30.04.13 Der Spund

Seitdem CHARLOTTE schließlich einen neuen Eigner gefunden hat, weht ein frischer Wind durch die Decksaufbauten. Spötter könnten meinen, es sollten nun Panoramafenster eingebaut werden mit integrierter Blumenbank. Das ist jedoch nicht der Fall. Hier wird auch nicht versucht, die Sülls auf ihre ursprüngliche Höhe zurückzubauen, als dort, wo jetzt das Deckshaus steht, noch die Luke der Bünn zu finden war.
Die zahlreichen Freunde des Haikutters können beruhigt sein. Äußerlich bleibt alles beim Alten, nur die Segel werden erneuert. Und die mittlerseile morschen Teile der Deckshäuser werden durch die Museumswerft fachgerecht repariert. Dafür werden die Planken, soweit sie nicht mehr in Ordnung sind, sorgfältig ausgestemmt und entweder komplett ersetzt oder "gespundet". Welcher Weg gewählt wird, hängt vom Aufwand ab. Spunde nennt man hier Teile von Planken, die im Rahmen  einer Reparatur defekte Teile ersetzen. Die werden durch Anschäften mit dem gesunden Teil der Planke verbunden, soweit es um Endstücke der Planken geht. Ist nur ein Fleck auf der Planke  verrottet, kann man auch die Planke bis auf das gesunde Holz ausstemmen und durch eine formschlüssige Einlage ergänzen.
Was tun, um diese manchmal aufwändige Arbeit zu vermeiden? Vermutlich muss man akzeptieren, dass Holz als Werkstoff früher oder später vom Verfall bedroht wird.  Schwitzwasser als Ursache haben wir in früheren Beiträgen bereits diskutiert. Dagegen hilft nur lüften, lüften, lüften. Und das Schiff immer wieder sorgfältig auf Anzeichen für beginnenden Verfall kontrollieren. Aber das macht ja ohnehin jeder, wenn das Schiff im Herbst und Frühjahr sorgfältig gereinigt wird.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass "Spund" noch eine weitere Bedeutung hat. Bezogen auf das Foto ist diese jedoch nicht gemeint.

Für einen weiteren Beitrag zum Thema "Ursachen" bitte HIER klicken!

29.04.13 Make-up für Kapitänsweg

Flensburg bietet maritim-historisch interessierten Freunden der Stadt viele Sehenswürdigkeiten. Um sie Besuchern und Einwohnern im Zusammenhang näher zu bringen, wurde vor dreizehn Jahren der "Flensburger Kapitänsweg" geschaffen.
Der Flensburger Kapitänsweg
(Abbildungen: Flensburger Schifffahrtsmuseum )
Er folgt dem (fiktiven) Flensburger Kapitän Petersen aus der Zeit der Segelschifffahrt auf einem Rundgang, wie er ihn im 19. Jahrhundert hier zu erledigen hatte, informiert die Informationsbroschüre und fährt fort: "Wir haben mit Hilfe des Stadtarchivs, des Schifffahrtsmuseums und den Kenntnissen alter Fahrensleute und Kapitäne versucht, so nahe wie möglich an der Realität zu bleiben. Viele historische Fakten und Kleinigkeiten aus dem Flensburger Alltagsleben, aus der Hafengeschichte und dem Seemannsleben sind Teil dieser Kapitänsgeschichte geworden. Sie gibt einen kleinen Einblick in die sogenannte "gute alte Zeit". Sie zeigt die sich anbahnenden Veränderungen durch die Eisenbahn und die Industrialisierung, den Beginn der Dampfschifffahrt und des Tourismus, und beleuchtet zugleich das Ende der großen Zeit der Segelschifffahrt". (Auszug aus "Flensburger Kapitänsweg", ein Projekt des Kulturfördervereins im Flensburger Regionalmarketing"). Der Flensburger Kapitänsweg gehört von seinen Anfängen zu den beliebtesten Rundgängen in der alten Hafenstadt. Er wird geleitet von Tafeln, in denen die Besonderheit der 14 Stationen leicht fasslich erläutert werden.

Informationstafel am Historischen Krahn
Diese Tafeln sind mit der Zeit recht unansehnlich geworden. Jetzt sollen sie als Visitenkarte der Stadt erneutert werden. Die Kosten der Maßnahme überstiegen bisher die vorhandenen Mittel des Schifffahrtsmuseums. Hilfe kommt nun vom Verschönerungsverein Flensburg. Er hat den besonderen Wert des Kapitänswegs für die Vermittlung der lokalen Besonderheiten des Flensburger Stadtbildes erkannt und wird sich an der Erneuerung der Stationstafeln beteiligen. Um die Finanzierung auf eine breite Basis zu stellen, ruft der Verein interessierte Flensburger Bürger, Kaufleute und Unternehmen dazu auf, das Projekt mit individuellen Spenden zu unterstützen oder auch eine Patenschaft in Höhe von 400,- Euro pro Station zu übernehmen. Die Spenden und Patenschaften sind steuerlich abzugsfähig. Der Förderverein Flensburg Regionalmarketing (FFRM), der sich schon an der Einrichtung des Weges beteiligt hat, die Unternehmen Förde Direkt Service GmbH, Medizinfo und Die Mürwiker sowie die Flensburger Druckerei Printline haben ihre Unterstützung des Projekts bereits zugesagt .
Ziel ist es, den Kapitänsweg zur Hauptsaison im Sommer 2013 in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Vorarbeiten laufen derzeit an.

Wer sich mit einer Spende beteiligen möchte: Hier ist das Konto des Verschönerungsverein Flensburg:

Bank                 NOSPA
Konto                272477
BLZ                    21750000
Verwendung    Erneuerung Kapitänsweg

Bitte vergessen Sie nicht, ihre vollständige Anschrift für die Spendenbescheinigung anzugeben.
Bei einer Patenschaft für einzelne Stationen wird auf Wunsch ein Hinweis auf die Spender angebracht.

E-Mail-Anschriften für die Ausrichter des Erneuerungsprojektes:
Flensburger Schifffahrtsmuseum
Verschönerungsverein Flensburg

29.04.13 Historische Meuterei

Die Berichte über die Meuterei auf der HMS Bounty haben wohl in mehr jungen Menschen Begeisterung für die Seefahrt geweckt als jedes andere einzelne geschichtliche Ereignis. Und kaum eine seemännische Leistung hat mehr Anerkennung bekommen als die Reise der verbannten Männer unter der Führung des abgesetzten Kapitäns William Bligh in unbekanntem Gewässer über 5800 Km Entfernung in einem offenen Beiboot.
Deswegen, und weil es heute auf den Tag genau vor 224 Jahren ist, seit sich die hoch gehenden Emotionen der Mannschaft auf dem Schiff in einem bewaffneten Widerstand gegen den Kapitän William Bligh entluden, soll hier daran erinnert werden. Kapitän Bligh schilderte den Hergang später so:
http://www.rmg.co.uk/tserver.php?f=B1337.jpg&w=736&legacyResize
© National Maritime Museum, Greenwich, London
„Kurz vor Sonnenaufgang, als ich noch schlief, kamen Herr Christian, der Waffenmeister Churchill, der Konstablersmaat John Mills und der Matrose Thomas Burkett in meine Kajüte, ergriffen mich, banden mir die Hände mit einem Strick auf den Rücken und drohten, mich augenblicklich töten zu wollen, wenn ich nur den geringsten Lärm machen würde. Ungeachtet dieser Drohung rief ich so laut, daß jedermann im Schiff alarmiert werden mußte, aber die Empörer hatten sich der Offiziere, die nicht auf ihrer Seite standen, bereits dadurch versichert, daß Wachen vor ihren Kajüten aufgestellt waren.“ (Zitiert nach Hermann Homann (Hg.), Meuterei auf der Bounty. Berichtet von William Bligh – Piratenjagd auf der Fregatte „Pandora“. Aufzeichnungen des Dr. George Hamilton 1787–1792, Stuttgart 1983, S. 142).























Dieses Ereignis war auch Vorlage für mehrere Filme. Für den Film, mit Marlon Brando aus dem Jahr 1962 wurde eigens eine Replik der unglückseligen Bounty gebaut. Sie sank im vergangenen Jahr im Atlantik südöstlich von New York im Hurrikan "Sandy".

25.04.13 Emsige Sprüche

Ein Bootsbauer aus Mecklenburg-Vorpommern erzählte einmal seine Eindrücke von städtischen Besuchern auf der Werft, wo er arbeitet. Es ist Februar, Temperaturen um die null Grad, Schauer von Schnee und Regen. Die Werkzeuge sind eiskalt, die Hände und Füße auch. Er  arbeitet im Freien an einem alten Zeesboot. Kommen Leute aus der Stadt gucken hier und gucken da. Schließlich sagen sie "Einen romantischen Beruf haben sie aber auch! Immer an der frischen Luft arbeiten! Sie müssen doch rundum glücklich sein!"

Im Museumshafen ist man in diesen Tagen noch glücklicher, weil die Temperaturen nun endlich angenehm sind. Noch. Für die kommenden Tage ist eine Kaltfront angesagt. Was das bedeutet weiss man ja: Regen, böiger Wind sinkende Temperaturen. Also heisst die Parole " emsig", emsig, um noch so viel zu schaffen wie die verbleibende Zeit zulässt. Leider sehen viele Passanten darin nur ein abschreckendes Beispiel. "Das wäre mir aber zu viel Arbeit" ist ein häufiger Kommentar. Dabei wird "Arbeit" so ausgesprochen, als ginge es um eine heimtückische Krankheit. Dass wir glücklich sind, hat noch keiner von ihnen vermutet. So weit ist es mit uns gekommen.
Vor langer Zeit, als die Schiffe im Museumshafen gebaut wurden, war Arbeit so selbstverständlich, dass es kaum lohnte, über sie zu sprechen. Sie war einfach da und musste gemacht werden. 
Spricht man heute mit den Nachbarn am Bohlwerk, ist  auch  die Arbeit ein Thema. Was machst Du gerade? Kannst Du mal bei mir mit anpacken? Lob ist eher selten, frei nach dem schwäbischen Motto "Net g'schompfe isch g'lobt g'nug" (nicht geschimpft ist genug gelobt). Und wenn es nichts zu loben gibt? Heute sagte ein Nachbar mit Blick auf einen desolaten Gaffelbaum: "Das erledigt sich natürlich nicht mit einer Flasche Bier in der Hand". Wie wahr! 
Das selbe kann man auch von dem rostigen Stockanker sagen, den Achim aus dem Hafen geangelt hat.
An MEJSEN  werden derweil augenscheinlich die Planken- nähte kritisch untersucht.
Das Deckshaus von CHARLOTTE kann ebenfalls nicht mit der Bierflasche in der Hand repariert werden. Die Jahre haben eben ihre Spuren hinterlassen. Die will der neue Eigner nun gleich zu Anfang seiner Liaison mit dem schönen weissen Haikutter beseitigen lassen.
Auch auf FULVIA wird emsig weiter gearbeitet. Was da genau gemacht wird, bleibt dem Blick verborgen. Eine Bierflasche ist auch hier nicht zu sehen.
Ebenso, wonach Uwe auf seiner BODIL ausspäht. Eine Bierflasche wird es nicht sein. Was Werner an seinem luftigen Arbeitsplatz sieht? Ist doch klar: Arbeit, jede Menge Arbeit. Und für eine Flasche Bier ist da keine Hand frei.                                                                                        

28.02.12 Auf Biegen und Brechen

Die Arbeit an BODIL geht zügig weiter. Günter schreibt:
"Und wieder ist ein Tag vollbracht, und die ersten Planken sitzen auf ihrem Platz, nachdem sie 3 Stunden im Dampfofen aufgeheizt worden sind. Es ist heute auch ein wenig später geworden, da wir sonst morgen den Ofen noch einmal einheizen müssten. Außerdem haben wir das Totholz unterm Kiel erneuert, die alten Schutzanoden entfernt, und die zu behandelten Stellen mit Primer gestrichen. Anschließend haben wir die Stellen mit Antifouling behandelt, damit wir morgen die neuen Schutzanoden und die anderen Planken anbringen können."
Was gibt es auf den Bildern zu sehen?
Das linke Bild zeigt die sogenannte Dampfkiste, in der Planken vor der Montage am Rumpf "gekocht" werden. Dadurch wird das Holz geschmeidig. Anderenfalls könnte es nur mit grösster Anstrengung gebogen werden und könnte brechen.[nbsp]
Dennoch ist viel Kraft gefordert. Die Planken sind schwer und heiss und müssen schnell montiert, ausgerichtet und mit Schraubzwingern provisorisch befestigt werden. Fehler sind nur schwierig oder garnicht zu korrigieren. Deshalb muss jeder Handgriff sitzen. Wenn die Planken abgekühlt sind, können sie angenagelt werden.
Das rechte Bild zeigt das Ergebnis vom Tage. Es bleibt noch zu tun...

tl_files/bilder/Aktuelles/Tagebuch/BODIL 28.2.10.jpgtl_files/bilder/Aktuelles/Tagebuch/BODIL 28.2.4.jpgtl_files/bilder/Aktuelles/Tagebuch/BODIL 28.02.12 1.JPG

24.04.13 Pönen, nicht klönen

Dass der letzte Winter lange gedauert hat, ist mittlerweile bekannt und muss nicht noch einmal wiederholt werden. Was aber nach beinahe jedem Winter wiederholt werden muss:  Das Schiff pönen oder oder anmalen. Zufällig ist "pönen" auch ein altertümlicher Ausdruck für "strafen". Manchem pönen als die gerechte Strafe dafür erscheinen, dass er so vermessen ist, ein traditionelles Schiff in einem ordentlichen Zustand zu erhalten. In diesem Frühling scheint diese Sinnverschiebung von strafen zu malen um so wahrscheinlicher, weil man lange nicht pönen konnte und der Termin der Rum-Regatta zu allem Verdruss auch noch besonders früh liegt. Auf dem zweitmöglichst frühen Termin, sozusagen. Halten wir uns also an Macbeth "Wär's abgetan, so wie's getan ist, dann wär's gut, man tät' es eilig."

Malen muss man mögen. Mit guter Vorbereitung und gutem Material kann es sogar Freude bereiten. Aber leider gibt es auch hierbei vertrackte Situationen, die eher in die Kategorie "Schadenfreude" gehören. Zum Beispiel, wenn eine volle Lackdose umkippt und das kostbare Nass über das saubere Deck fließt. Oder, wenn ... Man kann sich beliebig viele Situationen ausdenken.
Übel ist auch, wenn der alte Lack keine weitere Schicht tragen kann und zuerst komplett entfernt werden muss. Ist das im Top des Großmastes  notwendig, wird die Freude schon ziemlich gedämpft. Aber selbst dann "wär's gut, man tät es eilig". Also genug geklönt, oder um einen netten Nachbarn zu zitieren: "Wie schnell ist Nichts getan!" Glücklicherweise haben wir ein paar trockenen Tage mit angenehmen Temperaturen und mit trockener Luft. Und so sieht das Pönen im Museumshafen aus:


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Der Schipper von WIEBKE BOHLEN geht auf die Palme, die von BODIL und FULVIA bleiben sie mit beiden Füßen auf dem Boden. Der Schipper von PIROLA hätte auch beim Pönen gefilmt werden können, aber er war gerade unter Deck. Vielleicht um Nachschub für den Lackierpinsel zu holen. RYVAR kommt erst später unter den Pinsel, dort wird noch geschweißt.

PS:
Mit einer langen vierpartigen Talje kann man auch ohne kräftige Helfer in den Mast gehen. Die Talje, mit dem Topfall vorgeheisst, erlaubt dem wackeren Maler sich selbst hinaufzuziehen. Oben ist die Eigensicherung erstes Gebot. Der Sicherungsgurt stoppt einen fallenden Mann auf kurzem Weg, wenn er mit einer Würgeschlaufe um den Mast geführt wird. Das ist besonders einfach zu handhaben, wenn der Gurt mit einem Sicherungshaken in sich selbst eingepickt wird. Aber das weiß natürlich jeder schon längst. 

22.04.13 Tschüss DENEB!

Seit gestern lag das Wracksuchungs- Vermessungs- und Forschungsschiff schiff DENEB des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie am Gastseglerkai im Flensburger Hafen; heute ist sie abgereist. Bei den meisten Schiffen erfährt man nicht, woher sie kommen und wohin sie reisen. Das ist auf der einen Seite unbefriedigend, denn wissen wollen tät man's scho, wie die Bayern sagen, aber wissen sollen derf man's net. Andererseits: Was regt die Fantasie stärker an als kommende und abreisende Schiffe? Selbst hartgesottene Traditionsschiffer unterbrechen ihre Arbeit um solch einem Schiff einen versonnenen Blick nachzusenden, auch wenn es nur für einen Augenblick ist.
Wer es nicht so mit der Fantasie hat und mehr auf Fakten aus ist, kann HIER Genaueres über die Reisen der DENEB erfahren.



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19.04.13 Ameisenstraße



Seit der Frühling endlich fühlbar wurde, ist das Bohlwerk wieder Ziel vieler Spaziergänger und Passanten. Morgens trainieren junge Menschen Dauerlauf, Kindergruppen lassen sich von ihren Erzieherinnen und Erziehern die Schiffe erklären.
Dort werden Winterplanen abgeschlagen und Segel gewechselt.  Beim Wegtragen der Planen, Segel und Stellagen wirkt das Bohlwerk wie eine Ameisenstraße und es ergeben sich manchmal lustige Bilder. Sabine hat ein Auge für solche Szenen und freundlicherweise Fotos gesandt.

Tätigkeiten an Bord kann man leicht in zwei Klassen einteilen: Die einen gelingen einfach besser, wenn man sie alleine macht, bei den anderen ist man besser nicht alleine. Wenn zum Beispiel etwas vollkommen misslungen ist, möchte niemand zu viele Augenzeugen um sich haben. Ist es noch schlimmer, sollte auch das Bohlwerk am besten menschenleer sein. Selbst wohlmeinende Ratgeber können dann schon mal heimlich zur Hölle gewünscht werden. Auch bei kniffeligen Arbeiten ist mancher am liebsten ohne seine Liebste. Anders ist es, wenn sperrige Sachen geschleppt werden müssen. Das geht besser mit vielen helfenden Händen und auch die Liebste ist wieder höchst willkommen. Feiern gehört natürlich auch in diese Kategorie. Wer feiert schon gerne alleine?
Größere traditionelle Segelschiffe brauchten schon früher sprichwörtlich ein ganzes Dorf. Mit einem Dorf kann der Museumshafen nicht dienen, aber selten fehlt eine helfende Hand, wenn sie gebraucht wird. Nicht nur im Frühling.

(Fotos: Sabine Große-Aust)




18.04.13 Ein Schiff wird kommen

Noch etwas gibt es über MARIA HF31, dem Modell des Finkenwärder Fischerei-Ewers zu berichten. Gestern wurde das kleine Modell eines großen Fischereifahrzeugs in einer ebenfalls kleinen Runde dem Flensburger Schifffahrtsmuseum als Leihgabe für ein Jahr übergeben. Dr. Thomas Overdiek dankte im Namen des Museums dem großzügigen Leihgeber in einer ebenfalls  kleinen Ansprache. Darin erklärte er launig, dass MARIA HF31 nunmal historisch nicht der Ostsee zugehörig war und deswegen keine Beziehung zu Flensburg nachzuweisen sei. Deswegen gehöre es eigentlich nicht in die Austellung des Flensburger Schifffahrtsmuseums. Andererseits sei das Modell nun einmal unzweifelhaft in Flensburg gebaut worden, weswegen es nun eben doch nach Flensburg gehöre. Kurz und gut: Es wird in den nächsten Tagen seinen Platz in der verglasten Ausstellungsvitrine im ersten Obergeschoss einnehmen.
Damit ist das Schiffahrtsmuseum um eine Attraktion reicher. Zur Art der Präsentation sind noch Fragen zu klären. Die haben damit zu tun, dass neben der originalgetreuen Darstellung des Modells von außen, auch die ebenfalls originalgetreue Nachbildung der Inneneinrichtung sichtbar gemacht werden soll. (Wir haben über diese Details des Modells mehrfach berichtet.) Das könnte einerseits ganz konventionell dadurch erreicht werden, dass Teile der Decksbeplankung offen gelegt werden, wodurch jedoch die äußere Erscheinung beeinträchtigt würde. Um diesen Konflikt aufzulösen, könnten moderne Techniken der elektronisch gestützten Präsentation ergänzend eingesetzt werden. Da kommt also noch was. Wenn es so weit ist, werden wir berichten.
Das kleine Video zeigt Szenen der Übergabe. In den rund 1800 Stunden Arbeitszeit ist sicherlich auch eine große Menge Herzblut in das Kunstwerk geflossen. Das kann natürlich kein Video wiedergeben. Aber dem, der genau hinsieht wird einleuchten, dass zum Beispiel die winzigen Bestecke und Gerätschaften in der Kombüse nicht ohne eine innige Vor-Freude auf die Begeisterung der künftigen Betrachter an den Details  entstehen können. 



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Hier können alle bisherigen Artikel über die MARIA HF31 aufgerufen werden. Ein Blick auf die Seite "Ewer, Lastesel der Küste" könnte ebenfalls interessieren.

18.04.13 Heil'ge Ordnung, segensreiche

dichtete F. Schiller in "Das Lied von der Glocke" und fuhr fort: "die das Freie und das Gleiche, frei und gleich und freudig bindet..." und schuf damit einen zeitlos gültigen Sinnspruch für die Grundlagen einer jeden Gemeinschaft.

Unter der Überschrift "Stadt macht Klarschiff für Klarschiff" (sollte wohl heissen Klar Schiff für Klarschiff) berichtet das Flensburger Tageblatt über eine absehbare Entwicklung. Die auf der Ostseite des Hafens liegenden Traditionsschiffe JONATHAN, KIMIK und LIBELLE sollen ihren Liegplatz räumen und auf Anweisung der Stadtverwaltung einen Liegeplatz im Historischen Hafen einnehmen. Dieser Historischer Hafen Flensburg ist eine gemeinnützige GmbH, in der unter anderen die ebenfalls gemeinnützigen Vereine "Freunde Klassischer Yachten Flensburg", "Salondampfer ALEXANDRA" und "Museumshafen Flensburg" Gesellschafter sind. Sie wurde mit massiver finanzieller Unterstützung der Stadt, des Landes und der EU gegründet und soll der Pflege des maritimen Erbes und, nicht ausdrücklich erwähnt, aber ausdrücklich gefördert, der Vermarktung desselben dienen. Diese stützt sich auf Veranstaltungen wie der Rum-Regatta und auf die Präsentation der Schiffe.
Schiffe lagen von alters her nach praktischen Gesichtspunkten geordnet und mehr oder minder getrennt an verschiedenen Stellen im Hafen. Diese sind nicht unbedingt dieselben wie heute. So lagen zum Beispiel viele Flensburger Jachten ehedem am Harniskai, wo jetzt die Frachtschiffe festmachen.
Eine Ordnung der Liegeplätze traditioneller Schiffe hat sich auch der Historische Hafen Flensburg vorgenommen. Dem entsprechend gibt es "Sammlungen" von Klassischen (Segel-) Yachten, Motorfahrzeugen, ehemaligen segelnden Berufsfahrzeugen, und Jollen, das sind in diesem Fall offene Fischerboote. Sie liegen in jeweils eigenen Abschnitten des westlichen Hafenufers. Dazwischen ist der "Gastseglerkai", dessen Funktion auch als "Kai für andere Schiffe" bezeichnet wird. Denn selbstverständlich müssen neben auswärtigen Segelschiffen auch auch Marineschiffe auf Besuch und die Ausflugsschiffe irgendwo festmachen. Dort liegt auch SUNTHORICE. Sie ist ein ehemaliges segelndes Berufsfahrzeug, müsste also einen Platz im Museumshafen haben. Dort kann ein so großes und schweres Schiff jedoch nicht festmachen. Also liegt sie in der Nähe der "Dampfersammlung". Sie ist also die Ausnahme von der Regel (sofern sie nicht "Gastsegler" oder ein "anderes Schiff" ist. Aber wer will das schon so genau wissen?)

Neben den "Gleichen", um auf Schiller zurück zu kommen, gibt es noch vier mehr oder wenig "Freie" im Hafen, bei denen die "Freudige Bindung" nicht wirklich angestrebt wird. Darüber schreibt das Flensburger Tageblatt in seiner Ausgabe von gestern und Holger Ohlsen liefert dazu gleich auch noch eine seiner bissigen Glossen unter dem Titel "Maritimes Legoland". In diesen Artikeln fehlt ein weiteres Schiff, das ebenfalls auf der Ostseite des Hafens liegt und ebenfalls ein ehemaliges segelndes Berufsfahrzeug ist, nämlich CAROL. Sie hat ihren Platz weiter nördlich als die beiden anderen, was den Verdacht bestärkt, dass nicht alle einschlägigen Schiffe in den Historischen Hafen verholen sollen, sondern nur jene, die jetzt den Blick auf die neueste architektonische Errungenschaft in Flensburg stören, einen Neubau mit dem Namen "Klarschiff". Diese Art der Ästhetik gefällt den Stadtverwaltern so sehr, dass sie dieses Ambiente nicht durch alte Schiffe kontaminieren will. Oder ist es vorauseilende Empathie mit den erhofften Mietern oder Käufern von Teilen der Immobilie, denen man den Blick auf "alte Kähne" ersparen möchte? Einerseits ist die positive Wirkung eines  maritimen Ambientes als Verkaufsargument unbestritten, obwohl es andererseits oft niemand unmittelbar vor seiner Haustüre haben möchte. Wobei, das kann man oft beobachten, die Regel gilt: Je wohlhabend desto oft. Jedenfalls will man es wohl bei Kaufinteressenten nicht auf eine Probe ankommen lassen. Nun sollen die Schiffe weg, deren Eigner über ein Jahr lang den Lärm und Schmutz der prominenten Baustelle ertragen durften.

So weit, so schlecht.
Die Auswirkungen dieses Begehrens haben schon gewirkt. Eines der Schiffe ist schon weg. JONATHAN, ein kleiner Schlepper, der schon vor langer Zeit vorübergehend dem Museumshafen gehörte, hat seinen Platz in der sogenannten "Dampfersammlung" des Historischen Hafens eingenommen.
Bleiben nur noch zwei, die in der Zeitung genannt werden. Das eine ist LIBELLE. Das Schiff gehört zur Flensburger  Stadtgeschichte und ist mittlerweile neben ALEXANDRA so etwas wie Teil des historischen Gen-Code der Gemeinde. LIBELLE also soll ihren Liegeplatz verlassen und auf die andere Hafenseite wechseln, ihr Eigner will aber nicht. Anders KIMIK, ebenfalls ein historisches Schiff. Dessen Eigner wollte zunächst garnicht dort liegen. Es musste aber seinen Platz im Museumshafen räumen, als der Historische Hafen gegründet wurde. Das Argument war, für diese Art Schiff sei dort die sog. Dampfersammlung eingerichtet. Nur wollte es dort niemand aufnehmen. So landete KIMIK auf der anderen Hafenseite. Nun soll sie auch dort weg.

Genau gesehen kann der Historische Hafen doch nur ein Angebot an die Stadt und die Schiffseigner sein. Dann können sich Vereine und Schiffseigner als Gleiche und Freie freudig binden. Anderenfalls muss alles so bleiben wie es ist.
Druck und Zwang kann nur dazu führen, dass historisch bedeutsame Schiffe und deren Eigner irgendwann nicht mehr den Hafen und damit die Stadt bereichern - auch solche, die schon lange in Flensburg zu Hause sind. Das kann doch niemand ernsthaft wollen.

14.04.13 Aus- statt entrüsten

LINA und das neue Großsegel
Nun sind es nur noch vier Wochen bis die Rum-Regatta wieder einmal rum ist. Aber noch werden die Schiffe für die "unernste Geschwaderfahrt" ausgerüstet. Geht es doch darum, die Ziellinie als Zweiter zu queren. Da kommt es auf optimale Geschwindigkeit an. Nur dann kann man das Feld hinter sich lassen, um dann einem Mitsegler der selben Gruppe im letzten Augenblick den Vortritt zu gewähren. Das ist natürlich nicht ganz uneigennützig. Der nun Erste wird später dem Gespött der "Preisverschleuderung" ausgesetzt während man selber eine große Flasche Regatta-Rum entgegen nehmen darf. So sind die Regeln, seit es die Rum-Regatta gibt.  Sich darüber zu entrüsten bringt nichts: Wer protestiert muss seine Flasche Begrüßungsrum abgeben. Dank dieser Regel sind Proteste eine seltene Ausnahme.
Wie bei jeder Regatta kommt es auch bei der Rum-Regatta direkt nach dem Können auf die richtige Ausrüstung an. 

Heute bekam LINA ein neues Großsegel. Ein neues Segel anschlagen: das sorgt immer für eine besondere Spannung. Ist das Oberliek richtig steif durchgesetzt? Lässt der Ausholer für das Unterliek dem Segel genügend Luft für das wirkungsvollste Profil? Steht das Segel faltenfrei? Und schließlich: Beherrscht der Segelmacher sein Handwerk so gut, wie erhofft?  Oder muß der Skipper sich an das neue Segel anpassen? Spannung ohne Ende. Nach der Rum-Regatta weiss man mehr.
P.S.: Man kann bei der Rum-Regatta auch ganz ohne Ambitionen mitsegeln. Das kann sehr vergnüglich sein und ist ganz im Sinne der unernsten Geschwaderfahrt. Ein Versuch wird empfohlen.

13.04.13 Frühlingserwachen

Knut und RAGNA beim Frühjahrsputz
Nun gibt es kein Halten mehr. Nach dem meteorologischen (1. März) und dem astronomischen Frühlingsanfang (20. März) gibt es nun heute den gefühlten Frühlingsanfang. Auf allen Schiffen im Museumshafen und auf der Museumswerft geht es mit Wasserpützen, Schrubbern oder, wie hier an RAGNA, dem Nachbau eines historischen Wikingerbootes, mit der Drahtbürste zur Sache. Die Sache: das ist Schmutz Spak und Verwitterung in jeder Form. Nein, so ist zu erfahren, nein, das bürsten schadet dem Eichenholz nicht. Denn es ist eine Messingbürste. Das Schiff hat den Winter gut überstanden, so der Bootspfleger. Nur eine Planke hat ein paar Windrisse bekommen. Die sollen historisch korrekt mit Bienenwachs verschlossen werden. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht. RAGNA werden eben auch Sinne der experimentellen Archäologie eingesetzt. Eigentlich hätte RAGNA historisch korrekt über den Winter versenkt werden sollen. Dann wären die Planken heil geblieben. Aber davon habe man wegen der Teredo-Muscheln Abstand genommen.
Den nächsten größeren Einsatz wird RAGNA auf der Rum-Regatta haben. Danach soll es nach Frankreich gehen. Zu einem Projekt, das der Erinnerung der frühen Auseinandersetzungen zwischen Klöstern auf dem Festland und den Wikingern gewidmet ist. Bekanntlich haben die Nordmänner vor der ersten Jahrtausendwende immer wieder die Küsten Europas raubend und brandschatzend überfallen. Schiffe der in der Größe von RAGNA waren daran vermutlich nicht maßgeblich beteiligt. Dafür ist das Schiff zu klein. RAGNA, so nimmt der Pfleger an, war vielleicht ein Fischerboot. Aber sicher ist das nicht, denn für diesen Zweck sei es eigentlich zu rank.

Frühere Berichte über RAGNA können HIER aufgerufen werden

12.04.13 Fünf Mann und ein Klüverbaum

PIROLA , der neue Klüverbaum und Leyla
Der Hund heißt Leyla und spielt sehr gerne. Immer wenn jemand vorbeikommt, erwartet sie , dass ein Stöckchen geworfen wird. Heute wartete sie vergebens. Dieses Stöckchen ist einfach zu unhandlich.
Statt dessen wurde PIROLA ein neuer Klüverbaum an Bord gehoben. Der Nockbeschlag ist schon aufgesetzt. Nun müssen noch die Stagen montiert werden. Dann ist PIROLA wieder komplett.

Bleibt noch die Frage, warum die Helfer so entspannt wirken? Nun, die Aufnahme wurde für die HAFENMELDUNGEN nachgestellt.


10.04.13 Wollen und Schaffen

Du musst es nur wollen. Wenn Du etwas richtig willst, dann schaffst Du das auch. Diese weisen Ratschläge kennt jeder, der einmal Kind gewesen ist und es nicht vergessen hat. Der Spruch ist weit verbreitet. Sein Imperativ ist sogar amerikanisches Selbstverständnis. Die wollten zum Beispiel mal auf den Mond- und dann waren sie da. Aber irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass jenseits der Philosophie und Pädagogik in der Wirklichkeit andere Gesetze gelten.
Nehmen wir zum Beispiel einmal das Wetter. Gibt es jemand unter den Lesenden der HAFENMELDUNGEN die kein anderes als dieses vermurkste Wetter in diesem Frühjahr wollen? Na also. Und hat es was gebracht? Natürlich nicht.
Die Ursache für dieses bedauerliche Versagen der Willenskraft kann von hier aus nur vermutet werden. Metereologen, um eine zuständige Gruppe von Wissenschaftlern zu nennen, braucht man nicht darauf ansprechen. Die behaupten mittlerweile, die ungewöhlich lang anhaltende Kälte sei weltweit eine zwangsläufige Folge der Klimaerwärmung.
Jetzt macht sich der Mensch, angetrieben von der Angst vor apokalyptischen Katastrophen  daran, das Klima zu verändern. Und Politiker aller Couleur schmieden Gesetze um diesem Projekt Raum zu verschaffen. Geld verdienende und ausgebende werden deswegen zu spürbaren Mindereinnahmen und Mehrkosten verdonnert. (Dass es bereits Pläne gebe, das Ausatmen zu besteuern, ist allerdings noch üble Verleumdung, wenngleich - wie viel CO2 ist denn darin eigentlich enthalten?)
Da fragt man sich, warum das seit Wochen unangenehm belastende Phänomen der Jahrhundertkälte noch nicht angegangen wurde. Nachdem alle anderen Vermutungen ausscheiden bleibt nur, dass es keine(n) Politiker(in) gibt der in sein Wahlprogramm geschrieben hat: Wählt mich. Ich bin für besseres Wetter. Dabei könnte sie oder er damit sicherlich Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler werden. An der Dringlickeit kann es auch nicht liegen. Ein Beispiel:

In einem Monat beginnt um 10:00 Uhr die Flensborg Fjord Regatta. Mit ihr werden die meisten Gäste der Rum-Regatta nach Flensburg segeln und damit zu dem größten Treffen segelnder ehemaliger Berufsfahrzeuge Nordeuropas.
Mancher der jetzt aus dem Fenster zum trüben Himmel aufsieht, aus dem Schneeregen fällt, wird sich freuen, dass es bis dahin noch 30 Tage sind. Denn es ist nicht jedermanns Sache, bei diesem Wetter zu segeln. Obwohl - der Wind ist ja nicht mal so schlecht: Sechs bis sieben Beaufort, Böen acht aus Ost. Die Windstärke hatten wir schon immer wieder mal, allerdings bei angenehmeren Temperaturen. Und die Windrichtung: einfach super. Also, geben wir Petrus und oder unseren Volksvertretern eine Chance. Noch bleibt Zeit, um einiges gut zu machen bis das Wetter während der Rum-Regatta uns mit lieblichem Wind und schmeichelnden Celsiusgraden verwöhnt.
Hier sind ein paar Bilder aus dem Jahr 2005 zur mentalen Vorbereitung auf das, was uns sonst erwarten könnte:

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Bilder von rho spuerbar

Aber auch das ist vermutlich zu nichts nütze. Schließlich ist am 22. September, dem Tag der Bundestagswahl, die Rum-Regatta schon lange wieder vergessen. Also melden wir vorsorglich schon einmal Bedarf für die Apfelfahrt an. Die findet vom 18. bis zum 20. Oktober statt. Dann aber bitte mit wirklich besserem Wetter!

09.04.13 Ende mit Schrecken?

Oberbürgermeister Simon Faber

Die traurige Highship-Posse nimmt eine neue Wendung. Sie erinnern sich? Highship, das sind die mit den Bodeneffekt-Fahrzeugen. Der Flensburger Oberbürgermeister Simon Faber, sonst in der Presse nur mit freundlichem Gesicht, einem Faible für Strategien und für ein Büro im Obergeschoss aufgefallen, hat entschieden, was schon längst hätte entschieden werden müssen. Die Stadt steigt aus dem Erbbauvertrag aus. Und zieht ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vor. Obwohl der zuständige Fachsbereichsleiter - aus welchen Gründen auch immer - eine andere Auffassung vertritt. Er ist der Meinung, dass in Erbbauverträgen Fristen für den Heimfall unzulässig sind und dass eine Prüfung der potentiellen Vertragspartner "nicht zwingend" sei.
Was ist heute dazu im Flensburger Tageblatt weiterhin zu lesen?
...In einer Pressemitteilung kündigte Faber an, er werde um das Mandat (Anm: bei den Stadtverordenten) bitten, den Vertrag schnellstmöglich zu lösen.
und weiter:
... Faber korrigierte (Anm: den Fachbereichsleiter) Dräger noch in zwei Positionen: 1.) Erbbauverträge sollen künftig durch Frist für die Bauerrichtung gesichert werden. 2.) Ansiedlungswillige Unternehmen sollen sorgfältiger überprüft werden.
Das also zu dem freundlichen Gesicht. Glücklicherweise kann er wohl auch anders.
Bleibt noch die Strategie. Hoffentlich beginnt man jetzt auch darüber nachzudenken, dass die in der Strategie definierten Globalziele der Stadt die Kräfte nicht nur bündeln, sondern auch in die selbe Richtung leiten müssen. Das bedeutet: Gewerbeförderung (Globalziel 1) ja, aber  nur wenn dies die Tourismusförderung (Globalziel 3) nicht zunichte macht. Denn so, wie die Hafenmeldungen am 18. Januar geulkt haben, wird das nichts.
Bleibt noch zu bemerken, dass Büros in Obergeschossen zu größerer Weitsicht führen können. Hoffen wir also weiter.

Hier eine Übesicht der Berichte in den HAFENMELDUNGEN zum Thema:

28.01.13 Up, up and away
25.01.13 Tycoon est omen
22.01.13 Abgehoben: Wie es andere sehen
18.01.13 Neues zu "abgehoben"
17.01.13 Abgehoben

08.04.13 Das Schifffahrtsmuseum erinnert

Wie bereits am 25.03.13 in den HAFENMELDUNGEN angekündigt, sind am 14. April im Schiffahrtsmuseum Harfen- und Guitarrenklänge der besonderen Art zu hören. Vielleicht gibt es ja einen Anlass seine Lieben und sich selbst mit Musik zu verwöhnen? Details der Veranstaltung sind auch auf der Terminseite nachzulesen. Viel Vergnügen!

08.04.13 Frühlingszeit - Spargelzeit

Viele können sich noch an den Schlager der Comedian Harmonists "Veronika, der Lenz ist da/ Die Mädchen singen tralala!" erinnern? Ja? Der Titel fiel heute ganz spontan ein, als PIROLAs neuer Spargel (vulgo Klüverbaum) auf dem Bohlwerk lag. "... Veronika, der Spargel wächst!"


Der alte hatte sich einen Pilz gefangen und war nicht mehr sicher genug. Und Sicherheit wird besonders groß geschrieben, soll es doch in diesem Jahr auf Große Fahrt gehen.
Der alte Klüverbaum hat nicht komplett ausgedient. Denn nachdem die schadhaften Teile großzügig mit der Kettensäge abgetrennt wurden, kam gesundes Holz zum Vorschein. Nun kann er eine neue Zukunft als Großbaum oder Klüverbaum für ein kleineres Schiff bekommen. Es ist genug Holz übrig geblieben: sechseinhalb Meter Länge und ca 18 cm kleinster Durchmesser.  Ronald ist noch nicht sicher, ob er ihn behalten will. Als Brennholz ist er zu schade, auch müsste zu diesem Zweck noch der Lack abgezogen werden.

07.04.13 Vollendet: MARIA HF31

Nach nunmehr einem Jahr kommt das neueste Projekt von Adi Born zu seinem Ende. Das Modell der MARIE ist fertig. Es bleiben noch ein paar Detailarbeiten um dieses Meisterstück vollkommen zu machen  und um die Zeit bis zum Abschied von diesem Kunstwerk zu überbrücken. Die HAFENMELDUNGEN haben die Arbeiten während der letzten zwölf Monate begleitet. Das Video zeigt die neuesten Bilder. Sie lassen ahnen, mit welcher Liebe zum Detail und welcher Hingabe an die Tätigkeit das Schiff Schritt für Schritt aus Holzbrettchen, Buntmetall-Abfall, Garn und Leinengewebe mit Hilfe von Werkzeugen und einer lebenslangen Erfahrung zu dem wurde, was es jetzt ist: Ein Zeugnis von der maritimen Kultur unserer Küsten und von der großen Kunst der Schiffbauer einst und des Modellbauers Adi Born heute.
Neben Aufnahmen des Modells zeigt die Bilderstrecke von gestern wie der Henkel der Teekanne angefertigt wurde, die danach ihren Platz auf dem Herd in der Kajüte finden soll. Um zu verdeutlichen wo der Herd steht, ist eine Videoaufnahme eingefügt, die entstand, als das Deck noch offen und der Blick auf den Herd nur durch die Decksbalken eingeschränkt war. Der Henkel der Kanne besteht aus einem Streifen Messingblech von ca. 1mm Breite. Er soll mit einem Niet an dem Körper der Kanne angebracht werden. Die Viedeobilder der letzten drei Minuten zeigen, wie der Henkel angefertigt und gebohrt wurde.  Sie sollen einen Eindruck davon geben, auf welche Weise das Modell Schritt für Schritt, Stück für Stück mit großer Hingabe und Geduld entstand.
Obwohl der Ewer MARIA HF31 für einen Privatmann und Modell-Enthusiasten gebaut wurde, bleibt es der Öffentlichkeit in Flensburg noch einige Zeit erhalten. Das Modell soll dem Flensburger Schifffahrtsmuseum für einige Monate als Leihgabe übergeben werden.
Uns bleibt nur, "Danke" zu sagen dafür, dass wir den Bau begleiten und darüber berichten durften.


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Über Adi und seine Modelle haben die HAFENMELDUNGEN schon früher berichtet. Hier eine Auswahl:

05.01.13 Adi riggt auf
10.04.12 Die Ruhe vor dem Sturm
12.04.12 Große kleine Welt 
31.05.12 Letzte Gelegenheit 
22.07.12 Adis MARIA HF 31 
07.11.12 Adi Borns MARIA HF 31

06.04.13 Christliche Traditionsschifffahrt

Traditionsschiffer, so meint mancher, sind ein ziemlich gottloser Haufen wind- und wettergegerbter Gesellen, die denken, dass Messwein sowas wie Branntwein ist, nur eben mit Mess. Weit gefehlt. Traditionsschiffer sind eng in das Kirchenjahr eingebunden. Jawoll. Das kommt so:
Jetzt zahlt sich eine vorsorgliche Beschriftung aus
Eine Woche nach dem ersten Frühjahrsvollmond ist Ostern. Das war in diesem Jahr am 31. März, eine Woche nach dem frühest möglichen Termin für Ostern, nämlich dem 22. März. Deswegen und wegen der langen Kälteperiode kommen jetzt einige Schipper des Museumshafens ins Schwitzen.
Während auf WIEBKE BOHLEN, verborgen unter der Winterplane, schon seit ein paar Tagen eifrig geschliffen und lackiert wird, rückte heute die Crew der FULVIA an, um das Schiff für die Saison aufzuriggen. Nun mag man sich fragen, was das denn mit Ostern zu tun hat. Die Erklärung ist einfach: Pfingsten wird als beweglicher Feiertag immer 50 Tage nach Ostern gefeiert und, nun kommt's, eine Woche vorher ist das Wochenende nach Himmelfahrt, bekannt auch als das Wochenende der Rum-Regatta.
Chaos mit System
Bis dahin soll das Schiff für die Saison fertig sein. Denn sind die Ausflugsgäste an Deck, ist es vorbei mit takeln und pönen. Auf einem Schiff, unter freiem Himmel, steht jede Arbeit unter Wetter-Vorbehalt. Also heisst es, so früh wie möglich anzufangen um sicher rechtzeitig fertig zu werden. Berufstätige, das sind Menschen, deren Tagesablauf vom Arbeitgeber oder Kunden vorgegeben wird, können dadurch Probleme bekommen, wenn sie nicht ganz flexibel sind. Das mag erklären, warum viele Eigner alter Schiffe bereits im (bürgerlichen) Ruhestand sind. Das wirft aber auch ein Licht auf die Prämisse, dass Traditionsschiffe nur für kulturelle Zwecke, jedoch nicht für die Finanzierung des Lebensunterhalts ihrer Eigner eingesetzt werden dürfen. Wer sich den Alltag der Betroffenen genau ansieht, erkennt schnell, das diese Forderung ziemlich weltfremd ist. Sie wird sogar mit zunehmender Größe des Traditionsschiffes noch weltfremder, falls das möglich ist.
Diese Unvereinbarkeit kann nur mit der Bereitschaft aller Beteiligten gemildert werden, auch einmal die Sichtweise der anderen Seite zu übernehmen. Dann kann man auch mal das eine Auge zudrücken und mit dem anderen nach Kompromissen Ausschau halten. Denn verstehen und verzeihen ist eine ur-christliche Forderung an Jeden, nicht wahr?

04.04.13 Das Nydamboot


Schloss Gottorf: Einladung zur Sonderausstellung
Wer sich für die frühe Geschichte des Schiffbaues und der Seefahrt in Nordeuropa interessiert, sollte sich diesen Termin merken:

Ab dem 14. April ist im Schloss Gottorf das Nydamboot im Rahmen einer Sonderausstellung wieder zu besichtigen. Es wurde vor 150 Jahren gefunden und zählt nach dem Hjortspringboot zu  den ältesten Bootsfunden in Süd-Jütland. Es soll nach wissenschaftlichen Untersuchungen im 4. Jhd. n. Chr. gebaut worden sein.
In der Sonderausstellung wird die Bauweise des Bootes, seine interessante Geschichte in der Zeit nach seiner Entdeckung, die Erkenntnisse aus  neueren Grabungen (1989–1999) sowie die wissenschaftliche Bearbeitung der Artefakte dargestellt.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Archäologischen Landesmuseums und des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie mit dem Museum Sønderjylland.

03.04.13 Aktuell im Schifffahrtsmuseum

Heute kam eine Information über Wochenend-Aktionen im Schiffahrtsmuseum:
Am kommenden Wochenende bietet das Flensburger Schifffahrtsmuseum zwei Kinderaktionen zur aktuellen Sonderausstellung "Spülsaum" an.

Am Samstag, 6. April können Kinder ab 8 Jahren zwischen 14 und 16 Uhr Bernstein schleifen und so das Gold der Ostsee zum Strahlen bringen. Die Aktion findet in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen Museum statt.
(Teilnahme: 5,- €)
Am Sonntag, 7. April führt die Flensburger Künstlerin Ute Meyer um 14 Uhr Kinder ab 8 Jahren durch die Ausstellung "Spülsaum". Im Anschluss werden unter ihrer Anleitung eigene Bilder und Objekte vom Spülsaum gemalt und gestaltet.
(Teilnahme: 10,- € inkl. Material).

Für beide Angebote wird rustikale Kleidung empfohlen!
Anmeldung unter Tel. 0461 - 85 29 70 oder
E-Mail: schifffahrtsmuseum@flensburg.de.

Ebenfalls am Sonntag, 7. April heißt es ab 14 Uhr wieder "Erlebnis Technik". Die technische Crew des Schifffahrtsmuseums gibt spannende Einblicke in den Alltag rund um Dampfmaschine und Dieselmotor.

Dr. Thomas Overdick (Museumsleiter)

02.04.13 Marktkonform

Morgens beim Frühstück Zeitung lesen - was kann entspannender sein, bevor der Tag beginnt? Schon manche Idee hat ihre Existenz dieser kleinen Pause vor dem täglichen Adrenalinrausch zu verdanken. So vielleicht auch heute bei der Lektüre des Flensburger Tageblatt.  In der Rubrik "Kultur" macht die Überschrift "Zerissenes im Elbeforum" neugierig. Kompliment, Kompliment. Sowas zu texten, bedarf hohen Talents. Nichts sagen, aber viel andeuten. Wer immer das geschrieben hat, weiss, dass der Mensch in Analogien denkt.
"Schöne Beine" aus Farbe gegossen.
Annemearie Schulte-Wülwer:
"Schöne Beine" aus Farbe gegossen.
Thema sind die Arbeiten der Bildhauerin Annemarie Schulte-Wülwer, deren Interesse Rissen gilt. "Risse als Metapher für Trennung, für etwas das fehlt, durchziehen das Werk..."  und später im selben Artikel "gegossen und getrocknet, nimmt sie die Farbe als Hautschicht oder Fetzen, elastisch, bröckelnd spröde..." usw. usw.
Zur Zeit wird unter der Winterplane die Lackierung des eigenen Schiffes ausbessert. Heute sind der Klüverbaum (liegt an Deck) und die Sülls der Deckshäuser dran. In einigen Häfen liegen Schiffe, die einen neuen Eigner bekommen sollen. Der hält sich aber schon seit Jahren zurück. Dutzende Anzeigen auf einschlägigen Internetseiten wurden geschaltet. Traditionsschiff-liebende Passanten werden mit Texttafeln angelockt, auf denen die Worte "zu verkaufen" den Kern der Nachricht ausmachen. Auch Yachtmakler werden bemüht, mühen sich nicht selbst. Was läuft falsch?

Liebe Freunde, der Markt muss zum Angebot passen! Wer kauft schon Fische auf dem Flohmarkt? Lasst das Schleifen und Pönen, erklärt den schwimmenden Untersatz zum Kunstwerk. Sagt Interessenten, die sich als alte Salzbuckel verkleiden, dass sie sich vom Acker machen sollen! Kunstfreunde sind die wirklichen Liebhaber abblätternder Farbe und körnig-rissiger Lackierungen! Eure Schiffe gehören nicht in Museumshäfen! Das MoMA als künftiger Liegeplatz, das isses!
Nun braucht es nur noch eines Szene-typischen Schmäh etwa in der Qualität von: "Die Rezeption des Schiffes als Methapher für die Vergänglichkeit kulminiert in den vielen Rissen und Sprüngen  der Oberschicht, wie sie nicht nur in der Sozietas, nein, mehr noch,  in jedem gelebten Individuum von Spannung und Verlust Zeugnis gibt..." oder so ähnlich. Nur Mut.