30.05.17 Krim der Förde

Bekanntlich gehören die Wikinger mit zu den Gründungsvölkern Russlands. "Ab dem 8. Jahrhundert befuhren skandinavische Wikinger die osteuropäischen Flüsse und vermischten sich später mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt." informiert Wikipedia. Damit wird klar, aus welcher Gedankenwelt der heutige Präsident des stolzen Riesenreiches Russland die Grundzüge seiner strategischen Entscheidungen schöpft. Sie führten unter anderem zum Konflikt mit der Ukraine um die Halbisel Krim und das Donez-Becken.
Im Grenzgebiet zu Dänemark folgt der Expansionsdrang hiesiger Wikinger-Nachfolger ebenfalls dieser Erfolgsstrategie. Die Tageszeitung Flensborg Avis berichtet in ihrer gestrigen Ausgabe unter der Überschrift "Grosse Ochseninsel ist jetzt Wikingerland", dass die Insel vor Sønderhav besetzt und die Flagge des Frit Vikingeland gehisst und desweiteren eine neue Republik ausgerufen wurde. Die Invasionsflotte bestehend aus den Wikingerbooten SEBBE ALS aus Augustenborg und RAGNA aus Flensborg nutzten den Sonntag nach Rumregatta um die Große Ochseninsel handstreichartig zu besetzen. "Die Flagge zeigt ein Wikingerboot und die beiden Löwen des Herzogtums Schleswig. Sie wehte mehrere Stunden und kündete stolz von der Annektion. Die Nachricht verbreitete sich schnell" (frei übersetzt von HAFENMELDUNGEN*)
Wir haben versucht, den Artikel sinngemäß zu erfassen. Für Irrtümer bitten wir an dieser Stelle ergebenst um Nachsicht.
Als  nicht-dänisch sprechender Mensch ist man auf die  Übersetzterprogramme  im Internet angewiesen, doch die liefern  hauptsächlich ein krudes  Kauderwelsch. Beispiel: "Indem wir wurde entlang der beiden Adern auf einen zehn Meter hohen Mast und einer langen Stange, und die Flagge gehisst."
Ein anderes Übersetzungsprogramm, Cosmo-Lingo, führt auf seiner Homepage über die dänische Sprache aus: "Kuriosum ist zu erwähnen, dass Dänemark aus einer grossen Halbinsel und einer Grosszahl von Inseln besteht, sodass es zur Entwicklung einiger typischer Dialekte kam, die für die restlichen Landesbewohner teilweise unverständlich sind; die bedeutendsten sind auf die Regionen Seeland, Jütland und Bornholm begrenzt." Wir vermuten, dass die spezielle Ausprägung des dänischen der Ochseninseln von unserem Übersetzungsprogramm noch nicht berücksichtigt wurde.

Foto: Flensborg Avis



29.05.17 An der Kaikante gesehen

Die Rumregatta ist vorbei, aber an der Kaikante liegen noch Teilnehmer des großen Treffens ehemaliger Gebrauchssegler in Flensburg. Jetzt, wo der Gaffelmarkt bereits abgebaut ist, sind weniger Passanten unterwegs und es bleibt mehr Zeit, die Schiffe mit ein wenig Muße zu betrachten.


Da fällt zum Beispiel der Lägerdorfer Frachtewer MELPOMENE aus dem Jahr 1895 mit seiner sehr individuellen Ruderanlage auf.
Ewer waren früher die Kleintransporter auf den Küstenmeeren und Flüssen. Sie transportierten alles, was heute mit mittleren LKW über Land transportiert wird und die Straßen verstopft. Sie mussten nicht modisch oder modern sein, sondern nur einfach zu betreiben und vor allen Dingen nicht mehr Geld kosten, als die Frachtraten hergaben. Es könnte der Kostendruck gewesen sein, der die Eigner zu einer interessanten technischen Lösung angeregt hat. Denn wie sonst sind sie auf die Idee gekommen, das Radruder mit (vermutlich auf dem Schrottplatz gefundenen) Teilen einer LKW Achse samt Kardanwelle und Hinterachsgetriebe einzubauen?

In der Nähe hat der schmucke Schoner ANNY aus Glückstadt mit dem Rumpf
eines Haikutters von 1930 festgemacht. Sie war schon öfters in Flensburg, auf Rumregatten mit dem Namen FIDDLERS GREEN. Als LINA gehörte sie zum Museumshafen, wie auch jetzt wieder. An Deck und im Rigg ist oder wirkt vieles neu. Am ebenfalls sorgfältig gemalten Rumpf fällt die unebene Oberfläche auf. Hätte man die nicht auch mal glatt hobeln können? mag sich mancher Betrachter denken. Nein, hätte man nicht. Denn die etwas wellig wirkenden Planken sind gesund, aber von Alter und Gebrauch gezeichnet. Was erneuert werden musste, wurde erst vor Kurzem neu eingebaut. Diese Planken sind an ihrer glatten Oberfläche zu erkennen. Da sie noch so dick sind, wie die alten Planken einmal waren, ragen ihre Kanten über die "alte" Oberfläche hervor. In einigen Jahren wird der Unterschied weniger werden.

Gebrauchssegler wurden während ihrer Berufszeit mit kleiner Mannschaft
gefahren. Entsprechend leicht mussten sie zu bedienen sein. Wenn zum Beispiel nach dem Ankern der "Haken" gesichert werden musste, damit er nicht frei baumelnd den Rumpf dengelt, war das eine mühselige und kräftezehrende Angelegenheit. Oft musste es zudem schnell gehen, weil das Schiff während des Manövers durch Strömung oder Wind auf eine Untiefe oder andere Gefahren vertrieben wurde. Da hatten sich die Eigner der DE ALBERTHA von 1891 aus Lemmer eine sehr elegante Lösung einfallen lassen. Durch den Stock und den Steven geleitet, gleiten die Flunke unter den simplen Steg aus Flachstahl und sitzt sogleich sicher und bereit für das nächste Ankermanöver. Einfacher geht es nicht!

Segeln mit Rahseglern benötigt besonders viel Handarbeit. Nicht nur unterwegs,
sondern auch in den Häfen muss das Rigg sorgfältig auf mögliche Schäden untersucht und fachgerecht repariert werden. Deshalb wurden Schiffe mit dieser Segelführung meist auf Langstrecken eingesetzt. In engen Revieren, wo Segelmanöver häufig nötig sind, sind Schoner, Ketschen oder Kutter zweckmäßiger. Der Topsegelschoner ACTIV verbindet die Vorteile beider Riggforman miteinander, aber auch die Nachteile. Heute konnten wir sehen, wie zwei Matrosinnen im Rigg arbeiten. Kein Job für Angsthasen oder Draufgänger, muss man vermuten. Im Zirkus müsste man für die artistische Darbietung Eintritt zahlen. Heute an der Kaikante muss man nur den Blick vom Smartphone lösen und nach oben blicken.

28.05.17 Nur noch 365 Tage

Diese Rumregatta machte - wenn es denn überhaupt möglich ist - Appetit auf mehr. Aber obwohl es ein Mehr nicht gibt, weil jedes Jahr nur ein Himmelfahrtswochenende hat, muss niemand verzweifeln. Hier kommt die tröstende Gewissheit: Bis zur nächsten "unernsten Geschwaderfahrt" sind es ab heute nur noch 365 Tage.

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Hier eine kleine Nachlese der Veranstaltung, soweit sie auf dem Wasser zu sehen war. An Land soll es auch sehr nett gewesen sein. Nur dazu können wir nicht berichten, denn in zwei Tagen auf dem Wasser leicht ungelenk geworden, haben wir auch im Hafen die meiste Zeit an Bord verbracht.
Umringt von netten Nachbarn, inmitten einer malerischen Szenerie von Masten, Segeln, zufriedenen Menschen und leisem Klang von Musik und Gesprächen - Herz, was wünschst Du noch mehr und eine Bockwurst hätte das Wohlbefinden nicht steigern können. Zu allem Überfluss von guten Eindrücken, das muss man sich einmal vorstellen, kletterten Besucher anderer Boote die im selben Päckchen außen lagen, über unser Deck und zwar so leise, dass nur ein sanftes Schaukeln von ihrer Anwesenheit kündete!
Die gute Stimmung begann schon am Freitag als uns ein freundlicher Einweiser per Boot zu einem gut geeigneten Liegeplatz geleitete. Bald danach erschien ein ebenfalls freundliches junges Paar und brachte uns ein kleines Begrüßungsgeschenk. Derweil war es auf dem Bohlwerk - wir hatten dicht beim Krahn festgemacht - so ruhig wie an jedem schönen Sonnentag. Also ohne Musikbeschallung, Marktgeschrei und Animation. Wer Hafenfeste schätzt, während derer man sich in normaler Lautstärke unterhalten kann, ist auf der Rumregatta gut aufgehoben.
Dabei lagen die Boote und Schiffe in Päckchen von bis zu zehn Rümpfen wie große Flöße. Zusammengehalten durch ein Gespinst aus Vor- und Achterleinen, Springs, und Landleinen um das fragile Bauwerk auch gegen die vorhergesagten Böen zu sichern. Mancher wird sich gefragt haben, ob diese Konstruktion jemals wieder aufgelöst werden könne.
Nach der heiter gelösten Stimmung freitags war am Samstag Morgen zeigte sich, dass es für Viele um mehr ging als es ein bisschen nett zu haben. Die Luft knisterte förmlich von der vor Wettfahrten üblichen Spannung. Segelgarderoben wurden überprüft, Segel probehalber gesetzt und wieder zusammengelegt, damit vor dem Start bloß alles sauber läuft und der Skipper sich ausschließlich auf den Kampf um die beste Position kümmern muss.  Dann, endlich, die ersten Boote lösten sich vom äußeren Rand der Päcken und nach und nach wurde aus den großen Flößen wieder eine Flotte selbstständig manövierender Segler.
Die Wettervorhersage war äußerst günstig für eine entspannte Wettfahrt auf der Inneren Flensburger Förde. Schwacher bis mäßiger Südost-Wind bei wolkenlosem Himmel. Es sollte der bislang wärmste Tag in diesem Jahr in Flensburg werden. Und in der Tat. Siebenundzwanzig Grad hätten auch einem Sommertag zur Ehre gereicht.
Schon vor dem offiziellen Start hatten wir Kurs auf die nordwestliche Seite der Förde genommen um nach einer Halse auf Backbordbug segelnd, das Feld auf uns zukommen zu lassen. Nach dem Start sind die Teilnehmer noch dicht beieinander und so hofften wir, ein paar schöne Fotos schießen zu können. Und so kam es auch. Die Luft war so klar, wie sie nur unter Hochdruckeinfluss sein kann und die Silhoutten der braunen, roten, weißen und nicht mehr ganz so weißen Segel schienen über dem Wasser zu schweben. Währenddessen rauschte die Flotte mit schäumender Bugwelle auf uns zu. Die Kleinen vorneweg, die großen, bei schwachem Wind langsamer segeld, hinterher. Wir machten, dass wir wegkommen, schließlich wollten wir ein paar gute Bilder bekommen und nicht ein heilloses Donnerwetter. Inzwischen hatte der Wind zugenommen. Als wir nach einer Halse vor der Meierwik bei den Ochseninseln ankamen, rundeten die ersten der Lüttfischer die Wendemarke nördlich des Fördearchipels. Wie erwartet, die Kaschubenjolle KNIPDUL mit ihren roten Segeln leicht zu erkennen, weit voraus.
Gegen 14 Uhr schlief der Wind auf der dänischen Seite der Förde immer wieder ein. Wir konnten nun nur noch auf das Feld warten, das zur Ziellinie in der Wasserslebener Bucht zurück segeln würde. Aber die hielten sich wohlweislich auf der Ostseite, hatten dort prächtigen Wind. Wir hatten derweil ausreichend Muße, das schöne Bild auf uns wirken zu lassen.
Auch das Schöne sollte man lieber in kleinen Häppchen genießen, als es in Brocken herunter zu schlingen. Deshalb planen wir, über die Zeit bis zur nächsten Rumregatta immer wieder Bilder, Bilder und noch mehr Bilder in einer neuen Seite der HAFENMELDUNGEN "Rumregatta" einzustellen. Es lohnt sich also, immer wieder mal hineinzusehen.  

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Welche Freude: Die nächste, 39. Rumregatta findet am 12. Mai 2018 statt. Das sind natürlich nur 353 Tage, weniger als ein Jahr nach der der gerade vergangenen. Das hätte uns auch früher auffallen können.  

25.05.17 Gaffel-Marktwirtschaft

Heute Mittag wurde der Gaffelmarkt eröffnet, auf dem dutzende Stände vieles für den kleinen Appetit oder Durst zwischendurch anbieten, was große und kleine Volksfestbesucher von Hafenfesten eben erwarten. Crêpes, Bock- und andere Würste, Gegrilltes und Geschmortes. Süßigkeiten, Eis, Crepes. Und wer will, kann sich dazu mit Finkenwärder Fischerhemden und einer Mütze vom Typ "Elbsegler" schmücken. Dazu passende Getränke, mit und ohne, manche nur mit "mit". Vegetarisches oder gar Veganes ist uns nicht aufgefallen, aber bei Würsten und Hähnchen von heute kann man auch das nicht mehr mit Sicherheit ausschließen. Rum ohne Alkohol wurde auch nicht gesehen und schon garnicht getrunken. Da fehlt es vermutlich an der Nachfrage. Am Südende des Gaffelmarktes ist eine große Fläche von den Akteuren des dänischen "Legeskibets" (dt. Spieleschiff) HALMØ aus Kopenhagen belegt mit zahlreichen Spiel- und Sportgeräten für kleine und nicht mehr ganz kleine Kinder. Darunter eine Kletterwand. Wir bewunderten, wie geschickt und beharrlich manche Kinder mit bloßen Händen und Füßen die hohe Wand raufkletterten.

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Am Nordende, unter dem "Historischen Krahn" auf dem Bohlwerk, hat der Verein der Freunde des Elbfischers GRETA seinen Stand aufgebaut und bietet zu einem sehr zivilen Preis leckeren Kuchen, Kaffee und andere Getränke. Dazu gab es heute handgemachte Folkmusik auf der Fiddel, begleitet von der Konzertina. Wie sagt man? Wirklich echt schön. Alles, was die Freunde der GRETA einnehmen, kommt der Restauration des 113 Jahre alten Kutters zugute.

25.05.17 Einzug der Gäste


Bei strahendem Sonnenschein trudeln mittlerweile am Jollensteg des Museumshafens Teilnehmer der Lüttfischerregatta ein, die sich morgen ab 12.00 Uhr im Flensburger Hafen auf einem langen "up-and-down" Kurs miteinander messen wollen. Als Teilnehmer mit der weitesten Anreise ist das Kaschubenboot KNIPDUL eingetroffen. Es ging bald nach der langen Reise aus Polen auf die Bahn und machte die ersten Schläge bei mäßigem bis frischen Wind aus Nordwest. Der Skipper sagte, er sei gekommen um zu gewinnen. Das hat er schon bei einer früheren Rumregatta gesagt und sein Wort gehalten. In seiner Heimat ist er nicht nur mit der traditionellen Jolle KNIPDUL ein erfolgreicher Segler. Er segelt auch mit seiner 6mR Rennyacht DANA engagiert auf Klassiker-Regatten.
Ob das Training bei dem Wind von heute sich auch morgen auszahlt, wird man abwarten müssen. Der Wind soll bis morgen Mittag auf Nord 2 abnehmen und im Laufe des Nachmittags weiter abschwächen. Wer die Lüttfischer-Regatta beobachtet, wird KNIPDUL morgen leicht an seinen leuchtend roten Segeln (Fock und Sprietsegel) erkennen.
Nun, siegen ist ganz schön, dabei sein ist mindestens genau so wichtig.

Während sich die kleinen Arbeitssegler noch am Steg sammeln und aufgeriggt
werden, kommt eine kleine Commuteryacht aus der Robbe&Berking Werft vorbei. Eine schöne Szene. Genau so hätte das auch in den 20-er oder 30-er Jahren des vorigen Jahrhundets aussehen können.

Zur selben Zeit, als sich am Museumshafen die Arbeitsjollen versammeln, treffen die segelnden "Dicken" ehemaligen Berufsfahrzeuge im Sonderburger Hafen ein. Von dort aus werden sie morgen um 11.30 Uhr vor der Hafeneinfahrt in der Sonderburger Bucht zur Fjord-Regatta starten. Sie werden nachmittags in Flensburg erwartet. Bei dem voraussichtlich schwachen Wind, können sich diese Angaben noch ändern.

24.05.17 Sicher ist sicher


Der Historische Hafen Flensburg ist Heimat einiger Traditonsschiffe. Zu ihnen gehört als schwimmendes Denkmal der mittlerweile 104 Jahre alte Salondampfer ALEXANDRA, wie auch einige der alten Segler im Museumshafen. Sie werden durchweg von gemeinnützigen Vereinen oder Privatpersonen unterhalten und betrieben. Sie alle sind ehemalige Berufsfahrzeuge, die nach Ausscheiden aus der gewerblichen Nutzung von Privatleuten übernommen und teils aufwendig restauriert wurden. Manche Schiffe wurden bei dieser Gelegenheit für ihre neue Verwendung als Freizeitfahrzeug umgebaut. Wo beispielsweise ein Fischkutter bis dahin seinen Fang transportierte, wurde eine Kajüte eingebaut und mancher Motorkutter wurde zum Segelschiff umgebaut. Dennoch entsprechen ihre Rümpfe immer noch alten überlieferten Formen. Zusammen mit einem historisch und handwerklich korrekten Rigg erzählen sie von einer vergangenen Zeit, die bis in unsere Tage fortwirkt.
Nicht alle Schiffe wurden durch Umbauten verändert. Passagierschiffe und Yachten konnten in ihrer ursprünglichen Bestimmung weiterbetrieben werden. Aber Behördenfahrzeuge, Frachtschiffe oder Fischkutter mussten umgebaut werden, zumal es explizierte Verbote gibt, sie in ihrer ursprünglichen Verwendung weiter zu nutzen.
Ob mit oder ohne Umbau, Schiffe verschleißen schnell und müssen fortlaufend gepflegt, gewartet und repariert werden.
Das Dampfschiff ALEXANDRA bekam im letzten Jahr für etliche 100 Tausend Euro einen neuen Kessel; der alte musste nach mehr als 100 Jahren ersetzt werden. Auch die traditionellen Segelschiffe wurden und werden Jahr für Jahr mit hohem Aufwand erhalten. Der Einsatz von Zeit und Geld geht oft weit über den Bereich einer Liebhaberei hinaus, und kaum eine Privatperson kann das so nebenbei in der Freizeit und mit dem Taschengeld bestreiten.
Was nicht selber beigesteuert werden kann, muss von außen zufließen. Großzügige Sponsoren stehen nur Wenigen bei, um die ständig notwendigen Ausgaben zu decken.
Deshalb vermieten die meisten Eigner ihre Schiffe für Chartertouren und vermitteln dabei gleichzeitig einen Einblick in das seemännische Handwerk in früherer Zeit. Oder sie machen sie anderen kulturellen oder gesellschaftlichen Zwecken verfügbar: Reisen mit Schulklassen gehören genauso dazu wie mit Hochzeitsgesellschaften, Firmenveranstaltungen oder Tagesgästen.
Das berührt den Interessenbereich der gewerblichen Personenschiffahrt. Sie sehen - zu Recht oder Unrecht - in den Traditionsschiffen weniger die Kulturzeugen als vielmehr Wettbewerber in einem hart umkämpften Markt.

Wer Menschen transportiert, ist für ihre Sicherheit verantwortlich. Deshalb müssen die "Gewerblichen" nachweisen, dass ihre Schiffe und die Besatzungen den zahlreichen, kostenträchtigen Vorschriften entsprechen, die von den zuständigen Behörden zu diesem Zweck erlassen wurden. Dass sie argwöhnisch darüber wachen, ob die vermeintliche Konkurrenz die selben Auflagen erfüllen muss, ist nur verständlich.
Dieser Konflikt zwischen Betriebswirtschaft und Kulturpflege besteht in allen Ländern der EU. So versuchte ursprünglich jedes Land für seinen Bereich einen Kompromiss zu definieren um Traditionsschiffen eine Erwebsmöglichkeit zu bieten, ohne die gewerbliche Schifffahrt zu belasten und ohne die Sicherheit der Fahrgäste zu beeinträchtigen. Das führte jedoch zu einem Wirrwarr nationaler Regelungen mit Ge- und Verboten mit der Folge, dass ein Traditionsschiff nach den Regeln eines Landes keine Fahrterlaubnis in einem Nachbarland bekam. Hier in Flensburg sorgen unterschiedliche Vorgaben deutscher und dänischer Behören immer wieder für Kopfschütteln.
Die EU-Kommission startete vor etwa 20 Jahren einen Prozess, mit dem Ziel einheitlicher Regeln für die EU-Länder. Hierbei blieb zunächst der Bereich der Traditionsschiffe ausgeklammert, der sollte einstweilen in jedem Land separat geregelt werden. Jedoch sollten die Länder diese Regeln untereinander als gleichwertig anerkennen. Zusätzlich wurde vereinbart, bis Anfang dieses Jahres ein einheitliches Regelwerk einzuführen. Der für Deutschland gültige Entwurf wurde, diesem Zeitplan folgend, mit den Interessenvertretern der betroffenen Parteien diskutiert und schließlich an die EU-Kommission gesandt. Die hat inzwischen dem Entwurf zugestimmt. Mit der neuen Verordnung sollen die bauliche Beschaffenheit, der Brandschutz, die Ausrüstung und die Qualifikationen der Crews von Traditionsschiffen strenger geregelt werden. Dies alles bedeutet, dass die gemeinnützigen Betreiber der Traditionsschiffe noch mehr Geld ausgeben müssen: für Ausrüstung, Umbauten Zertifikate und Schulungen. Von der zusätzlich benötigten Zeit für die Projekte, Ausbildungen und Prüfungen ganz zu schweigen.

In Deutschland wurden die Bestrebungen, eine neue Sicherheitsrichtlinie einzuführen, von einigen Traditionsschiffern vehement bekämpft. Sichtbares Zeichen hierfür waren alte Segelschiffe, die schwarze Flaggen als Zeichen für den Protest zeigen und Demarchen von Politikern der Küstenländer. Ihnen machen mögliche Einbußen des Tourismus Sorge. Der Streit erreichte sogar den Bundestag und den Bundesrat. Wenn es ein Thema bis dahin geschafft hat, ist es am Ende der (legale) Eskalationsleiter angekommen.
Gestern sollte in Berlin ein Gespräch mit dem zuständigen Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur stattfinden, um einen Kompromiss zu den weiterhin widerstrebenden Forderungen von Traditionsschiffern zu finden. Der Minister ließ sich von einem seiner Staatssekretäre vertreten. Es heisst, der Minister habe finanzielle Unterstützung angeboten.
Am Wochenende startet hier in Flensburg wieder die Rumregatta. Mal sehen, ob die Sicherheitsrichtline auch hier für Aufregung sorgt, wie schon auf dem Hafengeburtstag in Hamburg in diesem Frühjahr.

PROVIDENTIA
Während einige das Ende der Traditionsschiffe in Deutschland vorhersagen, berichtet das Flensburger Tageblatt von einem alten Segler der jetzt ganz aktuell seine Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen hat. Die Rede ist von PROVIDENTIA, dem Schiff der Ostseeschule in Flensburg. Das ehrgeizige Projekt, Schülern ein großes Segelschiff als Ort für Welt- und Selbsterkenntnis zu geben, ist damit einen entscheidenden Schritt voran gekommen. PROVIDENTIA wird als "jüngstes" an der Rumregatta teilnehmen.

Wer jetzt auf den Gedanken kommt, Entscheidungen zur Sicherheit auf Traditionsschiffen würden nur Eigner derartiger Schiffe in Deutschland oder Europa auf die Palme bringen, sollte einen Blick nach Norwegen richten. Das Land ist bekanntlich kein EU-Mitglied und dennoch für viele Menschen ein Beispiel bürgernaher Politik und Verwaltung:
Norwegische Facebook-Seite "Trebåtelskere" (Holzbootfreunde) berichtet von der SAGA OSEBERG, einem authentischen Nachbau eines Wikingerbootes.

Dessen Betreiberverein (båtlaget) hat ein Schreiben des norwegischen Schifffahrtsamtes erhalten, in dem untersagt wird, das Schiff zu benutzen, so lange keine Haupt-Antriebsmaschine eingebaut ist und beispielsweise "Hinweisschilder für den Notausgang" fehlen.

Dazu ist interessant zu wissen, dass die SAGA OSEBERG so weit irgend möglich nach denselben Methoden gebaut wurde, wie sie Wikingern zu ihrer Zeit verfügbar waren. Sie wurde mit dem Königspaar als Taufpaten im Jahr 2012 zu Wasser gelassen. Das Schiff wurde (nach norwegischen Regeln) als Sportboot registriert. 
In dem Schreiben der Schiffahrtsdirektion wird u.a. ausgeführt, "dass Segeln und Rudern eine Tätigkeit ist, die hohe Anforderungen stellt, weswegen das Schiff mit einer Haupt-Antriebsmaschine ausgerüstet werden muss, die es in ruhigem Wasser ordungsgemäss und sicher und ohne Beteiligung der Passagiere mit einer Geschwindigkeit von 6 Knoten zu bewegen in der Lage ist."
Weiterhin werde die Art des Schiffes je nach Zweck der Anwesenheit der Menschen an Bord eingestuft. Dazu heisst es sinngemäß: "Wenn sich Mitglieder des Betreibervereins SAGA OSEBERG an Bord befinden, handelt es sich bei dem Nachbau des Wikingerbootes um ein Frachtschiff. In allen anderen Fällen (Schulklassen, Vereine, Gast-Crews, Firmen) handelt es sich um ein Passagierschiff."
(Quelle:NRK, norwegischer Nachrichtenkanal)
Gut an der Sache ist, dass die Nachricht erst jetzt, nach Abschluss der Prüfung in der EU-Kommission und dem Bundesministerium bekannt wird. Denn bekanntlich gilt: "Nichts auf der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist!"

21.05.17 Segeln vorm Wind

Die Wettervorhersage schien vormittags noch einzutreffen. Sie versprach SW 2-3, nachmittags auf West drehend, zunehmend 3-4, Böen fünf.
Wie oft, war der Wind im Flensburger Hafen etwas schwächer. Deshalb starteten wir mit unserer üblichen Segelführung für Kurse vorm Wind mit Klüver, Fock, und Groß. Zwar ziehen wir bei achterlichem Wind vor backstags zu kreuzen. In der engen Hafenmündung fehlt dafür jedoch meist der Platz und halsen dicht an der Kaimauer inmitten Pulks von sportlich gesegelten Yachten ist auch nicht mehr unsere erste Wahl. Bei diesem Kurs zum Wind lassen wir den Besan gerne weg. Er verstärkt nur die Neigung zum Anluven durch das weit ausgebaumte Großsegel. Zum Ausgleich müsste dann mehr Gegenruder gelegt werden um das Boot auf Kurs zu halten. Dadurch wären wir im Ergebnis trotz größerer Segelfläche langsamer als ohne. Dass sich die Vorsegel im Windschatten des Groß die Langeweile gelegentlich durch unkontrolliertes Flattern vertreiben ist dennoch kaum zu vermeiden. Das ist wohl auch der Grund für einige moderne Slups die sich nur von der großen Genua als einzigem Segel schleppen lassen. Für uns scheidet diese Variante der Segelführung aus naheliegendem Grund aus. Um eine genügend große Segelfläche zu bekommen müssten wir so etwas  wie einen Spinnacker von über 100 Quadratmetern setzen. Dann sind wir doch leiber etwas langsamer. Falls wir längere Zeit vor dem Wind segeln müssen, würden wir stattdessen nur das Großsegel setzen und Toppsegel dazu. Bei dem nach Vorhersage schwachen Wind gäbe das auch genügend Vortrieb. Auf dem Weg zur Hafenausfahrt wartet aber eine wichtigere Aufgabe. An Deck liegen noch die Tauhaufen der Klau- und Piekfallen. Die sind auf traditionellen Booten immer um ein mehrfaches länger als auf modernen, die das Großsegel mit einer Fallwinsch setzen.

Kaum ist die engste Stelle erreicht, kommt RYVAR, die große Rote aus dem Museumshafen von achtern auf. Wir machen einen leichten Schwenk nach Backbord um sie auf unserer rechten Seite überholen zu lassen. Das gibt uns mehr Raum und eine günstigere Position wenn der Südwestwind, von dem hohen Werftgebäude gelenkt, weiter auf West dreht.

Bald sind wir vor dem Hafen angekommen und haben jetzt RYVAR in Lee voraus. Nun dreht der Wind auf Süd. Wir folgen der Drehung und sehen uns plötzlich als Überholer, weil auf RYVAR der sehr leise Motor abgestellt wurde, den man bis dahin zusätzlich zu ihren Segeln nutzte. Also lassen wir alles so, wie es ist und entscheiden uns, vor dem Wind zu kreuzen. Dafür wird zusätzlich der Besan gesetzt. Jetzt luvt das Boot an, wie erwartet, und wird schneller. Bald nähern wir uns dem dänischen Ufer bei Fackelgarden. RYVAR segelt auf Steuerbord achteraus. In Ufernähe bekommen wir die Rechung für's kreuzen vor dem Wind präsentiert. Wir müssen die Segel schiften und RYVARs Kurs queren, die weiterhin genau vor dem Wind parallel zum Ufer segelt. Jetzt, auf Backbord-Bug, halten wir auf das entfernte deutsche Ufer zu. Als wir uns in Höhe Glücksburg wieder der Tiefenlinie von zehn Metern nähern und die Segel erneut auf die andere Seite bringen, verschwindet RYVAR ein paar Meilen weiter westlich aus unserer Sicht. Sie hat die schmale gewundene Durchfahrt zwischen Sönderhav und den Ochseninseln gewählt. Wer wird wohl schneller bei Holnis Enge ankommen: RYVAR auf kürzestem Weg platt vor dem Wind oder wir mit zwei langen Kreuzschlägen auf längerer Strecke, aber schneller segelnd?

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Wir haben Zeit, uns ein wenig umzusehen. Da entdecken wir zwei Regattafelder genau voraus. Mit knatternden Segeln und mit laut spudelndem Kielwasser rauschen uns 49-er Rennboote entgegen, andere kommen von achtern auf. Mit ein bisschen Glück und Vorausschau können wir allen Sportfreunden den Weg freimachen. Ist schon beachtlich, wie diese leichten Rümpfe von den großen Spinnackern über das Wasser geschleppt werden. Kaum ist das Spektakel vorbei, sehen wir voraus eine besonders reizvolle Begegnung zweier traditioneller Segelschiffe, die nicht unterschiedlicher sein können als RYVAR, der alte Frachtsegler und SPHINX, die halb so alte 12mR Regattayacht.
RYVAR (li.) und SPHINX auf kreuzenden Kursen
Je weiter wir nach Norden kommen, um so mehr nimmt der Wind zu. Was als "Böen um fünf Bft" angekündigt wurde ist mittlerweile als frischer bis starker Wind angekommen, plus zusätzlicher Böen. Entsprechend gut kommen wir jetzt voran. Bald sind wir RYVAR wieder nahe gekommen. Da wir in der Inneren Förde bleiben wollen, können wir noch höher an den Wind gehen. Dicht bei RYVARs Heck wenden wir und nehmen auf Kurs Flensburg. Nach etlichen Kreuzschlägen bei starken Wind sind wir wieder in der Hafeneinfahrt. Hier noch fünf weitere Wenden und wir sind wieder dort, wo unser Ausflug vor sechs Stunden begann.

Fazit:
Platt vor dem Wind segelnd hätten wir RYVAR nicht eingeholt. Vor dem Wind zu kreuzen hat Vorteile, weil der segelbare Bereich erheblich größer ist. Das hilft, wenn der Kurs schnell angepasst werden muss, was genau vor dem Wind segelnd oft zu einer Patenthalse und Bruch führen kann.
Außerdem ist man schneller als unmittelbar vor dem Wind. Und schließlich ist das Risiko einer Patenthalse erheblich geringer; auf einen Bullenstander verzichten wir deshalb schon seit Jahren.
Bei viel Wind und kleiner Mannschaft benötigt man genügend Raum für das Schiften der Segel, weil das Boot sehr stark anluvt, wenn die Schoten von Besan und Groß (in dieser Reihenfolge) vor der Halse dichtgeholt werden. Aber das ist unmittelbar vor dem Wind segelnd auch nicht besser.  Am besten erstmal bei Schwachwind üben und bei Starkwind das Großsegel rechtzeitig reffen. Anders als bei einer Wende kommen die Vorsegel ganz leicht über,

20.05.17 NINIVE wird abgewrackt

Nomen atque omen, Name ist zugleich Vorbedeutung. Plautus, der alte Römer wusste noch was Namenszauber bewirkt und hätte es sich zweimal überlegt, einem Schiff den Namen der Stadt Ninive zu geben. Denn die Hauptstadt des Assyrischen Reiches wurde zerstört. Das Buch Nahum Nahum im Alten Testament prophezeite ihr: "Ich werfe Unrat auf dich, schände dich und mache ein Schauspiel aus dir, dass alle, die dich sehen, vor dir fliehen und sagen: Ninive ist verwüstet; wer will Mitleid mit dir haben? Und wo soll ich dir Tröster suchen?“

NINIVE in Eckerförde an Land.
Foto: s:hz
Die Replik einer pommerschen Jagd-Galeas mit dem Unheil beschwörenden Namen sank zweimal, im Jahr 2004 im Strela-Sund und elf Jahre später im Innenhafen von Eckernförde (die HAFENMELDUNGEN berichteten). An Land gesetzt, wollte niemand für das Schiff verantwortlich sein, der vorherige Eigner nicht und der letzte Eigner auch nicht - er war nicht aufzufinden. Nun wir die Stadt Eckernförde das Holzschiff auf eigene Kosten abwracken lassen. Ein Bagger mit Abrisszange soll das deprimierende Schauspiel vollbringen. Bis dahin soll das Schiff im Hafen zu sehen sein.

Arme NINIVE. Bei so viel Destruktion wird es wahrlich schwer, einen Tröster zu finden.

20.05.17 Klar Schiff am Bohlwerk



Das Bohlwerk sieht heute morgen noch so aus, als müsste hier einmal gründlich sauber gemacht werden. Dabei sind es nur noch fünf Tage, bis das Gros der Segler zur Rumregatta eintrifft. Höchste Zeit also für den Arbeitstag, den die Mitglieder des Museumshafens alljährlich für den großen Frühjahrsputz ansetzen.

Sonst lassen sich um neun Uhr morgens nur wenige Passanten und Erholungssuchende auf der Landungsbrücke der Museumshafenschiffe blicken. Heute herrscht eine für die Tageszeit ungewohnte Betriebsamkeit. Wo sonst nur Möwen krieschen, brummen heute Schleifmaschinen und Hochdruckpumpen um die Wette. Das Treiben bleibt nicht ohne Folgen.
Am Abend sind die Fugen zwischen den Eichenbohlen von Grassoden und Moos befreit. Türen und der Schaukasten sind neu gemalt und die Tafeln für die Schiffsbeschreibungen sind auf gutem Weg zu einer angemessenen Renovierung. Wenn die Teilnehmer der Fjordregatta - sie stellen die meisten Teilnehmer der Rumregatta - am Freitag eintreffen, wird sich das Bohlwerk sauber präsentieren.




























Heute kamen zwei weitere Segler der Rumregatta unmittelbar hier an: Der Vreedenburger Schokker mit dem romantischen Namen TO SVANER und auch der Krabbenkutter MYTILUS. Herzlich Willkommen! Sie werden nicht die letzten sein.

So oder so ähnlich wird es in einer Woche bei der Rumregatta auf der Förde aussehen
Foto: Freunde des Gaffelriggs




18.05.17 Noch eine Woche

Langsam machen sich die ersten Vorboten der Rumregatta  bemerkbar. Die beginnt am kommenden Donnerstag, wenn die Teilnehmer der Fjord Regatta aus Sonderburg hier in Flensburg eintreffen. Manche Schiffe kommen schon einige Tage vorher in Flensburg fest.

Seit Anfang der Woche liegt der Dreimast-Toppsegelschoner ACTIV aus London an der Schiffbrücke. Am Bohlwerk hat der Toppsegelschoner*) ANNY aus Glückstadt festgemacht. Abgereist war der Zweimaster vor einem Jahr. Damals hiess das Schiff noch LINA. Der neue Name stammt vom neuen Eigner. Der Museumshafen Flensburg soll wieder ständiger Liegeplatz werden.

Beide Schoner sind eine wahre Augenweide. ACTIV, im Jahr 1951 als letzter hölzerner Frachtsegler Europas gebaut, ist seit ihrer Zeit in der Grönlandfahrt weitgehend unverändert erhalten. LINA, im Jahr 1930 als Haikutter FALKEN S187 gebaut, wurde nach ihrer Zeit in der Fischerei mehrfach verändert und schließlich zum Toppsegelschoner geriggt. Diese, man könnte fast "Geschlechtsumwandlung" sagen, verbindet sie mit vielen traditionellen Schiffen. Das hat auch mit den Vorschriften für Traditionsschiffe zu tun. Sie verbietet ehemaligen Frachtschiffen, Frachten zu transportieren und Fischkuttern zu fischen.
Was die Eigner der ehemaligen Erwerbsfahrzeuge mit ihren Kulturzeugnissen tun dürfen, ist ein komplexes Thema, das grob vereinfacht darauf hinaus läuft: Neben der rein privaten Nutzung sind einzig Einnahmen von zahlenden Fahrgästen erlaubt und das auch nur im Rahmen der Kosten für den Erhalt der Schiffe. Diese müssen dafür nach vorgegebenen Bedingungen ausgerüstet und betrieben werden. In diesen Tagen wird eine neue Fassung der so genannten Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe wirksam. Sie betrifft ungefähr einhundert Schiffe in Deutschland, viele von ihnen werden auch an dieser nächsten Rum Regatta teilnehmen.


Harry schafft Ordnung
Wir sind gespannt, welches teilnehmde Schiff oder Boot sich hier als nächstes einfindet. Wir werden das, wie hewohnt, auf der Seite "Aktuelle Schiffsmeldungen" berichten.


Auch an Land zeigt sich der erste Vorbote des "Internationalen Treffens historischer segelnder Berufsfahrzeuge".  Harry reserviert er schon mal den Teil des öffentlichen Parkplatzes, auf dem ab Donnerstag der "Gaffelmarkt" viele Besucher anlocken wird. Der bietet vieles von dem, was Volksfeste eben so bieten: Grillwürste, Getränke, Eis und maritime Dinge wie Mützen und Hemden. Aber garantiert keine dröhneden Lautsprecher. Man muss eben auch mal verzichten können.



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*) ANNY hat zwei Masten, wie die meisten Schoner. Deshalb lässt man der Einfachheit wegen den Zusatz "Zweimast-" weg.  Und wenn wir schon mal beim Schoner-Masten-zählen sind: Die meisten hatte der 1902 gebaute amerikanische Siebenmast-Schoner THOMAS W. LAWSON. Er kommt aber nicht zur Rumregatta. Nur fünf Jahre nach dem Stapellauf scheiterte der Segler 1907 im Sturm an den Scilly-Inseln.

16.05.17 Wir sind mal eben weg

RYVAR bei den Ochseninseln auf raumem Kurs segelnd.
Segeln ist schön, wenn man möchte.

Gestern war das Wetter ideal. Wind aus West bis Südwest, wenige Böen, dicke Haufenwolken, viel Sonne und milde Lufttemperatur. War vorgestern auf dem Wasser ein wenig Betrieb, gestern hatten wir die Förde beinahe ganz für uns alleine. Begegneten wir vorgestern der 12mR Yacht SPHINX gleich mehrmals, bekamen wir gestern den segelnden roten ehemaligen Frachtlogger RYVAR nur einmal zu Gesicht, bis er hinter dem Kliff von Holnis verschwand.

Machte sich sich vorgestern das Wasserflugzeug durch eifrige touch-and-go - Manöver lärmend bemerkbar, hielt es sich gestern  diskret zurück. Dabei liegt der Traum vom Fliegen für Segler nahe. Fliegen und segeln, beides braucht Lufttrömung an der Oberfläche - von Segel hier, Flügel dort. Gemeinsamkeit schafft Sympathie - eigentlich. Aber wie schon Wilhelm Busch treffend feststellte "Musik wird störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden".

Doch gestern war alles perfekt. Die Zeit der Vorsaison ist für uns die schönste Zeit auf der Förde. Acht Stunden auf dem Wasser, mal gemächlich, mal schneller. Langsam stellt sich wieder Manöverroutine ein mit Wenden, Halsen und Segeltrimm. Nach monatelanger Entwöhnung wieder die Muskeln spüren, angenehmer als nach einem Besuch im Trimmstudio. Wir werden oft gefragt: "Wohin wollt ihr denn in diesem Jahr segeln?" Früher war die Antwort "Norwegen" oder "Ost-Schweden". Jahre später, wir hatten gelernt dass man mit dem Wind besser segelt als gegenan, sagten wir: "Das wissen wir bei Kalkgrund". Heute entscheiden wir uns täglich neu. 

Heute morgen regnete es Hunde und Katzen. Da blieb das Boot im Hafen.
Segeln ist schön, wenn man nicht muss.

14.05.17 WIEBKE BOHLEN trifft SPHINX

Nach verregneten und stürmischen Tagen schenkte Petrus uns heute einen Frühlingstag, der seinen Namen verdient. Der Morgennebel versprach viel Sonne und der Wetterbericht ergänzte diese Aussicht mit der Vorhersage: SW drei bis vier bei Böen bis sechs Beaufort, langsam auf West drehend und dabei abnehmend. Und so kam es auch.
Südwestwind bedeutet in der Inneren Flensburger Förde für uns "kreuzen vor dem Wind" bis Sandager und danach kreuzen am Wind zurück bis zum Liegeplatz. Also kein Problem, wenn der Wind auf West dreht, bevor wir die Hafeneinfahrt erreichen. Dort, wo auf der Westseite die hohe Werfthalle der FSG und auf der Ostseite die noch höheren Silos der Hafen GmbH eine Düse bilden, legt der Wind bei Südwest meist zu und dreht scharf auf Süd. Wer ein stäbiges Schiff segelt, hat hier besser die Maschine in Bereitschaft. Denn zum kreuzen ist es sehr eng, besonders dann wenn just in diesem Augenblick die Ausflugschiffe in die Enge einfahren und andere Segler auch noch Vorrang haben. Aber dieser Wermutstropfen würde uns nicht die Aussicht auf ein paar Stunden Segelvergnügen vermiesen.

Morgens um zehn ist die Welt noch in Ordnung. Am Hafen und auf dem Wasser ist nicht viel los und so können wir vor dem Wind lavierend bald den Hafen verlassen und schließlich die Westseite der Förde anpeilen, wo der Wind etwas westlicher einfällt und stärker ist. Nach ein paar Kreuzschlägen haben wir die Ochseninseln passiert und nähern uns der Enge von Holnis. Dort fahren wir unsere letzte Halse an diesem Tag und nehmen, jetzt hoch am Wind kreuzend,  wieder Kurs auf Flensburg. Während wir vor dem Wind warm und gemütlich geschaukelt wurden, pfeifen uns am Wind segelnd die starken Böen kalt um die Ohren. Dieser Effekt überrascht immer wieder. Man merkt schon, wenn sich der Wahre Wind und der Fahrtwind addieren. Bei unserer Geschwindigkeit über Grund  heute bedeutet das für den Bordwind einen Unterschied von etwa zehn Knoten.

Wir sind schon lange nicht mehr alleine auf dem Wasser. Etliche Sportboote sind unterwegs und ein Wasserflugzeug übt bei den Ochseninseln mit dröhnendem Motor Starts und Landungen. Nun ja, irgendwo müssen die ja auch mal trainieren.

Apropos trainieren: Die kommende Regatta-Saison macht sich bemerkbar. Heute rauscht immer wieder mal der Zwölfer SPHINX an uns vorbei. Mal vor dem Wind mit rotem Spinnaker, mal am Wind mit Genua und ungerefftem Großsegel. Ein geschätztes Dutzend sportlicher Segler auf der Kante, wenn sie nicht gerade die Winschkurbeln wirbeln oder in geheimnisvoller Zielstrebigkeit ihre Positionen wechseln. Wir können uns die Manöver in Ruhe ansehen. Der Preis für unser Vergnügen als Zuschauer ist, dass wir eine Stunde später zurück sind als die Regattatrainees und dabei eine erheblich kürzere Strecke zurücklegen. Aber wir haben es zum Glück nicht eilig.



Nach fünf Stunden auf der Förde nähern wir uns wieder dem Hafen. Wie erwartet ist die Einfahrt wieder einmal der Flaschenhals auf unserem kleinen Ausflug. Aber kaum haben wir die Enge kreuzend und mit einer freundlichen Unterstützung von "Sir Henry" passiert, geht der Wind auf West. Segelnd erreichen wir den Liegeplatz.

12.05.17 Neu im Schifffahrtsmuseum

Der Flensburger Salondampfer ALEXANDRA hat bekanntlich während eines mehrmonatigen Werftaufenthalts einen neuen Dampfkessel bekommen. Der alte war nach einhundertund acht Jahren zu betagt und auch etwas inkontinent. Es war nicht ganz einfach, den maroden Lieferanten für Heissdampf aus dem Rumpf zu befreien und seinen Nachfolger einzubauen. Dieser entscheidende Teil der Operation ist bekanntlich erfolgreich abgeschlossen und die erste Bewährungsprobe wurde mit der Überführungsfahrt von Husum nach Flensburg bestanden und vor kurzem wurden auch die notwendigen Zertifikate übergeben.

Damit war die Operation noch nicht komplett zuende. Es blieb die Aufgabe, für den originalen Kessel einen würdigen Platz zu finden. Was lag näher, als ihn im Hof des Schifffahrtsmuseums auszustellen, unmittelbar neben dem Dampferhaus.
Da steht er nun, so zu sagen nackt und bloß, wie ihn die Heizer und Maschinisten bei ihrer Arbeit niemals zu sehen bekamen.

Der alte Kessel an seinem neuen Platz im Hof des
Schifffahrtsmuseums. In den beiden großen Öffnun-
gen glühten die Kohlen auf ihren Rosten. Die heißen
Rauchgase strömten durch die kleinen Flammrohre
darüber. Der große runde Kessel war mit Wasser gefüllt.
Der Dampf sammelte sich oberhalb der
Flammrohre und strömte durch den "Dom" auf dem
Kessel zur Maschine. Hier die Vorderseite des
Kessels.















Hier der eingebaute Kessel aus derselben Richtung.
Die Heizer im Maschinenraum sehen nur die Stahl-
türen zu sehen. Dahinter wurden die Rauchgase
gesammelt und zum Schorstein geleitet.
Bodenbleche verbergen den Blick auf den unteren 
Teil des Kessels. Sie und die Feuertüren vor den
Flammrohren waren schon aubgebaut,
als dieses Foto entstand.


In dem Kessel wude ein sehr hoher Druck erzeugt. Dem entsprechend stark sind die zahreichen Niete. Während die Kraft auf die beiden Böden im unteren Bereich durch die Flammrohre aufgefangen wurden, mussten im oberen Teil des Kessels zehn zusätzliche Stehbolzen eingebaut werden. Von ihnen sind lediglich die Befestigungsschrauben zu sehen. Zusätzlich hat der Kessel mehrere Inspektionsöffnungen.
Sicherheit ist bei Dampfkesseln oberstes Gebot. Zahlreiche Dampfschiffe gingen früher durch Kesselexplosionen verloren.








04.05.17 Endlich!


Nun raucht sie wieder, gottseidank. Heute kommt die erlösende Nachricht: ALEXANDRA, der Salondampfer, das schwimmende Wahrzeichenn Flensburgs kommt endlich wieder in Fahrt:
"Es ist geschafft. Die letzte Standprobe bei heißem Kassel ist problemlos absolviert, die Zulassung für die nächsten 5 Jahre sind bei den Schiffspapieren abgeheftet und viele freiwillige Hände malen, tragen Kisten und machen den Dampfer sauber. Nach umfangreichen Maßnahmen an Rumpf und Kesselanlage ist es soweit. Am Sonntag um 14 Uhr geht die erste öffentliche Fahrt, die Kesseleinweihung, mit Livemusik von der Fördebrücke los.
 
Karten sind noch unter Tel. 0461 – 182 91 801 zu haben.
Ab der Rumregatta legt die „Alex“ dann fast jeden Sonntag zu öffentlichen Rundfahrten auf der Förde ab."

Gez. Günter Herrmann
Am Sonntag soll die Sonne scheinen und das Thermometer bis zu 17 Grad klettern. Dazu wenig Wind, also ruhiges Wasser. Na, wenn das keine gute Nachricht ist!

04.05.17 In drei Wochen


Leute, wie die Zeit vergeht. Eben war noch Ostern, schon rückt Himmelfahrt und damit die Rum Regatta in Sichtweite. Am 25. Mai sammeln sich die meisten Teilnehmer der Veranstaltung im Hafen von Sonderburg um Tags drauf, am 26. Mai, mit der Fjord Regatta Kurs auf Flensburg zu nehmen. Währenddessen wurde am Donnerstag mittags in Flensburg am Hafen der Gaffelmarkt eröffnet. Da können auch schon erste Teilnehmer der Rum Regatta eintreffen, die den direkten Weg nach hier gewählt haben und damit die freie Wahl auf die besten Liegeplätze. Währenddessen werden am Jollensteg des Bohlwerks die über Land anreisenden "Lüttfischer" ankommen und zu Wasser gelassen.
Über die jetzt 38. Rum Regatta in Folge informiert der Museumshafen Flensburg auf seiner Webseite: "Kutter, Ewer, Jagten, Topsegelschoner und Galeassen aus dem gesamten Nord- und Ostseeraum treffen sich zu einem fröhlichen Hafenfest und einer nicht ganz ernsthaften Regatta auf der Flensburger Förde. Die Rum-Regatta zieht regelmäßig 1000de Besucherinnen und Besucher auch aus südlichen Bundesländern Deutschlands ebenso wie aus  skandinavischen Ländern nach Flensburg. Bootsbauer, Schmiede, Fassmacher und andere maritime Gewerke zeigen ihr altes Handwerk. Bis hin zur Musik ist hier alles handgemacht." Auf der Internetseite gibts auch den aktuellen Terminplan der Veranstaltung.
Bereits am Freitag, dem 26. Mai geht das maritime Spektakel mit der Lüttfischer-Regatta los, in der sich die kleinen offenen Fischerboote im Hafen aneinander messen.
Kaum ist diese Wettfahrt beendet, werden schon die ersten Teilnehmer der Fjord-Regatta aus Sonderburg kommend in den Hafen einlaufen. Wenn auch in diesem Jahr über 100 Segelboote und -Schiffe zum Anlegeplatz manövrieren, teils unter Segeln, teils unter Maschine, schäumt das Hafenwasser, schallen Rufe, fliegen Festmacherleinen, knattern Segel. Ein Spektakel, das man in der Fördestadt wie in kaum einer anderen fast auf Armeslänge erleben kann. Währenddessen spielen alle paar duzend Meter Musikgruppen alte Lieder, erfreulicherweise (fast immer) ohne Lautsprecher. Schunkelnde Shantychöre hat hier noch niemand gesehen und auch nicht vermisst. Vom Gaffelmarkt wecken die verschiedenen Marktstände mit Schwaden vom Räuchergrill den Appetit. Andere löschen den Durst oder bieten alten und neuen Tüdeltand feil. Diese Stimmung gibt es nur hier und nur bei dieser Veranstaltung.
Die eigentliche Rum Regatta der großen und mittelgroßen Boote und Schiffe starten am Samstag auf der Inneren Förde, unmittelbar vor der Hafeneinfahrt. Wer nicht selber mitfahren kann, sollte sich vor dem Start am Harniskai einen guten Aussichtsplatz sichern. Da müssen alle dicht vorbeifahren und sind gut zu sehen.
Während des Tages lohnt der Aufenthalt am Fördestrand. Auf der dänischen Seite ist das am Fjord Vej bei Kollund Anleger, Lille Strand, und Sandager. Auf der deutschen Seite bietet sich der Uferweg bei Fahrensodde und Glücksburg an. Welche Seite der Förde die bessere Wahl ist, hängt von der Windrichtung ab.  Während des ganzen Tages fahren Aussichtsboote. Plätze sollte man sich frühzeitig sichern, die Nachfrage ist groß.
Wie gesagt: nur noch drei Wochen, aber dann...

Foto: Dewanger