30.04.17 Letztes Segeln im April

Der April brachte mehr Regentage als je. Das freute Gärtner, Segler wie uns aber weniger. Zumal es meist lausig kalt war. Wir rechnen uns, wer hätte es erraten? zu den Hedonisten unter den Wassersportlern. Doch auch dieser April hatte attraktive Seiten, weil wir unter anderem gerne dramatische Wolken sehen.

Bald danach fielen Regen- und Graupelschauer.
Foto: W.Kühn


Heute war der von den Wetterpropheten seit einer Woche angekündigte wärmste Tag des Monats. Klar, ein wärmerer Tag konnte in diesem April nicht mehr kommen, schließlich hat er nur dreißig Tage. Aber "Wärme" weckt doch andere Erwartungen, als an die Gelegenheit einen dicken Pullover unter einer gefütterten Segeljacke zu tragen und Handschuhen an den Händen. Aber immerhin, die Sonne schien und es ging mal wieder raus aus dem Hafen. Die Wetterfrösche mögen zwar bei den Temperatur zu hohe Erwartungen geweckt haben, die Windvorhersage war richtig. Und so haben wir uns auf Böen um sieben vorbereitet, zumal wir uns nach einer Operation noch ein wenig schonen müssen.

Manchem mag es merkwürdig erscheinen, wenn ein stäbiges Segelboot unter kleiner Besegelung (Fock und Groß) bei schwachem Wind im Hafen lossegelt. Aber "draußen", hinter der Ecke von Fahrensodde, kamen die ersten Starkwindböen und brachten unser "altes Mädchen" auf Trab. Leider war der Wind sehr unstet. Das mögen schwere Boote wie unseres nicht so gerne. Nimmt der Wind in der Böe schnell zu, braucht es mehr Zeit bis es die zusätzliche Kraft in Geschwindigkeit verwandelt als bei einem leichten Boot. Aber hielt der Wind durch, waren wir mit der Segelführung recht zufrieden. Am Ende hatten wir sechseinhalb Koten auf dem GPS.
Wir waren nicht alleine auf dem Wasser. Auch die meisten modernen Jachten kannten die Vorhersage, segelten mit teils gereffter Fock. Nur zwei drei Regattayachten mit fünfzehn Mann auf der hohen Kante fuhren Vollzeug mit 45 Grad Lage. Sie waren schneller als wir (kein Wunder), aber mehr Höhe machten sie mit ihrer Segelführung auch nicht. Das fanden wir recht erfreulich.


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Das ständige Stop and Go der Böen zusammen mit der noch recht frischen Temperatur riet uns nach einer Weile den Heimweg anzutreten. Kaum hatten wir gewendet und damit den Kurs hoch am Wind gegen halben Wind getauscht, war unser Segelvergnügen vollends ungetrübt. Hatten wir eben noch den Jackenkragen hochgeschlagen, fanden wir nun die Temperatur ganz passabel. Erzwangen zuvor lästige Böen mit ihren Winddrehern ständige Korrekturen, konnten wir uns jetzt in Ruhe unterhalten. Schießlich segelten wir auf dem selben Bug bis tief in den Hafen.
Westwind ist für das Anlegen im Museumshafen ideal, rückwärts fährt unser Boot gegen den Wind wie auf Schienen, auch bei niedriger Geschwindigkeit. Kommt der Wind seitlich, treibt es schnell zur Seite. Doch darauf können wir uns leicht einstellen. Kommt der Wind aber genau aus Ost, schralt er stets ein wenig und drückt den Bug mal in in die eine, mal in die andere Richtung. Heute konnten wir noch nicht einmal das Heck sauber in die Box steuern. Just in dem Augenblick, als wir eindrehen wollten nahm der Wind, das himmlische Kind, kräftig zu. Gewöhnt daran, dass die besten Seeleute immer an Land stehen und fachkundig urteilen, nahmen wir einen zweiten Anlauf und legten uns dafür eine Spring auf dem hinteren Poller bereit. Eine Minute danach lagen wir fest und sicher wieder an unserem Liegeplatz.
Alles in Allem: Ein schöner letzter Segeltag im April. Morgen beginnt der Mai. Mal sehen was er uns bringt.

29.04.17 Sicherheit der Traditionsschiffe in online Medien

Die Novelle zur Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe steht kurz vor ihrem Einführungstermin. Das ist nach neuestem Stand Ende Mai. Aber noch gibt es im Internet keine endgültige Klarheit darüber, was wann unter welchen Randbedingungen nun tatsächlich auf die Traditionsschiffer zukommt. Betroffene Eigner der Schiffe zucken resignierend mit den Schultern und richten sich je nach Temperament auf das Schlimmste ein ("... dann kann ich das Schiff nicht mehr halten") oder raten zur Gelassenheit, hoffen, dass am Ende doch noch die vom BMVI in Aussicht gestellte Ombudsstelle die Betreibern "zu ihrem Recht kommen, ohne klagen zu müssen" (Zitat aus Artikel des Ministeriums zum Erhalt der Traditionsschifffahrt")
Aber ein bisschen konkreter hätten es die Schiffseigner schon gerne, vier Wochen vor Ultimo.

Unklar sind vor allem die besonders zeitraubenden und kostenträchtigen Änderungen in Fragen der Anforderungen an die Besatzung und die technische Ausrüstung. Erstere überschreiten aus Sicht der Betreiber den Rahmen, den man Ehrenamtlichen zumuten kann, letztere gefährden die wirtschaftliche Substanz der Betreiber und/oder die historische Substanz der Schiffe. Dazu werden unterschiedliche Zeitspannen für Übergangsfristen. Selbst die Anzahl der betroffenen Schiffe scheint unklar zu sein: sie wird immer mit etwa einhundert angegeben. 

Hintergrund der neuen Sicherheitsverordnung ist die Forderung der EU nach mehr Sicherheit, etwa beim Brandschutz und bei medizinischer Versorgung im Notfall, an Bord der historischen Wasserfahrzeuge.  (Zitat Kieler Nachrichten 01.04.17)

Hier eine Übersicht über das Thema in der regionalen und bundesweiten Presse. (Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)


"CDU will versenken der Traditionsschiffe verhindern
... Ende vergangenen Jahres hatte das Bundesverkehrsministerium die Neuregelung bereits etwas entschärft und unter anderem die Brandschutzauflagen erleichtert. Eine komplette Brandschutzausrüstung wird demnach erst ab 50 Passagieren an Bord gefordert. Zudem wurden Übergangsfristen verlängert. Bei denkmalgeschützten Schiffen besteht die Möglichkeit, Ausnahmen zuzulassen, wenn die Gefahr besteht, dass das Schiff seine Denkmaleigenschaft durch Umbauten verlieren würde..."
(Die Welt am 25.02.17)

"Wichtiger schwimmender Tourismusfaktor
...Von einer kurzfristigen Stilllegung könne nicht die Rede sein, so das Ministerium. Alle bisher erteilten Sicherheitszeugnisse gelten bis zu ihrem Ablaufdatum. Erst dann müssen Traditionsschiffer die erweiterten Bestimmungen erfüllen. Beantragt der Betreiber nach Ablauf die Verlängerung seines Sicherheitszeugnisses, hat er ein Jahr nach Antragstellung Zeit, die erforderliche Ausrüstung zu beschaffen. Bei Umbauten besteht sogar eine Übergangszeit von zweieinhalb Jahren. Die bereits ausgearbeitete Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe befindet sich in der Notifizierung bei der Europäischen Kommission. Kommt sie von dort nach Berlin zurück, soll sie umgehend in Kraft treten...
(Kieler Nachrichten am 24.03.17)

"Ombudsmann soll Streit schlichten"
berichten die
Kieler Nachrichten am 01.04.17

"Hoffnung für Deutsche Traditionsschiffe
...am Montag, dem 24. 04.17 ist in Berlinn das erste Gespräch" (zwischen der GSHW und dem Ministerium)
(Kieler Nachrichten am 22.04.17)

"Dobrindt erwartet Kompromiss im Streit
H
amburg (dpa/lno) - Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will die Traditionsschiffe an der Küste eventuell finanziell unterstützen, damit sie auf die notwendigen Sicherheitsstandards umgerüstet werden können. In dem Streit um neue Sicherheitsregeln seien beide Seiten kompromissbereit und es würden weitere Gespräche mit den Verbänden und Vereinen geführt, sagte Dobrindt am Freitag in Hamburg. «Wir wollen die maritime Tradition erhalten», sagte der Minister. Er sei nicht nur dann an Tradition interessiert, wenn sie in Lederhosen daherkomme. Es seien jedoch auch Fragen der Sicherheit relevant; auf den Schiffen würden Passagiere und Schulklassen transportiert. Am Ende werde ein Kompromiss gelingen. «Ich bin da ganz positiv», sagte Dobrindt.
Es geht um mehr als 100 historische Schiffe an der deutschen Küste, die überwiegend ehrenamtlich in Fahrt gehalten werden. Einige stehen unter Denkmalschutz. Sie erfüllen moderne Standards im Hinblick auf den Brandschutz und andere Sicherheitsregeln oft nicht. Auch ist umstritten, ob für die Qualifikation der Schiffsführer ähnliche Anforderungen gelten sollen wie für Berufsschiffer. Die norddeutschen Landesparlamente hatten eine neue Sicherheitsrichtlinie deshalb abgelehnt, die gleichwohl zur Zeit in Brüssel geprüft wird und bereits Ende kommenden Monats in Kraft treten sollte."
(Die Welt am 28.04.17)

Zusätzlich werden in anderen Medien, so wie heute im ZDF, die Sicht einzelner Betreiber von Traditionsschiffen thematisiert. Sie bieten naturgemäß auch keinen Aufschluß über die endgültige Regelung ab Ende Mai (Beitrag im ZDF Journal).

Ist schon die Faktenlage in der Presse unbefriedigend, lohnt ein Blick auf die Web-Seiten der Interessenvertreter der Traditionsschiffe gleich gar nicht. Das letzte Update zum Thema brachte die AGDM (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen) im Jahr 2013, die GSHW (Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge) Februar 2017.

25.04.17 Geduldsprobe

Nachdem uns der März mit schönem Wetter verwöhnte, hätten wir ahnen können, das es auch mal wieder schlechter wird. Und so wurde es auch.

Der April macht seinem Ruf alle Ehre. Seit Tagen ist es kalt, regnerisch und sehr windig bis stürmisch. Dabei sollten doch jetzt die Vorbereitungen auf die neue Saison langsam zu Ende kommen. Aber dafür müsste es ein wenig wärmer und auch trockener sein. Doch Petrus hat kein Einsehen. Im Gegenteil. Er schickte Tief Reiner. Das hockt jetzt über Ost-Schweden und lenkt auf seiner Westseite polare Kaltluft über unser Gebiet. Heute morgen fiel hier sogar dichter Schneeregen von grauen Himmel.
Jeder weiss, dass nach einem Tief auch mal wieder ein Hoch kommt, und damit gutes Wetter. Das nächste Hoch, es hört auf den schönen Namen Rosalie, wartet tatsächlich schon über dem Nordatlantik. Aber was macht die gute Rosalie? Sie verstärkt auf ihrer Westseite den Zustrom der Kaltluft noch einmal zusätzlich! Also nix mit warm und gemütlich. April eben.
Nur gut, dass wir in diesem Jahr für unser "Ansegeln"  schon einen sonnigen Tag geschenkt bekamen. Vor  gut zwei Wochen konnten wir zum ersten Mal die Leinen losmachen und uns ein paar Stunden auf der Förde tummeln, bei Südwest vier und recht angenehmer Wärme. Und auch die nach dem Aufriggen befürchteten Kinken, Überläufer oder Dreher in den Leinen hielten sich im Rahmen. So hatten wir nach unserem Motto "Bei uns an Bord gibt's nichts, was eine alte Frau nicht auch alleine könnte" ein paar schöne Stunden auf dem Wasser. Selbst die Wenden und Halsen klappten noch wie am Schnürchen. Das war auch nötig, denn in der Hafeneinfahrt, wo es besonders eng ist, kam der Wind mal wieder komplett aus Süd.
Und nun: Schneeregen! Wir wärmen uns an der Erinnerung und warten, bis es wieder besser kommt.


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22.04.17 Vier Schwestern

WIEBKE BOHLEN
Foto: Ronald Eichler

KRISTIANNA
TASSEN
Hat man nach langer Suche oder nach dem berüchtigten "Coup de Foudre" sein Wunschboot gefunden, kommt unweigerlich der Augenblick, in dem man mehr über das gute Stück erfahren möchte. Zum Beispiel, wer es baute und ob es noch weitere Boote aus der selben Werft gibt. Lange haben wir nach Spuren unseres eignen Bootes gesucht. Die Jahre vergingen und mit den Jahren gewöhnten wir uns an den Gedanken, dass wir ein altes Boot ohne Geschichte besitzen. Bis plötzlich im letzten Jahr ein Sohn der Bootsbauer-familie Djupevag aus Norwegen auf dem Bohlwerk stand und, nachdem er unser Boot lange angeschaut hatte, sagte "Guten Tag. Sind Sie der Eigner? Ich habe dieses Boot gebaut". Er hatte es zufällig auf der Durchreise von Norwegen hier in Flensburg gesehen. Bei diesem Besuch erfuhren wir unter anderem auch, dass er derzeit ein Schwesterschiff unserer WIEBKE BOHLEN restauriert, dass sein Vater ebenfalls ein Schwesterschiff*) besitzt und, wie könnte es anders sein, seine Schwester ebenfalls. Das ist wohl unvermeidlich, wenn man in einer Bootsbauerfamilie aufwächst.
LADEGARDSØEN
Fotos (3): Cecilie Juell



Nun haben wir auch noch Fotos der Schwestern bekommen: Zwei sind als Ketsch geriggt, eine als Kutter. Alle drei noch im Negligé, was sie im Vergleich etwas schlechter wegkommen lässt. Nur gut, dass wir uns nicht für eine von ihnen entscheiden müssen. Die Wahl wäre nicht einfach geworden, und seit dem Krieg um Troja kennen wir ja die Folgen einer solchen Entscheidung.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Cecilie Juell aus Norwegen für die Fotos!


*) Apropos Schwesterschiff:
WIKIPEDIA definiert Schwesterschiffe als "See- bzw. Wasserfahrzeuge gleichen Typs, die in der Regel auf derselben Werft in kleiner Serie errichtet wurden. Die dem ersten einer Serie folgenden Schiffe weisen gegenüber diesem Schiff keine oder nur unwesentliche Änderungen auf" Das bezieht sich in erster Linie auf den Rumpf. Das Rigg wurde häufig dann angepasst, wenn ein Boot nach einem Eignerwechsel unterschiedlich genutzt wurde, beispielsweise nach dem Regattasport ais Fahrtenboot. Bei der Inneneinrichtung sind Abweichungen ebenfalls nicht erheblich. 


16.04.17 Osterspaziergang

Das kleine, liebevoll gestaltete Fischereimuseum an der
Ostseite erinnert an die ehemalige i Fischerei in
Flensburg
Es zeigt alte Hafenansichten, Geräte der Küstenfischerei...
Nein, jetzt kommt nicht der vielzitierte Text aus Faust. Nur ein paar Fotos von heute morgen. Nach einem Start in den Tag bei dem leichten Nieselregen, dem ältere englische Fräulein ihren berühmten Teint verdanken hatte Petrus später ein Einsehen mit den eiersuchenden Kindern und schob die Wolken auf Seite. Nicht komplett, aber doch so weit, dass Stadt und Hafen immer wieder minutenlang in gleißendes Sonnenlicht gehüllt wurden. Ideal, um eine Runde um den Hafen zu laufen. Egal, wenn das Mittagessen deswegen erst zur Teezeit zuende ging. Kaum zu Hause, prasselten schwere Schauer auf die Dächer. Na, wenn schon. Wir sind ja schon wieder unter Dach und Fach.
Und noch mehr Geräte. Hier sind es Aalstecher; Sie sind
heute verboten. Es gibt aber noch mehr zu sehen.
Und was man hier so fischen kann. Hier lebende Dorsche
im Aquarium.
Von der Ostseite her sehen wir die Altstadt mit den Traditionsschiffen am Bohlwerk davor immer wieder gerne an.
Heute Fällt uns das kleine Fischereimuseum ins Auge. Außen schmuck hergerichtet und innen sehr informativ. Es zeigt gerade so viel, dass man es auch mit kleineren Kindern besuchen kann (Eintritt frei) ohne die älteren zu unterfordern. Außerdem sind auch historische Fotos ausgestellt, die zeigen den Hafen von der selben Stelle aus, nur eben Jahrzehnte früher. Für Technik-Freunde ist etwas versteckt auch ein SABB HK10, ein typischer Bootsmotor von damals, ausgestellt. Fehlt nur eine Tonspur mit dem typischen "tok-tok-tok" Geräusch des Einzylinders. Und wie geschickt die Bootsführer damit umgingen! Die meisten Fischerboote hatten einen so genannten Verstellpropeller. Mit dem konnte der Schub bei laufendem Propeller stufenlos von voll voraus auf voll zurück verändert werden. Zusammen mit dem Radeffekt konnte das Boot auf kleinstem Raum aufgestoppt und gewendet werden. Allerdings waren die Boote nicht so schnell wie die Flitzer der Kleinfischer von heute. Mit Außenbordmotoren schnell
Die rassigen Rennyachten sind Zeugen der
Sportschifffahrt früher, werden aber immer noch
bei internationalen Ausscheidungen auf Sieg gesegelt.
auf Gleitfahrt gebracht, hat der moderne Fischer kürzere Wegezeiten. 

Unser Weg führt heute bis zur Steganlage der Robbe& Berking Yacht Werft im Industriehafen. Da liegen schon ein paar der großen klassischen Regattayachten im Wasser und warten darauf, für die kommende Saison geriggt zu werden. Schön, die schnellen Exklusiven zu sehen. Mag ja sein, dass geniale Yachtkonstrukteure die Leistung
Die ehemaligen Berufssegler im Museumshafen auch.
An jedem Himmelfahrt-Wochendende messen sie sich
bei der Rmregatta.
der modernen Rennyachten im Vergleich immer mehr verbessert haben. Doch was wir hier sehen, gefällt einfach besser. Das Problem ist leider: Geschwindigkeit kann man objektiv messen, Stil und Ästhetik nur subjektiv empfinden - wer's kann.
Es geht den gleichen Weg zurück. Auf dem Rückweg haben wir Muße, die Altstadt zu betrachten. Trotz der einmaligen Kulisse, bleibt unser Blick am Museumshafen hängen. Auch hier sind noch nicht alle Boote fertig für die Segelsaison, manche werden erst zur Rumregatta aus dem Winterhafen zurück sein. Wer sein Boot in der dunklen Jahreszeit nicht zur jährlichen Wartung bei einer Werft abgeben kann (kann hier keiner) ist auf kurze Wege zwischen Wohnung und Hafen angewiesen.

19.08.16 Weiße Wand und leichte Brise

Die letzten sieben Wochen waren wie ein demonstrativer Beweis, dass schlechtes Wetter am Siebenschläfertag geradewegs schicksalhaft zu sieben Wochen schlechtem Wetter führt. Aber nun: Hurra!, die sieben Wochen sind vorbei. So dachten wir zu Beginn der Woche, machten unser Boot segelklar und brachen auf zu einem Kurzausflug. Nicht nur die Temperatur war ideal, auch das Wetter spielte mit. Leichte Bewölkung, Temperatur um 20 Grad und dazu dieser Wind! Der Wind, ach was, die Brise blies gleichmäßig aus West - Nordwest mit drei auf der Skala des Herrn Beaufort. Wenn die Brise dazu auch noch durchhält, dann heißt es Segeln mit "Damenbrise". Voll und bei zum Ankerplatz, voll und bei zurück. Herz, was willst du noch mehr?
Gaffelsegler, Ketschen zumal, sind auf diesem Kurs zum Wind nicht zu toppen. Besonders dann, wenn man sich den Luxus leistet, etwas abzufallen um die Geschwindigkeit zu steigern. Dann steht der Klüver voll und bauchig, das Großsegel ist weit aufgefiert, das Unterliek etwas lose getrimmt. Dann wehen alle Windfähnchen waagrecht aus und der Rudergänger seufzt vor Vergnügen. Voll und bei: Sogar der Besan hilft noch kräftig, ohne den Druck aufs Ruder zu steigern. Gut getrimmt, steuert der Traditionssegler auf diesem Kurs zum Wind sich ganz alleine und der Rudergänger kann sich zu seiner Liebsten setzen und Kaffe und Kuchen genießen. 
Die "Weiße Wand" von Bord aus gesehen.
Toppsegel (li.o.), darunter Großsegel, Besanstagsegel (Mi.)
und Besan (re.). Die Vorsegel sind hier durch das Großsegel
verdeckt.
Schnell und entspannt segeln heißt, Erinnerungen für die unvermeidlich kommenden Winterabende zu sammeln, um sich an ihnen zu erwärmen. Wer sich aber dann nicht beherrschen kann und meint, die Welt werde seinen Überschwang mit begeistertem Zuhören belohnen, wird bald vergräzt die erschreckende Gleichgültigkeit der Mitmenschen beklagen. Kein Wunder, ist er doch allen Bekannten mit seinen begeisterten Beschreibungen gründlich auf den Wecker gefallen. Denn wenn die Opfer seiner Mitteilungsfreude selber Segler sind, zappeln sie vor Ungeduld, eigene Erlebnisse zum Besten zu geben - keine gute Voraussetzung für Leute, die schließlich dazu dazu da sein sollen, jedes eigene Wort begierig aufzusaugen.
An alle anderen Mitmenschen ist der Überschwang verschwendet. Wen der
Und hier von weitem betrachtet.
Die Aufnahme entstand früher im Limfjord
Segelvirus nicht gepackt hat, verharrt im Stadium eines Ignoranten. Wer so einen vor sich hat, kann nur den Blick nach innen wenden und seine Erinnerung genießen - alleine und oihne Zuschauer. Andauerndes glückseliges Lächeln hat schon manchen aus seinen Träumen in einer Zwangsjacke aufwachen lassen. Dann ist sozusagen Schluss mit lustig.
Trotz dieser Warnung muss doch eine kleine Episode erlaubt sein. Mit der normalen Arbeitsbesegelung (Klüver, Fock, Groß und Besan) von rund 100 Quadratmetern beschleunigen drei Beaufort unsere ca. zwanzig Tonnen auf etwa drei Knoten Geschwindigkeit. Das ist das Tempo eines rüstigen Wanderers. Schnell genug, um uns in vier bis fünf Stunden in die Bucht von Hörup Hav zu befördern. Wenn wir jedoch das Besanstagsegel und dazu auch noch das Topsegel setzen, können daraus gerne auch fünf Knoten und mehr werden. Nun weiß jeder, dass kein Wind absolut gleichmäßig weht. Am Montag belebten zusätzliche Böen die drei Beaufort und hoben die Geschwindigkeit auch schon mal über die Marke von sechs Knoten. Den Spaß ermöglichen die 40 zusätzliche Quadratmeter Segelfläche. Wir bezahlten dafür gerne mit einem Krampf in den Lachmuskeln.

Auch in der Nacht hielt die Brise aus Nordwest durch. Der Vollmond zauberte Lichtpunkte auf tausend kleine Wellen und über den wenigen Wolken standen die Sterne hell und klar. 

Irgendwann ist auch die schönste Nacht zuende. Morgens wehte immer noch dieselbe Brise, so konnten wir uns hoch am Wind auf die Heimreise machen. Noch vor Anker liegend hatten wir das Großsegel gesetzt; den Besan hatten wir stehen lassen, wie beinahe immer vor Anker, das Boot liegt dann ruhiger. Vor dem Hafen von Hörup Hav konnten wir dann nach Südwest abfallen. Der Wind erreichte uns nun wieder backstags - ideal  für die Segelführung vom Vortag. Allerdings wehte es jetzt schwächer als bei der Hinreise. Erst am Mittag erreichten wir den Süden der Sonderburger Bucht. Aber was macht's? Wer beschwert sich über milde 20 Grad Celsius und eine ebenso milde Brise? Jedenfalls hatten wir genug Muße für unser beliebtes Spiel "Schiffe erkennen". Eine Tjalk segelt in großer Entfernung auf parallelem Kurs Richtung Süd. Das könnte Skutsje FROUWE FORTUNA sein. Ein Gaffelkutter mit einem weißen Rumpf und weißen Segeln verläßt den Hafen Hörup und segelt später Richtung Kalkgrund. Den haben wir nicht erkannt. Über die entfernte Begegnung mit DAGMAR AAEN auf ihrer Heimreise in den Museumshafen haben wir schon berichtet. Später erfuhren wir, dass wir von deren Besatzung auch gesehen, aber nicht erkannt wurden. Kein Wunder, ist doch Rumpf und Rigg des rot-weißen Expeditionsschiffs markanter als unsere Silhouette. Zurück im Hafen wird sie schmeichelhaft als "Weiße Wand" beschrieben. Ziemlich dick aufgetragen, aber dennoch - das Kompliment hat was. 
Leider geht dem Wind nach und nach die Puste aus, wenn man den Kalauer einmal anbringen darf. Er reicht noch um FORTUNA bei der Schwiegermutter nahe zu kommen. Sie konnte mit ihrem viel geringeren Tiefgang dicht unter Land fahren und hatte daher einen kürzeren Weg. Aber schon in der äußeren Förde mußte sie hoch an den Wind gehen, da sind wir einfach besser dran. Der Wind reicht uns noch bis durch die Enge von Holnis, dann war's mit dem Segeln vorbei. Es ist früher Abend. Bedauerlich, aber wahr: wir starten die Maschine. Die braucht das ohnehin immer wieder mal, wenn sie keinen Schaden nehmen soll. Obwohl wir jetzt auch mal mit aufgetuchten Segeln in Flensburg einlaufen können, ist es ein wenig traurig. Aber wie sagte Stefanie "Es iss’ ja wie’s iss".

14.04.17 Salzwasserspray

Während wir auf dem Sofa sitzen und niesen, hat MARIE schon mal bei Pöls Riff ihre Nase in den salzigen Wind gesteckt - und ein Video geschickt. Kommentar in der Begleit-Mail: "Geschätzte sechs bis sieben Beaufort. Hat Spaß gemacht". Wir glauben's aufs Wort und angeln uns ein neues Taschentuch aus der Packung. Haaatschi - und Danke!

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13.04.17 Frohe Ostern!

Gehe mit der Zeit, sonst musst Du mit der Zeit gehen. Und jetzt ist Osterzeit. Zeit für putzige Plüschküken, Ostereier und natürlich auch Osterhasen. Die Menschen können von diesen niedlichen Brauchtums-Devotionalien nicht genug bekommen.
In unserer Zeit bezieht der Erhalt des maritimen Erbes seinen Wert zunehmend aus dem Nutzen für Handel und Gewerbe.
War das Traditionsschiff früher oftmals Ort moderner Experimentalpädagogik, folgten verschiedene andere Nutzungskonzepte. Klassenfahrten, Incentive-Reisen und Rundfahrten für Touristen.
Dieses Potenzial ist aus verschiedenen Gründen weitgehend ausgereizt. Um so wichtiger ist die Suche nach weiteren Verwertungsarten. "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler" ist auf der Suche nach Synergien kein schlechter Rat. Deshalb an dieser Stelle eine Anregung, wie zusätzliche Sympathiepunkte für Traditionssegler gesammelt werden können. Vorläufer der Idee wurden schon im Bereich Bier, Mineralwasser, Versandhandel, auch Silbermanufaktur, und einigen anderen Branchen erfolgreich getestet. Für diese Ostersaison ist es für eine gewinnbringende Kampagne vielleicht schon ein bisschen spät. Aber gemach; es sind nur noch vier Monate. Zeit genug um eine Weihnachtskampagne in Gang zu setzen. Und davor kommt ja auch noch der Nikolaus, der alte Seemann.





10.04.17 Papierschiffe im Schifffahrtsmuseum



Gestern lohnte sich trotz des Bilderbuchwetters ein Abstecher ins Schifffahrtsmuseum, hatten doch die Kartonmodellbauer zwischen den Meeren (schon seit einiger Zeit mit dänischer Gruppe ) ihren jährlichen Tag des Kartonmodellbaus.
Immer perfekter im Detail und en miniature - in eine Hand passt ein komplettes Diorama!


Für Interressierte war wie immer die Möglichkeit, einfach mal auszuprobieren, wie durch Schneiden, Falzen, Biegen und Kleben wirklichkeitsgetreue Modelle aus Papierbögen herzustellen sind. Ein preiswertes und platzsparendes Hobby.


Wer in geselliger Runde von den Profis lernen möchte, ist beim Stammtisch herzlich willkommen.

Kontakt:   Karl Nielsen 0461 50548964 karl-nielsen@t-online.de

Es werden Tips und Tricks getauscht in der Gruppe und neue Gesichter sind herzlich willkommen.

08.04.17 Bitte nachmachen

In der letzten Zeit wurde und wird viel über die Sicherheit von Traditionsschiffen in Deutschland geschrieben und gestritten. Das ist notwendig, aber auch in mancher Hinsicht sehr theoretisch. Hier eine Idee zur Praxis aus Norwegen. Kopieren erwünscht.
Der norwegische Colin Archer Club hat sich eine besondere Verwendung abgelaufener Rettungsinseln als Sicherheitsübung ausgedacht und bei einem regulären Treffen in die Tat umgesetzt. Sieht man auf die Kleidung, ist es bei dieser Aktion im hohen Norden auch nicht wärmer als bei einer Veranstaltung für Traditionsschiffe hier im "echten Norden".



Der Seilskøyteklubben Colin Archer - SSCA ist natürlich dem Thema Sicherheit auf See besonders verbunden. Schließlich gehört der Name des norwegischen Konstrukteurs zum Gründungsmythos der Seenotrettung an der rauen Küste des Landes. Vielleicht sind die segelnden Rettungsboote des genialen Norwegers schottischer Abstammung die bekanntesten Bootstypen nach seiner Konstruktion. Mindestens genau so bekannt ist u.a. die FRAM (1882), das Expeditionsschiff von Fridtjof Nansen. Kein Holzschiff hat jemals so hohe nördliche und südliche Breitengrade befahren wie dieses. Daneben zeichnete Colin Archer in ihrer Zeit erfolgreiche Regatta- und Tourenyachten. Eine Anekdote gibt es von der Regatta zur Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (jetzt Nord-Ostsee-Kanal) im Jahr 1895. Am Tag der Wettfahrt herrschte raues Wetter, mit Starkwind und Sturmböen. So blieben viele der Segler an ihren Ankerbojen. In diesem Rennen ging der aus Norwegen angereiste Kutter STOREGUT aus der Feder von Colin Archer als schnellste Teilnehmerin ihrer Klasse über die Ziellinie*). Seine Majestät, obwohl bekennender Norwegen-Fan, werden wohl darüber nicht amüsiert gewesen sein. Dennoch haben Er geruht, dem Eigner und Skipper Fred Olsen, den "Hohenzollern Cup" als Preis zu überreichen.

Als Colin Archer 1921 im Alter von 89 Jahren starb, hatte er über 200 Schiffe, 70 Yachten, 60 Lotsenboote, 14 Rettungsboote und 72 andere Wasserfahrzeuge gebaut (WIKIPEDIA)
______________
*) 
Colin Archer and the seaworthy double-ender 
by John Leather
Waterside Publications Ltd. 1975/1995
ISBN 0-9524679-6-8

06.04.17 Termin für Kartonmodellfreunde

 
Den kommenden Sonntag werden die Freunde des Kartonmodellbaus ohnehin schon im Kalender haben, aber auch Interessierte sind willkommen:
Am kommenden 9. April 2017 findet von 10:00 bis 17:00 Uhr im Flensburger Schifffahrtsmuseum der sechste "Tag des Kartonmodellbaus"statt.  Veranstalter ist wieder die "Kartonmodellbaugruppe zwischen den Meeren", ein lockerer Zusammenschluss von mehr als 25 Kartonmodellbauern aus Flensburg und ganz Schleswig-Holstein, die sich dem Schifffahrtsmuseum angegliedert haben.

Die Kartonmodellbaufreunde wollen an die erfolgreichen Kartonmodellbautage anknüpfen und haben zahlreichen Mitmacher aus nah und fern eingeladen. So wird dem Besucher an diesem Tag wieder ein breites Angebot an Kartonmodellbau geboten. Neben Einsteigern werden "Profibauer" an diesem Tag aktiv ihre Modelle erstellen und zahlreiche fertige Schiffe, Flugzeuge, Figuren, Fahrzeuge, Häuser usw. präsentieren. Die Liste der Anmeldungen ist bereits jetzt schon ziemlich lang, 30 Modellbauern und Verlage aus Rostock, Hannover, Bremen Hamburg und aus ganz Schleswig-Holstein.
Das Käuzchen ist auch ein
Kartonmodell
Der Tag wendet sich auch an junge und ältere Menschen, die gerne mit Geschick und geringen Mitteln zauberhafte und realistische Modelle erstellen möchten. Vielen sind Schiffs- und Flugzeugmodelle bekannt, aber es gibt nahezu keinen Bereich aus Technik und Natur, der nicht von den Freunden des Kartonmodellbaus in realistischen Volumenmodellen nachgebildet wurde. Beispielsweise Vögel, Architekturmodelle, Fahrzeuge, Pflanzen, hustorische Szenen... Wer also sein räumliches Vorstellungsvermögen trainieren möchte, ist beim Kartonmodellbau an der richtigen Adresse. Diese Tätigkeit ein ideales Hirntraining für den Entwurf von räumlichen Objekten am Computer.
Kartonmodellbau ist seit mehr als einem halben Jahrtausend als ernst zu nehmende Entwurfstechik bekannt. Heute werden hauptsächlich sehr präzisen, professionell hergestellte Vorlagen verwendet.

Sechs Firmen haben zugesagt und werden ihre Modellbaubögen anbieten. Die Veranstalter haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass für jeden etwas dabei ist. So sind Modellbaubögen mit einfachen Modellen, bis hin zu Modellbaubögen der Extraklasse dabei. Erstmals präsentiert der Annette Scholz Verlag seine Modelle. Als örtlicher Händler ist die Firma "Imlau Modellbau" dabei, die zusätzliches nützliches Zubehör vorrätig halten wird. 
Die "Kartonmodellbaugruppe zwischen den Meeren" bietet auch diese Mal Interessierten einen Mitmachertisch an, an dem fast alles aus Karton ausprobiert werden kann.

Der "Tag des Kartonmodellbaus" wird durch ein Vortragsprogramm ergänzt. Im Laufe des Tages stellen dann die teilnehmenden Firmen ihre Neuigkeiten vor.
Kontakt:
Karl Nielsen

0461/505 48 964

02.04.17 Ein Frühlingstag

BODIL am Takeldalben
So kann man das Gaffelsegel nur bei Wind von vorn
anschlagen













Auch heute ist das Wetter Frühling pur.
Leichte Bewölkung, Sonnenschein und schwacher Wind laden ein, die Boote endlich segelfertig zu machen. Entsprechend sind Viele an Bord aktiv. Da wird gemalt, getakelt, geschliffen oder auch nur einfach abgeplant. Besonders fällt der Haikutter BODIL auf. Hier wird das Großsegel angeschlagen. Wer seinem Kopf eine schmerzhafte Begegnung mit Baum oder Gaffel ersparen möchte, näht die Schratsegel bei Wind von vorn an. Nun weht der Wind heute zufällig aus West. Also hängt sich der ehemalige Fischereisegler mit einer Vorleine an einem der Dalben in den Wind, wie eine kleine Jolle. Das ist praktisch, seemännisch und sieht zudem auch noch spannend aus.

In der Box nebenan erwacht DAGMAR AAEN aus dem Winterschlaf. Zwei Jahren Expedition nach Feuerland und zur Antarktischen Halbinsel machen einen Werftaufenthalt notwendig. Das Geräusch des Callesen Diesels klingt heutzutage ungewohnt, noch vor wenigen Jahren war der "Stolperrhythmus" des Dreizylinders in allen Ostseehäfen gewohnte Klangkulisse. Für den Rückweg hat sich Skipper und sin Fru eine Viking-Jolle im Schlepp mitgenommen. Der Rest der Besatzung muss an Bord bleiben und auf der Werft arbeiten.

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Auch auf anderen Boote gibt es bei dem schönen Wetter genug zu tun:

Klüverfall und -Schoten der  Kreuzeryacht
WIEBKE BOHLEN laufen klar
Der Großmast des Loggers PIROLA wird geschliffen










Auch Skjutse FROUWE FORTUNA ist aufgewacht
Die Jagt MEIJSEN af RIBE zeigt sich wieder
hüllenlos











Währenddessen ist BODIL schon wieder segelfertig und macht einen Probeschlag im Hafen. Und in 54 Tagen ist schon wieder Rumregatta.

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02.04.17 Lose-lose

Das hätte man sich ja denken können. Der halbfaktische Bericht von gestern war nur dem Datum geschuldet, nicht der gebotenen journalistischen Sorgfaltspflicht. Das unterscheidet die HAFENMELDUNGEN von den Bulletins des Weissen Hauses in Washington (DC.): Wir mogeln nicht im Bericht und wenn doch, beharren wir nicht auf dem Fake.
Also noch mal in Reinschrift: Die neue Sicherheitsrichtlne (SiRi) wurde nicht zurückgezogen, die Notifizierung durch die Europäische Kommission läuft immer noch und wenn kein Wunder geschieht, wird die ungeliebte Richtlinie noch in diesem Sommer in Kraft treten. Optimisten unter den Traditionsschiffern hoffen jedoch immer noch, dass der Kelch an ihnen vorüber geht.

Zwar konnte der urspüngliche Entwurf der Novelle in einigen Punkten entschärft werden. So beispielsweise die Forderung, in Holzrümpfe Stahlschotten nachträglich einzubauen. Das hätte die eigentlich zu schützende historische Substanz der Schiffe auf immer zerstört. Und die finanzielle Substanz vieler Eigner sowieso. Aber es bleiben weiterhin erhebliche Mehrkosten an den Kulturbewahrern und Hafenfestbeseglern hängen. Die denken nun über neue Protestformen und -Aktionen nach, mit ungewissem Erfolg.

Wenn die SiRi mit ihren Auflagen jedoch unumgänglich und die Sicherheit der Menschen an Bord nicht anders zu schützen ist - an anderer Stelle wären finanzielle Entlastungen immer noch denkbar. Als Beispiel fällt uns ein, dass viele sicherheitsrelevante Geräte durch autorisierte Unternehmen zertifiziert werden müssen. Das Ergebnis sind in der Regel erheblich höhere Preise für die Ausrüstung, wenn sie den erforderlichen Siegel trägt. Daneben gibt es im Markt weiterhin nicht zertifizierte Geräte wie sie von Yachtausrüstern angeboten werden. Wenn es um den Schutz von Menschenleben auf See geht, dann sollte doch die Sicherheit an Bord von Yachten und Traditionsschiffen unterschiedlos wirkungsvoll gesichert werden. Oder müssen wir davon ausgehen, dass ein Funkgerät für Yachtsegler leichter versagt als das zertifizierte? Dasselbe gilt für Signalgeräte. Warum muss eine Schiffsglocke ein Mehrfaches kosten, wenn sie einen Siegel trägt? Wird sie im Nebel besser warnen, als eine unzertifizierte mit denselben physikalischen Eigenschaften? Wäre es so, müsste an dieser Stelle nachgebessert werden. Die anfallenden Prüfkosten wären durch erheblich höhere Stückzahlen leicht zu marginalisieren. Vielleicht lohnt es, auf dem Gebiet der Kompensation noch einmal nachzudenken und dem BMVI vorzuschlagen.

01.April 17 Win-Win

Wie wir soeben erfahren, hat das BMVI  (Bundesministrium für Verkehr und Infrastruktur) die Neufassung der Sicherheitsrichtline (SiRi) zurückgezogen und damit die bereits beantragte Notifizierung der Novelle in Brüssel gestoppt. Die Neuregelung und Verschärfung der Ausrüstungs- und Befähigungsvorschriften wurde lange Zeit von Interessenvertretern der Traditionsschiffer und der Tourismus-Lobby der Küstenländer vehement bekämpft. Man fürchtete das Ende der Traditionsschiffahrt mit den romatisch aussehenden Seglern und damit das Ende der beliebten Hafenfeste.
Hintergrund für die unerwartete Entscheidung, die Neufassung der Siri zu stoppen, ist die Zustimmung der Länderkammer zur der Mautgebühr für ausländische Kraftfahrzeuge. Diese Zustimmung galt lange Zeit als äußerst fraglich, weil die meisten der SPD-regierten Bundesländer Nachteile im Grenzhandel und -Tourismus befürchteten. Zur Überrraschung vieler Kommentatoren gab es dennoch kurzfristig einen Sinneswandel und einige Leitartikler vermuteten massive Zuwendungen an die notorisch klammen Länderkassen im Rahmen des Länderfinanzausgleichs. Nun stellt sich heraus, dass dies nur ein Teil des Deals war. Nachdem sich die Verhandlungen zwischen BMVI und Bundesfinanzministerum einerseits und den Ländern andererseits über die Höhe des Finanzvolumens keine Einigung erzielt werden konnte, gab der Verzicht auf die Neufassung der ungeliebten Siri den Ausschlag. Das BMVI verzichtet auf die SiRi und die Länder erleiden keine Einbußen im Tourismus.
Traditionsschiffer, die ihre Existenz und die ihrer Schiffe schon am Boden zertört sahen, können aufatmen. Wie so oft, hat auch diesmal in letzter Sekunde die Vernunft gesiegt.

31.03.17 Bugspriet oder Klüverbaum

MARIE wird für die Saison aufgeriggt
Foto: Vera
WIEBKE BOHLEN hat den Klüverbaum noch an Deck liegen.
Er kann jederzeit herausgefahren werden, das ganze stehende
Gut ist angeschlagen
Auch im Yachthafen nebenan werden die Boote auf die Saison vorbereitet. Während im Museumshafen nur die Jollen an Land überwintern, werden hier auch größere Yachten im Herbst an Land geholt und im Frühjahr wieder zu Wasser gelassen. So auch MARIE, ein Nachbau der DIARCHY von Lorent Giles. Auch sie noch mit Gaffeltakelung und einem veritablen Bugspriet. Der lässt sich nicht so einfach zum Lackieren komplett an Deck ziehen wie der Klüverbaum der WIEBKE BOHLEN. Zum Ausgleich kann das Vorgeschirr der MARIE in aufrechter Haltung angeschlagen werden. Bei der WIEBKE BOHLEN dagegen muss sich die Bootsfrau an Deck über den Bug hinaus beugen um Rackring, den Nockbeschlag und das Vorgeschirr anzubringen (Das musst der Bootsmann auch,wenn er es macht). Hört sich kompliziert an, ist aber nach dem zweiten mal Routine.

Während des Segelns bleibt der Beschlag samt dem stehenden Gut an der Nock des Klüverbaums, auch wenn er an Deck genommen wird. Das hat zwei Vorteile: Man findet in vollen Häfen leichter einen Liegeplatz. Das hat uns in der Urlaubszeit schon mehrfach eine Übernachtung im Hafen möglich gemacht. Zudem stampft das Boot bei sehr grober See weniger, wenn der "Spargel" an Deck liegt. Fährt man mit einer kleinen Crew, sollte man scih dazu aber rechtzeitig entschließen und nicht erst dnn, wenn der Bug schon ständig unterscheidet und grünes Wasser an Deck kommt.