08.12.17 Mastkrahn und Mast kranen

Kaum hat man sich dran gewöhnt, schon ist er wieder weg.
Im Sommer bei Besuchern als Sitzgelegenheit so beliebt
wie eine Telefonleitung  bei den Schwalben. Jetzt im
feuchten Dezemberwetter liegt einfach nur so da.
Historie und Moderne, dazwischen ein Bohlwerk und knapp
dreihundert Jahre 
Seit gut einem Jahr lag der Baumstamm auf dem Bohlwerk, jetzt liegt er im Wasser und bald ist er weg. Aber ein etwa vier Tonnen schwerer Baumstamm verschwindet nicht einfach so.

Wäre jetzt Sommer, würde er den vielen Besuchern des Bohlwerks fehlen, ist er doch Ruhebank für Groß und Turnplatz für Klein zugeich. im gleichen Forst gewachsen wie der "Historische Krahn", der weiter auf dem Bohlwerk steht und Besuchern schon von weitem den Weg zum Museumshafen weist. Er ist die Kopie eines historischen Bauwerks, mit dem im 18. Jhd. Masten in Segelschiffe gesetzt und mit dem sie auch wieder herausgezogen wurden, wenn eine Reparatur fällig war.

Die Zeit ist vergangen, der Zweck ist geblieben. RYVARs
Mast, gezogen vom modernen Nachfolger des "Historischen
Krahns von 1726
Schon morgens wurden auf RYVAR, dem roten Logger vom Museumshafen, Schäkel gelöst, Wantenspanner abgebaut, Kabel getrennt. Fallen und Stagen sortiert und an den Masten festgebunden, bis die Bäume und Gaffeln auf das Deck gehievt werden können. Die mussten abgebaut werden, um die Masten zu "ziehen", d.h. aus der Mastspur auf dem Kiel zu lösen und aus dem Rumpf zu heben. Da liegen sie nun und machen Platz für die jetzt frei stehenden Masten. Mittlerweile ist der große moderne Autokrahn angekommen und  in Position gegangen.
Zuerst hilft er, den Baumstamm, der einmal den neuen Großmast des hundertjährigen Seglers abgeben wird, auf die Plattform des Bohlwerks zu bewegen. Denn dort, wo er bislang lag, soll der alte Großmast der Ketsch liegen um den Gästen am Bohlwerk den mittlerweile gewohnten Sitzkomfort zu bieten. Und den Kindern den Balancierbalken, wenn genügend Platz ist.
Jetzt werden die Gurte an den Mast angeschlagen um ihn vorsichtig anzuheben. Zuerst der Großmast. Der Krahnführer legt ihn auf dem Bohlwerk ab. Der Besanmast kommt danach an die Reihe und findet seinen Platz auf dem Seitendeck des ehemaligen Frachtseglers.
Bevor der Tag zu Ende ist, muss der alte Großmast von allen Stagen, Wanten, Fallen, Kabeln und Leinen, Instrumenten und Lichtern, Blöcken und Beschlägen befreit werden. Die werden schließlich gebraucht, wenn aus dem Baumstamm ein neuer Mast gebaut wurde. Auch die Stenge muss noch abgebaut werden. Das kann bis morgen warten, denn es wird jetzt früh dunkel und mit der  Dämmerung kriecht eine dünne Eisschicht auf die historische Anlegebrücke.
Und der Baumstamm? Der liegt jetzt im Hafenwasser neben dem roten Stahlrumpf der RYVAR. Da wird er nicht nicht lange liegen bleiben. Davon später mehr.

Neben aller Geschäftigkeit, die wir heute zu sehen bekommen, bleibt Zeit für einen Moment, in dem Geschichte sichtbar wird: Der moderne Autokran an einem Ende des Bohlwerks und am anderen Ande die Kopie des historischen, der für den selben Zweck errichtet wurde. Ob jemand dem modernen Kran in dreihundert Jahren eine Kopie widmen wird?  Wir wissen es nicht und wir werden es auch nie erfahren.

06.12.17 DAGNY: Das war's

Das Ende eines Traditionsseglers. DAGNY wurde 120 Jahre alt
Foto: Kröger/maxwitat*/roessler*

















Nun ist es gewiss: DAGNY gibt es nicht mehr. Der letzte Rettungsversuch ist gescheitert. Der alte Segler wurde abgewrackt. Was vor Kurzem noch Teil des maritimen Erbes war, ist jetzt ein kümmerlicher Haufen Sondermüll.
Ereignisse wie das Ende dieses Frachtseglers von 1897 sind leider nicht selten. Wenn die Bekenntnisse zum "Maritimen Erbe" und zur "Pflege der maritimen Kultur" nicht nur Versatzstücke für wohlfeile Sonntagsreden sind muss jetzt beginnen, gegen den Verlust solcher Schiffe an zu steuern. Wer es ernst meint, sollte beginnen, ein umfassendes Konzept für den Erhalt dieser schwimmenden Zeitzeugen zu entwickeln - abseits von der Traditionsschiff-Verordnung. Sonst gibt es bald nicht mehr viel zu schützen. Besonders die kleineren Küstensegler sind gefährdet. Sie prägten einst das Bild der Häfen und Küstenlandschaften und waren Motor der Wirtschaft im Norden. Die meisten sind heute in privater Hand und haben keine öffentlich wirksamen Fürsprecher. Initiativen der Vereine und Verbände, die sich der Traditionsschifffahrt verpflichtet haben? Offensichtlich Fehlanzeige. So werden es bald wohl nicht nur UNDINE, DAGNY sein, der man ein "Das war's!" nachrufen muss. Die Aufzählung ist willkürlich und unvollständig; ein küstenweites Register gibt es nicht.

05.12,17 DAGNY am Ende?

DAGNY in besseren Zeiten
Foto: Schiffshistorisches Archiv
Hier eine (noch unbestätigte) Meldung aus gewöhnlich gut informierter Quelle über das Ende der DAGNY. Das Boot ging seit drei Jahren durch die Presse, nachdem es im Hafen von Neustadt/Ostsee gesunken, gehoben und wieder gesunken war. Trifft die Meldung zu, ist - nach NINIVE - wieder ein historisches Segelschiff nach langer Verwahrlosung verloren gegangen. Und wieder scheint ein Rettungsprojekt an unerwartet hohen Restaurierungskosten zu scheitern.
Ende des 120 Jahre alten Seglers
Hier die Nachricht (Die Jahreszahl in der Überschrift ist vermutlich Ergebnis eines Rechenfehlers):
Ende der Gaffelketsch Dagny nach 110 Jahren(05.12.17) Kein Happy End für den 14,63 Meter langen Zweimaster „Dagny“. Nachdem das Schiff im Neustädter Hafen gesunken war, wollte der Lübecker Psychiater und Psychotherapeut Dr. Bernd Ahrens das Holzschiff gemeinsam mit jungen Menschen sanieren und so über das Thema Suizid informieren. Ahrens wollte die 1897 im dänischen Nykøbing erbaute Gaffelketsch restaurieren und zum „Schiff der 600 Seelen“ machen als Symbol für die 600 Selbstmörder in Deutschland, die nicht älter als 25 Jahre sind. Die „Dagny“ hatte parallel zu den Bauarbeiten auch zum Info-Zentrum werden sollen. Doch seine Pläne kamen nicht voran, das Schiff war zu marode, und jetzt wurde es abgewrackt. Nur einige Teile konnte Ahrens noch sichern, bevor das Schiff in Stücken abtransportiert wurde. (Quelle : esys)

25.11.17 Rentnertreff

Wer jetzt noch am Bohlwerk spazieren geht, wird sich vielleicht fragen: "Was machen eigentlich traditonelle Boote, wenn sie nicht da sind?" Im Sommer, das weiss man ja, sind sie unterwegs, besuchen abgelegene Ankerbuchten oder beliebte Hafenfeste. Aber jetzt, im trüben Herbst? Wir haben in Egernsund einige sehenswerte Exemplare entdeckt, eines davon aus dem flensburger Museumshafen. Ein weiteres lag auch mal längere Zeit am Bohlwerk, zwei weitere waren schon einmal Gast der Rumregatta, von einem weiteren wissen wir's nicht. Und schlussendlich war da noch ein Boot, das immer noch das ist, was alle anderen früher einmal waren. Und dann gibt es noch eines, das früher mehrfach Flensburg besuchte aber - wenn kein Wunder geschieht - vielleicht nie wieder hier her kommt.

RAKEL, Fischkutter  von 1896  
KIVIOQ, Expeditionsschiff von 1933










STORE BJØRN, Dreimastschoner von 1902 
LOUISE, Jagt von 1984












RUTH E.87, Haikutter von 1917
(Uns) unbekannter Fischkutter im Umbau

(SVEN?) unbekannter Kutter
BODIL, Haikutter von 1924


Wie sich die Zeiten ändern! noch vor einigen Jahren waren hier hauptsächlich aktive Fischkutter zu sehen. Viele wurden umgebaut und bekamen ein neues Heck angesetzt. Heute ist es nur ein einziger von ihnen hier zu sehen. Die anderen haben den Berufsalltag schon hinter sich gelassen, waren Feuerschiff oder Fischkutter. Die Jagt wurde vermutlich nie als Berufsschiff benutzt. Die Herkunft des Kutter mit Spitzgatt kennen wir nicht.
Etwas fällt auf: Die Zeit der aus Holz gebauten Fischkutter scheint zu Ende zu gehen. An ihrer Statt sehen wir heute eine Versammlung der "Ehemaligen". Berufsschiffe in Rente, sozusagen, die meisten von ihnen aber "fit wie ein Turnschuh". Nur RAKEL fristet immer noch besondere, traurige Zeiten. Sie bräuchte dringend jemanden oder eine Gruppe, die sich ernsthaft für ihre Rettung einsetzt. Wieder hergestellt, wäre sie eine Zierde für jeden Hafen.
In dieser Versammlung ist LOUISE bemerkenswert. Im Jahr 1984 wurden traditionellen Jagten nur noch als Freizeitfahrzeug gebaut. In soweit ist das hübsche Boot sozusagen eine Frührentnerin.

23.11.17 † Hanns-Herrmann Heyer

Hännes und seine HILDING
Die Nachricht trifft uns völlig unvorbereitet: Hännes ist verstorben! 
Auch Stunden später können wir die Nachricht nicht wirklich erfassen. Dass er nicht mehr da ist, schmerzt schon jetzt. Seine ruhige Freundlichkeit wird uns fehlen, sein Lächeln, seine Hilfsbereitschaft. Und sein Wissen. Wen können wir nun nach Booten aus dem Norden fragen?  Er war so vielseitig interessiert, wollte alles genau verstehen. Unvergessen sein Vortrag über eine Reise über das Skagerrak mit HILDING, seinem offenen kleinen Segelboot. Er wollte begreifen, was solche Boote leisten können und wie es sich anfühlt, damit lange Strecken zu segeln. Er war bescheiden und hat uns uns sein Wissen und Können bereitwillig geschenkt.
Jetzt ist der Liegeplatz seiner HILDING leer. Die Arendal Sjekte liegt verwaist im Winterlager. An Hännes erinnert ein sorgfältig gefügter Handlauf an der Rampe zu dem kleinen Torhäuschen. Den hat er erst vor einem Monat fertig gestellt um unseren Schritten einen sicheren Halt zu geben.  
Noch wehrt sich unser Gefühl dagegen, dass wir ihn  nicht mehr sehen werden. Doch dann werden wir ihn vermissen.

21.11.17 Bergfest voraus!

Der blaue Haikutter BODIL aus dem Museumshafen hat bald das "Bergfest" erreicht. Mit anderen Worten: Das Ende der Reparatur kommt näher. Wie die neuen Fotos von Günter zeigen, wurden mittlerweile etliche Planken neu eingesetzt und der Tag scheint nicht mehr fern, an dem es sich wieder lohnt, unter Deck zu heizen. Auch wenn der Rumpf wieder geschlossen ist: Es bleibt noch viel zu tun, bis er wieder ins Wasser gelassen werden kann.
Die Planken-Nähte und -Stöße müssen kalfatert und mit Pech versiegelt werden. Dann wird das frische Holz mehrfach grundiert und danach der gesamte Rumpf mit Deckfarbe gestrichen - Unter der Wasserlinie mit "Antifouling"*), darüber in dem für den Schiffstyp charakteristischen Hellblau. Und dann "klar Schiff" machen; wenn's geht, noch vor Weihnachten. 

Die Farbe zeigt den Unterschied. Alle frisch eingesetzten
Planken sind hell, alle anderen nicht und was fehlt, kommt
noch dran.
Alle Fotos: © Günter Lange
 


















*) Antifouling: Bewuchshemmende Unterwasserfarbe

20.11.17 Verordnung verschoben

Es gibt eine neue Übereinkunft zwischen dem BMVI und der GSHW. Hier der Text der Pressemitteilung:
Schiffssicherheitsverordnung für Traditionsschiffe wird verschoben 
In einem Spitzengespräch mit dem amtierenden Verkehrsminister Christian Schmidt ist zwischen dem Vorsitzenden der GSHW und dem Minister vereinbart worden, dass der Entwurf zur neuen Verordnung ergebnisoffen überarbeitet werden soll. „Der Minister und auch wir streben eine Verordnung an, mit der es den Betreibern auch in Zukunft möglich sein soll, Traditionsschifffahrt unter deutscher Flagge zu betreiben“ so Jan-Mathias Westermann, Vorsitzender der GSHW. In der am Mittag folgenden Arbeitskreissitzung zwischen dem BMVI und den Verbänden wurden erste Ergebnisse erzielt, so zum Beispiel, dass alle Ausnahmen von dem im Verordnungstext vorgesehenen baulichen Vorschriften schiffsbezogen festgehalten und für die Lebensdauer des jeweiligen Schiffes festgeschrieben werden. Dieses Vorgehen entspricht auch der Forderung der GSHW, eine Differenzierung nach Fahrtgebieten und Schiffsgrößen in der Verordnung zu verankern. Weitere Gesprächsrunden werden am 28.11 und 15.12 2017 folgen. Die neue Verordnung soll dann am 01.04.2018 in Kraft treten. „Wir sind verhalten optimistisch, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden“ so Nikolaus Kern, stv. Vorsitzender der GSHW. 
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Artikel des BMVI vom 14.11.2017 über eine Übereinkunft mit Daniel Günter, MP von Schleswig-Holstein. Darin wird eine neue Arbeitsgruppe vereinbart, die heute zum ersten Mal tagen soll. Zu Beginn soll der Fragenkatalog des GSHW zu den neuen Vorschriften beantwortet und eine neue Ombudsstelle für strittige Fragen eingerichtet werden. Auch soll ein neues finanzielles Förderprogramm für notwendige Umbauten erarbeitet werden. Insgesamt sollen neue Standards erarbeitet werden, wodurch Traditionsschiffe in Zukunft ihren Status erhalten und gleichzeitig die erforderlichen Sicherheitsstandards für Passagiere und Besatzung bieten sollen.

20.11.17 Wie es Andere sehen

Vladimir Martus und die Steuerfrau der SHTANDART beim
Besuch in Flensburg 
Auch Vladimir Martus, Mitglied des European Maritime Heritage (EMH) und Kapitän der SHTANDART sorgt sich um den Bestand der Traditionsschiffe. Sein Schiff ist ein Nachbau der historischen russischen Fregatte aus dem frühen 18. Jhd., die vor drei Jahren Gast der Traditionswochen in Flensburg war (wir berichteten).

Vladimir macht sich Gedanken über Bestrebungen in der Politik vieler Länder, die darauf hinauslaufen, Traditionsschiffe durch einen Aufruf zu mehr Sicherheit letztendlich zu beseitigen. Wir haben den Beitrag auf der Facebook-Seite der EMH (16.November 2017) in der Rubrik "Diskussion" gefunden und denken, dass seine Betrachtungen gut zur aktuellen Diskussion um die verschäften Sicherheitsanforderungen in der Traditionsschiff-Verordnung passen.
Wir haben den Text aus dem Englischen übersetzt:
Beamte in vielen Ländern versuchen, traditionelle Schiffe "aus dem System" zu nehmen. Sie sprechen von " minderwertigen Schiffen". Ist das wirklich "der Aufruf für Sicherheit", oder versuchen sie nur, sich "den Rücken" zu schützen weil sie sich Sorgen wegen möglicher Unfälle machen? Lassen Sie uns die Sache genauer ansehen:
Wenn Sie sich um die Sicherheit und das Leben der Menschen sorgen, sollten sie vermutlich zu Beginn Statistiken befragen. Sie sollten prüfen, ob diese Art Schiffe wirklich eine Bedrohung der Schifffahrt sind. Auf den ersten Blick wissen wir, dass Segelschiffe manchmal Unfälle haben: "ASGARD", "BOUNTY", "ASTRID",das kanadische Segelschiff "CONCORDIA". Aber - mal sehen, wie gut die Besatzungen auf Notfälle vorbereitet, wie effizient Rettungsaktionen und wie gering die Zahl der Opfer waren. (Denn) darum geht es bei der Mission der Traditionsschiffe: aufzuklären und  die Fähigkeit der Besatzungen zu erhalten, in Notsituationen (richtig) zu handeln.
Vergleichen wir das mit  der "Berufsschifffahrt": "COSTA CONCORDIA". "MV BUKOBA". "EXPRESS SAMINA". "ADMIRAL NAKHIMOV".
Würde die Öffentlichkeit zu diesem Thema mit Statistiken fair informiert, könnten wir wahrscheinlich sehen, dass traditionelle Schiffe heutzutage eine höhere oder aber die selbe Sicherheit bieten wie kommerzielle Schiffe.
Warum wird Holz als Material für den Schiffbau von den Beamten so argwöhnisch gesehen? Es könnte sein, weil Holz "lebendig" ist und lebt. Stahl oder GFK sind dagegen stabil für immer (wie Sie denken). Aber - es das wirklich wahr? Wie schlecht ist das Holz als Material in Sachen Brandschutz? Was könnte hohen Temperaturen länger standhalten, ohne Festigkeit einzubüssen? Feuerwehrleute wissen, dass zum Beispiel eine Stahl-Leiter  schneller schmilzt und sich verformt als die Holzleiter (verbrennt). Korrosion - Welches Material würden länger leben? Osmose bei GFK? Und so weiter.
- -
Was wir tun könnten, traditionelle Schiffe ohne Konfrontation mit Beamten in Betrieb zu halten? Befassen wir uns einmal mit "Erfolgsgeschichten". Von traditionellen Schiffen mit großer Geschichte und großen Erfolgen. In vielen Fällen ist die größte Errungenschaft, viele Menschen in marine Berufe zu bringen. Ihre Fähigkeiten als Segler weiter zu entwickeln. Und ihr Bewusstsein als Navigatoren. Also, wir sind im gleichen Boot mit den Beamten der Transportwirtschaft, nur  wissen sie wissen es nicht. Noch nicht.
Links von HAFENMELDUNGEN eingefügt, ebenso  die Texte in Klammern

19.11.17 Krokodilstränen

Während BODIL auf der Werft umfangreich saniert wird, geht der Streit zwischen der Interessenvertretung der Traditionsschiffer und der Politik in die nächste Runde. Arbeiten wie sie jetzt an BODIL notwendig sind fordern Eigner von Traditionsschiffen immer wieder heraus. Sie sind nicht Folgen von liebloser oder unsachbemäßer Behandlung. Holz ist nun mal ein vergängliches Material. Sie haben aber auch nichts mit der Neufassung und Verschärfung der Traditionsschiff-Richtlinie zu tun. Erstens deshalb, weil sie noch immer nicht in Kraft ist, zweitens, wird sie den Eignern zusätzlichen Aufwand abfordern. Die sollen das alles auf auf ihre Kappe nehmen, um das Schiff und damit maritime Kultur lebendig zu erhalten. Sozusagen als privater Sponsor eines Kulturgutes. Wer sich unter einem Sponsor bisher jemanden aus der Riege Reich und Prächtig vorgestellt hat, muss sein aber sein Bild gründlich korrigieren. Eigner von Traditionsschiffen sind froh, wenn sie ein Jahr mit der berühmten "Schwarzen Null" abschließen können.
Um ein Traditionsschiff zu unterhalten, reicht das Taschengeld eines bundesdeutschen Handwerkers oder Angestellten bei weitem nicht aus. Wollte der Eigner kostendeckende Einkünfte mit zahlenden Passagieren auf Gästefahrten erwirtschaften, müsste er an vielem Tagen mit Gästen fahren. In dieser Zeit könnte er in keinem normalen Beruf arbeiten, zumal er sich ebenfalls auch um die Wartung, Reparatur, Werbung, Betreuung der Gäste, Proviantierung kümmern müsste. Das alles ist ihm jedoch im Rahmen der jetzt schon bestehenden Traditionschiffs-Verordnung nicht gestattet,  Der Eigner-Sponsor kann den Gegenwert seiner Arbeit für den Erhalt des Schiffes nicht einmal von seiner Einkommensteuer absetzen, wie es einem Finanz-Sponsor erlaubt ist. Das gültige Konzept setzt gemeinnütziges Handeln voraus. Man möchte nicht wissen, wie viele Teile der Einkommen von Lebenspartnern und, falls vorhanden, auch Vermögen solange in Traditionschiffe fließen, bis alle Reserven erschöpft sind. Es sind einige Fälle bekannt, in denen der Reparatur Lebensgemeinschaften und Erbschaften zum Opfer gebracht wurden. Oder in denen die Schiffe so endeten wie einst RAKEL und jetzt NINIVE.
Dass Kultur Geld kostet ist bekannt. Man muss dafür auch nicht gleich an die Elb-Philharmonie denken. Jede Eintrittskarte für ein Museum, eine Theateraufführung oder den Konzertbesuch ist vom Staat subventioniert. Kostendeckender Eintritt würde die ohnehin oft magere Nachfrage vollends zusammenbrechen lassen. Kultur wäre dann nur noch Vermögenden Liebhabern zugänglich.
Wenn es der Bundesrepublik tatsächlich Ernst ist mit dem Ziel. die maritime Kultur zu pflegen, muss sie auch hier grundsätzlich andere Wege gehen. Wenn es um Vermarktung von Massenveranstaltungen an der Küste geht, sollten die Nutznießer dieser Spektakel endlich ihren Teil übernehmen und für die schöne Kulisse der alten Schiffe angemessen bezahlen. Bis dahin sind die Krokodilstränen der Politiker und Tourismus-Vermarkter aus den Nordstaaten nichts als Heuchelei.

18.11.17 BODIL ist Manches

Manches kann man entweder überhaupt nicht oder aber gründlich machen. Das gilt diesmal auch für BODIL. An dem 93 Jahre alten Haikutter aus dem Museumshafen Flensburg sollte nur Etwas am Vorsteven gemacht werden, um die Restauration des Rumpfes abzuschließen. Doch bekanntlich ist es schwierig bis unmöglich, bei einem so alten Holzschiff ein Datum für Anfang und Ende einer Restauration zu nennen. Denn wie bei vielen alten Damen üblich, beginnt so was jeden Morgen auf Neue und endet auch nicht mit dem zu Bett gehen.
Nachdem der alte Fischereisegler vor fünf Jahren am Heck neue Planken bekam, war jetzt das Vorschiff dran. Nun ist BODIL seit knapp drei Wochen "auffe Werft", Zeit für einen kleinen Zwischenbericht.
Dafür bekamen wir heute von Günter aktuelle Bilder der Baustelle. Sie zeigen den Stand der Arbeit am Rumpf. Vorne auf Steuerbord war besonders viel zu restaurieren. Wir sparen uns die tausend Worte, die bekanntlich ein Bild sagt und lassen die Fotos für sich selber sprechen.







































Fotos (4): © Günter Lange

17.11.17 Das Ende von NINIVE

Foto: Mathias Schulz ©


Nomen est omen. Gestern vollendete sich das Schicksal des Traditionsseglers NINIVE. Die "Pommersche Jachtgaleass" (Schiffshistorisches Archiv Flensburg) stand fast zwei Jahre in Eckernförde an Land, nachdem sie im Januar 2015 im Hafen sank und anschließend geborgen wurde (Die HAFENMELDUNGEN berichteten). Dort blockierte der marode Rumpf mehrere Parkplätze. Der Besitzer war nicht auszumachen und so entschlossen sich die Stadtwerke Eckernförde, das Wrack kurz entschlossen zu beseitigen. Selbst die Anlieger wurden von der Aktion überrascht. Die Eckernförder Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über das Zerstörungswerk:
 "Der Holzrumpf mit seinen Querverstrebungen sowie genagelten und verschraubten Teilen erwies sich bis auf die stark angegriffene Außenbeplankung als äußerst stabil, doch Baggerführer Seemann setzte die schweren Greifzangen ganz nach den Erfordernissen mal brachial, mal fast schon grazil ein. Scheibchenweise wurde so im Laufe des Tages aus einem vollständigen Schiffsrumpf ein großer Haufen zerborstener Eichenhölzer mit großen Nägeln, Schrauben, Seilen und sonstigen Kleinteilen. – Quelle: https://www.shz.de/18337591".

Fast könnte man das Ende der NINIVE als Omen für die Traditionsschiffe in Deutschland insgesamt betrachten. Zufällig erhitzen sich gerade in diesen Tagen die Gemüter erneut wegen der umstrittenen Traditionsschiffs-Verordnung. Den aktuellen Anlass bietet die ebenso unvermittelte und kurz entschlossene Ankündigung, des amtierenden Verkehrsministers Christian Schmidt noch diese Woche seine Unterschrift unter die Neufassung der Sicherheitsverordnung zu setzen. Was die Traditionsschiffer besonders erregt ist, dass dies vor Ablauf des vereinbaren Moratoriums geschah und ohne das für den 20. November in Aussicht gestellte Gespräch mit der zuständigen GSHW geführt zu haben. Mittlerweile hat sich auch Daniel Günter, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, an den Bundesverkehrsminister gewandt. Das Flensburger Tageblatt zitiert: 
"Es könne nicht sein, dass eine geschäftsführende Bundesregierung in dieser Frage jetzt Nägel mit Köpfen machen wolle, sagte Günther. "Hier sind wichtige Fragen noch nicht geklärt."Für das Tourismusland Schleswig-Holstein sei der Erhalt der Traditionsschifffahrt sehr wichtig. Günther forderte eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. "Es ist mir unverständlich, dass die Bundesregierung trotz der zahlreich geäußerten Bedenken aus den Ländern daran festhält, eine sehr strittige Verordnung ohne weitere Diskussion mit den Betroffenen umzusetzen."   
Quelle: https://www.shz.de/18337346 ©2017
Nun wollen wir mal sehen, was passiert. (Siehe dazu auch NDR 1 Welle Nord von heute)

13.11.17 Termine, Termine!

Zur Erinnerung!
TIMPE TE als DULCIBELLA in "Das Rätsel der Sandbank

Am kommenden Sonnabend, dem 18. November, wird im Gemeindehaus St. Nikolai ein ganz besonderes Projekt für Freunde traditioneller Segelboote vorgestellt, das speziell Jungen, aber auch für jung Gebliebenen die Möglichkeit gibt in Gemeinschaft mit Anderen, ein besonderes Boot wieder herzustellen und damit anschließend zu segeln. Das Boot heißt TIMPE TE und war 1987 als DULCIBELLA Hauptdarsteller in dem Mehrteiler "Das Rätsel der Sandbank" im Fernsehen, der viele Zusachauer in seinen Bann zog. (Wir haben das Projekt vor drei Wochen in den HAFENMELDUNGEN vorgestellt.) Aktuelle Informationen gibt es auch in Facebook und auf einer Internetseite zum Projekt 
Das Informationstreffen gibt weitergehende Auskünfte, bietet die Gelegenheit, Aktive des Projektes kennenzulernen und sich für TIMPE TE alias DULCIBELLA begeistern zu lassen. Also: Nix wie hin!

"Rätsel der Sandbank-Abend"
am 18. November 2017
19:00 Uhr
Gemeindehaus St. Nikolai
Südermarkt 15
Flensburg

Kontakt:
David Friedrich
david.friedrich@timpe-te.de

12.11.17 Herbst am Hafen

Höchste Zeit, wieder einmal die Beine zu vertreten. Was liegt in Flensburg näher als ein Spaziergang am Hafen? Wir wollen Schiffe gucken und laufen anfangs bis zur Werft von Robbe&Berking. Dort machen wir kehrt und gehen zurück bis zum Anleger der Klassischen Yachten.

Auch ein Klassiker: KIWI, der erste 12-er mit Kunst-
stoffrumpf von 1987 
Ob dieser klassische dänische Spitzgatter vielleicht
"Dornröschen" heisst?

MISTRAL, ein L.F.Herreshoff-Schoner von 1938
Immer wieder reizvoll: der Museumshafen.























SIGANDOR, Heckschiff von 1909
RYVAR (hi) und ILSE von Flensburg (vo.) 



Schwimmsteg der Klassischen Yachten.
WILLOW WREN trocknet der Klüver
WIEBKE BOHLEN, Colin Archer
Kreuzeryacht von 1987/1902














Klar Schiff auf WILLOW WREN -
Nasse Schoten aufschießen spart einen Besuch im Fitness-Studio.

09.11.17 Jollensteg verwaist

Der Lüttfischerhafen, auch "Jollensteg" genannt, ist nun komplett leer. Nachdem vor fünf Tagen die Buttjolle MINNA ROEDER in die Galwik  gerudert wurde wo sie ein Kran an Land setzte, ging gestern die 17' Arendalsjekte ARVED ins Winterlager. Glücklicherweise war der Wasserstand ziemlich hoch und so konnte das über fünf Meter lange und 1,6 Meter breite Holzboot von Hand aus dem Wasser gezogen werden. Allerdings mussten drei Mann ihre vereinten Kräfte einsetzen. Doch wie sagt man? "Wo ein Wille ist, ist auch ein Steg."
Thomas, der uns mit Bildern und einem Bericht verwöhnte, bemerkte abschließend: "Somit sind unsere Boote gesichert, so dass die kalte und stürmische Jahreszeit kommen kann und wir keine Sorgen haben müssen."

09.11.17 Auffe Werft

Hatten wir es doch eben noch von den Attraktionen des Bohlwerks, die saisonbedingt nicht alle auf ihren Liegeplätzen zu sehen sind. Manche sind über den Winter "auffe Werft", wie man so sagt. Wenn jetzt ein Bild vor seinem geistigen Auge hat, auf dem der Schipper bei einem Gläschen Schampus den Auftrag erteilt "Alles mal durchsehen und für die nächste Saison in Ordnung bringen", kennt das wirkliche Leben wirklich nicht. Schließlich heißt hier niemand Melnitschenko oder so ähnlich. 
Wer tatsächlich wissen will, was die Auskunft bedeutet, sollte mal die Gelegenheit nutzen und nach Egernsund zu Christian Johnsons Werft fahren. Dort liegt zur Zeit der blaue Haikutter BODIL aus dem Museumshafen. Aber nur teilweise. Zum einen deshalb, weil sein Klüverbaum noch auf dem Bohlwerk liegt, zum anderen weil derzeit einige Planken abgebaut wurden um den Rumpf gründlich zu sanieren. Das ist der zweite und hoffentlich vorerst letzte Teil einer umfassenden Renovierung. Sie begann schon vor fünf Jahren. Damals wurden über den Winter am Heck etliche Planken ausgetauscht. Diesmal ist der Bug dran und achtern noch zwei Planken oder so. Bei einem alten Schiff ist das ähnlich wie bei einem alten Haus. Wer unter die Oberfläche sieht, muss sich auf Überraschungen gefasst machen. 
Gestern bekamen wir aktuelle Fotos von der Baustelle. Dafür sagen wir auch an dieser Stelle ganz herzlich: "Danke!"



BODIL "auffe Werft"
Foto: Günther Lange


09.11.17 Frage des Standpunktes

Seit Monatsbeginn gibt es auf dem Bohlwerk weder Fischbrötchen noch dazu ein zünftiges "plop!" Flens. Eine Woche lang kamen noch Freunde der rustikalen Delikatesse; sie zogen mit hängenden Ohren wieder ab, wenn sie erfuhren, dass sie sich bis zum Frühjahr in Verzicht üben müssen. Ein Besucher erzählte, dass seine Eltern über Weihnachten zu Besuch kämen und dass er ihnen Appetit auf die Brötchen gemacht habe. Der wirkte nun richtig traurig in seiner Situation.
Jetzt, am Ende der ersten Novemberwoche wird klar dass, wer jetzt noch übers Bohlwerk spaziert, wegen der Schiffe kommt. Und nun, Freunde traditioneller Boote und Seemannschaft, haltet die Luft an und seid stark: Es sind nur wenige. Wo sich einst zur Mittagszeit - also von etwa zwölf Uhr mittags bis nachmittags um acht zeitweilig dutzende Besucher an den Museumsschiffen vorbei das Bohlwerk belebten, sind es jetzt zeitweilig nur drei oder vier, wenn überhaupt. Das kann nicht nur am Wetter liegen. Denn in der Jahreszeit der Fischbrötchen ließen sich die Vielen auch von Regen und Wind nicht abschrecken.
Fachleute, die sich mit Tourismus oder Stadtmarketing befassen, haben das Fischbrötchen vermutlich schon seit längerem als die wahre Attraktion der maritimen Szenerie in Flensburg erkannt. Sie lassen sich bekanntlich gerne von quantitativen Zielen lenken. In der Zeitung wird berichtet, die lokale Tourismusorganisation habe sich vorgenommen, eine Million Besucher auf den Flensburger Weihnachtsmarkt zu locken. Für dieses Ziel wird jetzt der Wochenmarkt mit seinen Gemüse-, Obst- und Blumenständen vom großen Südermarkt in eine Randlage verdrängt. Das das gefällt nicht Allen, die sich gerne weiter an selbigem Ort mit ihrem tägliche Bedarf eingedeckt hätten. Für sie ist der gewohnte Gang zum Markt ein Teil ihrer Lebensqualität. Doch wen stört's? EINE MILLION! Besucher wäre Anderen sogar ein größeres Opfer wert.
So gesehen wären auch zwanzig Fischbuden auf dem Bohlwerk und Schiffe in der Randlage nur ein kleines Opfer und das auch nur für Wenige.   


06.11.17 MAIA genießt den Tag

Es wird langsam kühler, nachts kommt die Temperatur dem Gefrierpunkt nahe. Aber noch wärmt das Wasser im Hafen und in der Förde ein wenig. Doch bald wird das Bohlwerk und das Deck morgens von Raureif glitzern. Es wird Zeit, das Boot unter die Winterplane zu bekommen. Wenn nur das Wetter nicht so verführerisch schön wäre! Die grauen Wolken von gestern hat ein Hoch vom Himmel gewischt. Und nun: blendend weißer Sonnenschein, wenige Haufenwolken am Himmel und eine schwache Brise machen die elf Grad Lufttemperatur erträglich. "Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!" riet Horaz seiner Lokonoe. Die hatte kein Segelboot, vermuten wir.

Lägen die Segel nicht schon seit einer Woche abgeschlagen im Winterlager - wir hätten schwach werden können und "Leinen los!" einen Ausflug auf die Förde unternommen. 
Zum Teufel mit Horaz! Die Segel liegen immer noch Winterlager. So nutzten wir die vielleicht letzte Gelegenheit, kleine Lackschäden am Mast auszubessern, bevor die langen dunklen Monate endgültig den Zeitplan bestimmen. Seit langem schon versuchen wir, das Boot vor dem Winter gut unter Lack bringen, getreu dem Motto "Farbe erhält, was sonst verfällt". Den Lohn der Mühe kassieren wir dann im Frühjahr. Bisher sind wir damit gut gefahren, trösten wir uns. 

04.11.17 MINNAs letzte Fahrt

Heute ging auch für die Buttjolle MINNA ROEDER aus dem Museumshafen die Saison zu Ende. Mast, Spieren und Segel waren schon eingelagert, jetzt sollte das Boot nachfolgen. Zur letzten Fahrt ging es quer über den Hafen, in die Galwik. Außer den zwei erfahrenen Bootsführern an den Riemen war auch der Nachwuchs in zweifacher Besetzung vertreten. Zwar hatte sich der Verein Minna Roeder gedacht (frei nach F.K. Waechters Buchtitel) "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein" und per Mail weitere Teilnehmer eingeladen. Und so kam es dann auch - fast. Nur eines hat hat geguckt. Und das gesehen:


Ein letzter Westencheck...
...und los geht's

03.11.17 Herzlos

Millimeterarbeit
Foto: Thomas Kähler
Im Herbst verlassen viele Boote ihre Liegeplätze im Heimathafen. Manche gehen ins Winterlager an Land, andere verbringen die kalte Jahreszeit in einer Halle. Auch im Museumshafen sind zahlreiche Liegeplätze verwaist. BODIL ist zur Reparatur in der Werft. Eine lang geplante Arbeit am Rumpf soll den alten Haikutter verjüngen. Toppsegelschoner ANNY aus Glückstadt ist schon eine ganze Weile in Eckernförde auf der Werft, Lotsenboot THOR hat zu seinem Winter-Liegeplatz näher beim Wohnort des Eigners verholt und die jetzt noch da sind? Frei nach Rilke "Wer jetzt noch hier ist, wird noch lange bleiben..." 
Zu denen gehört wohl auch MEIJSEN, die Danske Jagt aus Ribe. Gestern kam ein Foto, mit dem Begleittext "MEJSEN  wird am Herzen operiert".  Ein Abschied vom Bohlwerk wäre jetzt im Wortsinn wirklich herzlos. Was schon in einer Autowerkstatt besonderes Geschick erfordert - an Bord eines Schiffes sind die Anforderungen noch höher. Die Antriebsmaschine und andere technische Einrichtungen sind meist auf engstem Raum montiert und wenn schon der Motor so recht keinen Platz hat: der Mechaniker muss sich in die verbleibenden Lücken zwischen Spanten, Motorblock und Deckbalken hineinschlängeln und dennoch sehr präzise und kraftvoll arbeiten. Na, dann viel Erfolg!

30.10.17 Intermezzo

Egernsund
Gemälde von 
 Heinrich Petersen-Angeln aus

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39463223
Das Sturmtief HERWART war das zweite seit Monats- Anfang und das letzte im Oktober. Klar, schließlich ist heute der 30. Tag des trüben, feuchten und gar nicht sonnigen Monats. Heute freuen wir uns über gleißend helles Sonnenlicht und leichten Südwestwind. Das Licht ist wirklich einzigartig. Alles blendet, wie es um die Wende zum 20. Jhd. die Ekensund-Maler auf ihren Bildern festhielten. Der Raddampfer, den die Gruppe erwartet existiert nicht mehr, aber das Licht ist glücklicherweise geblieben.
Die in dem Bild eingefangene Stimmung verdanken wir einem großartigen  Maler, das Licht von heute dem Hochdruckgebiet mit dem schönen Namen VERA. Das Hoch brachte auch schon ziemlich kühle Temperaturen; heute Morgen zeigte das Thermometer nur noch frostige zwei Grad. Der  nächste Winter macht schon mal seine Aufwartung. Doch wenn er so strahlend daherkommt, wie er sich heute ankündigte, werden wir ihn gerne erwarten.

Die Schlange vor der Fischhütte wächst
Leider wird aber auch das schöne Wetter bald Vergangenheit sein. So ist das nun mal und deshalb muss man das Gute genießen, so lange man es bekommen kann. Das haben sich wohl auch die zahlreichen Passanten gedacht, die mittags vor Ben's Fischhütte Schlange standen - Die "leckersten Fischbrötchen vor der Grenze" gibt es nur noch morgen. Dann haben die Brötchen erstmal Winterpause.

Hoch VERA  lässt Wasserstand
und Stimmung steigen
Der Sturm aus West der letzten zwei Tage hat Flensburg glücklicherweise verschont. Nur der Wasserstand im Hafen sank um einen halben Meter. Seit HERWART abzieht, steigt er wieder auf einen knappen Meter über Normal an. Die Schiffe und Boote am Bohlwerk schwimmen ungewohnt hoch, sozusagen auf "Augenhöhe". Aber mit jeder Stunde sinkt er schon wieder und wird wohl bald seine gewohnten 502 Zentimeter am Pegel bei der Wasserschutzpolizei erreicht haben.

Für morgen ist wieder Regen angesagt.

29.10.17 DULCIBELLA TIMPE TE

Termine, Termine!

Den 18. November sollte sich Jede und Jeder vormerken, der seine Füße gerne auf einen kleinen traditionellen Gaffelsegler bekommen möchte um ihn mit gleich Gesinnten aufzufrischen und zu segeln. Die Gelegenheit diesen Traum zu leben wird nicht oft geboten. Denn viele kleinere Boote sind bereits in fester Hand, gehören  Familien oder sind sonst wie unerreichbar. Und kaufen? Gerne, aber wer hat schon genügend Geld dafür? Außerdem gehört segeln mit und arbeiten an einem gut erhaltenen Holzschiff zu den Dingen im Leben, die in einer Gemeinschaft einfach mehr Freude bereiten. In knapp einem Monat könnte die Idee in einem großen Schritt realer werden. 

TIMPE TE als DULCIBELLA in dem Film von 1987
"Das Rätsel der Sandbank"
Um darüber mehr zu erfahren, bin ich heute im Schifffahrtsmuseum  verabredet. Dort treffe ich einen jungen Mann der von seinem Projekt erzählt. Noch nicht ganz achtzehn Jahre ist er alt und hat sich in den Kopf gesetzt, mit anderen Jungen uns sich jung Fühlenden einen 70 Jahre alten Gaffelkutter aufzumöbeln um ihn zu segeln und ihn natürlich auch zu unterhalten. Denn noch ist der in gutem Zustand, obwohl er zuletzt einige Zeit an Land gestanden hat. Das Boot nicht irgend ein beliebiger traditioneller Holzkutter. Es ist das Boot mit dem schönen Namen DULCIBELLA aus dem Film "Rätsel der Sandbank". Die nicht mehr ganz so Jungen werden sich an den Mehrteiler im Fernsehen von 1987 erinnern, der nach dem der weltberühmten Roman The Riddle of the Sand  gedreht wurde.
Das Boot hatte schon früh die Fantasie meines Gesprächspartners angeregt und so machte er sich auf die Suche nach seinem Traumschiff, um alles über das Boot zu erfahren. Ein Bericht in der Seglerzeitschrift "YACHT" brachte ihn auf die richtige Spur. Schließlich machte er den Besitzer ausfindig und sprach mit ihm. Über Maße Baupläne, Segeleigenschaften und vieles mehr, was ein Boot interessant macht. Das ging eine ganze Weile so. Außer ihm erkundigten sich auch Andere nach dem Boot, aber die Meisten hatten die Idee, es günstig zu übernehmen um damit vielleicht auch ein gutes Geschäft zu machen. Der Eigner hatte aber DULCIBELLA, die im wirklichen Leben TIMPE TE heißt (Wie der Butt in Grimms Märchen), auch in sein Herz geschlossen und über lange Zeit sorgfältig in einem guten Zustand erhalten. Sie sollte es gut haben und er wollte sich auch nicht von ihr trennen. Doch mit den Jahren sah er ein, dass es besser wäre, sein Boot in gute Hände abzugeben. Denn er fühlte, dass seine Kraft weniger wurde. So kamen er und der junge Mann überein, dass dieser TIMPE TE übernehmen solle. Jedoch unter der Bedingung, dass er sie gemeinsam mit Anderen in gutem Zustand und in Fahrt halten solle, mit der Perspektive dass er sie gemeinsam mit Anderen in gutem Zustand und in Fahrt hält.

Nun ist TIMPE TE seit Mitte August in Flensburg, wohin der neue Eigner inzwischen mit seinen Eltern umgezogen ist. Er machte sich für seine Idee an die Arbeit und hatte einen guten Start. Nach nur drei Monaten kümmern sich schon einige Mitstreiter gemeinsam mit ihm um den Segler; eine erfolgreiche Crowd-Funding Aktion sorgte auch schon für etwas Startkapital. Nun möchte er weitere Mitglieder für die Gruppe um TIMPE TE alias DULCIBELLA gewinnen und kündigt einen Informationsabend an. Dort wird auch der Film "Rätsel der Sandbank" zu sehen sein, zumindest soweit DULCIBELLA zu sehen ist. Und das Boot selber kann auch besichtigt werden. 

Wer also seine Füße gerne auf ein traditionelles Kajütboot mit Gaffelsegel bekommen möchte, sieben Meter lang, 2,30 Meter breit, sollte den Termin vormerken. Allzu oft wird so eine Gelegenheit nicht geboten. 


"Rätsel der Sandbank-Abend"
am 18. November 2017
19:00 Uhr
Gemeindehaus St. Nikolai
Südermarkt 15
Flensburg
Kontakt:
David Friedrich
david.friedrich@timpe-te.de
Weitere Informationen:
Timpe Te zur See – Jugend restauriert Film-Boot





26.10.17 Segel trocknen



Absegeln. Es war etwas böig. Als wir zurück am Liegeplatz waren, konnten wir die Segel abschlagen. Ende der Saison.

25.10.17 Gerappel

Das Wort stammt aus der Zeitung von heute; es ist gut gewählt, bedeutet es doch unter anderem "raffen", "wieder aufraffen" aber auch "Lärm machen". Der Lärm kommt aus Gravenstein, "wo es seit vier Jahren eine Initiative gibt, die sich von den segelnden Frachtschiffen abgehängt fühlt". Gemeint sind wohl die Boote und Schiffe aus dem Museumshafen. Tatsächlich zählt dieser einen einzelnen Frachtsegler zu den ihren. Der ist diesmal an seinem Liegeplatz geblieben, was sein Eigner mit anderen Verpflichtungen im Dienst der Apfelfahrt begründete. Nicht gemeint sein kann kann der in dem Artikel namentlich genannte Salondampfer ALEXANDRA, der ja auch bei aller Großzügigkeit in der Bewertung kein segelndes Frachtschiff ist. Der Geschäftsführer des unterstützenden Freundeskreises hat dennoch die Gelegenheit genutzt um vorzurechnen, dass bei der durch die dänischen Behörden verordneten Beschränkung der zulässigen Anzahl (zahlender) Gäste an Bord eine Reise nach Gravenstein wirtschaftlich nicht vertretbar ist.
Auf der Anlegerbrücke in Glücksburg war das Land-
volk in diesem Jahr auch eher spärlich vertreten. Die
Segler hat das nicht gestört. 

In die selbe Kerbe haut auch der Geschäftsführer des Museumshafens und nennt ("nüchtern" wie in dem Artikel präzisiert wird) außerdem als Gründe das Alter der Eigner und "dass sich seit den neunziger Jahren vieles geändert hat". Wohl wahr. Früher seien regelmäßig Traditionsschiffe in Gavenstein gewesen - privat motiviert". Auch er nennt die dänischen Regeln als Ursache, und dass der Betrieb der Schiffe enorm teuer geworden sei und fährt fort "die legen ihre Segler als Dekoration nur hin, wenn sie was davon haben".

Aber auch nach Glücksburg, in sicherer Entfernung der dänischen Regeln, sind nur vier Segler aus dem Museumshafen gereist. zwei weitere kreuzten weit vor der Anlegebrücke. Die Menge an Land war sehr ebenfalls übersichtlich. Und keiner von denen hatte "was davon", wenn man die Freude an der Sache mal unberücksichtigt lässt.
Nun verlangt niemand eine Begründung wenn Eigner ihr Boot am Liegeplatz belassen. Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Museumshafens indem er sagt: "Ich ... bin nicht der Kerkermeister, der den Leuten befehlen kann, nach Gravenstein zu fahren". Dennoch können die Gründe so anonym wie kurz genannt werden: Berufliche oder familiäre Verpflichtung, Krankheit, Vergesslichkeit, Werftarbeiten. Traf nur diesmal alles zur selben Zeit zusammen. Dennoch war die Apfelfahrt sehr schön und hat allen Teilnehmern Freude bereitet. Also kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.
Dass Gravenstein nun vergeblich auf Segler aus Flensburg wartete ist bedauerlich, war aber absehbar, vor allem bei der ohnehin geringen Zahl der teilnehmenden Boote. Außerdem kamen auch in den letzten 15 Jahren nur wenige von ihnen nach Gravenstein zur Apfelfahrt und oft auch keines. Und die dort waren, fehlten mit ihrer Besatzung auf dem Apfelmarkt in Flensburg, weil sie natürlich nicht am selben Abend zurück nach Flensburg segelten. Denn auch in Gravenstein wurde gefeiert und dort zu bleiben war nicht nur höflich, sondern im Sinne der grenzüberschreitenden Nachbarschaft förderlich.
Es waren, ganz nebenbei gesagt, auch meist keine Boote, die unter die Traditionsschiffsverordnung fallen, sondern als Sportboote so viele Freunde und Familienangehörige mitnahmen, wie es für diese Bootsgattung zulässig ist. Das sind aufgrund der geringen Bootsgröße nur wenige und die darf man noch nicht einmal zur Kasse bitten. Sie werden auch nicht von den dänischen Behörden mit engherzigen Regeln verfolgt. Also die, welche wirklich fehlten, haben überhaupt kein wirtschaftliches Interesse und werden auch nicht an der Teilnahme gehindert. Leider werden in dem Zeitungsartikel die Lüttfischer aus Flensburg überhaupt nicht erwähnt, obwohl sie bei dem starken Wind alle Hände voll zu tun hatten, um heil zurückzukommen. Allerdings aus Kollund, das aber auch in Dänemark liegt.
Was die Tourismus-Organisation betrifft hätte sie mehr mehr tun können als Plakate drucken auf denen sie sich Veranstalter des deutsch-dänischen Apfelfestes nennt. Schließlich ist sie die Interessenvertretung der Unternehmen, die wirklich "was davon haben", zumindest dann, wenn sie ihren Job richtig macht.

25.10.17 Weder Weicheier noch Memmen

In den beiden vorangegangenen Beiträgen*) zum Thema "Mann-über-Bord" bei niedrigen Temperaturen ging es darum, wie es einem Menschen ergeht, der plötzlich in kaltes Wasser fällt und darum, wie seine Retter am besten vorgehen, wenn das Opfer erst mal wieder beim Schiff ist. 
Aus dem ersten Beitrag können wir mitnehmen, dass eine Rettungsweste unverzichtbar ist, um die ersten Minuten im Wasser zu überleben, in denen Schock und Ohnmacht das Opfer sehr schnell außer Gefecht setzen. Der zweite Beitrag klärt darüber auf, dass unterkühlte Opfer auch nach der Bergung noch längst nicht gerettet sind und deswegen sehr schonend behandelt werden müssen.
Was zwischen über-Bord fallen und Bergung liegt, wird in der Literatur und in der Standardausbildung zu den Boots-Führerscheinen ausführlich abgehandelt. Wichtig erscheint nur ein Hinweis: Jedes Boot verhält sich je nach Wind- Strömungs- und Seegangsverhältnissen unterschiedlich. Deshalb sollte jeder Bootsführer häufig und unter wechselnden Bedingungen versuchen, geeignete Manöver und den Einsatz der Rettungsmittel zu üben. Wer schon mal versucht hat, einen bewegungslosen Körper aus dem Wasser zu ziehen, weiß wie schwer das sein kann. Bei größeren Booten kann eine Rettungstalje mit vier Parten bei den Großwanten helfen. Im Sommer könnte ein Teil des Freizeitvergnügen werden, seine Crew und sich selbst zu trainieren. Denn was der Volksmund beim Geld rät, gilt mindestens auch bei Menschenleben: "Übe in der Zeit, dann kannst Du in der Not". 
Klassiker-Regatta. Keiner trägt Rettungsweste,
niemand in exponierter Position ist gesichert.
Foto: © Guido Panini/Panerai in YACHT-online 
Es ist schon ein großes Wunder, wenn eine Besatzung einen solchen Unfall erlebt und die Crew anschließend vollzählig die Reise fortsetzen kann. Schön, wenn es so ausgeht, aber wer will sich schon auf Wunder verlassen? 
Der beste Garant für eine gesunde Heimkehr ist, an Bord zu bleiben. Leider hat sich diese Einsicht nicht weit genug verbreitet. An jedem beliebigen Tag auf dem Wasser haben nur Wenige eine Rettungsweste angelegt, oft laufen sogar kleine Kinder ungeschützt an Deck herum. Die Spitze der Hackreihe nehmen die ein, die mit den Händen in der Hosentasche am Heck- oder Bugkorb stehen oder darauf sitzen. Denn Seemannschaft scheint nur was für Memmen und Weicheier zu sein. Das ist nur konsequent, wenn selbst in renommierten Segelzeitschriften Regatta-Fotos gezeigt werden, in denen jemand ungesichert auf der äußersten Bugspitze balanciert. Das erzeugt falsche Leitbilder und lenkt davon ab, sich eigene Gedanken über seine Sicherheit zu machen. 
Ein blank lackiertes Deck macht bei trockenem Wetter einen guten Eindruck, ist aber bei Regen eine prima Rutschbahn. Besser ist, Quarzsand einzustreuen oder gleich rutschhemmende Beläge vorzusehen. Offene Holzdecks sind auch bei Nässe trittsicher - sofern  sie sauber gehalten werden. Liegen Strecktaue auf dem Deck, erlauben sie sich bestmöglich an der Sicherungsleine zu bewegen. Zwei Leinen am Mann erlauben von einem Sicherungspunkt zum nächsten zu wechseln ohne die feste Verbindung zum Boot zu verlieren. Aber Leinen auf dem Deck können rollen und machen den Auftritt unsicher. Besser eignen sich flache Gurte. Die Gurte oder Leinen müssen so geführt werden, dass niemand an der Sicherungsleine hängend über die Bordkante rutschen kann. Am besten ausprobieren, bevor die Befestigungspunkte endgültig auf dem  Deck verschraubt werden. Es gibt eine Menge zu überlegen, um das Boot möglichst sicher auszurüsten. Aber es lohnt sich und hilft allen an Bord, ob groß oder klein, Mann oder Frau.

Ein Sicherheitsrisiko betrifft offenkundig nur Männer. Zumindest gibt das Internet keine Informationen über Unfälle von Frauen mit der selben Ursache. Wir wissen allerdings auch nicht, wie oft Männer betroffen sind, weil diese Ursache meist nur vermutet werden kann, weil die Opfer oft für ihre Rettung zu spät vermisst werden. Es bringt nichts darüber zu spekulieren, wie viele Hände man braucht, um über die Reling zu pinkeln. Wir können nur raten: Lasst es einfach sein. Wer nachts alleine an Deck ist und niemand kann das Ruder übernehmen: Lasst einfach in die Plicht entweichen, was der Körper nicht mehr halten kann. Es ist nichts, was zu einem günstigen Zeitpunkt später mehr als ein paar Pützen Wasser benötigt. Und weil wir es gerade von der Nachtfahrt haben: Blinklichter man Mann sind keine schlechte Idee, wenn man den Wunsch hat, gefunden zu werden.

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*)
Unterkühlte Opfer bergen
Kaltwasserschock


23.10.17 Unterkühlte Opfer bergen

Das Opfer kann Wärmeverlust durch diese
Position verringern
(HELP = heat escape lessening)
Illustration: Soundings
Im Beitrag vom 20.10.17 schildert der amerikanische Rettungs-schwimmer Mario Vittone was mit einem Menschen geschieht, der in kaltes Wasser fällt. Dabei wurde nur am Rande gestreift, worauf es bei der Rettung ankommt. Zwar haben wir alle gelernt, dass der erste Schritt ist, die Mann-über-Bord-Position zu markieren und/oder das Opfer in Sicht zu halten und dann die Seenotrettung zu alarmieren. Aber im Ernstfall, unter Stress, werden oft die einfachsten Regeln vergessen. Das ist ein weites Feld und viele Bücher und Kursinhalte werden dazu angeboten. Aber was nun, wenn alles richtig gemacht wurde und das Opfer neben dem Boot im Wasser treibt? Hier die Übersetzung des Artikels (auszugsweise) im amerikanischen Magazin Soundings, der an dieser Stelle einsetzt:
"Verbringt ein Mensch eine längere Zeit in kaltem Wasser, ändert er sich physiologisch. Sein Körper enthält sowohl warmes als auch kaltes Blut, seine Fähigkeit den Herzschlag zu beschleunigen, wenn nötig, hat nachgelassen. Sein Kreislauf- und Nervensystem sind vorübergehend verändert, so dass sie zu einer signifikanten Herzstörung führen können. Hier einige beste Rettungsmethoden wenn jemand einige Zeit kaltem Wasser ausgesetzt war.
Bergen Sie ihn so horizontal wie möglich. Wenn Sie vermeiden können, ihn senkrecht aus dem Wasser zu ziehen, tun sie es. Wenn das nicht möglich ist, legen sie ihn sofort hin, sobald er an Bord ist. Der Wasserdruck hat es erleichtert, den Blutdruck aufrecht zu erhalten. Sobald er aus dem Wasser ist, muss das Herz kräftiger arbeiten - und kalte Herzen können das nicht so gut.
Lassen sie die Person nicht bei der Bergung mitarbeiten.. Fordern sie sie nicht auf, sich hochzuziehen oder sonstwie anzustrengen. Bedenken den instabilen Zustand ihres Kreislaufsystems und dass für das Opfer klettern nach einem Aufenthalt in eiskaltem Wasser das Letzte sein kann, was es in seinem Leben versucht.
Nochmals: Nichts ist wichtiger, als die Person aus dem Wasser zu bekommen. Wenn sie auf See sind, und der einzige Weg dazu darin besteht, sie über die Reling zu ziehen wie einen großen Fisch, dann machen sie es. Aber machen sie es vorsichtig und seien sie behutsam sobald sie an Bord ist. Und stampfen die auf der Fahrt zum Hafen auch nicht mit hoher Fahrt durch die Wellen.  
Sehen sie zu, die Person zu trocknen Dass Sie die gerettete Person aus dem Wasser geholt haben bedeutet nicht, dass sie nicht weiter auskühlt. Nasse Kleidungsstücke lassen die Person weiterhin auskühlen und verhindert ihre Rettung. Sie trocken zu bekommen klingt einfach, aber auch hier kann man es richtig oder falsch machen. Schicklichkeit und Schamhaftigkeit müssen zurückstehen. Sobald sie die Person in der Kabine haben, kommt jeder Fetzen nasser Kleidung runter. Es ist besser, der Person die Kleidung vom Körper zu schneiden (vorsichtig, Verbandscheren sind am besten geeignet) als ihnen die Glieder zu verrenken, wie es notwendig ist, wenn man die Kleider wie üblich auszieht. Sie müssen erreichen, dass sie flach liegen bleibt und sich so wenig wie möglich bewegt.Benutzen sie Handtücher, um das Wasser von der Haut und Haaren zu tupfen. NIEMALS dürfen sie die Person trocken rubbeln. Der Versuch eine Person durch energisches Rubbel zu wärmen, führt zum Gegenteil. Es macht sie kälter. Die Haut eines Opfers von kaltem Wasser enthält das kälteste Blut in seinem Körper. Durch Rubbeln bringt man es zur Wirkung, bevor der Körper dazu bereit ist. Dicke entspricht Wärme. Das Opfer in viele Lagen (und noch mehr davon) locker anliegender Decken hüllen und an einem warmen und trockenen Platz zu halten ist das wichtigste Ziel, nachdem es aus dem Wasser geholt wurde. Alles was sie bis dahin unternommen haben hatte damit zu tun, weiteren Wärmeverlust zu vermeiden. Wenn sie trocken und zugedeckt aus den Elementen ist, vermeidet das zusätzlichen Wärmeverlust.
Lassen sie das Opfer flach liegen Nachdem es trocken und ausserhalb der Elemente ist, kann seine Wiederherstellung beginnen. Es ist gut, wenn das Opfer vor Kälte kräftig zittert. Doch für jemanden, der zuvor nie gesehen hat ist der Anblick etwas bestürzend. Es sieht schrecklich aus und ist tatsächlich noch schlimmer, doch es ist nur der Körper, der versucht seine Temperatur zu regulieren. Ich kann aus Erfahrung berichten, dass die ersten 10 Minuten außerhalb des Wassers viel schmerzhafter sind als irgendwelche zehn Minuten darin. Aber wenn sie flach liegen, trocken sind und zittern, sieht die Sache gut aus. Was wir als nächstes tun sollten ist, das Opfer zittern zu lassen. 
Versorgt das Opfer mit Kalorien Wenn ihr gerettetes Opfer lang genug im Wasser war um heftig zu zittern, dann hat es außerordentlich viele Kalorien verbrannt. Je nach dem, wann es zuletzt gegessen hat, ist seine Batterie leer und es braucht eine Aufladung. Was glauben sie ist besser für ihr zitterndes und frierendes Besatzungsmitglied: eine warme Tasse Wasser oder eine eiskalte Limonade? Wählen Sie die Limonade. Ein warmer süßer Kakao ist besser, doch der  Punkt ist, Kalorien sind wichtiger sind als die Temperatur des Getränks. Das Opfer braucht die Kalorien fürs Zittern, bis es vollständig wiederhergestellt ist.
Beobachtet das Opfer Menschen die sich von einer Unterkühlung in kaltem Wasser erholen, sehen miserabel aus. Ihre Haut kann so rot sein wie bei einem Sonnenbrand. Manchmal schütteln sie heftig. Manche klingen, als ob sie Schmerzen litten - und sie haben Schmerzen.  Aber wenn sie alles getan haben, was  zuvor erörtert wurde und die Person dazu rot ist und zittert und klagt wie schlecht es ihr geht, ist sie vermutlich ganz in Ordnung. Bis dahin werden sie bereits die Seenotretter gerufen haben und langsam in Richtung Medizinischer Versorgung voran gekommen sein, wenn nötig.Es gibt tonnenweise Bedingungen für die Behandlung für Opfer die in kaltes Wasser eingetaucht sind. Wer bis hierher gelesen hat wird voraussichtlich noch weitere Fragen haben. Sie konnten nicht alles, was sie wissen müssen, in einem Blog Beitrag lernen. Wenn sie alles über Behandlung einer unterkühlten Person wissen wollen was sie können, nehmen sie sich eine Stunde Zeit und sehen sich  Beyond (Cold Water) Boot Camp (siehe unten) an. Nun machen sie schon, sehen sie es sich an. Mein Freund und ich haben uns dafür dumm und dämlich gefroren."