28.04.16 MINNA ist dicht

Foto: Hans-Herrmann Heyer
So langsam beginnt für alle Boote aus dem Museumshafen die Segelsaison.
Nach einem arbeitsreichen Winter ist jetzt die alte Buttjolle aus dem Jahr 1927 vom Lüttfischerdsteg im Museumshafen wieder in ihrem vertrauten Element. MINNA ROEDER der Waldorfschule wird hier nicht lange alleine liegen bleiben, denn in nur einer Woche kommt die Rumregatta und damit die traditionelle Jollenregatta. Bis dahin werden auch die Jollen der Gäste gekommen sein.
Kurz nachdem  das Foto entstand, berührten schon die ersten Wellen des Jahres ihren Kiel.  Wir haben es von Hännes bekommen und sagen artig. "Danke!"


29.04.16 Taufe im Regen


















Seit Mittag fällt Regen erbarmungslos vom Himmel, durchdringt jede Jacke. Wie oft irrt die Wettervorhersage, wenn sie Sonnenschein vorhersagt? Warum nicht auch heute, wo doch das Richtfest für den Neubau des "Historischen Krahns von 1726" viele Freunde, Gönner und Helfer des Museumshafens auf das Bohlwerk lockte, um gemeinsam zünftig zu feiern? Wir werden es nicht erfahren.
















Die Vorsitzende des Vereins Museumshafen Flensburg e.V. eröffnet das Fest mit einer kurzen Rede, in der sie an die Historie des Bauwerks erinnert. Die begann vor etwa 300 Jahren, als  zwei Flensburger Kapitäne in Venedig vom Schiffergelag gegen Lösegeld aus den Händen von Sklavenjägern freigekauft wurden. Das war drei Jahre bevor dieselbe Kapitänsvereinigung den historischen Krahn bauen ließ.  Und sie erinnerte daran, dass der Verein vor einem Jahr beschloss, den morschen Nachbau des Krans aus dem Jahr 1726 abzureissen und neu zu errichten. Das hölzerne Bauwerk hatte dreißig Jahre lang seinen Fraßfeinden und dem Wetter getrotzt. Schließlich bot er nur noch ein Jammerbild. Dabei war er mit der Zeit nicht nur zu einem Wahrzeichen des Vereins, sondern auch des Hafens und sogar der Stadt geworden. Dem wollte der gemeinnützige Verein bei seiner Entscheidung Rechnung tragen. Dass dies von vielen Bürgern der Stadt und aus dem Umkreis gewürdigt wurde, zeigte sich in der großen Resonanz auf die Aktion "Kunst für Krahn", mit welcher der Verein um Spenden und Hilfe für das  Projekt warb.  Das Projekt: Es ging um geschätzte 30000 Euro für die Wiederherstellung des Wahrzeichens am Bohlwerk, das an die Seefahrts- und Schiffsbaugeschichte der Stadt erinnert. Zahlreiche kleine und große Beiträge von Gönnern aus Kunst, Wirtschaft und Politik kamen zusammen, bis Anfang dieses Jahres im Brekendorfer Forst Douglasien für den Neubau ausgesucht und gefällt werden konnten. "Mondholz", wie die Zimmerer heute beim Richtspruch herausstellten. Damit der neue Kran mindestens wiedert dreißig oder sogar fünfzig Jahre erhalten bleibt.

Ein Prost und Gottes Segen auf das Bauwerk. Und bevor es den Boden berührt, ist das Glas schon zersprungen.















Nun steht der Kran im fahlem Gelb der frischen Douglasie wieder am ursprünglichen Platz. Das Holz wurde sorgfältig geglättet und nicht behandelt, außer an den Schnittflächen. Denn schließlich soll kein Gift in das Hafen- und Fördewasser gelangen. Die Zimmerer tragen in launigen Versen Impressionen aus der Bauzeit vor und danken allen, die geholfen haben. Wie bei Richtfesten üblich ging das nicht ohne geistigen Beistand aus kleinen Gläsern vonstatten.
Dann sang die Shantygruppe der Hornblower und so spielte der Regen fast keine Rolle mehr.

Vor Beginn der Feier hatte bereits der holländische Klipper PEGASUS aus Amsterdam kommend unter dem Kran festgemacht. An Deck ein Holzfass mit 226 Litern Rum aus Barbados, der schon 5283 Seemeilen in dem einzigen Frachtsegler Europas über den Atlantik bis nach Amsterdam transportiert wurde. Mit dieser Hieve sollte der Krahn seine Arbeitsleben beginnen.

Übrigens: Es war nicht der Rum von der Karibikinsel, mit dem die Zimmerer und die Festgäste anstießen. Den gibt's erst ab Ende Mai bei "MuseMaritim" im Schifffahrtmuseum.

28.04.16 Besuch vom Bootsbauer

Kurz vor der Rumregatta und das Wetter wird nicht besser. Selbst der Meterologe im Radio spricht von "verspätetem Winterwetter". Kurze Sonnenmomente wechseln mit Schnee- und Graupelschauern. Kräftige Böen machen das Hafenwasser unruhig. Dabei muss die Lackierung dringend aufgebessert werden. Zum Glück ist die Kosmetik auf der Leeseite am dringendsten und so geht zumindest das Schleifen zügig voran.

Auf dem Bohlwerk sind immer Passanten unterwegs. Heute mischen sich in die Liebhaber vom Bens Fischbrötchen ("Die letzten vor der Grenze") mit anderen Besuchern, die am Fortschritt der Krahnbaustelle interessiert sind.
Immer wieder bleiben Einzelne oder Paare stehen und sehen den gymnastischen Übungen zu, die das arbeiten auf einem leichten Schlauchboot bei kabbeligem Wasser erfordert. Im Weggehen stellen sie mit einer gewissen Genugtuung fest "Viel Arbeit", so, als wäre es eine üble Krankheit. Aussichtslos, etwas darauf zu sagen. Etwa, dass sich ein schöner Garten auch nicht von alleine pflegt.

Nicht so ein Besucher, der heute stehenbleibt. Er schaut lange ruhig, geht einen halben Schritt zurück, um ein Detail genauer betrachten zu können. Schließlich fragt er in leicht gebrochenem Deutsch, ob ich der Eigner sei, und ob ich wisse, wo das Schiff gebaut wurde. "In Norwegen". prompt kommt die Antwort "Ja, ich weiss. In Hardanger. Das Schiff habe ich gebaut." Uff! Jahrelang haben wir vergeblich versucht, ein paar Informationen über die Geschichte unserer WIEBKE BOHLEN zu bekommen. Das Ergebnis war ziemlich dürftig. Nun steht jemand da, der alles weiss, was wir wissen wollen. Ja, das Boot ist nach einem Riss von Colin Archer aus dem Jahr 1902 gebaut worden, sagt er und bestätigt, was wir gehört haben. Aber, sagt er, mit Modifikationen, weil unser Boot eine schwerere Maschine installiert bekam als das Original damals hatte. Und es sei eine Planke höher gebaut worden. Die Pläne gäbe es noch in Oslo. 
Er selber hat ein Boot nach demselben Riss, das sei immer noch in Norwegen. Unseres habe sich ein
Kaufmann bauen lassen. Der sei auf der Jungfernfahrt mit seiner Frau nach Kopenhagen gefahren. Aber sie sei so seekrank geworden, dass sie sich geweigert habe, mit ihm zurück zu segeln. Da habe er ein großes Motorboot gekauft, um sie zu schonen. Schließlich sei das Boot, das wir seit 20 Jahren segeln, nach Dänemark verkauft worden.
Der "Salon".
Da haben wir es damals aufgetrieben. Jetzt sitzt er im "Salon" auf dem Lederpolstern und sieht die kassetierten Schottwände an. "Die hat ein Tischler gebaut, der war ein wirklicher Künstler". Das kann man wohl sagen, sind doch alle Kassetten den Rundungen des Decks harmonisch angepasst. "Aber als der zu alt wurde, hat er aufgehört. Da konnten wir sowas nicht mehr anbieten". Wir  reden über die Art, wie die Planken befestigt sind "Mit Edelstahlschrauben, das wollte ein Kunde so haben. Der handelte damit. Danach sind wir dabei geblieben". Ja, seine Bilge sei auch staubtrocken. Man müsse Holzschiffe sowieso immer trocken halten. Dann habe man lange Freude daran. Stimmt, deshalb lassen wir bei dem nassen Wetter die Bordheizung an und lassen immer wieder frische Luft ins Boot.  
Leider muss unser Besucher bald weiter, die Fähre nach Norwegen wartet nicht. Beim Weggehen sagt er "bis demnächst". Fein, dann erfahren wir noch mehr über unser Boot, das wir eigentlich schon so gut kennen. 

Mittlerweile haben sich die Regenschauern verzogen; ein schwacher Westwind hat die Böen abgelöst. Die Passanten sind weitergegangen. 

27.04.16 ELLEN brennt in Lübeck

Heute Morgen wurde auf dem Traditionssegler Kutter ELLEN ein Mann aus der brennenden und total verqualmten Kajüte gerettet. Wie in der Presse berichtet, handelt es sich um einen Obdachlosen, der auf dem Schiff Schutz vor der nächtlichen Kälte gesucht hat. Er hatte Glück im Unglück: Zufällig entdecketen ein Elektriker und ein Angehöriger der Bundeswehr auf dem Weg zur Arbeit am frühen Morgen starken Rauch auf dem Schiff. Sie konnten durch ihr berherztes und schnelles Eingreifen das Leben des Mannes retten. Er wurde mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Die Befürchtung, dass sich noch ein weiterer Mensch an Bord des Schiffes befand, bestätigte sich glücklicherweise nicht.
ELLEN wurde 1938 als sogenannter "Einheitsfischkutter" von der Werft Modersitzki in Ostpreussen gebaut und auf den Namen NILS HOLGERSON getauft. Nach ihrer aktiven Zeit als Fischkutter hatte sie mehrere Besitzer und wurde schließlich zum Traditionssegler für Fahrten mit Gästen umgebaut.



27.04.16 Nun steht er wieder

Seit heute morgen wird der Nachbau des Historischen Krahns von 1726 wieder an seinem Platz auf dem Bohlwerk aufgerichtet. Mittags steht schon der zentrale Ständer, der längste von allen.  Der Kranbalken wurde schon gestern auf seinen Kopf montiert. Jetzt baumelt daran bereits die lange vierpartige Arbeitstalje mit der, wie beim historischen Original, Schiffsmasten und -spieren montiert werden können.  Auch die Knotenbleche für die Befestigung der Seitenstreben saßen schon an ihrem Platz. Am frühen Nachmittag ist bereits die obere Zugstrebe angebracht, dann folgen die Seitenstreben. Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein paar Männer schwere Baumstämme zu einem
sinnvollen Bauwerk wie dem Krahn hier aufrichten können. Unsereins kann sich in
derselben Zeit nicht mal einen Bruch heben.





















Seit dem frühen Morgen regnet es ohne Unterlaß. Erst mittags hat Petrus endlich Mitleid mit den tapferen Arbeitern und lässt einen Moment lang bleiche Sonnenstrahlen auf die Baustelle fallen. Bald danach gibt es wieder die unvermeidlichen Regenschauer. 


Schwindelfrei und Trittsicher zu sein ist sicherlich eine notwendige Voraussetzung für den Beruf. Aber das alleine reicht nicht aus. Wikipedia nennt als wesentliche Voraussetzungen ebenfalls:
"handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungs- vermögen und technisches Verständnis ... hohe Teamfähigkeit ... hohe Eigenverantwortung." Weiterhin wird darauf hingewiesen dass " Zimmererarbeit körperliche Schwerarbeit " ist und nennt "Außenarbeit und Wetterausgesetzt- heit (Hitzebelastung, Kältebelastung, Nässebelastung) sowie Höhenarbeit, und Verletzungsgefahr" als wesentliche Belastungen.
Fazit: Hut ab, vor den Zimmerern.

26.04.16 Flunderboot FORTUNA im NDR

Fortuna
Flunderboot FORTUNA
Foto: V. Gries




Ein Gruß aus der Ferne vom Flunderboot FORTUNA, das einst den Museumshafen schmückte. FORTUNA hatte, vorsichtig gesagt, Restaurierungsstau als sie glücklicherweise an ihren neuen Eigner übergeben wurde. Nun schmückt sie die Boddengewässer und bringt es sogar zu medialer Berühmtheit.
Wir bekamen einen Hinweis auf Beiträge im Fernsehen, die sicherlich recht interessant sind:



Hallo Freunde,

nun ist es endlich soweit. In der Sendereihe (Teil 2) „Land zwischen Belt und Bodden“ wird ein während der Althäger Fischerregatta auf der „Fortuna“ aufgenommener Beitrag gesendet (ca. 5 Minuten Länge). Ein weiterer Beitrag zeigt PRU. 7 „Paula“ bei der Zeesenfischerei. Sendezeit ist Sonntag, der 01.05. von 20:15 – 21:45 Uhr.
Hoffe, ich habe auf die spontan gestellten Fragen der Redakteurin nicht so viel dummes Zeug erzählt, bzw. dass die Aussagen nach dem Schnitt nicht zu sehr entstellt sind… ;o)
Viel Spaß beim Ansehen wünscht
 
Uwe Grünberg
 
NDR - Erstausstrahlungen
„Land zwischen Belt und Bodden“
 
Teil 2 - Von der Trave bis Hiddensee
Sonntag, 01. Mai 2016 um 20.15 Uhr / Doku / 90 min
 
Teil 3 - Von Kap Arkona bis Heringsdorf  
Donnerstag, Himmelfahrt - 05. Mai 2016 um 20.15 Uhr / Doku / 90 min"
 Auch wir wünschen viel Vergnügen!

26.04.16 Krahn im Endspurt

Nicht mehr lange so nah zu sehen: Der Kranbalken "von oben"
Der Neubau des Historischen Krahns von 1726 erreicht seine letzte Phase. Heute wurde neben anderen Arbeiten bereits der Kranbalken montiert. An seinen Enden sind die Rollen für das Lastseil, mit dem früher das "Takel ¹)" für die eigentliche Hebearbeit hochgezogen wurde. Alle Ständer zeigen sich in dem typischen frischen Farbton der neu geschälten Douglasie. An anderen Stämmen werden soeben noch die Verbindungsbolzen eingeschlagen, die bald schon den Bau zusammenfügen sollen.

Spätestens am Freitag, beim Richtfest, wird sich zeigen, ob alle Teile des Historischen Nachbaus sauber zusammenpassen. 

Nicht ganz könnte das Wetter passen, denn die Vorhersage nennt eine Niederschlagswahrschein-lichkeit von 30 bis 70% und Böen von sechs bis zunehmend sieben Beaufort aus Süden. Die Lufttemperatur wird mit etwa 12° C ihren Höchstwert erreichen. Alles in allem wir es ähnlich wie gestern zugehen, nur ein bisschen wärmer. Aber man kann sich ja auch passend anziehen. Passend anziehen mussten sich auch die Zimmerleute, die trotz Sch... Wetters ungerührt ihrer Arbeit nachgingen um den Termin zu erreichen.

Zu Hause bleiben ist für Menschen mit Sinn für's Spektakuläre vielleicht keine ganz so gute Alternative. Schließlich sind Richtfeste für den Krahn und seine Nachbauten ziemlich selten. Seit dem letzten Mal sind immerhin 17 Jahre ins Land gegangen. Außerdem hat der veranstaltende Verein Museumshafen Flensburg nur eine Woche vor der Rumregatta dafür ein schönes Fest vorbereitet. In einer beispiellosen Spendenaktion unter dem Namen "Kunst für Krahn" konnte der Museumshafen zahlreiche namhafte und öffentlich weniger bekannte Künstler und Gönner zum Mitmachen gewinnen. Mit dem Richtfest will sich der Verein nun für die tätige Hilfe bedanken.
Gäste sind herzlich willkommen!

RICHTFEST am BOHLWERK
29. April 2016
16.00 Uhr

Der traditionelle Richtspruch wird umrahmt von Musik des Shantychor "Hornblower", einer Tanzperformance mit Susanne Meier, einem Open Mike, zu dem auch weitere Kulturbeiträge willkommen sind, 200 „Kunst für Krahn“ Luftballone steigen auf, versehen mit guten Wünschen der Festgäste. Jene Wunschkarte, die vom entferntesten Ort zurück an den Museumshafen gesandt wird, gewinnt eine Ausfahrt für zwei Personen auf einem Traditionssegler des Museumshafens.

Alle Gäste können sich zusätzlich auch mit Kaffee und Kuchen und mit kalten Getränke aus dem „Piratennest“ verwöhnen.

Gleichzeitig wird der holländische Traditionssgler PEGASUS unter dem wieder errichteten Krahn eine ganz besondere Fracht entladen:
Ein 226 Liter Fass mit elf Jahre altem 60-prozentigem  Rum der vom letzten Frachtsegler Europas, der TRES HOMBRES, nach drei Monaten Seereise direkt aus der Karibik nach Amsterdam gebracht wurde. Er soll ab Ende Mai im Cafe des Flensburger Schifffahrts-museums "Muse Maritim" in liebevoll ausgesuchten historischen Flaschen angeboten werden. Ob von dem Rum auch schon ein bisschen rumprobiert werden kann, wurde in der Ankündigung nicht erwähnt.

Wer auf der PEGASUS  mitfahren möchte, kann sich unter der Mobilnummer 0163 2074278 nach Möglichkeiten und Konditionen erkundigen. Noch sind Plätze frei (Hin Tour von Kiel -Flensburg  28-29.  Zwischenstopp
wahrscheinlich Kappeln).
___________________________________
¹) Wikipedia: "Als Gien oder Takel wird eine Verbindung von Tauwerk und Blöcken mit mehr als drei Scheiben je Block bezeichnet. Diese Verbindung dient dem Heben besonders schwerer Lasten. Bei einer sechsscheibigen Gien mit drei Scheiben je Block beträgt die Kraftersparnis 1:6."

24.04.16 Frühstart


Es sind zwar noch knapp zwei Wochen bis zur Lüttfischerregatta, aber sicher ist sicher

24.04.16 Noch fünf Tage

Nur noch eine knappe Woche trennen den neu gebauten Historischen Krahn von 1726 von seinem Richtfest. Am kommenden Freitag soll er mit einem zünftigen Fest auf dem Bohlwerk eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Diese wird nach wie vor Ansteuerungsmarke für Gäste des Museumshafenes sein. Bisher liegen die meisten Stämme der Douglasien aus dem Brekendorfer Forst schon fertig für die Montage bereit. Gestern unsd heute waren die Metallbeschläge dran. Denn auf Verbindungselemente aus dem Barock, als der erste Krahn (damalige Schreibweise) errichtet wurde, will man sich nicht mehr verlassen. Vermutlich bekämen sie heutzutage auch keine Sicherheitsfreigabe.
Bei dem Thema könnte man immer wieder ins Sinnieren kommen: Ein nachgebauter Historischer Krahn, von dem nur ein Dokument und eine kleine Abbildung zeugen, gebaut auf einem Bohlwerk, das es an dieser Stelle so nicht gab. Nun ja. Heute kommt es auf den Tourismus an. Die Besucher kommen auch wegen des Krahns wie er jetzt wieder entsteht und lauschen den Erklärungen der Fremdenführer. Während er also heute zahlende Fremde anzieht, hat er ursprünglich Masten aus Segelschiffen heraus gezogen und auch wieder hineingesetzt. Aber damit könnte man heute kein Geld mehr verdienen. 

Wie dem auch sei. Der Verein Museumshafen Flensburg hat jedenfalls in einer Veranstaltungsreihe im letzten Jahr genügend Geld zusammengebracht, um Baumstämme und Fachbetriebe bezahlen zu können. Schon damals haben viele Mitglieder tatkräftig mitgewirkt. Was sie selber machen können, nehmen sie gerne in eigenen Hände.
 
Die Fundamente werden sorgfältig vorbereitet,
müssen sie doch später die ganze Last tragen
Die Knotenelemente werden den Stämmen angepasst.












24.04.16 GRETA wieder im Museumshafen

GRETA auf der Zielgeraden
Heute Nachmittag kam ein kleiner Konvoi mit dem Elbfischer GRETA im Schlepp in den
Flensburger Hafen gefahren. Die ehemalige Fischerjolle aus dem Jahr 1904 ist das zugleich das älteste und auch das jüngste Vereinsschiff des Museumshafen eV. Das älteste, weil es bereits bei der Gründung des Traditionsvereins im Jahr 1979 mit dabei war, wenn auch unter seinem damaligen Namen TYKKE VENN. Das jüngste, weil GRETA jetzt dem Verein Museumshafen e.V. gehört. Er hat es für eine symbolische Buddel Rum von dem Vorbesitzer erworben. GRETA hat wie viele ehemalige Arbeitsschiffe eine bewegte Vergangenheit und so sind die Namen "Greta" und "Tykke Venn" nur zwei von vielen, auf das Schiff im Laufe seines Lebens getauft wurde. Schiffe umzutaufen gilt es ja gemeinhin bei den abergläubischen Seeleuten als sichere Methode, Unglück heraufzubeschwören. Mal sehen, ob das auch für GRETA gilt. Immerhin wurde bei ihrer aktuell letzten Restaurierung der Rumpf weitgehend saniert. So konnte sie heute von ihrem Werftliegeplatz in Egernsund abgeholt und über die Toppen geflaggt nach Flensburg zurückgebracht werden.
Trotz des eigentlich angenehmen Segelwetters - es soll nur einen Schauer Schneeregen gegeben haben - musste GRETA sich der Motorkraft des größeren Loggers PIROLA anvertrauen. Denn Mast und Rigg sind zurzeit noch nicht einsatzbereit. Auch sonst sind noch einige Arbeiten notwendig.
Jetzt steht aber erst einmal Mitgliederwerbung an. Der Freundeskreis Elbfischer GRETA würde sich über weitere helfende Hände und Köpfe freuen, um das eigentliche Ziel möglichst schnell zu erreichen: nämlich jungen und jung gebliebenen das Segeln auf einem Traditionsschiff nahe zu bringen. Und damit natürlich auch die notwendige Seemannschaft und Praxis in der Wartung und Pflege eines Traditionsseglers um die gewachsene maritime Kultur auch für künftige Generationen lebendig zu erhalten.
Wer selber nicht Hand anlegen kann und dennoch helfen möchte: Spenden werden vermutlich nicht verschmäht.
Kontakt:

Freunde Elbfischer GRETA e.V.

Günther Wulf
E-Mail: guenthi@foni.net,
Tel: 0049-0461 24628
mobil: 1724526444


Die Mitglieder des Fördervereins Elbfischer GRETA treffen sich außer zur Arbeit am Schiff regelmäßig im Vereinsheim des Museumshafen Herrenstall 11 24939 Flensburg. Die Termine sind in der Seite "Terminübersicht 2016" zu finden.
Der nächste Termin ist der 10. Mai um 19:00 Uhr. Interessenten sind herzlich willkommen.

21.04.16 GRETA schwimmt wieder

Nur noch wenige Sekunden und GRETA schwimmt wieder
Foto: O. Stichling
Heute hat der alte Elbfischer GRETA  einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum
Nachwuchsmagneten des Museumshafens abgeschlossen. Nach fünf Monaten Restauration auf der Werft von Christian Johnsson in Egernsund senkte heute ein Kran den 112 Jahre alten Rumpf ins Wasser. Die Restauration war nach einer mehrjährigen Schrumpfkur der Planken in einer trockenen Lagerhalle unvermeidlich geworden. Während des Werftaufenthalts haben neben den Bootsbauern der Werft auch Freiwillige des neu gegründeten Fördervereins GRETA dem Rumpf zu einer zweiten Zukunft verholfen. Glücklicherweise war der Eigner der AURORA von ALTONA gerade auf der Werft in Egernsund und zufällig hatte er seine Kamera schussbereit zu Hand. So konnte der denkwürdige Moment festgehalten werdn

Mit dem Ende der Werftzeit ist GRETA aber noch lange nicht einsatzbereit. Denn auch wenn sie jetzt wieder schwimmt, stehen weitere wichtige Arbeiten an den Teilen über der Wasserlinie noch aus. 
Wie man hört, ist der Rumpf trotz einiger neuer aber auch noch mehr alten Planken noch nicht ganz dicht. Das Holz muss nach der langen Trockenperiode erst im Wasser quellen. Das kann ein paar Tage dauern,. Doch schon am Sonntag soll das Boot in einem kleinen Konvoi zu seinem alten und jetzt wieder neuen Heimathafen am Bohlwerk überführt werden.
Wer auf GRETA segeln und traditionelle Seemannschaft im Kreis gleichesinnter junger und jung gebliebener Enthusiasten erlernen möchte: der Förderverein Elbfischer GRETA sucht weiterhin neue Mitglieder. Er trifft sich monatlich an den in der Seite Terminübersicht 2016 genannten Tagen.

20.04.16 Bemöpster Krahn


In  unseren Zeiten kann auch DER Historische Krahn von 1726
nicht ganz unberührt vom Gender Mainstream davonkommen. So werden die Stämme aus denen er gefügt wird teilweise in der überlieferten männlich-streng geometrischen Kegelform hergestellt, andere hingegen in einer weicheren Formensprache, also eher weiblich schwellend. Worauf der Hafenmelderin spontan der Ausrdruck "bemöpst" einfiel. Entsprechend konnten wir heute sehen, wie einer der Zimmermänner(!) sich liebevoll versonnen, ja. fast zärtlich den schwellenden Rundungen glättend hingab.

Die "maskulinen" Stämme hingegen erhielten streng geometrische Aussparungen, die später einmal die metallenen Zargen formschlüssig aufnehmen sollen. Die Arbeiten gehen also zügig ihren vorgedachten Gang.

Am 29. April, also in knap eineinhalb Wochen soll der Krahn wieder seinen angestammten Platz eingenommen haben. Das Ereignis soll mit einem zünftigen Richtfest gefeiert werden. Einzelheiten dazu gibt es in der Terminübersicht 2016.

20.04.16 Termine, Termine!

In der Terminübersicht 2016 der HAFENMELDUNGEN sind neue Termine zu finden.

Neu ist am 24. April die Führung durch die Ausstellung "Unsinkbar" in der die Geschichte der Nicol- Rettungsboote sichtbar wird.

Neu ist das Richtfest am Bohlwerk am 29. April mit dem die vollendete Wiederherstellung des Wahrzeichens am Flensburger Hafen mit einem munteren Rahmenprogramm gefeiert wird.


Neu ist auch, dass gleichzeitig ein Fass mit 226 Litern wertvollem Rum nach einer dreimonatigen Reise auf dem letzten Frachtensegler Europas über den Atlantik nach Amsterdam unter dem Historischen Krahn von 1726 angelandet wird.


Einfach mal 'reinschauen!

17.04.16 Perfide Vandalen

Manches Erlebnis hinterlässt einen schlichtweg sprachlos. Wie hirnlos dürfen eigentlich frei laufenden Menschen sein, wenn man sie denn so nennen will.
Wie jede Baustelle ist auch die für den Krahn auf dem Bohlwerk für Passanten besonders gefährlich. Sie könnten daran Gefallen finden, auf den Stämmen zu balacieren, oder über die Stählernen Zargen stolpern, die den Pfählen als Fundament dienen sollen. Deswegen haben die Arbeiter Ständer mit Warnschildern aufgestellt, um den Gefahrenbereich zu markieren. Über die Zargen haben sie Pylone gestülpt, damit Fußgänger nicht versehentlich darüber stolpern. So war es noch gestern Abend.
Heute Morgen waren die Hütchen weg und die Schilder von den Grundplatten abgerissen. Nur die spitzen Schrauben, mit denen sie montiert waren ragen als hässliche Verletzungsgefahr aus dem Boden.

Glücklicherweise sind Traditionsschiffer meist ausreichend mit Werkzeug versehen und konnten noch morgens die spitzen Schrauben entfernen. Die Warnhütchen zu ersetzen gelang am heutigen Sonntag nicht. Sie gehören auch nicht zur Standardausrüstung von Traditionsschiffen. 

In der Nacht wurden die Schilder abgerissen. Die spitzen Holz-
schrauben sind für Fußgänger, laufende Kinder und Hunde
eine heimtückische Verletzungsgefahr.

Die Zargen sind mit Warnhütchen markiert,
mehrere Schilder begrenzen den Gefahren-
bereich. So war es noch gestern Abend.




















Seit Jahren ist das Bohlwerk nächtlicher Spielplatz für Besoffene und Bekiffte und zwar hauptsächlich in den Diskonächten. Die HAFENMELDUNGEN haben wiederholt über das Problem berichtet. Über die Beobachtungen von Traditonsschiffen wurde der Oberbürgermeister informiert, aber der Hafenkapitän hat abgewiegelt. "Der Vandalismus ist derzeit kein vorrangiges Thema im Historischen Hafen" schrieb er in seiner Stellungnahme.

Handlungsbereitschaft liest sich anders.

16.04.16 Lockenwickler

Hier kommt noch eine kleine Nachlese zum Thema "Neubau des Historischen Krahns" auf dem Bohlwerk.
Die Arbeit der Zimmerleute begeistert viele Passanten. Sie bleiben einen Augenblick stehen und sehen den Handwerkern bei der traditionellen Handarbeit zu. Wo auf anderen Baustellen die Elektrohobel stundenlang kreischen, sind hier die sanft schabenden Geräusche der Ziehklingen zu hören. Die Arbeit fordert Kraft, Geschicklichkeit und Sinn für das Holz. Und ist die Klinge scharf genug wie für die tägliche Rasur, dann ringeln sich die Späne wie Haare aus dem Lockenwickler im Friseursalon.

15.04.16 GRETA aktuell

Anfang der Woche haben wir uns mal wieder auf der Werft in Egernsund umgeschaut und natürlich auch Elbfischer GRETA besucht. Den Elbischkutter, Urbestand des Museumshafens, hatte es durch einen Eignerwechsel irgendwann erneut an die Elbe verschlagen. Im letzten Jahr kam er wieder zum Museumshafen Flensburg zurück. Während andere Traditionsschiffe in irgend einer Hafenecke vor sich hin rotteten, hat er das das entgegengesetzte Schicksal erlitten: Er dehydrierte in einer Lagerhalle. Hoch und trocken, wie man so sagt. Entsprechend dringend war sein Bedarf an kundiger Reparatur. Denn schließlich sollen Schiffe Menschen sicher transportieren. Im Fall der GRETA sogar  für den Museumshafen besonders wichtige, junge Menschen. Der Verein hat Nachwuchssorgen und die soll der Elbfischer GRETA vertreiben.  Das Konzept scheint aufzugehen, denn eine Werftmannschaft des eigens gegründeten Fördervereins legt kräftig Hand an GRETA und hilft den Zeit- und Kostenrahmen einzuhalten. Wöchemtlich treffen sich die Aktiven bei dem alten Fischerboot um Dinge zu erledigen, für die man keine Prüfung als Bootsbauergeselle benötigt. Dazu zählte bisher Pech kratzen, Planke anmalen und jezt neuerdings auch, den Mast zu schleifen. Was schmückt ein Segelschiff mehr, als ein glänzend lackierter Mast. Und schleifen ist nun mal die Grundlage einer guten Lackierung.  

Heute erhielten wir  von der munteren Gruppe eine Mail mit wunderbaren Fotos, die in Flickr aufgerufen werden können. Die Bilder hier sind eine kleine Auswahl davon. Sie wurden allesamt von Rouven Sacha gemacht.  Dazu schrieb er:
Hallo Wiebke,

super gerne dürft Ihr die Bilder für die Hafenmeldungen nutzen,schließlich hat mich Euer toller Blog erst zur Greta gebracht!

Ich habe die Lizenz im Flickr auch gleich entsprechend angepasst...

Viele Grüße,

Rouven


An Deck gibt es noch viel zu tun
Die Außenarbeiten kommen zum Ende
















Das Innenleben kommt auch noch dran



















Die Mitglieder des Fördervereins Elbfischer GRETA treffen sich außer zur Arbeit regelmäßig im Vereinsheim des Museumshafen Herrenstall 11 24939 Flensburg. Die Termine sind in der Seite "Terminübersicht 2016" zu finden. Der nächste Termin ist der 10. Mai um 19:00 Uhr. Interessenten sind herzlich willkommen.

14.04.16 Drei Wochen

Jetzt sind es noch zwei Wochen bis zur Rumregatta und damit bis zu dem Tag, an dem der neu zu errichtende Historische Krahn von 1726 seinem angestammten Platz auf dem Bohlwerk wieder eingenommen haben soll. Hier ein paar Bilder von der Baustelle, wie sie sich gestern und heute darbot. Wo gehobelt wird, fallen Späne wie man sagt. Stimmt genau, wie man sieht.


Was vom Tage (gestern ) übrigblieb
Traditionelle Handarbeit ist zwar schweißtreibend, 
aber auch wohltuend leise






















... ebenso die frisch verzinkten Beschläge
Die Schablonen liegen bereit ...














13.04.16 Bei ABSALON geht's weiter voran

Nach unserem Artikel über das Isefjordboot ABSALON vom 06.04.16 "Ein Schiff wird kommen" können wir einen weiteren Fortschritt berichten. Die Reparaturcrew hat von Reparatur- auf Restaurationsmodus umgeschaltet. Einer der Eigner sagte dazu, "das war unvermeidlich. Denn wir wollen ja das Boot irgendwann einmal wieder in Fahrt bringen". Nun haben wir eine Mail erhalten mit einem Foto von zwei neu eingebauten Spanten. Zwei weitere sollen folgen, bevor weitere Planken angeschlagen werden. Da können wir nur weiterhin gutes Gelingen wünschen!



























P.S.: Es ist doch immer schön, wenn wir Berichte über interessante Reparatur- oder Restaurationsprojekte bekommen. Zeigen sie doch, das die Szene lebt und dass wir uns auch künftig historische Schiffe in gutem Zustand ansehen können.

12.04.16 Dreieinhalb Wochen

Bei kühlem, windigen und feuchten Wetter begann heute die wichtigste Phase im Krahnprojekt des Museumshafens - die ersten vorbereitenden Arbeiten für den Wiederaufbau des hölzernen Monuments haben begonnen. In dreieinhalb Wochen, zur Rumregatta, soll er wieder auf dem Bohlwerk stehen, der Historische Krahn. Wir haben in zwei Bildern festgehalten, was es heute Mittag zu sehen gab:















Offensichtlich ist zweierlei zu erkennen. Zum einen werden die Stämme von allen Seiten genau angeschaut und sortiert und zum Anderen ist nach dem Vorbild der Museumswerft (FORENING) bereits ein kleines Funktionsmodell gebaut worden, um die Methoden für den Bau des Originals in einem praktischen Versuch zu erproben. Wir weisen ausdrücklich nochmals darauf hin, dass der jetzt auf dem Bild rechts zu sehende Kran nicht geeignet ist, Masten zu ziehen. Wer es dennoch versucht, muss sein Schiff waagrecht darunter bugsieren. Als die Fotografin die Zimmerleute auf diesen Umstand ansprach meinten diese, sie kenne sich aber mit Schiffen gut aus.

12.04.16 Ben Akiba

Die Weisheit des alten Ben Akiba aus der Zeitenwende trifft immer noch zu. "Es gibt nichts Neues unter der Sonne". Hatten wir vorgestern noch vermutet, niemand sei zuvor auf die Idee gekommen, sich selbst beim Segeln mit einem Selfie-Stick auf die SD-Karte zu bannen, wurden wir schon wenig später eines Besseren belehrt. Und zwar auf eine für Traditionssegler besonders charakteristische Weise. Denn wenn schon jemand sowas gemacht hätte, wäre doch zu vermuten gewesen, er hätte die teure Opto-Elektronik auf eine der grazilen Teleskopstangen gesetzt, deren geringes Gewicht auf einem bewegten Schiff sicherer zu handhaben ist. Aber Bauteile aus Aluminium oder gar aus Faser-Verbundwerkstoffen haben an Bord von traditionellen Booten nichts verloren. Und weil der traditionsbewusste Segler ohnehin eher dazu neigt, neue Anwendungen mit herkömmlichen Bauteilen zu realisieren, musste es so kommen, wie das Youtube-Video aus dem erfinderischen Osten der Traditionsseglerszene zeigt.
Den Hinweis auf diese bemerkenswerte Ingenieurleistung verdanken wir dem neuen Eigner der Zeese FORTUNA, die einst in Flensburg vergammelte und, wieder hergerichtet, jetzt Zierde der Boddengewässer ist.  Viel Vergnügen!




P.S.: Der Selfie-Stick wurde 2011 patentiert. Ob die Methode "Bootshaken" aus dem Jahr 2012 auch Erfinderschutz genießt, konnten wir bis heute nicht klären.

10.04.16 Ansegeln

Der Grund, warum viele Leute heutzutage ständig Selfies machen, liegt wohl darin, dass sie sich von Anderen zu wenig fotografiert fühlen. Wer ein schönes Segelboot sein Eigen nennen kann, weiss davon ein Lied zu singen. Aber dennoch haben wir noch niemanden mit einem schmucken Segler gesehen, der mit einer Kamera an einer langen Stange versucht, sich selber beim Segeln zu knipsen.

Wir gehören zu den Glücklichen, die immer immer wieder jemanden finden, der gute Bilder macht und der sie uns sogar überlässt. Um noch eins draufzusetzen: Wir segeln immer noch zu zweit und können uns dabei gegenseitig auf einem SD-chip verewigen. Heute segelten wir auf der Förde und haben damit unsere Segelsaison für dieses Jahr eröffnet.

Gut getrimmt, steuert sich das Boot selbst
Eine Talje an der Pinne spart Kraft
Die Wettervorhersage hatte zwar mit Regenschauern gedroht, aber hier, hoch im Norden, blieb es trocken. Später kam sogar so etwas Sonnenlicht durch die Wolkendecke. Was den Wind betrifft, hatte die Wettervorhersage jedoch nicht zuwenig versprochen: Vier Beaufort aus Ost mit Böen bis sechs. Sie reichten für mehr als sechs Knoten Geschwindigkeit. Allerdings halten Böen oft nicht lange genug durch, um die zwanzig Tonnen Verdrängung nachhaltig zu beschleunigen. Denn bei einem schweren Verdränger vergeht die erste Minute damit, dass sich das Boot auf die Seite legt und abwartet, ob es sich diesmal tatsächlich lohnt einmal ernsthaft loszurennen. Heute lohnte es sich. und so erreichten wir schon bald unseren Wendepunkt am Ende der Inneren Förde. Waren wir bis dahin hoch am Wind gesegelt, ging es nun mit halbem Wind zurück. Halber Wind ist für Gaffelsegler mit langem Kiel etwa so, wie Pulverschnee für Abfahrtsläufer. Wenn der Langkieler zusätzlich als Ketsch geriggt ist, wird das vollends zum Vergnügen. Mit gut getrimmten Segeln läuft er dann wie auf Schienen und erlaubt dem Rudergänger auch mal eine Auszeit von der Pinne.
Glücklch, wer nette Nachbarn hat. Einer hat uns bei unserem Hafenmanöver fotografiert. Weil wir nahezu immer bis vor den Liegeplatz am Bohlwerk segeln, hat er das heute mal in Bildern festgehalten, wie wir mit WIEBKE BOHLEN eine Hafenrunde drehen:





































Hafenbilder: Joachim Staugard


06.04.16 Ein Schiff wird kommen

Zurzeit sieht der Museumshafen ziemlich verwaist aus. War er früher durchs ganze Jahr voller Schiffe, sind im Augenblick nur fünf Liegeplätze belegt. Davon zwei mit so genannten Gastliegern, drei mit Schiffen des Museumshafens. Der Haikutter BODIL liegt zwar im Flensburger Hafen, hat aber vorübergehend längsseits PROVIDENTIA festgemacht. OLINE, die Quatze mit holländischer Nationale, hat ihren Liegeplatz an den Ponton der Museumswerft verlegt, der Snurrewadenkutter CHARLOTTE hat sich nach Kiel verholt. Einige Schiffe bleiben nur zeitweise weg und kommen dann wieder zurück. In den Museumshafen wird beispielsweise auch der Lotsenkutter THOR zurückkehren, ebenso der Toppsegelschoner LINA. Erster liegt über den Winter in Finkenwärder, letztere beendet in diesen Tagen einen längeren Werftaufenthalt. Dass Schiffe ihren Heimathafen wechseln ist normal, oft bei einem Eignerwechsel. Andere Schiffe behalten ihren Heimathafen, auch wenn sie ihn Jahre oder Jahrzehnte lang nicht aufsuchen. Eines dieser Schiffe ist das Isefjordboot ABSALON af LYNÆS H561, gebaut 1903.

Das Boot ist leicht zu erkennen. ABSALON ist als Kutter geriggt, die Rumpfplanken sind geklinkert und es ist ungewöhnlich breit, etwa die halbe Rumpflänge. Die Hauptmaße sind 10,90 Meter Rumpflänge bei einer Breite von 5,05 Meter und einem Tiefgang von 1,65 Meter.

ABSALON lag bis Anfang des Jahrtausends im Museumshafen Flensburg. Als die Dalben für die Schiffe neu gesetzt wurden, bekam ABSALON eine speziell breite Box an dem Platz unmittelbar neben dem Stichsteg, an dem in den letzten Jahren RYVAR liegt. Kein anderer Liegeplatz hätte ihrer Leibesfülle genügt. Schon damals gab es, ihrem Alter von mehr als einhundert Jahren entsprechend, am Rumpf viel zu tun. Es kommt bei jedem alten Schiff irgendwann der Punkt, an dem eine grundlegende Restauration unvermeidlich ist. So entschlossen sich ihre Eigner, das ehemalige Fischereifahrzeug nach Hamburg zu verholen, wegen der kürzeren Wege. Schließlich sollte das Schiff in Eigenarbeit restauriert werden. 

Nun ist ABSALON bald wieder "wie neu" und wird hoffentlich ihren Platz am Bohlwerk erneut einnehmen. Die Bilder zeigen Stationen der Arbeit aus den Jahren von 2006 bis 2014. Sie mögen allen jenen Mut machen, die sich ebenfalls ein unmöglich scheinendes Projekt vorgenommen haben. Anscheinend kommt es zum Erfolg auf Zuversicht und einen langen Atem an.  



Noch schwimmt ABSALON
2013 Point of no return











Herbst 2013

Blick auf die Bodenwrangen und die Bordplanken
"von innen".













Herbst 2014