29.07.16 Alter Käse

Während der Ausdruck "Alter Käse" in der Umgangssprache für eine sattsam bekannte Tatsache steht, trifft das auf diesen Käse nicht zu. Es geht um den  vielleicht ältesten Käse, der je an Bord eines Schiffes, beziehungsweise eines Wracks gefunden wurde.
Wir schreiben das Jahr 1676. Das Königreich Schweden befindet sich wieder einmal im Krieg mit Dänemark. Man wird diesen Krieg später den Schonischen Krieg nennen, um ihn von den vielen anderen zu unterscheiden.
Der Fund: Alter Käse
Foto: Spiegel online
König Karl XI. hatte die KRONAN bauen lassen, um den Süden Schwedens gegen Angriffe der Dänen und Holländer zu verteidigen. Mit 126 auf drei Decks verteilten Kanonen war sie neben der VASA das größte und kampfstärkste Kriegsschiff ihrer Zeit.  Im Laufe der Auseinandersetzungen wurde KRONAN unter anderem in der Seeschlacht bei Öland eingesetzt. In deren Verlauf befahl ihr Kapitän Freiherr Lorentz Creutz eine scharfe Wende, während der das ohnehin
Fundort im Wrack der KRONAN
Foto: AFP
topplastige Schiff von einer Böe getroffen wurde. Es sank in kurzer Zeit und noch im Sinken explodierte das Pulver an Bord. Das Unglück spielte sich im flachen Wasser ab, nahe bei der 10-Meter Linie. Es gilt als das größte Schiffsunglück Schwedens. In den folgenden zehn Jahren wurde ein Teil der Kanonen geborgen, dann geriet das Wrack in Vergessenheit. Erst 300 Jahre später wurde es wieder entdeckt, untersucht, dokumentiert und zu einem Teil im Schiffahrtsmuseum in Kalmar wieder aufgebaut. Dabei wurden zwei sehr große Schätze geborgen, einmal waren es über 250 Goldmünzen, später fand man noch über 6500 Silbermünzen.
Der jetzt berichtete Fund einer als Käse vermuteten Substanz in einem
geschlossenen Gefäß nimmt sich dagegen bescheiden aus - zumindest wenn man den Materialwert betrachtet. Sein wissenschaftlicher Wert könnte sich dagegen noch als sehr bedeutend herausstellen. Es wird berichtet, dass der Leiter der Bergungsoperation Lars Einarsson glaubt, dass es sich um "ein Milchprodukt handelt, das angenehm und nach Hefe und Roquefort riecht". Alles Weitere soll die Universität in Uppsala herausfinden.

Wir berichteten über KRONAN anläßlich eines interessanten Vortrags über Seekisten von der Austellung im Kalmarer Landesmuseum. Ein Besuch dort lohnt sich bestimmt immer noch.

27.07.16 Spätsommer im Juli




















Für uns macht es einen Unterschied, ob während einer langen Reise an ein paar Tagen Regen fällt, oder ob wir bei Regen zu einem Kurzausflug aufbrechen. Die letzten Wochen waren entweder zu nass oder zu heiß oder oder beides. Also war es nix mit Segeln. Schließlich gibt es auch noch ein Leben an Land.
Als wir am Dienstagmorgen die Leinen unserer WIEBKE BOHLEN lösen, um ein paar Stunden auf dem Wasser zu verbringen, streicht schon ein Hauch von Spätsommer über die Förde. Zwar ist es sommerlich warm, aber am Himmel zeigen sich Wolkenbilder, die eigentlich eher in den September passen. Doch die Vorhersagen waren günstig. Westliche Winde, drei bis vier Beaufort, Böen um fünf, Regenwahrscheinlichkeit 40 Prozent. 
Wir wußten nicht, dass der Wind die Vorhersage "westlich" recht großzügig auslegen und sich Dreher von 90 bis 120 Grad erlauben würde. Sowas kann man mit einer Jolle bei wenig Wind noch einigermaßen aussegeln. Aber ein Langkieler muss in diesem Fall immer wieder mal auf die nächste Drehung warten, während der Klüver mit den Schoten wedelt. Es ist jedesmal eine Wette mit der Böe. Kaum folgt man der Drehung, überlegt sie es sich schon wieder anders und der Wind bleibt komplett weg oder dreht abrupt zurück. Herausforderungen muß man annehmen. Es gibt ja immer nur das Wetter, das man gerade hat. 
Diesmal setzten wir die Segel weiter südlich in der Hafenspitze. Das geht bei uns am besten am Wind und auf Backbordbug. Danach wollen wir mit einer Halse auf Kurs Hafenausfahrt drehen, aber der Wind dreht mit und dann ist der Hafen schon fast zu schmal für die schnell eingeleitete Wende. Jetzt, auf Steuerbordbug dreht natürlich wieder zurück auf Südwest (in der Hafenspitze), dann West (beim Museumshafen) und sogar auf  Nordwest (bei der Werft). Bei der Hafenausfahrt weht er schon zeitweilig aus Nord - und das an der engsten Stelle. Und wie bestellt, kommen auch noch die Ausflugsschiffe. Sie nehmen, wie üblich, große Rücksicht auf uns Segler. 
Jetzt, auf der Förde lässt der Wind zur Abwechslung nach, zeitweilig hängen die Segel schlaff herab. Von Südwest wälzen sich dramatische Wolkenkulissen über die Grenzregion. Mittags, wir haben es immerhin schon bis zu den Ochseninseln geschafft, fallen aus tiefliegenden dunklen Wolken Regenschleier über Flensburg. Während die Stadt hinter einer dunklen Wand verschwindet, leuchtet das dänischen Ufer noch hell in strahlendem Grün bis auch dieses Leuchten vom Wolkenschatten ausgelöscht wird. Noch strahlen Segel einzelner Boote vor dem jetzt schwarzgrünen Ufer, bald sind auch sie im Schatten verborgen. Erste Tropfen malen dunkle Flecken auf das helle Deck.
Wir segeln mit langen Kreuzschlägen vor dem Wind in Richtung Holnis Enge. Das ist für uns sicherer, weil wir bei dem drehenden Wind leichter ausweichen können. Obwohl die Strecke länger ist als genau vor dem Wind, sind wir dennoch vermutlich schneller. Aber wer weiß das schon genau? Wir sind noch nie im Windkanal gesegelt. Außerdem haben wir es wieder mal überhaupt nicht eilig.

Es ist nun schon früher Nachmittag. Bei Holnis Enge sehen wir den Logger PIROLA aus dem Museumshafen. Er segelt hoch am Wind dicht unter Land und kürzt den Weg nach Flensburg damit ein wenig ab. Hell leuchten seine Segel herüber, bis auch sie vom Wolkenschatten verdunkelt werden. Jetzt legt der Westwind zu, wir nähern uns den Fahrwassertonnen. Wir entschließen  wir uns, den Rückweg anzutreten und wollen mit einer Wende auf Flensburg absetzen. Mit hart gelegtem Ruder nehmen wir die Schoten dichter und dichter. Jetzt müsste der Klüver eigentlich die Seite wechseln, aber der tückische Südwest dreht und kommt mittlerweile aus Südost. Also bleiben wir erstmal auf Raumschotskurs und geben Lose auf die Schoten. Nun dreht der Wind zurück, wir fahren die Halse zuende und gehen auf Südkurs. 

Jetzt ist es bereits Nachmittag. Obst und Brote, die wir für den Ausflug vorbereitet hatten, sind aufgegessen und vom Wind ist auch nicht mehr viel übriggebleiben. Nun kommen moderne Jachten und streben mit Maschinenkraft eifrig in die Förde hinein. Dazwischen einige Motorboote. Sie sind schnell vorbeigezogen und schon nicht mehr zu sehen. Aber immer noch kann man ihren Lärm hören und ihre Hecksee lässt die leichteren Boote mit klingelnden Fallen schaukeln. Manche verwechseln wohl Seemannschaft mit einem Fotoshooting und kommen extra nahe um ein paar Bilder zu ergattern. Dann ist der Spuk vorbei, alle Eiligen haben mittlerweile ihre Plätze in den Jachthäfen eingenommen.
Vor Kollund erkennen wir den 30-er Schärenkreuzer TABEA an seinem leuchtend roten Rumpf. Ab der Sonwik begleitet uns eine der Arendal Sjekten aus dem Museumshafen. Sie ist schneller, aber wir können mehr Höhe laufen und damit die Hafeneinfahrt bei Westsüdwest vor ihr passieren. Jetzt noch auf unseren "Catwalk", dicht an den Dalben des Museumshafens vorbei. Dann fallen die Segel und der schöne Ausflug in den herbstlichen Sommer ist zuende.

25.07.16 Arbeit und Vergnügen


Am Wochende hat eine Jagt mit dem interessanten Namen SCHRØDERS MINDE hier festgemacht. Die alte Dame stammt aus Kertemine am Großen Belt und ist schon fast 90 Jahre alt. 
Schon zu ihrer Zeit konnte man gut geführte Schiff daran erkennen, wie ordentlich ihre Segel aufgetucht waren, wenn sie in einen Hafen einliefen.
Während man auf modernen Segelyachten heute am liebsten ganz ohne sichtbare Segel in den nächsten Hafen strebt, gab es schon vor 100 Jahren eine Einrichtung, welche die Engländer abfällig "Lazy Jack" und den die Deutschen nicht minder herablassend "Faulenzer" nennen. Ihren Zweck versteht jeder, der schon einmal versucht hat, ein großes Segel aufzutuchen. Kaum kommt das Tuch quadratmeterweise von oben, schon wabert es über das Deck und macht jeden Tritt zur Rutschpartie. Wer jetzt nicht sofort ein paar helfende Hände parat hat, braucht Zeisinge im Dutzend, einen soliden Rücken und unverdrossene Ausdauer. Zumindest dann, wenn das geliebte Boot adrett und vorzeigbar daherkommen soll. Vorzeigbar, das heißt mit einem in gleichmäßigen Falten akkurat unter der Gaffel aufgetuchten Segel.
Als diese mühevolle Tätigkeit für Bootsleute so selbstverständlich war wie ein- und ausatmen, muss es vielen als ein purer Frevel erschienen sein, sich davor zu drücken um sich das Leben an Bord ein bisschen zu erleichtern. Und so war die Bezeichnug der Fangschnüre für das Segel eigentlich auf die Bootsleute gemünzt, denen ehrliche Seemannschaft abhanden gekommen ist. Diese Einstellung wurde allerdings schon damals nicht überall vertreten.


Während heute von manchen Besuchern am Bohlwerk das Wort "Arbeit" wie ein Schimpfwort benutzt wird, stellte Maxim Gorki einmal fest "Ist die Arbeit ein Vergnügen, ist das Leben schön". Das mag sich auch der Schipper von SCHRØDERS MINDE denken, der während seiner Liegezeit am Bohlwerk Faulenzer in die Dirken spleißt.

24.07.16 GRETA takelt

Skizze: Farbstift und Tusche Werner Kühn (c)

Bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlicher Hitze herrscht an diesem Wochenende auf der Schiffbrücke reges Treiben. Wo das Schifffahrtsmuseum, Museumswerft und Museumshafen aneinander grenzen, wurde unter dem Namen "Stadt in Bewegung" ein Teil der umstrittenen öffentlichen Parkplätze gesperrt und zum Experimentierfeld für Bürgerbeteiligung erklärt. Verschiedene gemeinnützige Organisationen informieren hier über ihre Aktivitäten. Gestern und heute war der Förderverein Elbkutter GRETA aus dem Museumshafen mit von der Partie. Wer Lust hatte, konnte an Bord gehen und die Kunst des Fancywork und praktische Takelarbeit kennenlernen. Türkenbunde, Affenfäuste, Augspleiße, kurz und gut: Was man auf einem Traditionsschiffe als Handwerk oder Zierrat benötigt, entstand vor den Augen der Interessierten. Wer wollte, konnte auch mit anpacken. Die Aktiven der GRETA knüpften damit an Aktionen des Museumshafens aus früheren Jahren an.
War das Wetter ein bisschen zu gut um gleich auf Anhieb viele Menschen anzulocken? Oder lag es an der Information im Vorfeld? Auf jeden Fall war es ein Anfang in der Öffentlichkeitsarbeit für das Museumshafenschiff GRETA. Museale Einrichtungen brauchen schließlich Öffentlichkeit, wie auch umgekehrt die Menschen diese Guckfenster in die Vergangenheit benötigen. "Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten" (Wilhelm von Humboldt).


Ansonsten treffen sich die Aktiven des Fördervereins Elbkutter GRETA weiterhin immer Dienstag nachmittags am Bohlwerk bei GRETAs Liegeplatz. Einfach mal vorbeischauen und sich bemerkbar machen! Die Termine der regelmäßigen Treffen des Fördervereins sind - neben anderen interessanten Aktionen - aktuell in der Seite "Terminübersicht 2016" zu finden.

15.07.16 Mother's little helpers (3): der Toppnant

Im Winter liegt der Klüverbaum (re.)unter der Plane
geschützt an Deck. Ist es warm genug, wird er dort
auch lackiert.
Viele nordische Segelboote haben einen Klüverbaum. Er kann im Gegensatz zu einem Bugspriet an Deck genommen werden. Das ist beim Segeln in rauer See sehr hilfreich. Denn wenn der Klüverbaum in einer Welle unterschneidet, kann er brechen - eine gefährliche Situation. Man stelle sich das einmal vor: der abgebrochene Teil der Spiere, an Wasserstag, Klüvergeien und dem Vorsegel hängend, wird neben dem Boot mitgeschleift während er wuchtig gegen den Rumpf poltert und die Schoten über das Vorschiff peitschen. Deswegen wird der umsichtige Bootsführer den Klüverbaum rechtzeitig einholen und an Deck fahren.

Auch auf der Helling zählt jeder Meter. Der Toppnant ist an
der Nock des Klüverbaums gut zu erkennen.
Auch in anderen Fällen ist diese Möglichkeit nützlich. Viele kleine Häfen Skandinaviens sind im
Ist wenig Platz im Hafen, wird der Klüverbaum eingeholt.
Wasserstag, Klüvergeien und sonstige Leinen hängen
aufgeschossen bereit.
Sommer dicht. Die Päckchen reichen von einer Hafenseite zur anderen. Da machen ein paar Meter in der Gesamtlänge einen großen Unterschied, wenn es darum geht, einen Liegeplatz zu finden. Zu welchen Zweck auch immer: Um den Klüverbaum einzuholen, muss zuerst das Segel eingeholt, die Klüvergeien und das Wasserstag gelöst werden. Es ist deswegen immer mit einer Talje versehen. Die Geien sind schnell gelöst, wenn sie ebenfalls mit Taljen oder Pelikanhaken gespannt werden. Ist die letzte Verbindung entlastet, wird der Klüverbaum nur noch von der Klüverbrille und dem Schloss, seiner Befestigung an Deck, gehalten. Wird es gelöst, fällt der Klüverbaum unweigerlich mit seiner Nock nach unten und klemmt fest. Das passiert, sobald das Schloss gelöst wird. Es kann unterschiedlich konstruiert sein. Häufig ist es ein Bolzen, der horizontal durch Klüverbaum und die Beting geht. Bei WIEBKE BOHLEN ist der Klüverbaum formschlüssig in der Beting gefasst. 
In jedem Fall muss das Schloss entlastet werden, um es zu öffnen. Dazu muss der Klüverbaum leicht nach vorne gezogen und dabei in der Waage gehalten werden. 
Die Leine rechts ist der Toppnant
Auf WIEBKE BOHLEN ist an der Klüvernock ein Toppnant befestigt, der durch einen Jollblock im Masttopp geführt und auf der Nagelbank zwischen den Großwanten belegt ist. Er verhindert, dass der Klüverbaum nach unten kippt. Durch seine Zugrichtung zum Mast hin zieht der Toppnant den Klüverbaum kräftig nach hinten. Dieser Zug wird durch die Hilfstalje aufgefangen und das Schloss kann jetzt gelöst werden. Werden beide sinnig gefiert, gleitet er sanft auf das Vordeck. Sollte er kippen wollen, genügt ein kleiner Zug auf den Toppnanten und schon geht es weiter. Ist erst einmal mehr als die Hälfte seiner Länge an Deck geholt, werden Talje und Toppnant nicht mehr benötigt. Wer mit einem sehr langen und schweren  Klüverbaum geplagt ist, kann eine Streckertalje im Toppnanten gut gebrauchen. Wir haben auch schon Schiffe gesehen, bei denen das achtere Ende des Klüverbaums auf einer Rolle fährt. Das war bei großen englischen Trawlern zu besichtigen. Deren Klüverbäume sind teilweise doppelt so lang wie der auf unserem Boot und entsprechend schwer.

Und wie lange dauert der Spaß?
Das Manöver schafft die beste aller Vorschoterinnen ganz alleine. Auch in kabbeligem Wasser legt sie den sechseinhalb Meter langen Klüverbaum in nur 10 Minuten aufs Vorschiff. Der Skipper braucht meist ein bisschen länger. Was'n Wunder: schließlich muss er auch noch die Verantwortung tragen.

P.S. Gut für den Lack. Wenn das Boot mit geborgenen Segeln im Hafen liegt, wird er dicht parallel über dem Klüverbaum zum Vorstag gespannt. Dann hinterlässt dort garantiert keine Möve mehr ihre Ausscheidungen.

13.07.16 Helft RAKEL jetzt!

Auch im Fußball stehen manche Entscheidungen noch in der Verlängerung Spitz auf Knopf. Dann helfen frühere Erfolge wenig. So ging es bei der EM erst der Deutschen und dann auch der Französischen Mannschaft. 

Auch RAKEL geht jetzt in die Verlängerung (Wir berichten seit langem über ihr bewegendes Schicksal). Für den letzten großen Fischereisegler des legendären Konstrukteurs Colin Archer kommt jetzt der entscheidenden Schritt: Die Finanzierung. 
Anders als die aktuellen Fotos suggerieren, soll jedoch nicht ein nur mühsam mit Plastikplanen gesichertes Wrack gerettet werden. RAKELs Restauration wurde bis zu diesem Punkt fachkundig auf einer für traditionelle Arbeitsschiffe qualifizierten Werft begonnen. Dann ging dem damaligen Auftraggeber das Geld aus. Die Werft sicherte das Schiff in dem bis dahin erreichten Stand und machte den Rumpf notdürftig, aber fachgerecht schwimmfähig. Eine Gruppe Holzschiffenthusiasten - Freunde der RAKEL - stiegen in das Projekt ein. Mit ihrer Fachkenntnis könnten sie viel erreichen, wenn es darum geht selber anzupacken um gegebenenfalls Geld für Handwerker zu sparen. Aber wie man es auch dreht und wendet: Mit Fachkenntnis kann man kein Holz kaufen und auch keine Helling mieten. Es geht darum, die Voraussetzung zu schaffen, um RAKEL selber fertigstellen zu können.

Benötigt werden aktuell rund 37.00 Euro um den Rumpf fertigzubauen, die Maschine betriebsfertig zu machen und evtl auch die vorhandenen Masten zu stellen. 

Das ist viel Geld, wenn das Ergebnis nur  ein "gutes Gefühl" ist.  Ein gutes Gefühl, weil ein Zeugnis der maritimen Kultur Europas gerettet wurde. Ein gutes Gefühl, gemeinsam mit Gleichgesinnten ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. 

Wer RAKEL helfen will, braucht jedoch sehr viel weniger. Schon ein Euro reicht, um das Projekt voranzutreiben. Ein Euro oder auch mehr, wenn nur genügend viele Retter mitmachen. Allerdings nicht irgendwann, sondern spätestens bis in 30 Tagen. Dann läuft die Frist für RAKEL ab und das Projekt ist entweder gescheitert, oder, besser, RAKEL bekommt eine Zukunft. Ein Facebook "Like" ist allerdings zu wenig, auch wenn er von noch-so-vielen gespendet wird.

Und was, wenn weniger als die benötigte Summe zusammenkommt? Sind dann alle Euros verloren? Verdient sich vielleicht sogar jemand am Scheitern eine Goldene Nase? Nein, denn das schließt der Organisator des Finanzierungsmodells aus. Er versichert, jedem Helfer seinen Beitrag zurückzuzahlen, falls es dazu kommt. 

Wer jetzt helfen möchte, kann es hier tun. Ein Klick zum Glück für das tolle Schiff. 

RAKEL vor 30 Jahren in der Biskaya. Ein Schiff für schweres Wetter. Ein Schiff für eine sichere Heimkehr.

12.07.16 Reinhardts Neue Kleider

Die Flensburger Nachrichten kritisieren in ihrem Beitrag von heute "Sail ohne Segel", dass Motto der Flensburg SAIL und die tatsächliche Veranstaltung auseinanderklaffen. Darauf entgegenet der Veranstalter in der Online-Ausgabe der Zeitung:
"Wir haben hier binnen zwei Jahren einen klaren Paradigmenwechsel vollzogen. “Man habe mit der „Sail“ andere Schwerpunkte setzen wollen. „Wir haben ein maritimes Bürgerfest organisiert, das Segeln für alle ermöglicht“, sagt Reinhardt – „fernab hoher Mitsegel-Preise“. Schnuppersegeln habe es jedem möglich gemacht, das Segeln selbst zu erleben. Zudem sei es ein Festival der Kulturen gewesen, bei dem der Integrationsgedanke im Fokus gestanden habe. Dieses Ziel habe man erreicht. Die Organisationen der Migranten steuerten ein eigenes Kulturprogramm bei. Die Kultur-Oasen längs der Hafenkante waren Schauplätze für Kinder-Mitmachaktionen, Improvisationstheater, Pantomime, Shanty-Chöre und viele andere Musikgruppen."
Der hochgelobte Paradigmenwechsel hat nun aber gefloppt, weil er als Täuschung daherkam. Der Veranstalter sollte ihn ganz rasch neben Kaisers neue Kleider in die Mottenkiste legen und dort liegen lassen. Der aber keilt zurück und sagt: "Serben, Griechen und Türken haben getanzt und gesungen und den miesepetrigen Flensburgern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert".
Was weltoffen, menschenfreundlich und kulturbetont daher kommt, wird aber auch dadurch nicht zu dem, was angekündigt wurde. Auch wenn's schwerfällt: Etiketten sollten nicht mehr versprechen, als dem Inhalt entspricht. Die Besucher erwarten von einer "Sail" genannten Veranstaltung Segel und von einem Maritimen Bürgerfest, zumal am Hafen, tatsächlich ein maritimes Hafenfest. Eine Budensammlung wie sie jede Kirmes bietet mit Themen wie Migration und Integration aufzubrezeln, erscheint dabei als ein durchsichtiger Versuch, das natürliche Gewinnstreben des Veranstalters ethisch aufzuknuspern und damit sakrosankt zu machen.
Es ist schon so, dass auf diese Weise ein über Jahre erarbeitetes Image der Stadt "verbrannt" wird (Zitat Flensburgs Tourismus-Chef ). Das bleibt dann leider auch an wirklich gemeinnützigen Veranstaltern maritimer Hafenfeste hängen.

10.07.17. Flensburg SAIL vorbei


Sonntagmorgen
Der Flensburger Hafen war von Freitag bis Sonntag Nachmittag Ort der SAIL Flensburg. Die Veranstaltung fand zuletzt vor 16 Jahren statt. Sie lockte damals viele Schiffe nach Flensburg. Aber wie zu hören war, hinterließ sie auch viele Schulden. Sie wurde sie von der Flensburg Nautics abgelöst, die alle zwei Jahre stattfand. Jetzt kam die Rolle rückwärts und an ihrer Stelle sollte die Sail als "Maritimes Bürgerfest" neu belebt werden.

Was bleibt von der ersten Sail seit 16 Jahren? Das Flensburger Tageblatt titelt heute "Drei Tage  maritimer Trubel". Den hatten allerdings nicht die Schiffe verursacht. Schon das Sail-in am Freitag war etwas mager ausgefallen. Das mag noch am Regen gelegen haben. Aber auch am  Samstag, der mit ganz passablem Wetter und Wind aufwartete, war die Beteiligung nicht wirklich trubelverdächtig. Elf Schiffe und Boote nahmen teil, einschließlich einiger Jollen und dem Logger PIROLA aus dem Museumshafen. Davon bekamen "viele Sehleute" allerdings nichts mit, weil sie im Hafen vergeblich Ausschau hielten, während die Regatta ohne Zuschauer auf der Förde lief.
So blieb von dem "Maritimen Bürgerfest" ein Feuerwerk am Freitagabend, Begleitfahrten von Salondampfer ALEXANDRA und Schlepper FLENSBURG, das Open Ship-Programm einiger Traditionssegler und der gelungene Versuch, eine schwimmende Brücke aus Paddelboards über die Hafenspitze zu spannen. Ein Landungsboot der Bundesmarine war auch zu besichtigen. Nach der Regatta kehrten einzelne Schiffe nicht nach Flensburg zurück; der Sonntag Mittag zeigte eine leere Stadtpier, die Gäste waren abgereist. Nur PROVIDENTIA lag noch in der HAFENSPITZE und wer wollte, konnte sich das sehenswerte Schiff von innen und außen ansehen. 
Für die Besucher war es angenehm, dass sich das allgemeine Gedränge in Grenzen hielt und man gemütlich flanieren konnte. 
Foto: sh:z

Ihre Menge unterschied sich auch nur wenig von dem Fischmarkt, der im Sommer in jedem Monat stattfindet, sofern es nicht gerade die SAIL gibt. Zumindest auf dem Bohlwerk war der Andrang vor Bens Fischhütte nicht viel größer als sonst auch an diesen Tagen. 

Das Résumé des Flensburger Tageblatts stellt fest, dass Besucher wenig Maritimes entdecken konnten. Dennoch sei das Konzept der Veranstalter aufgegangen und hätten einen ganzen Kilometer gute und entspannte Wochenendstimmung geboten.

Stimmt am Schluß die Kasse, war es nicht das letzte Bürgerfest dieser Art. Es müsste dann aber nicht unbedingt "Sail" oder "maritim" genannt werden.

09.07.16 Open PROVIDENTIA

2001
2012
Seit Monaten haben wir es vor uns hergeschoben und immer wenn wir am Harniskai vorbei segelten haben wir uns erneut vorgenommen: PROVIDENTIA HF42 zu besichtigen. Mal lag der Hochseefischer-Ewer ganz alleine da, mal lag der blaue Haikutter BODIL längsseits. Mal war jemand an Deck zu sehen, mal standen nur die Luken offen. Kurz und gut: Die Neugierde ließ nicht nach. Schließlich kennen wir das einzigartige Schiff schon seit bald 17 Jahren. Die längste Zeit davon lag sie am Kai der Werft von
2013
Christian Jonsson in Egernsund auf. Anfangs wurde viel am Rumpf erneuert, Spanten, der Spiegel, und viele Planken. Dann stockten die Arbeiten elf Jahre lang und man begann, sich um den Fortbestand des Schiffes zu sorgen. Als die Ostseeschule PROVIDENTIA übernahm und ihre Restauration mit Nachdruck fortsetzte, erwachte das Schiff zu neuem Leben. Heute konnten wir uns über den aktuellen Stand des Projektes im Rahmen des "Open Ship" während der SAIL Flensburg informieren. Die Bilder sprechen für sich. Aus der verlassenen Hulk entsteht ein wunderbar restauriertes Schiff. Was wir sehen konnten, war nach bester handwerklicher Tradition hergestellt und wo die Technik eine Rolle spielt augenscheinlich auf hohem Niveau ausgerüstet. Von daher dürfte der Zulassung als Traditionsschiff vermutlich nichts im Wege stehen. Aber vorher kommt die Prüfung durch die Berufsgenossenschaft. Wat mutt, dat mutt. Die soll im Herbst erledigt sein. Aber die Spruchweisheit "auf See und vor der BG bist du in Gottes Hand" wird auch für dieses Schiff gelten. PROVIDENTIA wird mit 16 Kojen ausgerüstet, davon 12 für Schüler bzw. zahlende Gäste, zwei für Betreuer und zwei für die Schiffsleute.
Zur Zeit sind die Innenausbauten in Arbeit und auch an Deck muss noch einiges getan werden. Im Frühjahr soll PROVIDENTIA für ihre Aufgabe fertig vorbereitet sein.

Und so sieht das "Schulschiff" heute aus.

Heute an der Stadtpier

Niedergang mittschiffs
Da kommt man an
Spüle (li) und Pantry (re.)
Gemeinschaftsraum
Kajüten vorn

Der SCANIA Diesel ...
... im Maschinenraum
Die Zentralheizung

09.07.16 Über ' n Zaun geguckt

video


Wer nur mal kurz die Füsse auf fremde Planken setzen will - hier ist Jolie Brise in Aktion.
Gefunden auf Friends of Vintage,Classic & Traditional Boats

09.07.16 Termine, Termine!

Heute konnten wir den Terminkalender mit einigen neuen Angeboten ergänzen. Unser Favorit: Das Afro-Karibische Hoffest im Schifffahrtsmuseum am 13. August. Aber auch bis dahin und darüber hinaus gibt es einige verlockende Angebote.

Vorschlag: Einfach mal 'reingucken!

08.06.16 Sailin' in the rain

MINNA ROEDER (li), GODEREIS (mi), ARVED (re)
Klingt so ähnlich wie der bekannte Song von Gene Kelly aus dem Film "Ein Amerikaner in Paris" von 1952. Was das Wetter betrifft, schafft er genau das richtige Gefühl um den total verregneten Beginn des "Maritimen Bürgerfestes" zu bewältigen. Man muss ja nicht gleich einen Stepptanz mit Mülltonnendeckeln hinlegen. Aber Gummstiefel zu tragen, wäre keine übertriebene Vorsorge gewesen. Die an den Füßen und "Singin' in the rain" auf den Lippen und schon ist die Stimmung ein wenig besser.
KLITTA

Wenn es eine Extrapreis für Segeln im Regen gäbe, die Lüttfischer hätten ihn heute ehrlich verdient. Während die "Großen" das Defilée der einlaufenden Segler bei schwachem Wind unter Maschine hinter sich brachten, drehten sie munter-fröhlich eine Hafenrunde nach der anderen. Allerdings hatten sie auch genügend Raum für ihre Manöver, waren doch nur wenige Schiffe in der Parade vertreten. Dafür wurde aber auch jedes ausführlich vorgestellt.
WERNER KUNTZE
PROVIDENTIA HF 42

Nur PROVIDENTIA konnte völlig unkommentiert bis zur Schiffbrücke vordringen. Dabei hätte man über dieses bemerkenswerte Schiff der Ostseeschule gerne mehr erfahren. Zaungäste unter den geschätzt 60 Menschen, die sich das Schauspiel trotz des einsetzenden Regens nicht entgehen lassen wollten, rätselten eine Weile, ob dieses Schiff etwa nicht zur Sail Flensburg gehöre. Nun sie gehört natürlich dazu und kann im Rahmen des "Open Ship" gerne besucht werden.


Dass WERNER KUNTZE besonders vorgestellt wurde, hat sie sich ehrlich verdient. Der Seenotretter wird von ehrenamtlichen Freiwilligen professionell betrieben. Als Segler und Förderer der DGzRS wissen wir das zu schätzen.


VIKING
Dazwischen paradierte auch KLITTA von 1988, Nachbau einer Danske Jagt. Ein Schiffstyp, der Ende des 19. Jhds. als nützliches Transportfahrzeug hier zahlreich vertreten war und wegen seiner pittoresken Erscheinung heute  immer noch viele Freunde hat.
 
PIROLA auf einer Flensburger maritimen Veranstaltung vorzustellen, bedeutet in etwa das Gleiche, wie Euros -sorry Eulen natürlich - nach Athen zu tragen. Aber immerhin wurde mitgeteilt, dass man den schönen Logger von 1910 auch chartern kann.

SAELOER von 1917 kam zum Schluß. Da mußte PROVIDENTIA nochmals verholen, um Platz zu machen. Ordnung muß sein und ein Plan für die Liegeplätze ist ein Plan für die Liegeplätze.

Schon vor der Einlaufparade lagen an der Schiffbrücke  AMPHRITITE von 1887 und VIKING, Zollkreuzer von 1897 aus Svendborg. Sie und noch ein paar Schiffe haben die Einlaufparade geschwänzt, darunter EBBA AAEN von 1931, TO SVANER von 1977 und WIEBKE BOHLEN von 1987. Sie haben das Spektakel am Bohlwerk liegend abgewartet.  Ob sie einen Stepptanz mit Gummistiefeln hingelegt haben, konnte nicht beobachtet werden.

Heute Abend wird im Hafen noch ein großes Feuerwerk abgebrannt. Bis dahin wird der Regen hoffentlich vorbei sein. Oder zumindest abgenommen haben. Für morgen wurde trockenes Wetter vorhergesagt, mit einer mäßigen Briese aus westlicher Richtung. Das wäre nach dem Wetter am ersten Tag der Sail Flensburg auch wirklich eine nette Abwechslung. Saling in the rain ist auf Dauer deprimierend. Da hilft dann auch kein flottes Lied auf den Lippen. 




08.06.16 GRETA news

 









Wer immer schon mal aktuell über das GRETA-Projekt des Museumshafens Flensburg und seine Macher vom Förderverein GRETA aktuell informiert werden wollte und nicht wusste, wie anstellen: Seit heute gibt der Förderverein für seine Mitglieder einen Newsletter heraus, der abonniert werden kann.
Eine Facebook-Seite gibt es schon seit einer Weile und eine Homepage ist in Arbeit, teilt der Förderverein mit.
Wer in den Verteiler aufgenommen werden möchte, kann hier anfragen oder sich gleich registrieren lassen.

Der Elbfischer GRETA, gebaut im Jahr 1904, war bereits bei der Gründung des Vereins Museumshafen Flensburg e.V. mit dabei. Nach langer Wanderschaft in fremden Gewässern ist er im Herbst 2015 in bedauernswertem Zustand wieder nach Flensburg zurückgekehrt. Wie es um ihn stand, wird schon aus der Tatsacher ersichtlich, dass sein letzter Eigner sich für eine Buddel Rum von dem Boot trennte. Seitdem wurden erste, wesentliche Schritte zu seiner Restauration auf der Werft von Christian Jonsson unternommen. Das Boot ist jetzt schon wieder schwimmfähig. Aber es bleibt noch viel zu tun - eine richtige Aufgabe für junge und jung gebliebene Holzboot-Enthusiasten.

Seit der Übernahme von GRETA durch den Museumshafen berichten die HAFENMELDUNGEN in lockerer Folge über den Fortgang des Projektes.

Skizze: Werner Kühn (c)

07.07.16 Glück gehabt

SWAENSBORG in Hörup Hav
Gerade mal zweieinhalb Wochen ist es her, dass wir den Dreimastschoner ankernd im Hörup Hav in der Abendsonne sahen. "Seit dem Augenblick, in dem der stolze Kapitän Freudenberg sie (im Jahr 1907) auf den Namen Anna taufte, ist es ein glückbringends Schiff gewesen" freut sich sein heutiger Eigner auf der Internetseite des Marssegelschoners SWAENSBORGH. Er sollte Recht behalten. Heute verbreitet das Segelinfomationssystem esys die Nachricht von der Havarie des alten Seglers in der Straße von Dover:
Der holländische Marssegelschoner "Swaensborgh", 172 BRZ (IMO-Nr.: 8138255), der am 4.7. aus Delfzijl mit 30 Fahrgästen an Bord ausgelaufen war, geriet am 6.7. gegen neun Uhr in der Straße von Dover in Probleme. Erst war nicht genug Wind zum Segeln, und dann fiel auch noch die Maschine im südwestlichen Fahrwasser aus. Um das Schiff aus der vielbefahrenen Wasserstraße zu bekommen, wurde um 10.50 Uhr das RNLI-Boot "City of London II" gerufen, das den Dreimaster in die Eastern Docks von Dover schleppte. Die Operation wurde durch ein Lotsenboot unterstützt. Dass die Hilfeleistung dringend vonnöten war, zeigte die zwischenzeitliche Annäherung eines 180 Meter langen Tankers, der mit 18 Knoten Fahrt auf den Schleppzug zulief.
Die “Swaensborgh” wurde 1907 als Zweimaster für Elb-, Weser- und Wattfahrten 1907 bei Hannus Jacobs in Moorege, Uetersen, erbaut und in den 1950er Jahren zum Frachtmotorschiff umgerüstet. Bis Ende der achtziger Jahre war Schiff in der Frachtfahrt als „Anna“, „Eleonore“, „Adele Raap“ und „Mira II“ tätig. 1950 wurden die Masten entfernt, ein Motor eingebaut und das Schiff um fünf Meter verlängert.
1957 erfolgte eine nochmalige Verlängerung um fünf Meter. 1990 kaufte der jetzige Eigner die „Swaensborgh“ und richtete sie mit neuer Takelage, zwei hochwertigen Salons und 13 geräumigen Kabinen für den modernen Charterverkehr her. Das Schiff bietet bei Tagestörns auf der Ostsee Platz für 80 Gäste. Längere Törns sind mit bis zu 32 Übernachtungsgästen möglich. Der Schoner hat eine Länge von 47 Metern, eine Breite von 5,9 Metern, 2,3 Meter Tiefgang und eine Segelfläche von 500 m².
SWAENSBORGH war auf dem Weg nach Brest, um dort an den Fêtes maritimes 2016 teilzunehmen. Mit noch einem bisschen Glück könnte das noch was werden. 

07.07.16 Nachbarliche Kultur

Tambourkorps der Königlich Dänischen Leibgarde
Nahe an der Grenze zu wohnen hat den Vorzug, immer wieder mal Bekanntschaft mit der Kultur des Nachbarn zu machen.
Wer heute Vormittag über die Schiffbrücke ging, bekam ein seltenes Schauspiel geboten. Es kündigte sich durch Trommelwirbel und Piccoloflöten an. Schon bog die Kapelle vom Flensborg Hus auf die belebte Durchgangsstraße. Sechzehn Mann in blauen Uniformen, wie der standhafte Zinnsoldat aus Andersens Märchen, mit imposanten Bärenfellmützen auf dem Kopf marschierten mit gemessenen Schritten, der Tambourmajor voran. Ihnen folgten Reiter auf hochglanzgestriegelten Rappen mit aufgerichteter Lanze. War das jetzt der nächste Schritt bei der Kontrolle der dänischen Grenze gegen unerwünschte Einreisende? Eine Vorfeldverteidigung dänischer Souveränität?

Natürlich nicht. Die hübsch anzusehende und anzuhörende Kapelle warb für das "Ringriderfesten 2016" in Sonderborg. Es findet paralell zur Sail Flensburg 2016 in Sonderburg statt und zwar ab morgen, 08. Juli bis zum Montag, 11. Juli.

Wer das noch nicht gesehen hat: Ringreiten hat in Süd-Dänemark und Norddeutschland eine lange Tradition und die Veranstaltungen sind oft sehr spannend und unterhaltsam.

Der Aufzug heute sammelte in kurzer Zeit viele Schaulustige. Sie begleiteten das Spektakel mit sichtlichem Vergnügen.



  

05.07.16 Wenig Sails im Hafen?

Am Freitag beginnt die "Maritimes Bürgerfest" genannte Sail Flensburg 2016.

Was das Treiben auf dem Wasser betrifft, wird man kaum einen der Teilnehmer im Gedränge übersehen können. Bis heute haben sich fünfzehn Boote und Schiffe als Teilnehmer angemeldet, davon knapp die Hälfte vom Museumshafen Flensburg. Größtes Schiff wird die MINERVA sein, ein holländischer Dreimast-Gaffelschoner mit 50 Metern Gesamtlänge. Die übrigen sind erheblich kleiner. Aber selbst das kleinste Boot, die Arendal Sjekte ARVED aus dem Museumshafen bringt es noch auf sieben Meter. Wer Großereignisse der Küste à la Hamburger Hafengeburtstag schätzt, mag enttäuscht sein. Aber kleine Feste haben auch ihren Reiz. Und wer die Snobs an der Pinne kennt weiß, dass viele kommen ohne sich extra vorher anzumelden. Und dann ist der Hafen plötzlich voller Segel.  
Die Veranstaltung beginnt am Freitag 08.07. ab 16.00 Uhr mit einer Einlaufparade. Die Boote und Schiffe sollen mit einminütigem Abstand eine Hafenrunde drehen. Das sorgte schon früher einmal für Überraschungen. Wenn die Schipper das "Segeln" wörtlich nehmen, wird die Sache in der engen Hafenspitze schon recht spannend. Besonders dann, wenn der Wind tatsächlich mit den vorhergesagten vier Beaufort und Böen von sieben aus West wehen sollte. Vollzeug bei halbem Wind und eine Halse in der Hafenspitze? Wäre ganz nett, wenn's klappt. Oder besser stark gerefft unter Maschine. Denn Meterologen halten Gewitter für möglich. Dennoch nur ruhig Blut. Bis dahin sind ja noch drei Tage Zeit.

Um 18.00 Uhr wird die Verabstaltung offiziell von der künftigen Oberbürgermeisterin Frau Simone Lange, MdL und dem Standortältesten für Flensburg und Glücksburg, Oberstleutnant Manfred Saust, eröffnet.
Und eine Stunde vor Mitternacht gibt es noch ein Feuerwerk im Hafen mit der Gelegenheit, sich das Spektakel am Himmel von Booten auf dem Wasser aus anzusehen. Fahrten bieten unter anderen Haikutter BODIL, Salondampfer ALEXANDRA und Schlepper FLENSBURG an. Aber - wenn auch im Programm nicht extra erwähnt - sie werden nicht die einzigen sein.

Am Samstag um 11.00 beginnt die Regatta mit dem Startschuss in der Wasserslebener Bucht. Einige Schiffe, die daran nicht teilnehmen, sollen während dieser Zeit zu besichtigen. Darunter auch PROVIDENTIA, das "Schulschiff" der Ostseeschule. Der alte Hochsee-Ewer wird in der Hafenspitze vertäut sein. Um 16.00 Uhr ist die Regatta zu Ende und schon eine halbe Stunde danach bekommen die Schipper ein ein "Einlaufbier", was immer das sein mag.
Um die Segelaktivitäten herum sind zahlreiche Unterhaltungsangebote an Land vorbereitet. Auch auf dem Hafenwasser wird es munter zugehen. Für Einzelheiten lohnt ein Blick in die Internetseite der Veranstaltung.

02.07.16 PROVIDENTIA auf Kurs

Seit Monaten liegt PROVIDENTIA am Harniskai auf.
Der Eindruck täuscht. Die Restauration ist jetzt bald
abgeschlossen.
Das ist der Tenor eines Berichtes im Flensburger Tageblatt von gestern über das große Projekt der Ostseeschule. Mancher Passant oder Segler mag sich in den letzten Monaten gefragt haben, warum der alte Ewer mit bewegter Vergangenheit nur noch unbewegt am Harniskai aufliegt. Selbst zur Rum-Regatta im Mai wurde der letzte Finkenwärder Hochseekutter seiner Art nicht bewegt. Noch nicht einmal zur Schiffbrücke zum sich Angucken lassen. Doch die Ruhe täuscht, das Projekt lebt. Seit 2012 arbeitet eine Projektgruppe der Ostseeschule an dem letzten erhaltenen Hochsee-Kutterewer. Jetzt kommen die vorbereitenden Arbeiten allmählich zu Ende. Bis zum Herbst werden die Innenausbauten fertiggestellt und die Elektronik eingebaut. Dann soll die für die Zulassung als Traditionsschiff notwendige Prüfung durch die Berufsgenossenschaft Verkehr kommen.

Danach kann PROVIDENTIA HF42 ihrer neuen Bestimmung zugeführt werden. Wassersport spielt im pädagogischen Konzept der Ostseeschule eine zentrale Rolle. Und PROVIDEDNTIA soll mit zahlenden Gästen ihren Unterhalt selbst verdienen. Die damit verbundenen Aufgaben werden als Projektarbeiten von Schülerinnen und Schülern übernommen und damit ihre Fähigkeiten und Kompetenzen stärken. Segeln auf dem historischen Schiff gehört naturgemäß dazu. Im nächsten Jahr werden Schüler zudem mit PROVIDENTIA im Rahmen einer Aktion der Lighthouse Foundation und des Vereins Protect Nature als "Küstenwächter" unterwegs sein und geleitet durch ein Forschungshandbuch das Leben an ihren eigenen Küstenabschnitten entdecken und erleben.

Auf der kommenden Sail Flensburg (08. bis 10. Juli) wird sich die Ostseeschule mit PROVIDENTIA für Besucher und Interessenten an der Schiffbrücke präsentieren.

Die HAFENMELDUNGEN berichten seit 2012 in lockerer Folge über den Hochsee-Kutterewer.

01.07.16 GRETAs Pioniere

Elbfischer GRETA
Heute ging vermutlich die Gründungsphase des Förderverein Elbfischer GRETA e.v. mit der Wahl eines neuen Vorstands zu Ende.
Die bisherigen Mitglieder, wurden einstimmig entlastet. Zwei von ihnen gehören auch dem neuen Gremium an. Das ist sicherlich gut für die Kontinuität der Arbeit. Die Vorsitzende des Museumshafen Flensburg e.V. dankte den ausscheidenden Mitgliedern für ihren Einsatz.
Apropos Arbeit: Die Renovierungs- und Reparaturarbeiten an dem Fischkutter von 1904 kommen jetzt gut voran, was man schon bei einem Spaziergang übers Bohlwerk mit bloßen Augen erkennen kann.
Mehrere der mittlerweile 50 Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig Dienstags um 17.00 Uhr an Bord der GRETA. Das ist sicherlich eine gute Gelegenheit für Interessenten, selbst ein Bild von der aktiven Vereinsarbeit zu gewinnen. Und, wer weiß? vielleicht weckt es Lust, mitzumachen.
Der alte Rumpf wurde auf der Werft von Christian Jonsson in Egernsund wieder schwimmfähig gemacht. Heute gab Takelmeister Hannes einen Überblick über die nächsten dringenden Arbeiten. Ganz oben auf der Liste steht die Notwendigkeit, das Deck zu sanieren. Leider müssen ausser den Planken auch einige Decksbalken und die Schandeckel getauscht werden. Wer mit Rat, Tat, Werkzeug und Material helfen kann, ist sicherlich herzlich willkommen.
Auch der Internet-Auftritt macht Fortschritte. Derzeit werden die Kommunikationswege strukturiert um nach innen und außen aktuell über wichtige Themen zu informieren.

Hier ein erster Eindruck. Die "Pioniere" berichten im Offenen Kanal "Flensburg Aktuell" mit eigenen Worten über das GRETA-Projekt