, so wie es scheint, wahnsinnig dicht am Bohlwerk vorbei. Es wäre ihr auch nicht gut bekommen, denn der Wind kommt von achtern und dicht vor ihr liegt FULVIA. Anlass für die schöne Kulisse ist der penetrante Nieselregen des Vortags, der alle Segel durchnässt hatte, egal wie dicht sie zusammengelegt waren. Aber heute scheint die Sonne und ein mäßiger NNW- Wind bringt trockene Kaltluft. Ideale Bedingungen also, um "die  Wäsche zu trocknen". Nur dadurch lassen sich Stockflecken in dem teuren Tuch vermeiden. Sie machen die Segel unansehnlich. Früher war es noch wichtiger die Segel zu trocknen, bevor sie zusammengelegt wurden. Feuchtigkeit hätte Pilzen auf Leinensegeln (bei Gebrauchsseglern) oder Baumwolle (bei Jachten) idealen Lebensraum geboten und sie dadurch zerstört. Außerdem ändern organische Fasern mit wechselnder Feuchtigkeit auch ihre Länge und dadurch konnten die Segel aus der Form geraten. Die Segelpflege ging, insbesondere bei Jachten, so weit, dass das kostbare Tuch vor dem Winterlager zum trocknen waagrecht aufgespannt wurden, um auch ihr Profil wieder herzustellen.
Wie leicht zu erkennen ist, hat die Crew der LINA heute darauf verzichtet. Es ist bei Segeln aus Kunststoff-Fasern auch nicht mehr nötig. Soweit bekannt, hat im Museumshafen nur noch ein Traditionssegler ein Segel aus Baumwolle: das ist der Besan von PIROLA.


26.10.12 Der erste Frost

Das Bohlwerk heute 10:53
Man hat es garnicht glauben wollen, wie nahe der Winter schon ist. Besonders nicht am Tag der Apfelfahrt, als die milde Spätsommersonne ein letztes Mal daran erinnerte, wie schön es im Frühjahr wieder sein kann. Zwar hatte Sven Plöger und seine Wetterfrosch -Kolleginnen und -Kollegen einen polaren Kälteeinbruch angekündigt. Doch wer glaubt einer Vorhersage über drei Tage im voraus? Vorbei die Zeit, als Wettervorhersagen noch unzuverlässig waren, vergangen und vorbei - leider. Ein paar Tage lang konnte man sich ja noch bei neblig-trübem Licht und Nieselregen in der Hoffnung wiegen, das wäre nur Zeichen einer Warmfront. Winterkälte? Jetzt? An der Förde, bei dem vielen warmen Wasser gibt es doch jetzt keinen Bodenfrost und Graupelschauer! "Doch mit Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten". Heute Morgen war es soweit: Rauhreif auf dem Bohlwerk und den Schiffen. Übersteigen auf die lackierte Reeling - ab heute eine akrobatische Übung, die vorsichtig überlegt und durchgeführt werden will. Auch die Freude über die hellgrau scheinenden Teakplanken war nur kurz. Sie war heute nicht  Lohn eifriger Pflege, sondern dem Reflex winziger Eiskristalle am ersten frostigen Morgen geschuldet.
Zeit das Schiff einzuwintern. Die Segel sind schon im Trockenen. Und Zeit genug für die Vorfreude auf die nächste Rum-Regatta(10. bis 12. Mai)

24.10.12 Ein weites Feld


OLINE und WIEBKE BOHLEN 2001
Die Kvase ist in die Jahre gekommen. Mehr als einhundertdreissig sind es jetzt. Früher hat sie Fisch transportiert. Dafür wurde sie gebaut. Mit scharfen Linien für schnelle Reisen mit der lebenden Fracht in der Bünn. Im Jahr 1968, als viele der heutigen Traditionsschiffer das machten was man in dem mittlerweile zum Etikett einer gesamten Generation gewordenen Jahr gemacht zu haben vorgibt, wurde sie außer Dienst gestellt. Seitdem ist sie ehemaliges segelndes Berufsfahrzeug. Ihr damals neuer und jetzt vorletzter Eigner hat viel investiert, um das Schiff seetüchtig zu erhalten. Nach mehr als vierzig Jahren, das Schiff muss längst zu einem Teil seines Lebens geworden sein, konnte er es nicht länger in Stand halten. Nach vielen vergeblichen Versuchen einen Käufer zu finden, kam schließlich einer, der es nahm.
Vor einem Jahr brachte er es auf die Museumswerft, um die Ruderanlage zu reparieren. Das gelang mehr schlecht als recht in Eigenarbeit. Danach lag das Schiff am Bohlwerk, die Besatzung ließ es sich gut gehen, der Getränkeumsatz der Fischhütte stieg. Im März reiste der neue Eigner ab, um sie nach Holland zu überführen. Seine Abreise führte zu Diskussionen im Museumshafen, ob es nicht sinnvoll sei, künftig von Gästen das Liegegeld im voraus zu kassieren. Schließlich erbarmte sich eine Verwandte und bezahlte die offene Rechnung.
LINA 2012
Doch auch über dem weiteren Weg des alten Seglers leuchtete kein guter Stern. Sie strandete in kurzer Zeit gleich zwei mal, einmal wegen Ruderbruch und lag schließlich einige Zeit in der Werft in Rudköbing auf Langeland. In der selben Zeit wurde LINA (ex FIDDLERS GREEN) dort fachgerecht restauriert. Nun ist die alte Kvase wieder in Flensburg. Sie liegt am Ponton der Museumswerft.
Ebenfalls im Museumshafen, unter dem "Historischen Krahn", liegt derzeit LINA. Sie war einmal ein Haikutter also auch ein ehemaliges segelndes Berufsfahrzeug. Auch sie wollte in den Museumshafen, durfte aber nicht, weil das Rigg nicht dem Original entspricht. Vergleicht man die beiden Schiffe, ihre Eigner und ihre Aufnahme im Museumshafen, könnte man zum Thema "Vorstandsentscheidungen" mit  Kempowski sagen "Das ist ein weites Feld". Ein Feld, auf dem die Furchen kreuz und quer laufen. Was, außer Unkraut, soll da bloß wachsen?

22.10.12 Nachtrag zum Apfelmarkt

Gestern Abend, beim Stand-abbauen: Ein bärtiger Besucher des Bohlwerks, den wir schon seit Jahren sehen, aber mit dem wir nie gesprochen haben, sitzt auf der Bank und sieht sich den immer noch lebendigen Markt an. "Ich muss das einfach mal sagen", spricht er uns an "ihr habt mir mit der Apfelfahrt eine große Freude gemacht. Das ist immer so schön anzusehen". Was für ein Kompliment. Danke dafür!
Heute morgen berichtet das Flensburger Tageblatt über das Wochenende am Bohlwerk. Außerdem gibt es dort auch eine kleine Bildergalerie, dafür muß man nur auf den Pfeil links oben im Bild des Beitrags klicken. Eine kleine Korrektur zum Artikel sei an dieser Stelle erlaubt: Die Apfelfahrt wurde jetzt zum 33. Mal veranstaltet und nicht zum 16. Mal, wie die Zeitung schreibt. Aber was macht's? Ein jedes einzelne Mal ist wichtig.

21.10.12 Der Apfelmarkt

Am Freitag Abend, kaum waren die Schiffe angekommen und die Besatzungen sonnensatt und Apfelbeladen an Land gegangen, werden die ersten Marktstände für den traditionellen Markt der Apfelfahrt aufgebaut und vorbereitet. Langsam senkt sich die Dunkelheit über das Bohlwerk.

 
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Der nächste Morgen bringt Nebelfeucht-graues Licht. Doch bald trocknet die Sonne den Hochnebel und ein wunderbar sonniger Spätsommertag beginnt. Die Stände sind nach letzten Handgriffen beinahe fertig aufgebaut, die Auslagen ausgebreitet und die Dekoration kunstvoll arrangiert. Auch für junge und jüngste Besucher des Apfelmarktes ist gesorgt. Ein Wurfspiel wartet auf geschickte Werfer. Sie sollen eine "Affenfaust" an langer Leine durch Öffnungen werfen. Tische mit Papier und Farbstifte liegen bereit um das künstlerische Talent zu fördern, das in vielen Kindern schlummert, bis sie in die Schule gehen. Ja, natürlich auch die Apfelpressen sind aufgebaut, an denen sich Jung und Alt seinen eigenen Apfelsaft pressen kann. Mutige sollten auch mit Jollen aus dem Lüttfischerhafen die Wasserfläche des Flensburger Hafens erobern. Bald schon kamen die ersten Gäste. Tom preist dreht schon seine Runde über das Bohlwerk und Lose an, mit denen viele attraktive Preise gewonnen werden können. Viele von ihnen wurden von Flensburger Kaufleuten gestiftet. Eine schöne und wirkungsvolle Unterstützung des Hafenfestes.
Es ist zehn Uhr, laut Plakat soll der Apfelmarkt eröffnet werden. Interessant zu erleben, das auch in diesem Jahr zahlreiche Besucher zum ersten Mal auf das Bohlwerk kommen. Punkt zehn Uhr sind sie da, erwarteten ein reges Treiben und emsige Geschäftigkeit. Die gibt es natürlich auch, doch sind sie noch letzten Arbeiten an den Ständen gewidmet. Wer den Apfelmarkt kennt, weiß, dass es sich nicht lohnt sooo pünktlich aufzukreuzen.
Auch Nachmittags kommen natürlich auch sehr viele "Neue". Ein großer Teil auch aus Dänemark. Ob das an dem neuen Ableger der Apfelfahrt am Anleger von Kollund liegt? Die Stammkunden sind leicht zu erkennen. Oft rufen sie schon von weitem "schön, dass ihr wieder hier seid!". Andere fremdeln und prüfen erstmal von fern, ob es sich lohnt, nahezutreten. Manchem mag auch schlichtweg fünfzig Cent für eine traditionell eingelegte Saure Gurke zu fehlen. Es gibt auch eine Scheu zu sprechen und angesprochen zu werden. Mancher denkt vielleicht, die Stände gehören professionellen Händlern, die sich hier mal als Nebenberufsfischer verkleidet haben. Tolles Kompliment, so sollte es auch wirken. Sobald klar wird, dass alles Markttreiben ehrenamtlich vorbereitet und veranstaltet wird, um das schöne Ensemble des Museumshafens zu unterstützen, hellen sich die Mienen auf und man wird sich  bald handelseinig. "Ja das wollen wir gerne unterstützen".
Nahezu alle Aktiven Vereinsmitglieder (das sind solche, deren Schiff in den Museumshafen aufgenommen wurde) sind auf dem Markt vertreten. Wer nicht einen eigenen Stand aufgebaut hat, hilft und fördert im Hintergrund oder arbeitet sonstwie aktiv mit. Neu vertreten ist in diesem Jahr die Crew der MEIJSEN. Und sie bringt auch gleich ein neues Angebot mit aus Dänemark: Austern von der Westküste. Einfach delikat! Passt auch gut zum Angebot der historischen Apfelfahrt, gab es doch früher auch in der Inneren Förde Austernzuchtanlagen.
Wunderbar die Angebote für die Kinder! SWARTE SARAH, auch neu im Museumshafen, wie auch andere Jollen machten Hafenrundfahrten. Da sitzen nun die kleinen Seeräuber, stilvoll mit Augenklappen und Bartstoppeln bemalt, eingepackt in dicke Rettungswesten und gucken in das vorbeiströmende Wasser.

Marktschreier preisen Schmalzbrote mit Apfelscheiben oder Saure Gurken, eingelegt in Apfelessig an. Die gehen weg "wie geschnitten Brot". Das sich die  Besucher darauf gerne einlassen, lässt den Aufwand schnell vergessen.
Der Platz hier ist zu begrenzt, um alle Stände und sonstige Attraktionen zu würdigen. Aber jeder und jede hätte es verdient.
Das Wetter hält sich prachtvoll. Mit strahlendem Sonnenschein sendet Petrus einen letzten Sommergruß.

Petrus ist in die Jahre gekommen. Oder hat er sich an den Festen des Vorabends übernommen? Jedenfalls kann er den Nordost-Wind nicht zurückdrehen und den Hochnebel nicht beiseite schieben, aus denen bald ein unangenehmer Nieselregen fällt. Doch wer denkt, das könnte den Besucherstrom drosseln, hat sich getäuscht. Oder ob nach diesem Sommer alle ausgewandert, denen Regen ein Gräuel ist? Jedenfalls scheinen die Besucher "ihre" Apfelfahrt zu mögen und haben sie mit ihrer Familie schon lange vorher fest eingeplant. Manche scheinen den Termin für ein Treffen der weit entfernt wohnenden Mitglieder zu nutzen. Die letzten Angebote finden neue Besitzer, von der verbliebenen Auslage sind nun auch die spezielle Angebote gefragt: Grobes Meersalz mit Rosenblättern der Flensburger Förde und Apfelessig, mit Orangen- oder Zitronenschale gewürzt. Noch vor dem Mittagessen ist Alles alle. Dank an die Besucher der Apfelfahrt. Wie sagt man heutzutage? "Hat Spaß gemacht mit Ihnen".

19.10.12 Erste Bilder von der Apfelfahrt

Fast sah es so aus, als träfe die pessimistische Erwartung an das Wetter zu. Morgens um 10 Uhr begann ein leichter Landregen. Doch dann verzog sich der tröpfelnde Dunst und eine wunderbare Herbstsonne brach durch das Grau. Da war es schon beinahe nebensächlich, dass der Wind sich schlafen legte und die kleine Flotte der Schiffe aus dem Museumshafen ihre Maschine zu Hilfe nehmen musste, um ihr Ziel zu erreichen: den Anleger in Glücksburg. Dort warteten bereits viele Menschen, alt und jung, und bald schon kamen die Holzkisten voller Äpfel, von Hand zu Hand gereicht. Doch was sollen die Worte, wenn Bilder sprechen können? Hier eine Auswahl der Fotos, die während der Fahrt auf PIROLA entstanden.

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17.10.12 Lecker im Herbst

Schleswig-Holstein hat vor dem Saarland die kleinsten Waldflächen aller Bundesländer. Das ist schade, besonders im Herbst für Liebhaber delikater Pilzgerichte.
Nun muß nicht jeder nach Süddeutschland reisen um sich ein leckeres Pilzgerricht zu pflücken. Ein Bummel über das Bohlwerk tut es auch. Versteckt hinter dicken Eichenbohlen, geschützt von Birken- und Weidesämlingen, umkränzt von Zigarettenkippen wachsen zarte Stockschwämmchen und warten darauf, geplückt und gegessen zu werden.
Die kleinen Wesen (Pilze sind weder Pflanze noch Tier) der Abteilung Ständerpilze sollten jedoch nur von ausgewiesenen Kennern gepflückt werden. Denn nur das Gemeine Stockschwämmchen  (Kuehneromyces mutabilis) kann man ohne Reue geniessen, nicht aber das sehr ähnliche Glattstielige Stockschwämmchen (Kuehneromyces lignicola). Letzteres kann mit dem tödlich giftigen Gifthäubling (nomen est omen oder der Name ist Programm) verwechselt werden.

Also ist es doch sicherer, auf andere Speisen zurückzugreifen, wie zum Beispiel während der Apfelfahrt auf Apfelkuchen, Bratwurst, Schmalzbrot oder saure Gurken. Verwechslungen mit Giftpilzen sind hierbei zuverlässig ausgeschlossen. Auch die Darreichung ist entschieden appetitlicher.

Wohl bekomm's!

PS: zwar wachsen die Stockschwämmchen auf Laub- und Nadelholz, aber nur auf abgestorbenen Teilen. Sollte also ein Liebhaber eines alten Holzschiffes besorgt sein wegen der kleinen Pilze: Traditionssegler, auf denen die wachsen, sind so kaputt, die würden nicht einmal brennen.

16.10.12 Wer "A" sagt ...

... muss auch "pfelfahrt sagen". Der Aufwand für eine Veranstaltung wie die Apfelfahrt ist beträchtlich. Wie bei jedem anderen Markt, ist auch das Risiko nicht zu unterschätzen. Denn was immer verkauft werden soll: Es muss an diesen beiden Tagen den Besitzer wechseln, sonst war die Mühe und der Einkaufspreis vergebens. Da kann der vom Wetter des Jahres 2012 nicht sonderlich verwöhnte Traditionsschipper auf die Aussichten für das kommende Wochenende nur mit mildem Sarkasmus reagieren. Morgens trocken, mittags und nachmittags Regen, abends wieder trockenes Wetter, bei höheren Temperaturen als heute. Also freuen wir uns auf schönes Morgen- und Abendwetter und an der Aussicht, dass  die Ehrenamtlichen des Museumshafens zu diesen Tageszeiten ohnehin nicht auf dem Apfelmarkt sind. Und wenn sie nass werden: immerhin wird der Regen zwei Grad wärmer sein als heute. Das ist doch was.

Apfelfahrt vor zwei Jahren: Sonntagmorgen
Der Andrang der Besucher wird zeigen, wie beliebt "der Rum-Regatta kleine Schwester" ist. Es bleibt die Hoffnung, dass der Flensburger als solcher mit dem Wetter zurechtkommt, ehrenamtliches Engagement nicht nur in Festreden und Zeitungsartikeln preist und die Apfelfahrt in den letzten zweiunddreissig Jahren zu schätzen gelernt hat.

Was den seemännischen Teil der Veranstaltung betrifft: Der Wind soll mäßig aus südlicher Richtung wehen. Also kann bis Glücksburg schön vor dem Wind gesegelt werden und zurück wird dann gekreuzt. Und vielleicht überlegt Petrus sich das mit dem Regen noch einmal und lässt die Feuchtigkeit zu Weihnachten als Schnee runterkommen. Das wäre doch eine schöne Wetteraussicht!



13.10.12 Alles verknotet

Gleißendes Herbstlicht liegt über dem Flensburger Hafen. Aber immer wieder prasseln kräftige Regenschauer herab.


Während in der Takelage des Schoner LINA neue Leinen geschoren werden, zeigt ein paar Schritte weiter die neu eröffnete Ausstellung im Schifffahrtsmuseum "Tauwerk und Takelage" die Verwendung von Leinen im sogenannten stehenden und laufenden Gut von Segelschiffen.
Schon von Beginn der Segelschiffahrt an wurden Taue und Leinen aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen eingesetzt um das Rigg, die Antriebsmaschine der Segelschiffe, zu stützen, um sie an die jeweiligen Bedingungen anzupassen und um sie zu kontrollieren. Sie werden mit Knoten befestigt und verbunden.



Schon vor mehr als 50000 Jahren knüpften unsere Vorfahren Knoten um Netze herzustellen. Seitdem werden Knoten in vielen Lebensbereichen eingesetzt - man denke nur an die Schnürsenkel! Mittlerweile gibt es zahllose unterschiedliche Knoten, egal ob sie als Schlinge, Schlaufe, Flechtung, Stek oder Knoten klassifiziert werden.
Manche von ihnen scheinen sehr kompliziert, andere verblüffend einfach. Viele sind wirken ästhetisch, andere belanglos. Aber man kann sagen, ein jeder Knoten eignet sich für ganz bestimmte Zwecke. Daraus hat sich ein eigenes Wissensgebiet entwickelt: Die Knotenkunde. 

Wen wundert's, dass dieses Thema auch seine Liebhaber hat, die ihr besonderes Wissen, ihre Erfahrung und vielleicht auch Erfindungen auszutauschen. Denn trotz der langen Zeit, in der Menschen Knoten benutzen, werden immer wieder welche neu erfunden.

http://www.igkt.net/css/logo.jpgAn diesem Wochende treffen sich im Schifffahrtsmuseum Mitglieder der der deutschen Sektion der Internationalen Gilde der Knotenmacher (IGKT).
Außer in der praktischen Anwendung werden Knoten auch als Schmucktechnik eingesetzt. Seeleute haben früher das Schöne mit dem Nützlichen verbunden, indem sie häufig für den selben Zweck den schöneren Knoten geschlagen haben, auch wenn es etwas länger dauerte, ihn anzufertigen. Fancy-work werden Knotengebilde genannt, die sie während der langen Ozeanreisen anfertigten, als Geschenk bei ihrer Rückkehr.

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Wer sich für Knoten interessiert, sollte mal bei "Jack Tar" reinschauen, eine Webseite für jeden, der an traditionellem Seemannshandwerk Freude findet.

Auch die Mathematik hat sich der Knoten angenommen, natürlich rein theoretisch. Aber mittlerweile kommen von daher auch wichtige Anwendungen wie zum Beispiel bei der Entschlüsselung komplexer Molekülstrukturen.   

12.10.12 Kinderarbeit im Schifffahrtsmuseum

Kinder arbeiten gern, wenn sie den Sinn erkennen und sie gelernt haben, was zur Arbeit nötig ist. Was das Seile schlagen Knoten machen betrifft: beim Knotenmachertreffen im Schifffahrtsmuseum können Kinder diese Tätigkeiten sinnlich erfahren, wie das Video zeigt. Es entstand heute im Schiffahrtsmuseum in der neu eingeweihten Ausstellung zu Tauwerk und Takelage. Was der Film nicht zeigt: natürlich bekommen die Kinder das Tauende, das sie selber auf der alten Seilermaschine hergestellt haben. Aber so ist das nun mal, wenn man ohne Drehbuch filmt.
 
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Erwachsene gerne willkommen sind.

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12.10.12 Hochwasser im Museumshafen

Die ersten Herbsstürme kommen aus Südost und im Hafen steigt das Wasser. Heute, um ca. 17:00 Uhr, ist der neue Steg im Lüttfischerhafen erstmals überschwemmt. Am Bohlwerk sehen die Schiffe aus der neuen Perspektive größer aus als sonst. Die Bootsplanken stehen schon recht steil. Wenn das Wasser weiter steigt, werden akrobatische Fähigkeiten gefordert, um an Bord zu kommen, oder das Schiff wieder zu verlassen. Einige Schiffe können nur noch mit einem Beiboot erreicht werden, wenn nötig.
Dabei ist Hochwasser bei Wind aus Südost noch "gnädig" zu den Schippern. Bei Starkwind oder gar Sturm aus Nordost steht im Hafen zusätzlich ein starker Schwell. Dann kann das Rüberklettern auch mal richtig gefährlich werden.
Nun zahlt es sich aus, wenn die Festmacherleinen sinnvoll belegt sind. Sind sie zu kurz, kann das Schiff runtergezogen werden. Lange Vorsprings, die mittschiffs befestigt werden und Brustleinen anstelle der Achterleinen haben sich für für das Liegen in der Box gut bewährt. Sind die Vorleinen zu lang, kommt das Schiff zu nahe an den Steg oder das Bohlwerk. Aber die Schipper haben das alles gut im Griff und irgendwann wird das Wasser ja auch wieder sinken.


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12.10.12 Neue Termine

Die Seite "Termine" enthält jetzt das Angebot des Flensburger Schifffahrtsmuseums im November 2012

11.10.12 Das Schifffahrtsmuseum kündigt an

Gestern kam eine Ankündigung des Flensburger Schifffahrtsmuseums. Wer gerne Tee trinkt und mehr über sein Lieblingsgetränk lernen möchte, sollte sich die Termine vormerken:

Teeverkostung im Schifffahrtsmuseum
So, 21. Oktober und am So, 18. November um 15 Uhr

Second Flush, Orange Pekoe, Jade* Die Welt des Tees ist von einer faszinierenden Vielfalt. Am Sonntag, den 21. Oktober bietet das Flensburger Schifffahrtsmuseum um 15 Uhr eine Teeverkostung an. Rainer Schmidt, anerkannter Tee-Experte, präsentiert den Teilnehmenden exklusive Tee-Spezialitäten aus aller Welt. Die einzelnen Sorten werden erläutert und nach Art eines professionellen *Tea-Tastings* probiert. Die Teemuster werden dafür in Probiertassen eingewogen, aufgegossen und nach Geruch, Blattqualität, Farbe und Geschmack beurteilt * ein traditionelles Ritual, das viel Erfahrung verlangt. Im Rahmen der Präsentation erfahren die Teilnehmenden viel über die klassischen Anbaugebiete, die typischen Qualitäten sowie die Verarbeitung der Teeblätter. Außerdem erhalten sie Tipps für die Zubereitung und den Einkauf. Die Veranstaltung endet * wie könnte es anders sein * mit einer guten Tasse Tee!

Die Teilnahme kostet 10 Euro. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird eine Anmeldung empfohlen unter Tel.: 0461/85 29 70 oder per E-Mail: schifffahrtsmuseum@flensburg.de. 

11.10.12 FORENING: Es wird eng

Die "Hafenmeldungen" haben den Bau des Modells eines Westindienfahrers mit dem Namen FORENING seit den ersten Arbeitschritten auf der Museumswerft begleitet (Die Berichte werden angezeigt, wenn das Wort FORENING  in das Suchfeld oben links in dieser Anzeige eingegeben und die Eingabetaste gedrückt wird.)
Die Arbeiten an dem großen Projekt gehen weiter voran. Denn das Frühjahr 2013 kommt näher, und damit der Termin, zu dem das Modell der Schnau fertig sein soll. Inzwischen sind alle Planken bis zum (dickeren) Bergholz *) angeschlagen. Fragen zum Verlauf der Planken am Heck gibt es jetzt nicht mehr: An der Stelle mit der stärksten Krümmung wurde ein Holzklotz eingesetzt.  Derzeit werden die ersten Decksbalken des Hauptdecks in die Balkweger verklinkt. Schlingen **) für eine Decksluke sind bereits an ihrem Platz.

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Die Werftmannschaft muss sich mittlerweile klein machen, um die Arbeiten im Rumpf auszuführen, zumal die Kopfhöhe unter der Kampanje im Original nur einen Meter fünfzig beträgt.
Spannend bleibt deshalb auch die Frage, ob der Einstieg in den Schiffsbauch nur sehr Kleinwüchsigen möglich sein soll. Ein normal gewachsener Mensch könnte durch die Luke unter der Kampanje nicht einsteigen. Damit wird der Zugang für Kontrolle des Rumpfes von innen schwierig. Vielleicht ist aber noch ein anderer Weg in das Schiffsinnere geplant, zum Beispiel durch eine größere Luke im Hauptdeck. Man wird sehen, wir bleiben dran.

*) Bergholz: Eine oder mehrere dickere Planken als Schutz gegen Scheuern und zur Verstärkung des Rumpfes

**) Schlingen: Balken in Längsschiffsrichtung, auf denen für Luken unterbrochene Decksbalken aufliegen. Sie unterstützen auch die Lukensülls.

10.10.12 Neu im Schifffahrtsmuseum

Das Flensburger Schifffahrtsmuseum eröffnet am 12. Oktober, also an diesem Wochenende, eine neue Abteilung unter dem Titel "Tauwerk und Takelage". Sie ist der historisch bedeutsamen Arbeit der Reepschläger, Segelmacher und Rigger gewidmet.

Aus diesem Anlass können sich die Besucher auch auf ein maritimes Wochendene freuen.

Denn gleichzeitig treffen sich zehn Knotenmacher aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Sie präsentieren kunstvolle Seemannarbeiten aus Tauwerk und führen vor, was man alles mit Seilen anfertigen kann. Dazu gehören nicht nur kunstvolle Knoten für die praktische Anwendung, sondern auch Schmuck aus Tauwerk, den man Fancy-Work oder auch Makramee nennt.
Im Mittelpunkt des Treffens der Knotenmacher steht aber das Mitmachen und Ausprobieren. Dabei kann Jung und Alt mitmachen und selber an der Seilermaschine versuchen, eigenes Tau zu schlagen.

Das Knotenmachertreffen ist der Auftakt zum diesjährigen Ferienprogramm des Schifffahrtsmuseums


10.10.12 Historische Hafenratten

"Ist es Herbstlaub? Sind es Ratten?
was dort rauscht und huscht im Schatten?"

Wanderratte (Rattus norvegicus)
Rattus norvegicus (Wikipedia)
fragte Chr. Morgenstern in seinem gleichnamigen Gedicht. Das ist ihm sicherlich nicht auf dem Bohlwerk eingefallen, denn dort sind die Ratten gut zu erkennen und sie huschen auch nicht nur im Schatten. Tagsüber flitzen sie über die Steinschüttung und in der Dunkelheit, im Lichtkreis der Laternen, spazieren sie über die Planken und manchmal ohne jede Scheu über die Schuhe der Passanten. So was nennt man Rattenplage.

Die biologische Gattung der Ratten umfasst zahlreiche Arten. Die Ratten am Bohlwerk haben bräunliches Fell, sind also vermutlich, auch wegen ihrer Größe, Wanderratten (rattus norvegicus). Vielleicht kommt einer auf die Idee, dass die lieben Mitbewohner unter Artenschutz stehen. Das tun sie nicht. Auf der Liste der bedrohten Arten in Schleswig-Holstein werden sie als "nicht gefährdet" eingestuft. Wanderratten sollen schon seit Zeiten der Wikinger nachgewiesen sein und sich über den Schiffsverkehr verbreitet haben. Bleibt deswegen noch die Frage: Könnten die Rattenkolonien zum Konzept "Historischer Hafen Flensburg" gehören und daher Schutz genießen? Wir wissen es nicht, aber wir wissen, dass es so nicht weiter geht.

Vorstöße bei der Stadt, etwas gegen die Nager zu unternehmen, blieben bislang erfolglos. Zum Einen, weil das Bohlwerk der Hafenbetriebsgesellschaft gehört, einer Tochter der Stadtwerke Flensburg, diese wiederum eine Tochtergesellschaft der Stadt, weswegen sich keiner zuständig zu fühlen scheint, zum Anderen, weil man insgesamt, und das scheint der wichtigere Grund zu sein, zur Zeit finanziell immer noch äußerst klamm ist. Nun berichtet das Flensburger Tageblatt vom 09.10.12 dass sich im Land insgesamt die Meinung entwickelt, Rattenbekämpfung sei keine öffentliche Aufgabe und beeinträchtige Gesundheit und Umwelt. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen.  Wird z. Bsp. eine vergiftete Ratte gefressen, vergiftet sich auch der Aasfresser. Andere Bekämpfungswege sind auch nicht ohne Nebenwirkung. Ein früher Versuch, Rattenfänger einzusetzen hat, einer Sage nach, in Hameln im Jahr 1284 den Kindern der Stadt geschadet.

Schaden nimmt aber auch, wer mit den von Ratten übertragenen Krankheiten infiziert wird. Dazu ihnen gehört auch die Beulenpest. Wessen Schiff von den nagenden Tierchen verwüstet wird könnte sich, daran gemessen, immer noch glücklich schätzen.

08.10.12 Gorch Fock: Übungsmast gesichtet

Mast im Wald überm Mastenwald
Nach den tragischen Unfällen auf der Dreimastbark der Bundesmarine wurde beschlossen, die Kadetten in einem "Trockenkurs" an Land auf die Arbeit in der Takelage des Großseglers auszubilden. Dafür wurde ein Übungsmast errichtet und inzwischen in Betrieb genommen (siehe hierzu auch einen Bericht des "Flensburger Tageblatts"  vom 20.September 2012. Wer die Marineschule in Glücksburg auf dem Wasser passiert, kann den ockerfarbenen Masttopp  über den umgebenden grün belaubten Bäumen sehen. 
Wer auf einem Rahsegler im Mast gearbeitet hat, weiß wie viel Kraft es kostet, die Angst vor der Höhe und vor einem Absturz zu überwinden. Da kann man die Entscheidung für die neue Trainingseinrichtung nur begrüßen.
Kritiker gibt es natürlich auch. Die bezweifeln der Wert der Übung auf einem Mast, der unbewegt an Land steht. Die Kadetten könnten deshalb nicht den Einfluss der Schiffsbewegungen erfahren, ein wichtiges Moment für die Unsicherheit beim ersten Einsatz an Bord. Das ist richtig, aber konsequent zu Ende gedacht heißt das, einen bewegten Übungsmast zu bauen. Aber dann kann man ja auch gleich an Bord gehen. 

08.10.12 Endlich wieder segeln!

Windvorhersage für die Innere Förde: vier bis fünf Beaufort aus West, Böen sechs bis sieben. Am Bohlwerk rührt sich nur ein leicher Hauch, es ist bei Westwind gut geschützt. Wir konnten nun schon ein paar Wochen nicht mehr raus. Heute nachmittag wollen wir wieder mal segeln und fragen uns, welche Besegelung günstig ist. Eine Ketsch bietet darin zum Glück eine gute Auswahl. Wir sehen uns Schiffe an, die in den Hafen hineinsegeln. Sonst haben die meisten bei dieser Wetterlage ein oder zwei Reffs ins Großsegel gebunden. Doch wer heute überhaupt in den Hafen kommt, hat seinen Mast bereits im Winterlager. Wir glauben also der Vorhersage und entscheiden uns für die handliche "Fock & Groß"- Variante, zumal wir aus der Übung und durch einen desolaten Fuß beeinträchtigt sind.

Tatsächlich nimmt der Wind schnell zu, sobald das hohe Werftgebäude hinter uns liegt und schon bei Fahrensodde fegt ein frischer Wind aus der Wasserslebener Bucht. Der nimmt um so mehr zu, je näher wir zu den Ochseninseln kommen. Dort haben wir schon geschätzte sechs Beaufort und dazu noch Böen. Obwohl die Wellen nur wenig Anlauf nehmen können, sind einige beinahe einen halben Meter hoch. Für uns kommt der Wind raum und WIEBKE BOHLEN nimmt Fahrt auf. Mit ihren ca. zwanzig Tonnen Verdrängung braucht sie dazu eine kleine Weile aber dann legt sie sich auf die Backe und pflügt die Förde.

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Bald sind wir bei den Ochseninseln und entschließen uns, zurück zu segeln. Es wird länger dauern als bisher, denn nun müssen wir kreuzen. Wir können bei den Wellen nicht höher als 55 bis 60 Grad an den wahren Wind und das reicht nicht für einen geraden Kurs in den Hafen. Seit einer Weile sehen wir einen großen Traditionssegler in Richtiung Flensburg fahren. Jetzt kreuzen sich unsere Kurse und wir erkennen: es ist SEUTE DEERN. Beim nächsten Schlag bleiben wir hinter ihrem Heck, obwohl das GPS sechs bis sieben Knoten anzeigt.
Wir fahren vorzugsweise Wenden. Aber wenn es wg. mangelnder Übung mal nicht auf Anhieb klappt, sind Halsen eine gute Alternative. Sie brauchen nur unwesentlich mehr Platz und schonen bei dicht belegten Großsegel-Schoten die Vorschoterin und das Schiff.

Bald schon liegt die Werft vor uns und der Wind nimmt spürbar ab. Im Hafen herrscht schon fast wieder Flaute. Für den Weg bis zum Museumshafen benötigen wir fast so lange, wie von den Ochseninseln bis zur Werft. Aber wir kreuzen bis vor unseren Liegeplatz. Gut durchgepustet sind wir zurück. Was für ein schöner Nachmittag.
Neugierig rufen wir die Reisestatistik im Plotter auf: die maximale Geschwindigkeit war achtkommaeins Knoten. Es war sogar ein sehr schöner Nachmittag!

07.10.12 Ehemalige segelnde Berufsfahrzeuge

Berufsfahrzeuge in den 1950ern in Niendorf
Mit Beispielen ist das so eine Sache. 
Kassandra, zum Beispiel, gilt seit dem Altertum als tragische Figur, weil sie die Wahrheit zu kennen glaubte, aber niemand ihr Glauben schenkte. Doch dazu später. 

Beim Stöbern in alten Fotoalben der Familie fallen Bilder aus den Fünfzigern und Sechzigern von Häfen an der Ostseeküste ins Auge. So sahen sie damals wohl aus, die zahlreichen seglenden ehemaligen Berufsfahrzeuge, die heute die Museumshäfen zieren. Mit Masten, aber ohne Segel, dafür mit Steuerhäusern. Was bekommen wir denn nun am Bohlwerk präsentiert: Ehemalige Berufsfahrzeuge die segeln? Ehemalige Segelfahrzeuge, die beruflich genutzt werden? Segelfahrzeuge, die ehemals beruflich genutzt wurden? Alle Deutungen sind möglich und für alle gibt es Beispiele. 
Na, dann ist ja alles in Ordnung, und wir können über den Aufnahmeantrag für den Museumshafen Flensburg entscheiden, meint der Pragmatiker und widmet seine Zeit dem nächsten Thema.
Nicht so der Theoretiker, diesmal ist es nicht ein Hüter der reinen Lehre des Museumshafen-Gedankens, der eine naheliegende Entscheidung kippt. Es ist keiner, der seinen Sachverstand durch jahrelange Mitarbeit in einschlägigen Gremien und Organisationen geschärft hat. Der weiß nämlich, wie vertrackt die Sache mit den ehemaligen segelnden Berufsfahrzeugen ist, wenn man zusätzlich auch noch Qualitätskriterien einführen möchte, zum Beispiel über die Art des Riggs der Segler. Dabei ist das Problem weit verbreitet. Als führendes Internet-Lexikon schreibt deshalb WIKIPEDIA:   
"Ein Museumshafen ist eine Sammlung von traditionellen Arbeitsschiffen.
Der Begriff Museum kann etwas irreführend aufgefasst werden, da die in den Häfen befindlichen Schiffe meist nur von außen zu besichtigen sind und aufgrund von Umbauten bestimmten musealen Vorstellungen nicht entsprechen."
Sieht man sich in Museumshäfen um, wird man der Zustandsbeschreibung zustimmen. 

Welche Mitglieder (und damit deren Schiffe) in einen Museumshafen-Verein neu aufgenommen werden sollen, bestimmt in der Regel die Vereinssatzung. Wenn sie nichts zur Sache sagt (Welche Anforderung muss das Schiff des Beitrittskandidaten erfüllen), dann regelt sie zum mindesten das Verfahren (Auf welche Weise entscheiden die Vereinsorgane?) 
An der Sisiphos-Aufgabe, allgemein verbindliche Anforderungen an die Qualifikation von Beitrittskandidaten, sind schon zahllose Versuche gescheitert. Deshalb gibt es immer noch keinen Kriterienkatalog. Nun scheint ein Vorstandsgremium sogar am Aufnahmeverfahren zu scheitern, weil ein Mitglied, so ist zu vermuten, mit Zweitnahmen Kassandra heisst.  

Und damit sind wir wieder bei der altgriechischen Königtochter. Ihre Argumente wurden von ihren Zeitgenossen als Ausdruck von Querulantentum verstanden, weshalb Apollo den sie verschmähte, sie dadurch bestrafte, dass niemand ihren Worten folgen sollte. Heute weiß man, dass sie im wesentlichen Recht hatte. Aber hätte der Trojanische Krieg ein besseres Ende gefunden, wenn man ihr geglaubt hätte? Und überhaupt, was ist schon besser? 
Damit ist das Beispiel aber auch schon wieder zu Ende. Kassandra wurde vergewaltigt und später sogar erdolcht. Aber das ist eine andere Geschichte. 
Fast wäre es unerwähnt geblieben:  Die Kandidatin in unserem Fall heißt LINA und liegt vor dem Schifffahrtsmuseum und ist ein ehemaliges segelndes Berufsfahrzeug.

05.10.12 Nachtrag zu ALBATROS

Zwar wurde in den Schiffsmeldungen vom 29. September notiert, dass der Drei-Mast-Topsegelschoner ALBATROS an dem selben Tag stilvoll unter Segeln ablegte, doch nun ist auch ein Foto dieses schönen Manövers aufgetaucht. An diesem Tag wehte ein mäßiger SW- Wind, für das Vorhaben also aus einer günstigen Richtung. Das tut der Sache aber keinen Abbruch.
Denn bei ähnlichen Bedingungen ziehen es manche Skipper immer noch vor, den Liegeplatz mit Hilfe ihrer Maschine zu verlassen oder gar anzulegen. Ob das der Zeitdruck ist, dem sich sich mancher ausgesetzt fühlen mag? Hier könnten die ständig steigenden Treibstoff-Kosten eine heilsame Wirkung entfalten. Man kann sich sogar vorstellen, dass es die Nachfrage nach Reisen auf Traditionsseglern beflügelt, wenn sich mehr Skipper auf die Möglichkeiten besinnen, Hafenmanöver unter Segeln zu fahren. Die zahlenden Gäste mögen so was, wetten?
Wie sehr man sich heute auf seinen Motor verlässt, kann man daran erkennen, dass nahezu auf keinem Segelschiff  der Anker bereit zum Fallen ist, wenn es im Hafen segelt. Noch vor 30 Jahren wäre das ein Beispiel für schlechte Seemannschaft gewesen. Dabei hat die Maschine auf manchem Traditionssegler auch drei Jahrzehnte und mehr auf dem Buckel, ist also nicht moderner und damit (vermeintlich) zuverlässiger geworden.
Also, Crew der ALBATROS: Danke für das schöne Bild! Hoffentlich findet ihr zahlreiche Nachahmer.

04.10.12 Neu im Museumshafen

Mit LINA, dem Marssegel-Schoner aus Lüneburg von 1930, ist heute ein neuer "Gastlieger" in den Museumshafen gekommen. LINA wurde in den letzten acht Monaten in Rudköbing (Dänemark) renoviert und sieht so frisch aus wie eine Braut vor der Hochzeit. Gastlieger sind Schiffe, die längere Zeit im Museumshafen liegen bleiben. Das wird auch als "Probeliegen" vor einer Aufnahme als Vereinsschiff verstanden. LINA hieß bis vor kurzem FIDDLERS GREEN" und löste eine Grundsatz-Diskussion darüber aus, ob ehemalige Haikutter, die als Galeassen geriggt waren, auch mit einem Schonerrig im Museumshafen Platz finden sollen. Nun scheint das ja einstweilen erledigt zu sein. Glückwunsch an die Entscheider und ein "Willkommen" an Stefan mit seiner Crew und dem schönen Schiff!

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03.10.12 Noch zwei Wochen bis zur Apfelfahrt


Ein Trost bleibt uns bei dem Dauerregen: Was jetzt runterkommt, bleibt erst mal unten und das Wetter kann nur noch besser werden!

Dazu die Aussicht auf die 33. Apfelfahrt am letzten Wochenende der Herbstferien (19. bis 21. Oktober 12). Wie in jedem Jahr seit 1979 brechen die Traditionssegler und Jollen des Museumshafens nach Glücksburg auf um Äpfel für den traditionellen Markt auf dem Bohlwerk abzuholen. Auch diesmal soll es wieder eine Tonne (Gewicht) sein.
Viele Stände und Besucher vor der malerischen Kulisse der alten Gaffelsegler unter dem Historischen Krahn. 

Hier nun das Programm:


Freitag 19.10.12
13:00 Uhr: Die Schiffe legen im Museumshafen ab 
Ca. 15:00 Uhr: Die großen Schiffe kommen in Glücksburg an
Ca. 15:00 Uhr: die kleinen offenen Boote kommen in Kollund, Dänemark an
Ca. 16/17:00 Uhr: Alle Schiffe legen wieder ab und segeln zurück nach Flensburg
Samstag/Sonntag 20./21.10.12

 10:00 bis 19:00 großer Apfelmarkt auf dem Bohlwerk.
Es gibt:
  Apfelschmalzbrote
  Die letzte Bratwurst vor dem Eis
  Apfelgelee, Apfelschnaps, Apfelwein, Apfelwaffeln…
  Heiße Maronen vom Maronen-Mann
  Bratäpfel von der Küchenhexe
  Kaffee & Kuchen im Apfelcafe 
  Apfelpunsch & Räucherfisch
  Apfelessig und hausgemachte saure und süße Gurken
  Kinder können auch in diesem Jahr selber Apfelsaft pressen!
Was es sonst noch an diesem Wochende rund um das Bohlwerk zu erleben gibt, zeigt ein Blick in die Terminseite der HAFENMELDUNGEN


    01.10.12 Traditionelle Segelmanöver

    Wir freuen uns immer wieder über traditionelle Hafenmanöver. Leider konnten wir aber besonders interessante noch nicht selber filmen. Meist werden wir erst aufmerksam, wenn das Wesentliche oder Spannende bereits vorbei ist. Schließlich ruft niemand quer über den Hafen "Aufgepasst! Wir machen jetzt ein ganz spektakuläres Manöver!"
    Im Internet gibt es Videos die so etwas zeigen, man muss sie nur finden.

     

    Heute haben wir dieses hier gefunden und wir wollen es nicht klammheimlich und alleine ansehen.
    Falls sich jemand fragt, warum die Gaffel in manchen Phasen einfach runterhängt während der Hals des Gaffelsegels (das ist die Ecke des Segels zwischen Unter- und Vorliek) hochgezogen ist: So kann man mit wenig Aufwand den Druck aus dem Segel nehmen. Die jeweiligen Begriffe für die Segelstellung sind "katten" (Segelhals vorheissen) und "skandalieren" (Gaffelpiek absenken). Diese Begriffe verwendet jedenfalls Andreas Köpke in seinem Buch "Der Gaffelfreund" auf Seite 214 (1994 Alte Schiffe Verlag, Rolf Elling-Eischeid, Kiel, ISBN 3-924381-41-0).
    Das katten (manchmal auch "Hals aufgeien" genannt) setzt voraus, dass ein Geitau über einen Block an der Klau geführt werden kann, das in der Gegend des Lümmellagers belegt wird. Und es muss ein Niederholer am Hals angeschlagen sein, um das Vorliek steif setzen zu können.
    Wer das mal ausprobieren möchte, sollte ggfs. vorher die Klau ein wenig absenken und den Unterliekstrecker lösen. Sonst könnte das Segel leiden. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht, behaupten Könner.