25.08.17 Kaiserwetter zur Kongelig Classic

Gestern holte der Historische Hafen tief Luft und inhalierte einige Dutzend ganz alte, alte und noch nicht so alte Segelschiffe und -Boote aus Dänemark und Deutschland. Sie versammelten sie sich auf der Strecke vom Historischen Krahn auf dem Bohlwerk bis zur Hafenspitze. Einige kamen geradewegs aus dem Sommerurlaub, andere wollten die Saison noch über die Hanse Sail in Rostock hinaus verlängern. 
Die Kongelig Classic 1855 zeichnet sich als Regatta dadurch aus, dass die ansonsten getrennt segelnden ehemaligen Berufssegler und die immer noch segelnden klassischen Yachten auf der selben Bahn segeln, wenngleich getrennt gewertet. Und dass ihre Etappen Zielhäfen in zwei verschiedenen Ländern verbinden, hat auch Seltenheitswert. Sie beruft sich auf die vermutlich erste Regatta in der Westlichen Ostsee im Jahr 1855. Der Namen gebende dänische König war ihr Schirmherr, der allerdings nach unserer Kenntnis nicht selber teilnahm. Insofern entspricht die Regatta von heute auch diesem Punkt dem Original, denn Seine Königliche Hoheit nahmen auch diesmal nicht teil. 

Heute um zehn Uhr leerte sich der Hafen wieder und entließ die Teilnehmer, teils schon im Hafen unter Segeln, in die Wasserslebener Bucht zur Startlinie. Dort spielte sich auch auf dieser Regatta das übliche Gewusel vor der Startlinie ab, wenn jeder für sich die günstigste Position sucht. Ein schönes Bild wenn die alten Boote auf engem Raum kreuzen, während andere noch mit killenden Segeln ihre "Lappen" vorheißen. Und das ganze Geschehen unter einem strahlend blauen Himmel mit dicken sommerlichen Haufenwolken. Dazu noch ein Westwind von drei bis vier Beaufort, der Traum eines jeden Seglers, der schnell und komfortabel von Flensburg nach Sonderburg reisen möchte. 
Um elf Uhr Ortszeit knallte der Startschuss und das Feld ging auf die Bahn. Den hörten wir aber nicht mehr, denn wir waren schon unterwegs zu unserem Aussichtspunkt


AKELA kommt in Sicht
Als wir, mittlerweile am Steilufer von Holnis auf das Regattafeld warteten, sahen wir um 12:05 Uhr, wie AKELA die "Schwiegermutter" genannte Fahrwassertonne passierte. Das war eine Stunde nach dem Start! Nur 15 Minuten später kamen als erste größere Teilnehmer GRØNNE ERNA und WILLOW WREN gleichauf an der Schwiegermutter vorbei. Nach weiteren 15 Minuten war das Regattafeld in der Äußeren Flensburger Förde verschwunden.  

Wie gesagt, das Etappenziel des ersten Tages war Sonderburg. Der zweite und letzte Tag der Kongelig Classic hat Apenrade als Etappenziel. Wir wünschen den Crews und ihren Booten viel Freude an der Veranstaltung und eine gesunde Heimkehr!


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21.08.17 Größte Freude!

Frage: 
Was ist die größte Freude?

Antwort:
Zweitens, sein eigenes Boot segeln zu sehen. Die Gelegenheit hat dazu nicht jeder und wenn, dann vielleicht auch nur ein einziges mal.
Eine länger währende Freude machte uns heute eine liebe Bekannte indem sie uns Fotos schenkte auf denen wir in den Flensburger Hafen kreuzen. Dafür ganz besonders herzlichen Dank!




Zum Besten was uns der Flensburger Hafen bietet gehört, dass wir vom Liegeplatz weg segeln können und auch (fast) ohne Motor wieder zurückkommen können. Bei Wind mit Richtung aus SE bis SW heißt das:
Fotos (3): Heike Ehlerts
kreuzen bis hinter das Bohlwerk. Wir hoffen, dass auch Besucher des Hafens uns gerne zusehen und ein Funke unsere Begeisterung überspringt. 






Die Reihenfolge der Bilder täuscht. Was so aussieht, als wären wir von achtern als Überholer aufgekommen, hat so nicht stattgefunden. Die Fotografin segelte auf einer modernen, gut geführten Jacht. Die war schneller als wir. Das Vergnügen gönnen wir jedem, der uns überholt. Wir dürfen zum Ausgleich länger auf unserem Boot sein. Das macht es wieder wett. 

19.08.17 Historischer Hafen neu im Web

Der Historische Hafen Flensburg informiert mit einer neuen Seite über die Organisationen und Ereignisse in seinem Bereich. Die Seite umfasst als Rubriken "Aktuelles", "Schiffe", "Service und Information" und "Kontakt".

Die meisten unserer Leser kennen den Historischen Hafen. Täglich besuchen aber auch neue Freunde der maritimen Tradition die HAFENMELDUNGEN. Ihnen zur kurzen Information über den Historischen Hafen Flensburg:
Die gemeinnützige GmbH Historischer Hafen ist die Dachorganisation der Flensburger Vereine, die sich der Bewahrung maritimer Kultur widmen. Seine Gesellschafter sind Vereine mit den Schwerpunkten
Ehemalige segelnde Berufsfahrzeuge
Klassische Jachten
Dampf- und Motorschiffe
Schifffahrtsmuseums
Museumswerft Flensburg gehört ebenfalls zum Themenkreis "Maritime Tradition, wenn auch organisatorisch unabhängig.

17.08.17 Regatta naht - Trophäe weg


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Bilder von der ersten Kongelig Classis 1855

Siebenmal werden wir noch wach, dann treffen sich im Flensburger Hafen Teilnehmer der Kongelig Classic. Diese dreitägige Wettfahrt durch Förden und Sunde verbindet seit 2012 auf ihren Etappen drei Städte diesseits und jenseits der dänisch-deutschen Grenze: Apenrade, Flensburg und Sonderburg. In diesem Jahr beginnt die Wettfahrt in Flensburg, Ziel ist Apenrade. Ungewöhnlich bei dieser Regatta ist der historische Anlass im Jahr 1855, ungewöhnlich ist auch, dass traditionelle Segelyachten und Arbeitssegler auf derselben Bahn um Platz und Sieg kämpfen. In den drei Städten ist für Kurzweil gesorgt und die Besten der Etappen und der gesamten Regatta werden durch Preise ausgezeichnet und mit Anerkennung belohnt.
Da wundert es nicht, dass die Kongelig Classic jedesmal gut besucht wurde - von Teilnehmern der Regatten und von Besuchern an Land. Kein Wunder auch, dass die Wanderpokale begehrt sind mit denen sich die Schnellsten Segler ihrer Klasse schmücken dürfen, sind darunter doch auch edle Trinkhörner mit Silber von Robbe&Berking.

Im Jahr 1855, dem Jahr der ersten Regatta auf der Ostsee, als das Dabei-sein wichtig und das Gewinnen nicht unwichtig war, wurde das Wort Segelsport noch auf der dritten Silbe betont. Heute geht es manchem wohl mehr um die Trophäen.

Das Flensburger Tageblatt berichtet in seiner gestrigen Ausgabe unter der Überschrift Trinkhorn gestohlen, dass es jemandem offensichtlich zu umständlich war, wegen des Wanderpreises auf der Kongelig Classic zu segeln und zu gewinnen:
"Dreister Diebstahl beim Dänischen Yachtclub (DYC): Aus einer Glasvitrine im Vereinsheim Fahrensodde ist am 4. oder 5. August der Pokal Trinkhorn auf Sockel mt Silber entwendet worden. Der Segler Gerd Mankowski hatte den Pokal bei der deutsch-dänischen Regatta den kongelige Classic mit dem 95 Jahre alten 45-er Kreuzer "Küke" gewonnen: Da es ein Wanderpokal ist, müsste er eigentlich am 25. August bei der nächsten Regatta mitgebracht werden, damit Mankowski ihn verteidigen kann. Wer das Trinkhorn gesehen hat, möge sich an den DYC oder die Polizei wenden."
Anmerkung: Unter DYC war im Internet nur der Düsseldorfer Yachtclub und der Detroid Yachtclub zu finden. Deshalb hier ersatzweise die Kontaktseite der Seglervereinigung Flensburg e.V. mit Sitz in Fahrensodde.

15.08.17 Krankenschwester hilft nicht

Heute morgen berichtet das Flensburger Tageblatt auf Seite fünf den aktuellen Stand der Informationen über die Kollision der RoRo.Fähre FINNSKY mit dem Dampfeisbrecher STETTIN. Demnach ist die Diskussion über die neue Sicherheitsrichtline (SiRi) neu entfacht. Sie wurde schon vor dem Unfall sehr emotionalisiert, weil sie vitale Interessen der Schiffseigner, -Freunde und natürlich auch der vom Tourismus abhängigen Gewerbezweige berührt. Sechs oder acht Wochen vor einer Bundestags- bzw. Landtagswahl ist die erneut aufflammende Aufregung somit normal.

Nicht normal sind die kenntnisbefreiten Argumente beteiligter Interessenvertreter aus den Lagern der Politik und Traditionsschiffer. Dabei hat die BSU (Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung) ihre Ermittlungen noch nicht einmal begonnen. Zunächst wurden lediglich Positions- und Radaraufzeichnungen der Schiffe gesichert und der Unfall in die Kategorie "Wenig schwerer Seeunfall" eingeordnet - da meldet sich schon ein Landespolitiker mit der Feststellung, "dass auch bei der Traditionsschifffahrt die Sicherheit gewährleistet werden muss". Das hatte zuvor auch niemand infrage gestellt. Aber deswegen schürt so eine verdeckte Unterstellung zusätzliche Emotionen und erschwert eine allseits akzeptable Übereinkunft. Doch auch auf der anderen Seite wird gezündelt. Das Flensburger Tageblatt zitiert eine Stellungnahme aus der Reihe der Traditonsschiffer, die auf ihre Weise zeigt, wie wenig man die Gesprächspartner im Bundesverkehrsministerium ernst nimmt: Bei einem Unfall wie diesem heisst es da "...hilft es auch nicht, zwei Atemschutzträger und eine Krankenschwester an Bord zu haben." Nun hatte aber auch keiner behauptet, dass mit der Einführung der Siri jedwede Art Unfall verhindert wird. Und dass Krankenschwestern an Bord sein müssen wurde nie gefordert.

Mit einer mehr an der Sache orientierten Äußerung wird der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes der Traditionsschiffer GSHW zitiert. Er sagt: "Das Betonen der Sicherheit ist natürlich vollkommen richtig, allerdings wäre der Unfall auch mit der neuen Richtlinie nicht verhindert worden" und weiter: "Bis die Ermittlungen der BSU abgeschlossen sind, verbietet sich jede Spekulation".

Recht hat er. Aber es wird vermutlich nicht helfen. Denn vorher wird gewählt. 

13.08.17 Geht doch!

Man kann's nicht oft genug wiederholen: "Es ist Sommer, es ist Sommer, es ist Sommer".
Eigentlich wollten wir gestern mal wieder aufs Wasser. Zwar war Regen vorhergesagt, aber nachdem die Vorhersagen so oft falsch lagen, hätte es ja auch diesmal anders kommen können. Hätte. Aber so begann der Tag mit Regenschauern, steigerte sich zu kräftigen Regenschauern und wir machten einen Besuch im Museum. Aber nehmen wir es einmal positiv: Bruthitze und gleißendes Sonnenlicht ist auch nicht immer angenehm und schlechtes Wetter nutzt der Allgemeinbildung.
Aber heute sollte es besser werden. Von morgens bis abends heiter bis wolkig bei West 3 bis 4 und Böen bis 6. Was kam ist schnell gesagt: Vormittags feuchte Flaute. Nachmittags - man mag es kaum glauben: Wolkig bis heiter, West 3 bis vier, Böen sechs. Na also, geht doch! Weil wir nur den Nachmittag hatten, mussten wir etwas schneller segeln. Hat Spaß gemacht!      

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12.08.17 Kollision mit Eisbrecher STETTIN

Der NDR berichtet unter der Überschrift "Schiffstreffen der anderen Art" über eine Kollision auf der Hanse Sail in Rostock:
"Bei der Ausfahrt der Hanse-Sail-Flotte in Richtung Ostsee ist es am Sonnabendvormittag zu einer Kollision gekommen. Der Dampfeisbrecher "Stettin" mit etwa 180 Besuchern an Bord stieß dabei auf Höhe des Rostocker Überseehafens mit dem Fähre "Finnsky" zusammen. Die "Stettin" sei dabei beschädigt worden, bestätigte Hafenkapitän Gisbert Ruhnke: Das Hamburger Traditionsschiff habe ein kleineres Leck. Laut Polizei wurden drei Ausflugsgäste an Bord der "Stettin" verletzt. Der Dampfeisbrecher musste in den Hafen zurückkehren. Wie es zu dem Unfall kam, wird derzeit von den zuständigen Behörden untersucht."




Von den Verletzten abgesehen, hat der Dampf-Eisbrecher noch Glück im Unglück: Die Aussenhaut des Traditionsschiffs wurde knapp über der Wasserlinie aufgerissen.

12.08.17 Hundstage

Grauer Morgen, Nieselregen unter hängenden Wolken. Gefühlter Advent. Das Thermometer tiefer als die Stimmung. Wo sind die Kerzen, wo der Pullover? Heute segeln? Keine Frage.

Wie kalt wäre es ohne Klimaerwärmung? Brrr! Der nächste Winter kommt bestimmt. Er kann nur wärmer werden.

10.08.17 Streicherduo

Skizze (c): Werner Kühn
Ob sie noch in diesem Sommer mit der Elbfischerjolle GRETA segeln können, überlassen die Aktiven des Fördervereins nicht allein der Hoffnung.
Baum, Gaffel und Mast haben schon etliche Jahre auf dem Buckel. So kam es, dass Sonne, Wind und verwitterter Lack mit der Zeit tiefe Risse im Holz hinterlassen haben. Jetzt wurde es sorgfältig geschliffen, mit Pilzschutz behandelt und mit Leinölfirnis grundiert.
Leinölfirnis ist sehr kriechfähig, kommt also auch in die tiefsten Tiefen der Windrisse. Zusätzlich lässt es Feuchtigkeit, die noch im Holz enthalten ist teilweise entweichen, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. Es wird satt aufgetragen, aber nasse Stellen werden mit einem Lappen abgewischt, damit der Firnis schneller trocknet. Dazu braucht er dann etwa einen Tag. Die Lappen werden sorgfältig behandelt und entweder in Wasser aufbewahrt, oder an frischer Luft glatt zum Trocknen aufgehängt oder in ein feuerfestes Gefäß eingeschlossen. Anderenfalls können sie sich selbst entzünden.

Die Rundhölzer sollen anschließend noch mehrere Lagen Lacköl bekommen. Auch die Decksplanken müssen nach der Werftarbeit noch gereinigt und konserviert werden.
Es ist also eine Menge zu erledigen bis GRETA wieder segeln kann. Heute machte sich ein Streicher-Duo über die Rundhölzer her. Wenn Maler und das Wetter durchhalten, kann GRETA noch in diesem Monat wieder in See stechen.

08.08.17 GRETA wartet

Rechtzeitig vor Ende der Segelsaison, nach zwei Monaten Abwesenheit, ist die Elbfischerjolle GRETA wieder zurück im Museumshafen. Während ihrer Abwesenheit hat sie auf der Werft von Robbe & Berking ein neues Deck bekommen. Wie zu erfahren war, soll ein Sponsor einen Teil der Kosten übernommen haben. Wer kein eigenes Geld hat, muss sich nach der Decke strecken. So auch der Museumshafen. Gerne hätte man auf der Werft weitere notwendige Arbeiten mit erledigt. Aber dazu reichten die Mittel nicht.


Die Aktiven des Fördervereins der GRETA haben in den letzten Tagen das Unterwasserschiff gemalt. Während der Wertzeit wurden auch die Rundhölzer geschliffen. Die Gaffel und der Baum haben schon eine Grundierung erhalten. Jetzt liegt das 113 Jahre alte Boot mit der wechselvollen Geschichte beim Historischen Krahn am Bohlwerk und wartet, bis der Mast neu angemalt ist um gesetzt zu werden. Das kann noch eine Woche dauern, wenn an jedem Tag eine Lage Lack auf die Hölzer kommt. Die aktuelle Wetterprognose verspricht für die kommende Woche vier trockene Tage. Die GRETA-Freunde hoffen indes, in diesem Sommer auch wieder segeln zu können.

07.08.17 Abendstille

























Nach dem windigen Tief Fritz hat heute das ruhige Hoch Katja unser Wetter bestimmt. Am frühen Abend blieb von den ruppigen Böen der letzten Tage nur noch ein milder Hauch, gerade genug, um den Bornholmer Lachskutter VAAR  in gemessener Ruhe zum Liegeplatz zu steuern.
Schiffe kommen, Schiffe gehen. Der Museumshafen ist heute nahezu komplett verwaist. Nachdem ein Gast, ROMILDA, abgereist ist, liegen nur noch vier Boote am Bohlwerk.
Geblieben ist ein Sommerabend, wie man ihn sich sonst nur erträumen kann. 
Der sollte obendrein vom Schauspiel einer partiellen Mondfinsternis gekrönt werden. Tatsächlich war Frau Luna sehr gut zu sehen, von ein paar feinen Dunstschleiern leicht verhüllt. Sie leuchtete eine Weile in ungewohntem dunklem Orange. Ob das nun an den Dunstschleiern lag? Wer weiss. Der ruhigen Stimmung am Hafen hat es jedenfalls nicht geschadet.

06.08.17 Zwischen Fritz und Katja

Wetterkarte des Tages
Grafik: wetter.net
Flensburg liegt zur Zeit zwischen dem Einflußbereich des Tiefdruckgebiet Fritz (über Finnland) und dem Hochdruckgebiet Katja (über Süddeutschland). Über Jütland kuscheln ihre Isobaren enger als anderswo. Das sorgt schon seit Tagen für kräftigen Südwest bis Westwind mit Starkwindböen bei sinkenden Temperaturen. So auch heute. Teils heiter, teils wolkig und wenig Regen bei 4-5 bft und Böen um sieben - ideal, um sich ein wenig auf der Förde auszutoben.

Wie oft bei Westwind ist es am Vormittag im Hafen ruhig und von den Böen ist wenig zu spüren. Haufenwolken ziehen am Himmel wie es für Hochsommertage üblich ist. Nur das Licht scheint kälter zu leuchten; die Luft ist auch nicht richtig warm. Man hätte einen Pullover anziehen sollen.
Wir sind heute nicht das einzige traditionelle Segelschiff, das den Hafen verlässt. Vor uns ist bereits SEUTE DEERN aufgebrochen und während wir vor dem Schifffahrtsmuseum die Segel setzen, löst sich WILLOW WREN von ihrem Liegeplatz bei den klassischen Yachten. Mit Groß und Besan gehen wir auf Kurs Richtung Hafenausfahrt. Bei halbem Wind ist das Boot trotz dieser "amputierten" Segelführung gut zu steuern. Wir fieren lediglich die Besanschot etwas weiter als sonst und schon lässt der Druck aufs Ruder nach. Wir wollen ja noch im Hafen die Vorsegel setzen und haben es deswegen nicht eilig. Dennoch bewegen wir uns fast schon schneller, als die Polizei erlaubt. Im Flensburger Hafen sind das fünf Knoten.

Westwind ist einfach ideal. Trotz der hohen Gebäude und der Hänge am Westufer hat der Wind nur wenige Wirbel. Lediglich die Richtung dreht etwas auf Südwest - auch das ist kein Problem. Derweil setzt die erprobte Vorschoterin den Klüver. Da haben wir den Hafen schon hinter uns. Jetzt noch die Fock und schon zeigt das GPS um sechs Knoten an. Und der Wind nimmt zu. Davon bekommen wir zunächst nur wenig mit, weil wir jetzt wieder einmal backstags segeln. Da ist der Bordwind bekanntlich geringer. Mittags sind wir bei den Ochseninseln. Dort ankert SEUTE DEERN.

Was sollten wir mit dem angebrochenen Tag anfangen? Ebenfalls ankern? Oder einfach immer weiter bis hinter den Horizont segeln? Schließlich siegt die Vernunft. Denn mittlerweile ist auch der backstags einfallende Wind stark genug, uns in Böen immer wieder stark überliegen zu lassen. Eine moderne Slup vor uns luvt dann abrupt stark an. Auch bei bedecktem Himmer nennt man das einen "Sonnenschuss". Schnell kommt Holnis Enge näher und wir beschließen spontan, eine Halse zu fahren. Neuer Kurs Glücksburg. Schließlich müssen wir bis zum Hafen zurück kreuzen. Also erstmal die Pinne festlegen, Besanschot dichtholen, Großschot ebenso und "Rund Achtern!" Noch während der Vorbereitung wird das Wasser dunkel und die Wellen zeigen jetzt weithin Schaumkämme. Die Böe erreicht uns in dem Augenblick, als WIEBKE BOHLEN in der Drehung quer zum Wind läuft und schon nimmt sie weit überliegend Fahrt auf. Flog bis dahin die Gischt mit lautem Platschen von den Wellenkämmen, beginnt sie jetzt zu prasseln. In dem Augenblick, die Logge zeigt über sieben Knoten, erfasst uns blendend helles Sonnenlicht. Unter der Leekante des Decks ziehen die Schaumfladen der Bugwelle mit ziemlicher Geschwindigkeit vorbei. Jetzt leuchten sie hell auf. Oh warum ist jetzt keine Kamera bereit die dieses tolle Bild festhält! Aber auch eine Zweiercrew hat nur zwei Hände: eine für das Schiff, eine für den sicheren Halt.

Nun aber sauber auf Kurs gehen und die Schoten justieren. Der Klüver ist besonders wichtig. Sind die Schoten zu dicht, kostet das Geschwindigkeit. Man spürt förmlich, wie sich das Boot quält, wie ein Auto mit angezogener Handbremse. Es will und kann schneller, wird aber hart herunter gebremst.
Wir fahren unsere 20 Tonnen ohne Winschen. Das ist kein Problem, solange die Schot rechtzeitig belegt wird. Der beste Augenblick ist dafür, wenn die Vorschoterin ruft "Schot frei!". Dann fliegt die bisherige Schot nur so von ihrer Klampe. Schon geht der Bug durch den Wind. Kurz darauf kommt "Schot belegen!"; jetzt die neue Schot ganz schnell und ganz dicht auf ihrer Klampe fest belegen. Auf dem neuen Kurs wird sie gefiert, wenn nötig. Schon wenig macht einen großen Unterschied. In unserem Fall ist das ein halber Knoten.  Nun sind wir dicht vor unserer Rumpfgeschwindigkeit*). Mehr geht ohnehin nicht.

Acht oder zehn Wenden und Halsen später sind wir wieder vor dem Hafen. Mit einem Holeschlag in die Wasserslebener Bucht verschaffen wir uns eine günstige Position um, die Einfahrt zu passieren. Wir mogeln uns ganz dicht am Wulstbug der neu gebauten Fähre vorbei und schrammen in dichten Abstand entlang der Mole am Harniskai, bis uns der Knick in der Hafenkante erlöst und wir einmal quer durch den Hafen zu Westseite beim Bohlwerk verholen können. Jetzt kommend die Vorsegel runter. Hinter den Dalben des Museumshafens stellen wir das Boot in den Wind. Die Gaffelsegel fallen. Eine spritzige Ausfahrt ist zuende. Und kalt ist uns auch nicht geworden.
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*) Das sind bei unserem Boot ca. 8,3 Knoten (etwa 15 km/h)

Die Wettervorhersage verspricht Böen (hat Recht gehabt)

Nachtrag:
am 21.08.17 sandte eine freundliche Bekannte und gute Fotografin Fotos, wie wir in den inneren Hafen hineinkreuzen. Dafür herzlichen Dank!


03.08.17 Realistisch malerisch


Leider eignet sich nicht jeder Tag für einen Ausflug aufs oder ans Wasser. Hier eine Empfehlung aus eigener Sicht was man auch bei Niesel- oder Sturzregen in Flensburg sinnvoll unternehmen kann:

Im Robbe & Berking Yachtig Heritage Centre können kunstsinnige Yachtliebhaber einen ungewohnt alt-neuen Blick auf Boote in der Regatta werfen und damit ihrem Bild vom Segelsport eine neue Dimension verleihen.
Wie schon Maler des Impressionismus vor mehr als 100 Jahren Segelboote in freier Natur malten, haben jetzt neun Mitglieder der Künstlergruppe "Norddeutsche Realisten" ihre Eindrücke von der letzten Europameisterschaft der Zwölfmeterklasse festgehalten. Teils auf Leinwand mit Ölfarbe, teils in Acryl. Auch auf Papier und Pappe - aber alles unter freiem Himmel und unmittelbar im Geschehen. Das war für die mitwirkenden Künstler nicht ganz einfach, denn mit jedem Blick hatte sich die Szenerie vor ihren Augen schon wieder verändert und damit neue Bedingungen für die Komposition geschaffen. Dazu der Kampf mit dem Wind, der an den Staffeleien zerrte und mit dem Gleichgewicht auf schwankenden Booten.
Liegt es am besonderen Blick der Künstler? oder an der im Vergleich zur Kamera unsagbar langsamen Bilderstellung? Oder an Sturm, Regen und diesigem Wetter während der Regatta? Egal, die Bilder vermitteln ein neues Bild vom Yachtsport, weit ab vom durch Action und Dramatik geprägten Kanon der aktuellen Regatta- und Yachtfotografie. Großformatige Fotos der selben Regatta bilden einen reizvollen Kontrast zu den Werken der Maler.

02.08.17 PEKING erreicht Werft

Heute morgen um 06:30 Uhr begann das so genannte "Ausdocken" des historischen Viermasters PEKING aus dem Transportschiff CARGO III. Damit endete ihre vorerst letzte Atlantikreise, der vermutlich keine weitere folgen wird. Gleichzeitig schwappe erstmals nach vielen Jahren wieder Elbwasser gegen ihren Rumpf. Könnte das Schiff lächeln, dies wäre der Moment dafür gewesen. 

Das Flensburger Tageblatt berichtet schon heute über das Ereignis. Während die Profis von der Presse dehalb ab dem frühen Morgen auf den Beinen waren, zogen es die HAFENENMELDUNGS- Blogger vor, bei sportlich-böigem Wetter auf der Förde zu segeln. Das war nicht ganz so spektakulär wie die kurze Reise der PEKING aber auch wert, dabei gewesen zu sein.


01.08.17 Besser als PEKING

Derzeit wird das Ruderblatt des Isefjordbootes ABSALON restauriert
Ist doch immer wieder interessant zu erleben, wie sich Ereignisse überschneiden.

Die Stiftung Hamburg Maritim arbeitet seit Jahren daran, den Viermaster PEKING aus New York nach Deutschland zurück zu holen. Am Sonntag ist der desolate Frachtsegler in Brunsbüttel angekommen. Er liegt noch bis morgen auf seiner Helling im Bauch des Dockschiffes CARGO III und wartet auf den günstigsten Stand der Tide bei Tageslicht. Morgen früh ist es dann soweit: Das Dockschiff wird abgesenkt, PEKING schwimmt auf, wird von Schleppern elbauf nach Wewelsfleth geschleppt um von der Peters Werft an der Stör repariert und restauriert zu werden*). 
Wenn danach etwa drei Jahre verstrichen und 26 Millionen Euro Bundesmittel verbaut sein werden, soll das Schiff als "Liegendes Museumsschiff" einen Platz in Hamburg einnehmen. Wo genau das sein wird, wird derzeit noch diskutiert, weil Mancher gerne solch einen attraktiven Blickfang vor seinem Bürofenster haben möchte. Segeln wird PEKING allerdings nicht mehr.


Ein paar Kilometer weiter südlich läuft seit längerem ebenfalls ein Restaurationsprojekt, um ein altes Segelschiff vor dem Verfall zu retten und es als Kulturzeugnis zu erhalten. Dieses Projekt kommt allerdings ohne finanzielle Unterstützung der Bundesrepublik und anderer generöser Unterstützer zurecht. Schließlich fällt die Arbeit an ABSALON in den Bereich der Liebhaberei und dient somit nur dem perönlichen Lustgewinn. Folgerichtig bezeichnen die Skandinavier Boote wie das Isefjordboot ABSALON treffend als Lystbaade, also Lustboote. Dennoch sind sie für die maritime Tradition der Küstenorte mindestens so bedeutend wie die großen Blauwassersegler. Und für die Anziehungskraft von Hafenfesten ebenso. Man stelle sich einmal vor, die Rumregatta oder die Kieler Woche vor ohne Kutter, Ketschen, Schoner, Galeassen, Botter, Heckschiffe, Ewer, .... schon die (unvollständige) Aufzählung spiegelt die immense Vielfalt der Schiffstypen, die einst das Bild der Hafenorte prägten. Und alle, alle segeln.

So, daran wollten wir gerne noch mal erinnern, wenn wir den neuesten "Stand der Dinge" bezüglich ABSALON in Bildern zeigen. Die wackere Reparaturcrew macht sich weiterhin humorvoll Mut und kommentiert die Fotos sehr trocken und in mehr als einer Hinsicht zutreffend mit den Worten "Besser als PEKING".

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*) Das Manöver wird am 02. August ab 5:00 Uhr auf NDR Welle Nord übertragen.


Das Ruderblatt von hinten. Original (oben) und Nachbau (unten