31.03.14 Mystic shipyard

Graue Nebel wallen. Mit dem Zwischenhoch über Mitteleuropa liegt über dem Norden Schleswig.Holsteins eine zähe Nebeldecke. Sie löst sich meist erst nachmittags auf - wenn überhaupt. Das sind schlechte Bedingungen, um Farbe auszubessern. Überhaupt ist es morgens ungemütlich feucht und kalt. Ideale Voraussetzungen für ein kleines Landprogramm. Wir wollen sehen, was aus RAKEL geworden ist, seit dem letzten Besuch vor drei Wochen in Egernsund. 
Von der Förde ist auf der Fahrt nach Egernsund nichts zu sehen. Je weiter wir fahren, umso dichter wird der Nebel.  

AURORA von ALTONA (li.) neben LINA
Als wir ankommen, ist RAKEL nicht mehr auf der Helling. Sollte das Schiff nicht erst in ein paar Monaten fertiggestellt sein? Der Werftplatz wirkt im Nebel wie verwunschen, was den Titel nahelegt. (Ähnlichkeit mit dem bekannten Ort Mystic Seaport in Connecticut ist nicht beabsichtigt, denn während dort - ähnlich der Museumswerft in Flensburg - historische Gewerke aus der Zeit des 19. Jhds. nachgestellt werden, wird auf der Werft von Chr. Johnson produktiv gearbeitet).
Der "Haischoner"¹) LINA liegt auf dem Slipwagen. Fertig gemalt, wie sie ist, könnte sie eigentlich zu Wasser gelassen werden. Der alte Rumpf zeigt das typische Bild eines traditionellen Holzschiffes, das lange Zeit instand gehalten wurde: neue Planken neben alten. Sie sind leicht zu unter
scheiden: Die Neuen sind nicht nur glatter, sondern auch dicker, ragen aus der Oberfläche zentimeterweit hervor. Wie sollte das auch anders sein? Holzplanken schrumpfen mit der Zeit und die regelmäßigen Wartungsarbeiten, bei denen die Oberfläche geschliffen wird, lassen sie im Lauf der Jahre immer dünner werden. Obgleich "dünn" nicht absolut verstanden werden darf. Neue Planken für Schiffe dieser Art und Größe sind ca. acht Zentimeter dick und bieten somit genügend Reserve. Interessant ist auch ein Blick auf den Kiel: Durch die Änderung des Segelplans von einer Ketsch (LINA ist ein ehemaliger Haikutter) in einen Schoner, wanderte der Segel-Druckpunkt nach achtern. Deswegen wurde der Kiel zum Heck hin durch einen so genannten "Loskiel" ergänzt. Nun hat das Schiff achtern den größten Tiefgang und lässt sich ausgewogen trimmen. 
Neben LINA liegt AURORA von ALTONA auf ihrem Slipwagen. Mittlerweile wurde ein Großteil der Kupferplatten am Rumpf entfernt. Ein verborgenes Leck soll gefunden werden.


Am Steg liegt immer noch STORE BJØRN. Die Schanz wir erneuert.  Am Heck ragen schon die neuen Schanzstützen empor. Als ehemaliges Feuerschiff ist der Dreimast-Schoner sehr stabil gebaut. Ein Wunder, dass es heute noch geeignetes Eichenholz in diesen Dimensionen gibt. Aber, so ist zu hören, gutes Holz für den Schiffbau sei immer schwieriger zu beschaffen. An Land liegen die alten Bauteile des Schandeckels, jetzt werden sie noch als Modell für die neuen Teile gebraucht.
Längsseits außen an STORE BJØRN ist DAGMAR AAEN zu sehen. Sie soll demnächst auf die Helling für ihre turnusmäßige Inspektion.



In der Werfthalle gehen die Arbeiten an ELISABETH af DRAGØR weiter voran. Der Rumpf ist mittlerweile wieder geschlossen. Nun werden die Decksbalken erneuert und ein neues Deck gelegt. Bei dem Besuch heute werden gerade die Lukensülls angepasst. Das Schiff diente während der deutschen Besetzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg verfolgten Juden als Fluchtfahrzeug. Siebzig konnten damals über den Øresund ins sichere Schweden fliehen. Jetzt gehört ELISABETH dem Museum in Dragør

Von irischen Mönchen aus dem 6. Jhd gelernt: RAKEL im Stil eines Curragh
Schließlich haben wir auch RAKEL gefunden. Sie wurde kurzzeitig umgebettet. Ihr Platz auf der Helling wird für ein anderes Schiff benötigt. Also hat man den noch unfertigen Rumpf des alten Seglers von Colin Archer kurzerhand mit dicken Folien überzogen und zu Wasser gelassen. Der Rumpf ist dicht, ist zu erfahren.

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 ¹) Der Ausdruck entstand im Verlaufe einer kontroversen Diskussion über die Frage, ob es zulässig sei, einem Haikutter das Rigg eines Schoners zu verpassen.

27.03.14 Abend der Knotenfreunde

So zieht sich das zusammen: Beim Knotenmachertreffen
im letzten September beobachtet
Knotenschlagen gehört zu den ältesten Kulturleistungen der Menschen. Was wären wir heute ohne die verschlungenen Schnürsenkel, Festmacherleinen und Zeisinge und Leinen? Wer hat sich beim Betrachten von Affenfäusten und Türkenbunden nicht schon einmal gewünscht, so etwas selber herstellen zu können? Nun gibt es wieder einmal Gelegenheit, im Flensburger Schifffahrtsmuseum diese interessante Technik näher kennenzulernen:


Am Dienstag, 1. April um 18 Uhr treffen sich wieder die Mitglieder der Internationalen Knotenmachergilde Deutsche Sektion im Flensburger Schifffahrtsmuseum (Eingang Schiffbrücke 38) zu ihrem monatlichen Stammtisch. In lockerer Runde werden Tipps und Tricks rund um Knoten, Spleiße, Tauwerk und Takelage ausgetauscht, Projekte besprochen und Veranstaltungen geplant.

Also, nix wie hin. Die Knotenfreunde heißen jede und jeden Interessierten herzlich willkommen und freuen sich, auch Neulinge nahezu jeden Alters für ihre Kunst begeistern

27.03.14 Letters to stories

Dichter, Erzähler und Vorleser können  sich mit ihren literarischen Werken öffentlich präsentieren, und zwar am Sonntag dem 30. März im Flensburger Schifffahrtsmuseum.

Abbildung: Kulturbüro Flensburg

Der Freundeskreis der Stadtbibliothek lädt zum 60-sten Mal zu einem Abend mit "Letters to Stories" ins Flensburger Schifffahrtsmuseum ein. Neben den literarischen Leckerbissen wird auch stets das gemütliche Ambiente sowie das musikalische und kulinarische Beiwerk besonders geschätzt. Auch dieses Mal wird wieder eine abwechslungsreiche Mischung aus Prosa und Lyrik, Lieblingsgeschichten und eigenen Werken geboten.

Beginn:
um 19.30 Uhr

Wer etwas vortragen möchte, kann sich unter der Tel. 0461/21796 anmelden.

(Eintritt 3 Euro)

21.03.14 Schwerathlet im Historischen Hafen

Der Historische Hafen wurde heute von einem ungewöhnlichen Gast aufgesucht: Schwimmkran MATADOR-3 aus Rotterdam machte vor dem Schifffahrtsmuseum fest. Unübersehbare 85 Meter hoch, überragt er alles in seinem Umkreis. Er wird übers Wochenende hier liegen bleiben und soll in der nächsten Woche für die FSG arbeiten.






























































Fotos: 1-3 (R. Aust), 4 - 6 (W. Kühn)

18.03.14 PROVIDENTIA aktuell

PROVIDENTA am Steg der Robbe&Berking Jachtmanufaktur
Lange Jahre lag der alte Hochsee-Ewer aus dem Jahr 1896 am Bollwerk der Christian Johnson Bådebyggeri in Egernsund. Dicht eingepackt unter einer blauen Plane wartete sie, wie weiland Dornröschen, auf den Prinz, der sie zu neuem Leben erweckt. Im Märchen kam er, wie man weiß, und küsste die Schlafende wach. Auch PROVIDENTIA wurde von ihrem Prinzen gefunden. Der heißt Ulrich Dehn und leitet die Ostseeschule in Flensburg. In deren pädagogischem Konzept spielt Wasser und Segeln eine wichtige Rolle. Seit dem kümmern sich Schüler im Alter
Die Bilge wird gründlich gereinigt - und die Pumpen getestet
zwischen zwölf und 16 Jahren unter fachkundiger Anleitung darum, das Schiff wieder unter Segeln in Fahrt zu bringen. In diesem Jahr, wenn's geht, schon zur Rum-Regatta soll es so weit sein.
Im Heck werden die Bodenbalken  eingepasst
Im Vergleich zu unserem letzten Besuch konnten wir heute erhebliche Fortschritte in diesem großen Projekt besichtigen. Auf dem Deck liegen schon die imposanten Gaffeln und Bäume. Das Deckshaus auf dem Heck ist nahezu fertig. Unter Deck wurde der gesamte Rumpf entkernt. Gute Voraussetzung, die Bilge komplett gründlich zu reinigen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Betriebssicherheit, denn Schmutz kann die Lenzpumpen sehr schnell lahmlegen.
Hinter der Maschine von SCANIA und den beiden Dieseltanks werden gerade Bodenbalken eingepasst. Sie sollen später den Kabinenboden tragen. Zwei wasserdichte Schottwände sind schon vorbereitet, sie werden später den Rumpf in drei nahezu gleich große Abteilungen gliedern. 
Der Namnszug auf dem Spiegel ist im Werden
Im Vorschiff ist es gemütlich warm. Zwei Schüler wärmen sich auf, sie haben bis vor wenigen Minuten das Deck gereinigt und dort weht heute ein kühler, feuchter Wind. "Wann, denkt ihr, wird PROVIDENTIA wieder segeln?" "Vielleicht noch in diesem Jahr zur Rum-Regatta" so die Antwort des älteren und seine Augen leuchten. 
Wo der Leuwagen der Fock montiert werden soll, steht auch schon fest. Bald sollen die Segel geliefert werden und alle Teile für das Rigg sind komplett vorhanden. Noch zwei Monate bis zum Ansegeln, die Zeit könnte ausreichen.
Wieder an Land, fällt der Blick auf das Heck. Dort entsteht das Namensschild. "PROVIDENTIA - Finkenwarder" zeigt die große Schablone. Ein gutes Zeichen für den Fortschritt der Restaurierung, finden wir.

15.03.14 Auszeit für Schwarze Flaggen

Vor einer Woche trafen sich in Hamburg die "Freunde des Gaffelriggs", eine lose Vereinigung Interessierter zu ihrem jährlichen Wintertreffen. Ein wichtiges Thema war die Zukunft der Traditionsschiffe, die noch vor kurzem in düsteren Farben gemalt wurde:



Zunächst sieht es wie ein Durchbruch für die Interessen der Traditionsschiffer aus. Nach langen Kontroversen zwischen den Behörden und den Traditionsschiffern über die Auslegung der Sicherheitsrichtlinien für Traditionsschiffe, die teils in der Öffentlichkeit, über die Presse und sogar vor Gericht ausgetragen wurden, dämmerte Licht über dem Horizont. Anlass für die Hoffnung auf eine verträgliche Lösung keimt aus einem Satz in der Koalitionsvereinbarung der an der neuen Bundesregierung beteiligten Parteien: 
„Für den Erhalt der Traditionsschifffahrt werden wir dauerhafte Regelungen erarbeiten.“
Würden die Traditionsschiffer die günstige Voraussetzung nutzen und ihre Interessen bündeln, um sie wirkungsvoll einzubringen? Statt dessen versuchten nun einzelne Gruppierungen  vorzustoßen, ohne die notwendige Abstimmung zu suchen. (Wir berichteten unter der Überschrift: "Einigkeit macht stark"). Es bilden sich Stammtische und andere Netzwerke um die Interessen der betroffenen Schiffer zu besprechen und, wenn möglich durchzusetzen. 
Am Wochende trafen sich in Hamburg parallel zum Wintertreffen der Freunde des Gaffelriggs auch die GSHW (gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge). Letztere ist der offizelle Gesprächspartner der mit der Ausarbeitung der Gesetzgebungsvorlage für die "dauerhafte Regelung" beauftragten Behörden.  


Von diesem Treffen berichtet die zweite Vorsitzende des Museumshafens Flensburg, indem sie schreibt:
"Vor allem gab es einen Schulterschluss zwischen AGDM*)  und GSHW in Sachen Interessenvertetung der Traditionsschiffer und -schiffe.


Wie Volker Pesch*) bereits im Dezember im "Piekfall"*) schrieb, hatten GSHW und AGDM gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium einen Bestandsschutz erreicht. Der Erhalt der Traditionsschifffahrt ist auch Bestandteil im Koalitionsvertrag. Zeile 1622 "Für den Erhalt der Traditionsschifffahrt werden wir dauerhafte Regelungen erarbeiten."


"Das ist keine Zeit für profilneurotische Alleingänge, ideologische Grabenkämpfe oder geheimbündlerische Hinterzimmerpolitik", so Volker Pesch im "Piekfall".


Und diese Position durchwehte auch die gestrige Veranstaltung. Frischer Wind, welcher der aktuellen Regelung neue Richtungen weisen soll und das klare Ziel der gemeinsamen Richtung mit offiziellen Interessenvertretungen ansteuert. So weit ein kurzer Bericht zu einer interessanten Veranstaltung."

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*)Anm. der HAFENMELDUNGEN:
AGDM=Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen,
Volker Pesch ist ehemaliger 1.Vorsitzender der AGDM
Piekfall heisst sowohl die Vereinigung der "Freunde des Gaffelriggs" als auch deren Zeitschrift

Der Museumshafen Flensburg der einerseits Mitglied der AGDM ist, aber auch Gesellschafter des Historischen Hafens Flensburg, hat den Vorschlag an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vom 28. Januar 2014 nicht mit unterzeichnet, den der Historische Hafen Flensburg gGmbH, ohne Beteiligung der AGDM und der GSHW, aber gemeinsam mit einigen Fördervereinen einzelner Schiffe, und einem weiteren Museumshafen und einer Stiftung an das Bundesministerium gerichtet hat.
Währenddessen veröffentlichte die GSHW einen eigenen Vorschlag auf ihrer Internetseite mit dem Hinweis, man hoffe auf eine Abstimmung auf dem Treffen mit der AGDM am 08. März, von dem hier die Rede ist und auf dem der "Schulterschluss" vollzogen wurde. Das klingt alles verworren, läßt sich aber bei bestem Bemühen nicht einfacher beschreiben. Vielleicht liegt das daran, dass es tatsächlich so ein Durcheinander ist. 

Wir sehen nach dem "Piekfall"-Treffen dem Erfolg des Bemühens mit froher Zuversicht entgegegen. Schwarze Flaggen, die als Zeichen des Protests der Traditionsschiffe auf den Veranstaltungen zu sehen waren, dürften dann ja wohl der Vergangenheit angehören.

14.03.14 Sicher rauf und runter

Im Frühjahr streben viele Traditionssegler hoch hinaus. Auf einem Segelschiff heißt das: Sie wollen in den Mast klettern. Ob es darum geht, die "Palme" wie er auch gerne genannt wird zu inspizieren, oder um das Laufende Gut zu riggen, nachdem es über den Winter in der trockenen Wohnung oder Werkstatt gründlich überholt wurde - der wackere Schiffer muss nach oben klettern. Anschließend will er heil unten ankommen.
  • Zunächst sollte man einen bequemen Sitz wählen. Denn
    Traditionell: Vom Bootsmanns-Stuhl kann
    man leicht abrutschen. Die Sicherung am
    Mast ist auf dem Foto nicht zu erkennen.
    viele Tätigkeiten brauchen ihre Zeit und wer kann sich auf die Arbeit konzentrieren, wenn der "Allerwerteste" schmerzt?
  • Der Sitz sollte einen sicheren Halt bieten, von dem er nicht aus Versehen abrutschen kann. Zweckmäßig sind Schlaufen aus Gurtbändern, mit denen die Oberschenkel auf der Sitzfläche fixiert werden. Gute Erfahrung haben wir auch mit einer Sicherungsweste gemacht, mit der die Trageschlaufen am Oberkörper fixiert werden. Das verhindert, dass der Körper vom Sitz wegkippen und der Traditionsschiffer seine Arbeit hilflos kopfüber baumelnd beenden muss.
  • Der Sitz sollte genügend Bewegungsfreiheit bieten. Denn der Weg nach oben wird immer wieder unter Fallen hindurch und über Stagen und Wanten hinweg führen. Ein Sitz mit sperrig überstehenden Kanten und Verschlüsse mit herausragenden Teilen sind nicht gut geeignet. Wer da oben schon mal von einer Flaggleine verfangen hatte, weiß, wovon hier die Rede ist. 
  • Meist müssen auch Werkzeuge "am Mann" mit nach oben genommen
    Ein modernes Klettergeschirr. Die Gurtschlaufe ist gut zu
    erkennen, nicht so gut jedoch die Sicherungsweste um
    den Oberkörper. Die Anstrengung ist geringer, als das Bild
    suggeriert, auch wenn der Kletterer schon ein paar Tage auf
    dem Buckel hat.
    werden. Alles, was schwerer ist als ein Blatt Schleifpapier muss unbedingt mit genügend langen Zeisingen gesichert werden. Dafür müssen am Sitz geeignete Befestigungsschlaufen vorhanden sein. Schweres oder sperriges Gerät oder Teile werden zweckmäßig mit einer separaten Talje aufgeheißt. An diesen Teilen sollten je zwei Zeisinge angebracht werden. Einen, um sie an der Talje zu befestigen, den anderen, um gefahrlos auf einen anderen Fixpunkt wechseln zu können. 
  • Auch wenn ein Absturz ziemlich unwahrscheinlich ist, gilt auch hier: "Things that can gor wrong, will". Deshalb muss sich der Kletterer in jeder Phase seiner Aktion im Mast zusätzlich sichern. Die Sicherung muss ihm aber genügend Bewegungsfreiheit lassen. Gut bewährt hat sich eine
    Unverzichtbar: Die zuverlässige Helferin an Deck. Hier belegt
    sie die lose Part der Talje. Gleich wird sie Blöcke nach oben
    schicken.
    Gurtschlaufe mit einem großen Karabinerhaken. Sie wird an der Sicherungsweste befestigt und um den Mast geschlungen, der Karabinerhaken wird dann um die Schlaufe herum eingepickt. Fällt der Mann, kommt Zug auf die Gurtschlaufe. Durch ihre Reibung am Mast zieht sie sich sofort zusammen und bremst den Sturz zuverlässig ab. Jedoch muss der Karabinerhaken dafür ganz lose auf der Gurtschlaufe gleiten.
Nun noch ein Wort zur Frage, wie er oder sie nach oben kommt. Wer kräftige Freunde hat, lässt sich am Toppfall hochziehen. Wenn die Kräfte der Freunde dazu nicht reichen, kann sich der Schiffer auch selbst hochziehen. Bei uns reicht eine vierpartige Talje. Der Leinendurchmesser sollte nicht unter 14 mm sein. Sonst bekommt man einen Muskelkrampf in den Händen. Der Freund oder die Freundin an Deck unten muss dann nur die Lose aus der Leine nehmen und den Tampen sichern. Ohne Jemanden an Deck, auf den oder die man sich absolut verlassen kann, sollte niemand in dem Mast gehen. Und wer an Deck hilft, sollte sich immer vor herabfallenden Gegenständen vorsehen. Schon ein 10-er Schäkelbolzen kann den Schädel durchschlagen, wenn er aus 15 Meter Höhe fällt. Also immer schön Abstand halten.

12.03.14 Sommertag im Winter

Meteorologen legen den Frühlingsbeginn gerne auf den ersten Tag im März. Ein Fernsehmoderator begründete das damit, das dieser Termin in der Statistik "einfacher". Nach derselben Logik fiele Weihnachten auf den ersten Dezember und Ostern auf den ersten April.
PIROLA breitet ihre Segel aus
Für Seeleute, und als solche fühlen wir uns ja auch ein bisschen - ist der Frühlingsbeginn in der Navigation wichtig. Denn wenn die Tageszeit und die Nachtzeit genau gleich lang sind, steht die Sonne im "Frühlingspunkt". Der Ort eine jeden Gestirns wird durch seinen Abstand von diesem Punkt bestimmt.  Die Tag- und Nachtgleiche ist immer am 21. März und dem 21. September.  Dem zufolge ist - astronomisch gesehen - immer noch Winter. Das Wetter drängt diese Tatsache einfach aus den Gedanken. Ein strahlend blauer Himmel, blau von Horizont zu Horizont, ohne auch nur die kleinste Wolke, spannte sich über den "echten Norden", wie Schleswig-Holstein neuerdings genannt wird. Dazu ist die Luft so warm wie an einem Tag im Juli. Aber ohne Touristen, auch das macht diesen "Sommertag" besonders.
Wer Zeit hat, weckt sein Schiff aus dem Winterschlaf, beseitigt den Staub der dunklen Tage und malt alles, was der Pinsel erreichen kann mit frischer Farbe.
MS KIEL dreht eine Hafenrunde
PIROLA ist auch schon wieder makellos weiß. Nun kommen die Segel aus dem Winterlager und die Fallen und Schoten werden angeschlagen. Bei diesem Bild kommt beinahe Fernweh hoch. Über dem Hafen liegt eine heitere Stimmung, die gerne noch lange andauern darf. Sie hat vermutlich sogar die Klimaforscher erfasst. Jedenfalls haben sie heute mal auf ihre professionellen Kassandrarufe verzichtet. Wenn es am Wochenende wieder kälter und regnerisch wird, können sie das ja nachholen ("Der früheste Sommerausbruch seit Erfindung des Wetters" oder so ähnlich).
Zwei Tage lang lag die MS KIEL, ein Ölwehr- Schiff im Hafen. Gestern ist es abgereist. Heute kam es zurück, dreht eine Hafenrunde und verschwindet wieder. Danach ist alles wieder ruhig. Ein schöner Tag.


09.03.14 Besuch in Egernsund

RAKEL: Im Rumpf wurden die neuen Spanten montiert. Der Vorsteven ist neu.
Bald werden die Planken erneuert. 
In der nächsten Woche soll endlich die Winterpersenning abgenommen werden. Dann bleibt wenig Zeit für Anderes. Also machen wir heute noch einen Besuch auf der Holzwerft von Christian Johnsson in Egernsund. Uns interessiert, wie weit die Restauration der RAKEL gediehen ist. Die historische Gaffelketsch, von Colin Archer im Jahr 1896 fertiggestellt, wird von Grund auf saniert. Wir berichteten darüber. Die Fotos wurden auf der Steuerbordseite mit Blick zum Bug aufgenommen.
Gleichzeitig ist ein anderes hierzulande gut bekanntes Schiff in Arbeit: STORE BJØRN (dt. "großer Bär"), ein Dreimast-Schoner, der einmal ein Feuerschiff war. In seiner ursprünglichen Aufgabe hat er im Laufe der Jahre viele verschiedene Seestraßen gesichert und den Schiffen den Weg gewiesen. Er bekommt ein neues Schanzkleid, die feste Einfassung der Decksfläche. Längsseits liegt DAGMAR AAEN, der Haikutter von Arved Fuchs. Er hat mit diesem Schiff nahezu jedes Gewässer erkundet, auf dem Eis treibt. Neben dem Schoner sieht das kräftige Expeditionsschiff nahezu zierlich aus. 
Hinter der Werfthalle liegt der Großmast der FULVIA af ANHOLT. Er musste neu gebaut werden, nachdem der alte Mast das Zeitliche gesegnet hatte. Jetzt sind beste Voraussetzungen, um ihn zu lackieren. Wie viele Vollholzmasten von traditionellen Segelschiffen war die kritische Stelle dort, wo die Wanten auf den Kälbern ruhen. Dort kann man das Holz schlecht pflegen und irgendwann machen es sich Holzpilze dort gemütlich. Aber nun wird es wieder für viele Jahre keine Probleme geben.
Mittlerweile liegt WIKING wieder im Wasser. Der Nordseekutter wurde während der letzten Monate am Rumpf aufwändig saniert. Nun sollte noch das Deck abgedichtet werden. Denn Wasser gehört einfach nicht in den Rumpf, sondern der Rumpf gehört ins Wasser.

In der Werfthalle gehen die Arbeiten an ELISABETH af DRAGØR weiter. Der Rumpf ist nun schon weitgehend geschlossen. Eventuell wird auch ihr Deck erneuert. Wenn Holzschiffe verrotten, liegt es meist an Leckstellen im Deck. 
Wer ein Holzschiff kaufen möchte, bei dem der Rumpf restauriert wurde, sollte sich immer nach dem Deck erkundigen. Das zu sanieren, wird oft zurückgestellt, obwohl es meist die Ursache für die Schäden am Rumpf ist, verrät uns Christian. Wir geben hiermit den Rat gerne weiter.

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09.03.14 Tag des Kartonmodellbaus

Filigrane Modelle aus Karton zur See, zu Land und in der Luft, von alten und jungen Händen mit Liebe und Sorgfalt gebaut
Vor dem Flensburger Schifffahrtsmuseum steht die alte Bake 10 "Holnis" als Wegweiser. Früher hat sie Schiffern den Weg um das gefährliche Riff gewiesen. Heute leitet es die Besucher zum Eingang, Bei dem warmen Wetter blühen bereits die ersten Pflanzen.
Trotz wunderbarem Sonnenschein ist das zweite Obergeschoss schon am Vormittag voller Menschen. Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern, Väter, Mütter, alt und Jung. Die Gruppe "Modellbau zwischen den Meeren" findet große Resonanz. Wer hätte das in der Zeit der Tabletcomputer und anderer elektronischer Werkzeuge für virtuelle Welten gedacht! Die Möglichkeit, mit den eigenen Händen etwas Reales, Greifbares herzustellen, hat auch in dieser Zeit seine Faszination bewahrt. Und so werkeln sie mit großer Konzentration in einer ruhigen Stimmung gemeinsam oder alleine in den Kartonmodellen alter und neuer Schiffe, Flugzeuge, Häuser, Burgen, Schlösser, PKW und LKW ... Es gibt nahezu nichts, was sich nicht in Karton nachbilden lässt. Selbst schlüpfende Dinosaurier, wie uns ein Junge zeigt.
Und natürlich UNDINE. Das Modell hat an seinem letzten Tag im Flensburger Schifffahrtsmuseum sehr viel Bewunderer angezogen. Demnächst ist es im Sonderburger Schloss zu besichtigen.
Wer heute keine Gelegenheit zu einem Besuch der Kartonmodellbauer hatte, kann hier einen kleinen Rundgang nachholen.

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P.S. ... und so gesehen möchte man auch nicht auf die moderne Elektronik verzichten

09.03.14 Fischmarkt ins Wasser gefallen

Vor drei Tagen erst hatten wir angeregt, den Tag des Modellbaus zu nutzen, um auch den Fischmarkt zu besuchen oder umgekehrt, je nach Wunsch. Der Termin heute war dafür schon seit Langem festgelegt und überhaupt ist es von März bis Oktober regelmäßig der zweite Sonntag im Monat. Dann stehen Verkaufsstände an der Schiffbrücke; sie bieten zwischen Schifffahrtsmuseum und Hafenspitze alles an, was man von einem kleinen Markt erwarten kann. Von Speiseeis über Lederwaren, alte Zahnarztbestecke, Süßwaren, Blumenzwiebeln, Käse und manchmal sogar Fisch. Also machten wir uns frohgemut auf dem Weg, um uns auf Hafenmeile von der Menge treiben zu lassen. Dort angekommen sahen wir die Menge aber keinen Fischmarkt. Hatten wir uns etwa geirrt? Das wäre doch sehr peinlich.
Der Tag verging, die Frage nach dem Fischmarkt blieb. Nachmittags, wir kamen von einem gemeinsamen Mittagessen mit Freunden zurück, sahen wir ein großes Aufgebot von Notarztwagen, Feuerwehr mit Schlauchboot und Polizei an der Stelle, wo wir morgens vergeblich nach dem Fischmarkt suchten. Dass er ins Wasser gefallen war, hatten wir ja kapiert, aber gleich so?


Der Polizist, den wir fragten, ob das eine Übung oder ein Ernstfall sei, sagte, er dürfe das nicht sagen. Sehr mutig von ihm, wenigstens das zu sagen. Nun bekommt er hoffentlich keine Schwierigkeiten wegen Verstoß gegen §353b. Die Presse war auch da. Wir werden wohl bis morgen warten müssen, um in der Zeitung zu lesen, was er uns nicht sagen durfte.
Abends zeigten die meisten Terminübersichten für Veranstaltungen in der Stadt noch immer den Fischmarkt an. Nur die Seite des Fjordtourismus gab den Hinweis: "Fällt aus organisatorischen Gründen aus".

10.03.14 P.S. Nun erfahren wir, was der wackere Polizist für sich behielt: Anlass für die Aktion war, so berichtet die Zeitung von heute, dass ein Schwimmer vermisst wurde. Man hat ihn gefunden, und zwar schlafend in seinem PKW auf dem Parkplatz neben der Stelle, wo man ihn im Wasser suchte.

07.03.14 Die Geschichte der UNDINE (3)

Falls jemand Interesse hat, mehr über die Geschichte vor und nach der Stationierung des Kleinen Kreuzers UNDINE in Sønderborg zu erfahren, können zwei Funde aus dem Internet weiterhelfen.
"Der Standort Flensburg begann seine militärische Geschichtsschreibung im Jahre 1661 mit der Stationierung von Truppen der Herzogtümer aus Schleswig und Holstein, dann der dänischen Marine und ab 1867 den Einheiten des preußischen Heeres. Als Marinestandort trat die Stadt mit der in Dokumenten zunächst lediglich als Funkschule bezeichneten Ausbildungseinrichtung in die Marinegeschichte ein. In einem Schreiben des Staatssekretärs des Reichs-Marineamtes vom 21. Mai 1901 wurde erstmals Flensburg-Mürwik als "... für die Durchführung von Funken-Telegrafie-Kursen in Aussicht genommene Ausbildungsstätte ..." erwähnt.

Die Funkentelegrafie- und die Offiziersschule der Marine legten den Grundstein zur städtischen Entwicklung in Mürwik, da zuvor nur Wald und landwirtschaftliche Äcker das Bild der Landschaft prägten. Wie Wilhelmshaven, Kiel, Sonderburg oder viele andere Städte an der Küste, hatten auch in Flensburg die Marineeinrichtungen viel Anteil an der Wirtschaftskraft. Der Stadtteil Mürwik wurde beispielsweise durch die Funken-Telegrafieschule, die Torpedoschule und die Marineschule erst begründet. Neben dem Parkhotel mit seinem schönen Park, einem unweit entfernten Bauernhaus und einer am Strand befindlichen Gaststätte war das umliegende Gelände Ackerland.

Nachdem die Torpedo-, die Funken-Telegrafie-, und die Artillerieschule ihren Betrieb aufgenommen hatten, wurde auch die Marineschule zur Ausbildung der Seeoffiziere von Kaiser Wilhelm II. 1910 feierlich eröffnet (heutige Marineschule Mürwik, Baubeginn 1906). 1910 wurden per Gesetz am 1. Oktober 1910 die Gemeinden Engelsby, Fruerlund, Twedt und Twedter Holz nach Flensburg eingemeindet und dabei der Ausbau einer Straße von Flensburg nach Mürwik und die Verlegung einer Straßenbahn bei Twedter Holz verfügt. Die Schulen hatten mit der Kaiser-Wilhelmstraße (heutige Mürwiker Straße) nun auch eine feste Anbindung zur Stadt."

(Von "Marineschule" aus Facebook als Auszug übernommen)

Die Erinnerung an den Kleinen Kreuzer UNDINE wird auch im Museum Sonderjylland gepflegt. Sehenswert ist ein Video, das sich mit der Zeit befasst, als die Schiffsartillerieschule der Kaiserlichen Marine in Sonderburg stationiert war:



Dieser Film wird in Youtube mit folgender Beschreibung vorgestellt: 

"Am 6. April 1907 wurde die Schiffsartillerieschule Sonderburg (die heutige Sønderborg Kaserne) eingeweiht. Die Marineschulen waren Ausbildungsstätten für Schiffsartilleristen und Teil der gewaltigen deutschen Aufrüstung der Marine seit 1898. Die Aufrüstung brachte Deutschland auf Kollosionskurs (mit) Großbritannien ... (und seinen) Allianzen mit seinen traditionellen Feinden Frankreich und Russland. Damit war die Bühne für den Ersten Weltkrieg gesetzt.
Zur Marineschule gehörten viele Kriegsschiffe, unter anderem: SMS Prinz Heinrich, SMS Prinz Adalbert, SMS Schwaben, SMS Undine, SMS Stuttgart, SMS Augsburg, SMS Wettin, SMS Mars, SMS Drache, SMS Delphin und SMS Fuchs. SMS ADALBERT und SMS UNDINE sanken 1915 in der Ostsee."
(Den Film hat der Kurator des Museum Sønderjylland - Sønderborg Slot, René Rasmussen erstellt. Übersetzung aus dem dänischen und Links von HAFENBLATT)

Bleibt zum Schluß die Frage, was aus dem Schiff geworden ist.
UNDINE wurde am 7. November 1915 bei einer Sicherungsfahrt für die Fähre PREUSSEN auf der Strecke zwischen Stubbenkammer und Trelleborg von einem englischen U-Boot versenkt. Dabei kamen sechs Seeleute ums Leben, fünf wurden verwundet und acht wurden anschließend vermisst.
Das Schiff geriet danach in Vergessenheit. Erst 84 Jahre später, im Jahr 1999, wurde sein Wrack bei einem Manöver der Schwedischen Marine per Zufall entdeckt.

Im Mai 2003 wurde eine deutsche Suchexpedition gestartet um Einzelheiten über das Wrack und seinen Untergang zu erforschen. Soweit bekannt, ist das Projekt bis heute nicht abgeschlossen. Wer darüber mehr erfahren möchte, kann es hier erfahren.

22.06.14 Traditionswochen adé

"Eines steht jetzt schon fest: 2014 wird für das maritime Flensburg ein extrem maritimes Jahr", schrieb das Flensburger Tageblatt in einer Ausgabe von Anfang Juni. Das Adjektiv "maritim" wird, so WIKIPEDIA, "insbesondere dann angewendet, wenn es um Nutzungen des Meeres durch den Menschen oder eine auf den Menschen bezogene Sichtweise geht."
In Flensburg entsteht der Nutzen durch eine Reihe von Veranstaltungen im Hafen und auf der Förde. Sie beschäftigen außer den Organisatoren fliegende Händler, Gastwirte, das Transportgewerbe und die Hotellerie, samt deren Kundschaft von nah und fern. Kurz gesagt: Maritime Veranstaltungen fördern Flensburgs Tourismus.

Die Saison begann auch in diesem Jahr mit der Rum-Regatta, dann folgten weitere "events", wie man heutzutage sagt. Diese wurden erstmalig unter dem Oberbegriff "Traditionswochen" zusammengefasst, die gestern endeten. 



Ausrichter sind bekannte Größen unter den Hütern traditioneller Schifffahrt, wie Robbe&Berking, der Museumshafen Flensburg e.V., die Klassischen Yachten Flensburg e.V., die Fördervereine der GESINE und des Salondampfers ALEXANDRA und, last but not least, der Historische Hafen Flensburg gGmbH, um nur einige zu nennen.

In diesem Jahr kamen zwei Veranstaltungen einmalig nach Flensburg. Die dänische Traeskibssammenslutningen (wörtlich: Holzschiffsvereinigung) hielt sein Jahrestreffen in Flensburg ab, dem ehemals zweitgrößten Hafen im dänischen Königreich. Zu dieser Gelegenheit kamen viele alte Segel- und Motorschiffe, die meisten in hervorragend gepflegtem originalen Zustand.
Einige kommen nur selten nach Flensburg, andere waren noch nie hier.
Aufgefallen ist die sehr ruhige Art der Zusammenkunft bei diesem Treffen. Die
Gäste saßen auf Bänken an Tischen auf dem Bohlwerk, aßen und tranken eigene Speisen und Getränke. Selbst die Musik war selbst gemacht. Es wurde gesungen und von Bord waren Schifferklavier und andere Instrumente zu hören. Wollte man die Rum-Regatta "leise" nennen, wäre hier der Begriff "ruhig" angebracht.Es war, und das kann man nur auf dänisch benennen, einfach "hyggelig".

Das diesjährige Treffen der EMH (European Maritime Heritage) in Flensburg ist in der öffentlichen Wahrnehmung leider nahezu komplett untergegangen. Sie ist eine europäische gemeinnützige Organisation und vertritt die Interessen privater Eigner traditioneller Schiffe, maritimer Museen und anderer interessierter Gruppen, insbesondere gegenüber der Europäischen Union. Die EHM gibt es seit 20 Jahren. Sie hat die sogenannte Barcelona Charter entwickelt. Diese legt seit 2002 europaweit Prinzipien fest, nach denen historische Wasserfahrzeuge erhalten und wiederhergestellt werden. Der Titel der diesjährigen Konferenz lautete “Maritime culture across frontiers” ("Grenzüberschreitende maritime Kultur").  
Hochkarätige Vertreter von Museen, schiffsbetreibenden Vereinen, von Verbänden und aus der Wissenschaft in ganz Europa berichteten über ihre Projekte und Erfahrungen und diskutierten darüber, wie das maritime Kulturerbe in ihrem jeweiligen Bereich gesichert, entwickelt und an die Jugend weitergegeben wird. Auch die russische SHTANDART wurde im Rahmen eines solchen Projektes gebaut. Der Nachbau der Fregatte ist ein vollständig privates Projekt, für Russland eine Pionierleistung. Sie war während des Treffens Gast in Flensburg.

Einmalig ist auch, das steht zu hoffen, die Rückkehr des Schleppers FLENSBURG in seine frühere Wirkungsstätte. 

In den folgenden Jahren werden weniger Veranstaltungstermine so dicht zusammenfallen wie jetzt. Ob es dann noch einmal "Traditionswochen" geben wird, ist daher ungewiss.
Wegen der Werbung für die neuen "Traditionswochen" gab es in diesem Jahr erstmals keine eigenständige Ankündigung der Rum-Regatta und der Classic Week. Wer darüber trauert, kann sich damit trösten, dass die Tradition der Rum-Regatta Plakate mit dem Ableben der Traditionswochen wieder aufleben wird.

06.03.14 Sonntag am Hafen

Am Sonntag soll - glaubt man den Wetterfröschen - das Wetter frühlingshaft warm werden.
Dennoch wird nicht jeder den Tag am Strand oder sonst wo an der frischen Luft verbringen können oder wollen. Da trifft es sich gut, dass auch die Hafenmeile mit zwei Angeboten aufwarten kann:
Zum einen ist am Sonntag erstmals wieder Fischmarkt auf der Schiffbrücke. Der wird immer wieder gerne besucht. Von den Gartenfreunden wegen der Blumen, von den Seglern und Bastlern wegen der günstigen Leinen- und Tauwerksreste, und wegen vieler Angebote mehr. Außerdem trifft man sich und kann miteinander schnacken.


Kartonmodellbau begeistert Jung und ...
Zum anderen wegen einer Veranstaltung im Flensburger Schifffahrtsmuseum, genannt Tag des Kartonmodellbaus, und während die Herren der Schöpfung auf dem Fischmarkt schicke Gürtel oder Pullis aussuchen, können die Damen der Schöpfung mit oder ohne ihre Kinder sich ihrer eigenen Leidenschaft widmen: dem Modellbauen aus Papier und Karton. Oder war das andersherum? Jedenfalls hat die Art realitätsnahe Modelle - nicht nur von Schiffen! - zu bauen eine über 500-jährige Tradition. Beim Tag des Kartonmodellbaus im Schifffahrtsmuseum präsentiert die Arbeitsgruppe Kartonmodellbau zwischen den Meeren die Vielfalt des Kartonbaus.

Geboten wird:
... Alt - hier mit einem ungewöhnlichen Ergebnis
  • eine Große Modellschau
  • Bastel-Vorführungen
  • Offene Workshops für Kinder und Erwachsene
  • Präsentation und Verkaufsstände verschiedener Verlage





  • Einzelheiten zum Tag des Kartonmodellbaus sind in der Terminübersicht zu finden.
     
     

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03.03.14 Happy Days

Sonntag Mittag auf dem Bohlwerk. Morgens lag noch Nebel über dem Hafen. Nun dringt die Sonne hin und wieder durch den Dunst. Der Wind ist noch sehr kalt. Aber vor Bens Bude verzehren schon ein paar Unerschrockene ihr Brötchen.
Musikfetzen kommen von der Südplattform.
Fotograf knipst Rhönradturnerinnen. Später fällt er ins Wasser.
Dort sind auch ein paar Leute versammelt. Diesmal ist es keine Gruppe die mit dem Stadtführer den Hafen entdecken. Musik schallt aus einem Recorder. Mädchen tanzen dazu und - was ist das? - ein Rönrad holpert langsam über die ausgewaschenen Bohlen. Das sieht man hier auch nicht alle Tage. Einige Fotografen versuchen mit langen Objektiven möglichst spannende Bilder zu schießen: Die Presse ist also auch da. Wir erfahren, dass es hier um die Happy Days, ein "Riesenprojekt" geht. Menschen in aller Welt sollen nach derselben Musik tanzen. Die ist von Pharell Williams (nie gehört) und soll alle happy machen In Youtube sei das ein echter Hit und das Fernsehen würde auch darüber berichten und Flensburg sei dann auch dabei. Zu Hause werfen wir den Computer an und versuchen die Wissenslücke zu schließen. Was wir nicht wussten, sieht so aus:



Aha. Am Montag steht in der Zeitung, einer der Fotografen sei ins Wasser gefallen. Unsere Fotos entstanden vorher. Wir wünschen ihm, dass er keinen Schnupfen bekommt. In der Großen Straße werden wir daran erinnert, dass ein paar hundert Kilometer weiter südlich, in Köln, zig-tausende Menschen sich um dieselbe Zeit gerade warmschunkeln. Da finden Sonntags die "Vedelszöch" statt. Die wurden 1933 eingerichtet, um „das Volk wieder vom Zuschauer zum Mitspieler zu machen und dem Feste neue gesunde Quellen zu erschließen“. Dazu ist es hier noch nicht gekommen.

Immerhin ein Versuch. Ein bisschen mehr Beachtung hätten wir den fantasievollen Kostüme schon gewünscht.

28.02.14 Die Geschichte der UNDINE (2)


Es mag Leute geben, die Karton-Modellbau für Kinderkram halten und nicht für eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Das kann daher kommen, daß die Hürden für den Einstieg in die Liebhaberei recht niedrig sind, sodass auch Kinder schon damit beginnen können. Alles was man braucht, ist wenig Geld und wenige, einfache Werkzeuge. Die ganze Werkstatt passt in eine kleine Tasche. Jedoch gibt es nach "oben" fast keine Grenze, was Komplexität, handwerkliches Geschick und Sorgfalt betrifft. Ausgangspunkt ist immer ein Modellbau-Bogen, hergestellt von einem einschlägigen Verlag.

Wie kommt ein Verlag eigentlich dazu, einen neuen Modellbaubogen aufzulegen? Schließlich ist auch hier eine lange und aufwendige Vorarbeit notwendig. Bei modernen Objekten gibt es teilweise CAD-Modelle des Schiffes, von denen aus die Druckstöcke entwickelt werden. Das ist für sich alleine genommen schon schwierig genug. Man denke nur daran, dass die Klebezungen richtig gesetzt werden müssen und dass gewölbte Flächen Einschnitte an geeigneter Stelle notwendig machen. Bei historischen Vorlagen ist das noch erheblich schwieriger, weil die Ausgangsmaße häufig aus Fotografien errechnet werden müssen, bevor aus den Zeichnungen ein fertiger Modellbau-Bogen entwickelt werden kann.
Es muß schon gute Gründe geben, ein solches Projekt zu beginnen.
Im Fall der UNDINE gab der Wunsch des Museumsinspekteurs des Museums Sønderjylland - Sønderborg Slot, René Rasmussen den Ausschlag. Er suchte für sein Museum nach einem Modell des Kleinen Kreuzers UNDINE. Das sollte im Maßstab 1:00 gebaut sein und zusammen mit einigen originalen Fundstücken des 1915 versenkten Schiffes Teil einer Dauerausstellung werden um an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu erinnern, als Sønderborg Sitz der Inspektion der Schiffsartillerie der Kaiserlichen Marine war. Hier war der Kleine Kreuzer UNDINE ab 1907 stationiert. Baugleich waren noch zwei andere Schiffe der GAZELLE-Klasse (ARCONA und FRAUENLOB). Jedoch gab es nur von UNDINE ein Modell, aus Karton und,  leider, im Maßstab 1:250.
Der hmv-Verlag erklärte sich bereit, die UNDINE als Modell in diesem Maßstab zu entwickeln. Leider verstarb der Konstrukteur des Modells, Herr Peter Brandt, während des laufenden Projektes. Fast drohte das Vorhaben zu scheitern, bis man sich entschloss, die vorhandenen "kleinen" Modellbau-Bögen durch Kopieren zu vergrößern. Das gelang. Aber es blieb der Zeitverlust. Deshalb bildete die Karton-Modellbaugruppe "zwischen den Meeren" sechs Arbeitsgruppen; sie sollten Teile des neuen Modells gleichzeitig herstellen, um sie anschließend zusammenzuführen. Dass so eine Arbeitsteilung möglich ist, hatten sie bei einem Besuch der Kartonmodellbaugruppe in Apenrade gelernt. Viele Teile müssen in dem fertigen Modell zusammenpassen: Rumpf, Aufbauten, Beiboote, um nur einige zu nennen. Bei der Endmontage passte es diesmal eben nicht. Alle Ungenauigkeiten wurden beim Kopieren ebenfalls im selben Verhältnis vergrößert. Nun war Improvisation und großes Geschick der Modellbauer gefordert und das Modell geändert, um es passend zu machen.
Schließlich haben es die Experten der Gruppe "Kartonmodellbau zwischen den Meeren" rechtzeitig geschafft. Während der Pressekonferenz gestern konnte der Museumsinspekteur das Modell der UNDINE entgegen nehmen. Es bleibt bis zum "Tag des Kartonmodellbaus" am 09. März im Schifffahrtsmuseum Flensburg und wandert dann dauerhaft in das Museum Sonderjylland.