18.05.18 Zwei Projekte im Vergleich

In Flensburg werden derzeit zwei historisch bedeutende Schiffe originalgetreu nachgebaut. Von beiden gibt es nur noch Fragmente der ursprünglichen Rümpfe und beide benötigen zu ihrer Fertigstellung gleich hohe Budgets. Das eine ist FEUERLAND, ein ehemaliges Expeditionsschiff. Das andere eine 12mR Yacht, die JENETTA. Während das Projekt FEUERLAND auf der Museumswerft gerade angelaufen ist, hat das Projekt JENETTA bei der Robbe & Berking Classics ein paar Monate Vorlauf. 


FEUERLAND
Am achten Mai begann die originalgetreue Restaurierung des historischen Schiffes auf der Museumswerft Flensburg. Sie wurde dafür vom Förderkreis Kulturdenkmal Expeditionsschiff FEUERLAND e.V. ausgewählt. 

FEUERLAND einst: 1928 im Atlantik
FEUERLAND jetzt: auf der Museumswerft angekommen
Das Schiff hat seit seiner Fertigstellung im Jahr 1927 in Büsum ein wechselvolles Schicksal durchlebt. Der Fliegerheld und Forscher Günther Plüschow hat das Schiff 1927 für seine zweite Südamerika-Expedition bauen lassen. Er nutzte sie als schwimmende Basisstation für sich und seine Crew. Schon 1929 musste er sie aus Geldmangel an einen englischen Schafzüchter verkaufen. Sie bekam den Namen PENELOPE und machten mehrere Reisen für eine Familie Hamilton. 1938 wurde das Schiff aufgelegt. Im Jahr 1946 kaufte die Regierung der Falklandinseln die PENELOPE und so fuhr sie die nächsten Jahre als Transporter zu entlegenen Farmen auf den Falklandinseln. Als Kapitän Buchner, der die Falklands 2001 mit einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff besuchte, die FEUERLAND entdeckt und gekauft hatte, versuchte er das Schiff auf eigenem Kiel nach Büsum zu fahren. Aber das Deck war mittlerweile undicht und die Sicherheit der Besatzung durfte nicht gefährdet werden. So kam die FEUERLAND schließlich 2006 mit dem Containerschiff MONTE CERVANTES nach Hamburg. Von da aus besuchte es noch einmal seine "Geburtsstadt" Büsum und kam anschließend zu seiner bislang vorletzten Station wieder nach Hamburg auf die Werft des Vereins "Jugend in Arbeit". Nun erreichte sie Flensburg als vorläufig letzte Station - auf einem Sattelschlepper. Die wechselvolle Geschichte hat - man sieht es auf den ersten Blick - tiefe Spuren an dem Rumpf hinterlassen, der jetzt hier restauriert werden soll.

Wenn das Projekt FEUERLAND auf der Museumswerft in Flensburg eines Tages erfolgreich abgeschlossen sein wird, ist vermutlich von dem jetzt auf dem Gelände an der Schiffbrücke aufgepallten Rumpf nicht mehr viel übrig geblieben. Kurz gesagt: Die Restauration wird voraussichtlich auf einen Neu- oder Nachbau herauslaufen. Dafür wurde als Kostenrahmen rund eineinhalb Millionen Euro veranschlagt. 

JENETTA
JENETTA einst
Foto: Robbe & Berking Classics
Die Werft Robbe & Berking Classics hat sich auf den Bau und die Restauration Klassischer Yachten spezialisiert, die nach der "Meter-Formel" entworfen wurden. Nach erfolgreichen Projekten, wie die Restaurierung der SPHINX und der Neubau der Baunummer 434 von Johann Anker, soll jetzt die berühmte JENETTA zu neuem Leben erweckt werden. Das Projekt führt die Werft in eigener Regie durch, ein Käufer wird derzeit noch gesucht. 
JENETTA wurde 1939 von dem berühmten amerikanischen Yachtdesigner Alfred Mylne für den britischen Zuckerkönig Sir William Burton als 12mR Yacht gebaut. Das war ein Jahr, nachdem die FEUERLAND auf den Falklands aufgelegt wurde. Sie ist die längste ihrer Art überhaupt - und sie war auch eine der schnellsten. Auch sie hatte eine wechselvolle Geschichte und kam in den achtziger Jahren nach Kanada. Während ihre Erfolge auf den Regattabahnen verständlicherweise gut dokumentiert sind, ist über ihre späten
Jahre nur wenig bekannt. An ihren Resten war abzulesen, dass zuletzt Reparaturen mit ungeeignetem Material versucht wurden, bis sie vor zehn Jahren im Lake Pitt bei Vancouver sank. Was von ihr übrig blieb, hat Oliver Berking vor zwei Jahren im Container nach Flensburg geholt. 
JENETTA: nur die Kielsektion blieb erhalten
Viel ist nicht mehr von ihr zu gebrauchen, wenn man vom Ballastkiel absieht. Der ist allerdings sehr wertvoll. Denn ein Nachbau einer Yacht auf dem originalen Kiel, darf unter seinem ursprünglichen Namen im Yacht Register geführt werden. Zwei Jahre soll es dauern, bis die neue JENETTA vollendet ist.
Zufällig wird auch dieses Projekt mit etwa 1,5 Millionen Euro bewertet.  


Wir sind gespannt auf den Fortschritt der beiden Projekte, die kaum unterschiedlicher sein könnten, aber zufällig gleichzeitig in Flensburg für den selben Betrag jeweils einem historischen Schiff zu einem neuen Leben verhelfen sollen. 

17.05.18 FEUERLAND: Alles im Lot

Auf der Museumswerft verkünden erste Hammerschläge den Beginn der Restaurierungsarbeiten an dem historischen Expeditionsschiff FEUERLAND. An Vor- und Achtersteven geben Lotleinen die erste Orientierung für die Mittelebene des Rumpfes vor. 

Vor neun Tagen erreichte die FEUERLAND, das Expeditionsschiff des Amateurforschers und Fliegers Günther Plüschow bzw. was von ihr noch übrig ist, die Museumswerft in Flensburg. 
FEUERLAND
Foto: WIKIPEDIA
Wie berichtet, soll der kaputt getrocknete Rumpf hier originalgetreu wieder hergestellt werden. Schließlich ist das Schiff  unter der Objektnummer 21806 als "bewegliches Kulturdenkmal" in die Denkmalliste des Kreises Dithmarschen eingetragen. 
Jens Fiedler, Initiator und Geschäftsführer des Förderkreises Expeditionsschiff FEUERLAND e.V. berichete bei der Ankunft des historischen Schiffes, dass unter allen möglichen Werften nur die Museumswerft in Flensburg für die anspruchsvolle Restauration infrage kommt. Nachdem der Versuch, diese Aufgabe durch den Verein "Jugend in Arbeit Hamburg" zu bewältigen an dessen Insolvenz scheiterte und die Mittel für Ein-Euro-Jobs gestrichen worden seien, musste für das Schiff eine neue Heimat gefunden werden. Hierfür hätte sich eigentlich Büsum als Geburtsort der Feuerland angeboten, sagte er, aber die dortige Werft existiere nicht mehr. Den Tipp, die Museumswerft auf die FEUERLAND anzusprechen, kam von Arved Fuchs, dessen DAGMAR AAEN im Museumshafen liegt und der auch zum Führungsteam des Fördervereins des Schifffahrtsmuseums gehört. Dort ist noch in diesem Jahr eine Ausstellung zu dem Flugpionier und Feuerland-Forscher Günther Plüschow geplant. Die Flensburger Museumswerft habe sich durch ihre Erfahrung bei Bau und Reparatur historischer Holzschiffe für dieses Projekt qualifiziert. Tags drauf berichtete das Flensburger Tageblatt: 
"Die Flensburger Museumswerft sei der ideale Partner für das Projekt, sagte Fiedler. Deren Leiter Uwe Kutzner ergänzte, die Werft sei spezialisiert darauf, historische Holzschiffe nachzubauen oder zu restaurieren, die in der Region von Bedeutung waren. „Wir sind überaus glücklich, diesen Auftrag abwickeln zu dürfen." *)
Zudem sprächen die Umgebung mit dem Historischem Hafen, Schifffahrtsmuseum und Museumshafen für diese Wahl. 

Zur Durchführung des Projektes erfahren wir, dass Beginn und Dauer in erster Linie von der Finanzierung abhängt. Die Gesamtkosten werden auf 1,4 Millionen Euro geschätzt, davon ein knappes Drittel alleine für den Rumpf. Alle Angaben natürlich mit den notwendigen Vorbehalten. Bei idealen Voraussetzungen könnte der Rumpf mit sechs Leuten in einem Jahr fertiggestellt werden. 
Die Restauration wird im wesentlichen in sechs Schritten durchgeführt, erfuhren wir:
  1. Der Rumpf ist derzeit verdreht und muss zunächst ausgerichtet werden
  2. Die Kielplanken und der Kiel werden herausgenommen
  3. Steven und Kiel werden erneuert
  4. Die Balkweger werden erneuert
  5. Jede zweite Planke wird durch neue Planken ersetzt
  6. Stopperplanken vollenden die Restauration des Rumpfes
Während der Arbeit müsse der Rumpf durch eine Überdachung gegen das Wetter geschützt werden.

Zur Finanzierung wurden verschiedene Ideen skizziert. Unter anderem die, dass "Plankenpaten" gewonnen werden sollen, welche eine Patenschaft für einen oder mehrere Meter Planke übernehmen - bei 1000 Euro pro Meter. Allgemein soll ein Mix von Sach- und Geldspenden den Bau finanzieren.

Wenn sie fertiggestellt ist, soll die FEUERLAND als Traditionsschiff vom Museumshafen aus Reisen unternehmen. Als Wunschziel wurde Südamerika genannt. 

Die Überlegungen der Museumswerft gehen noch weiter in die Zukunft. Nach Abschluss des Projektes "FEUERLAND" soll an der selben Stelle der Westindiensegler gebaut werden, dessen Modell in der kleinen Werfthalle besichtigt werden kann.
______________________________________
*) Quelle:  https://www.shz.de/19798036 ©2018

16.05.18 RAKEL: Neues Leben aus Ruinen?

Wer hätte das gedacht! Seit das ehemalige Fischereifahrzeug aus der Werft des berühmten norwegischen Schiffsbauers Colin Archer am 22. Juni 2013 auf der Fahrt von Bremerhaven nach Helgoland in Seenot geriet, stand ihr Schicksal in den Sternen. Jetzt könnte das Schiff eine neue Chance bekommen

RAKEL heute in Egernsund. 
Da fährt man arg- und ahnungslos zu seiner Werft nach Egernsund, um einen Termin für die alljährliche Reinigung und Kontrolle zu vereinbaren. Kurz vor der Werft sehen wir den Rumpf der RAKEL, die seit mehr als vier Jahren zwischen Hoffen und Bangen auf eine vollständige Restauration wartet. Nachdem auf der Werft von Christian Johnson wichtige strukturelle Verbesserungen an dem sanierungsbedürftigen Rumpf vorgenommen wurden, ging dem damaligen Eigner das Geld aus. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt nicht schwimmfähig und belegte einen Platz auf der meist gut ausgelasteten Helling. Nach einigem Hin und Her wurde der Rumpf durch kräftige Kunststoffplanen soweit abgedichtet, dass es wieder zu Wasser gelassen werden konnte. Seitdem liegt es in Egernsund auf. Verschiedene Versuche die Restaurierung fort zu setzen und das Schiff mit einem neuen Betriebskonzept wieder in Fahrt zu bringen, scheiterten. Wir berichteten in mehreren Artikeln über diese wechselvolle Phase im Leben des mittlerweile 122 Jahre alten Seglers.
Wir sehen also diese traurige Schiffsruine und bedauern wie schon vorher oft unsere Unfähigkeit, dem alten Segler zu helfen. Aber kurz danach erfahren wir, dass er jetzt wohl eine neue Chance bekommt und in seinem langen, wechselvollen Leben ein neuer Abschnitt beginnen soll. Was ist geschehen?

Das, was von dem alten Schiff noch vorhanden ist, hat erneut den Eigentümer gewechselt. Der will  den Rumpf noch in diesem Sommer nach Lübeck verholen, um dort die Restauration zu vollenden. Als wir ihm heute begegneten, montierte er gerade die Schraubenwelle eines alten Fischkutters. Der soll den Rumpf der RAKEL nach Lübeck schleppen. Zuvor soll RAKEL Auftriebstanks bekommen, die ihn notfalls über Wasser halten sollen. Das sei eine Forderung des Hafenmeisters in Lübeck, erfahren wir.

Wir wünschen dem Schiff und seinem neuen Eigner viel Erfolg! Auch wenn die Voraussetzungen sehr unsicher scheinen: Auch der wunderbar wiedererstandene Finkenwärder Hochsee-Ewer PROVIDENTIA HF42 wurde gerettet, nachdem er einmal kurz vor seinem unabwendbar scheinenden Ende zu stehen schien. Das war auch in Egernsund. Vielleicht gibt es ja einen "Genius Loci", der diesmal RAKEL unter die Arme greift.

15.05.18 Mother's Litte Helpers (7): Von Hand schleifen

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Leben einfacher machen. Sie müssen nicht unbedingt Geld kosten. Hier zwei Helferlein, die uns immer wieder nützlich sind.

An einem Holzboot gibt es immer was zu schleifen. Mal muss der Lack erneuert, mal ein neues Bauteil geglättet werden. Grobe Unebenheiten werden mit dem Hobel geglättet, alte Farbschichten mit dem Kratzer abgezogen. Danach kommt schleifen, schleifen, schleifen.

Dafür gibt es verschiedene mehr oder minder teure Elektrogeräte. Alle brauchen Schleifpapier, das meist mit einer Klettverbindung an den Geräten befestigt wird. Es dauert oft nicht lange, und die Aufnahme am Werkzeug will partout nicht mehr die zugehörigen Schleifblätter festhalten. Ergebnis: die Blätter fliegen weg und eine neue Aufnahme muss her. Das passiert natürlich besonders gerne während die ersten dunklen Wolken am Horizont aufziehen oder ein wichtiger Besuch unmittelbar bevorsteht.
Das alleine ist schon Grund genug, sich nach einer Alternative umzusehen. Dazu kommt der teilweise nervtötend schrille Ton der meisten Elektrowerkzeuge.

Deshalb wird bei uns an Bord größtenteils alles von Hand geschliffen. Das ist zwar körperlich anstrengend, aber ein Besuch im Fitness Studio treibt auch die Schweißperlen auf die Stirn. Leider ist es nicht einfach, gutes Schleifpapier billig zu bekommen. Was in Baumärkten angeboten wird ist meist viel zu dünn. Wenn es knittert, was immer wieder vorkommen kann, reißt es zuerst an den Kanten und zerfällt kurz danach in kleine Stücke, noch bevor die Schleifkörner stumpf geworden sind. Mit anderen Worten: Man  verwandelt pro Quatratmeter Oberfläche vermutlich auch einen Quadratmeter Schleifpapier in kleine Fetzen. Allerdings könnte man auch Schleifpapier für den Bedarf von Schreinern oder anderen Profis kaufen. Das ist aber entsprechend teuer. Wir haben gute Erfahrungen mit drei anderen Möglichkeiten gemacht:
  • Wir bestechen einen Möbeltischler und bekommen seine gebrauchten meterlangen Schleifbänder der Flachschleifmaschine. Die sind zwar schon etwas stumpf, aber das Trägermaterial ist sehr belastbar. Dazu sind sie erschwinglich, wenn der Tarif "eine Flasche guten Burgunders für drei Schleifbänder" akzeptiert wird. 
  • Wir kleben billiges selbstklebendes Tape auf die Rückseite des dünnen
    Rückseite von dünnem Schleifpapier, an den Rändern
    mit Silbertape verstärkt. 
    Schleifpapiers aus dem Baumarkt. Mit der Verstärkung hält es viel länger als ohne. Das lohnt also den Preis für das "Silbertape". Wir bekommen es hier beim Billigheimer.
  • Wir verzichten auf Elektrogeräte, schleifen von Hand, benutzen aber die dazu gehörigen Schleifpapiere mit dem Klettvlies auf der Rückseite. Sie halten erheblich länger als das "normale" Schleifpapier aus dem Baumarkt. Durch Sonderangebote bei ALDI oder LIDL ist es zudem unterm Strich auch erheblich billiger. Bewährt haben sich die runden Blätter für Exzenterschleifer.
Bleibt noch ein Vorteil den Elektrogeräte gegenüber dem konventionellen Schleifen mit der bloßen Hand haben könnten, wenn das Klettvlies lange genug durchhielte. Genügend große Aufnahmeflächen eignen sich besser zum Schleifen ebener oder schwach gerundeter Oberflächen. Wo die Hand den oft vorhandenen Beulen folgt, werden durch eine ebene Schleif-Fläche Erhebungen schneller abgetragen und im Ergebnis wird die geschliffene Fläche besser geglättet. Allerdings neigen rotierende Elektrogeräte dazu, dass sich das Schleifpapier unterschiedlich abnutzt. In der Rotationsmitte am wenigsten, an den Rändern am stärksten. Letzteres besonders, weil nahezu Jeder oder Jede mit zu viel Druck arbeitet und außerdem nur mit dem Rand des Tellers. Ergebnis: Das Schleifpapier ist nach kurzer Zeit unbrauchbar, obwohl der größte Teil seiner Fläche noch scharf ist.
  • Deshalb schleifen wir auch derartige Flächen von Hand, aber kleben das Schleifpapier
    Handelsübliches Schleifpapier mit Teppich-Klebeband auf
    ein Kantholz geklebt. Wichtig: Bis an den Rand kleben!
    mit doppelseitig klebendem Band ("Teppichklebeband") auf einen handlichen Holzklotz passender Größe. Bei großen Flächen kleben wir einfach mehrere Schleifpapiere nebeneinander, wie es gerade sinnvoll ist. Die Verlängerung der Standzeit ist nach unserer Erfahrung phänomenal. Besonders dann, wenn wir den Klotz mit dem Schleifpapier in kurzen Abständen immer wieder hart aufschlagen. Dann setzt es sich nicht zu.

13.05.18 Nun ist sie vorbei

Die 39. Rumregatta ist Geschichte - eine schöne Geschichte. Bei herrlichem Sommerwetter und frischem Wind gab es am Samstag auf der Flensburger Förde Segeln vom Feinsten.

BODIL nur mit Fahrtwind
Noch am Freitag bestimmt die Flaute, Feind jeden Seglers, auf der Flensburger Förde das Regiment. Anstatt wie die meisten Teilnehmer aus Flensburg zur ca. 20 Seemeilen entfernten dänischen Hafenstadt  Sonderburg zu segeln, um mit den meisten Teilnehmern der tags darauf startenden Rumregatta nach Flensburg zurück zu fahren, wollen wir auch in diesem Jahr den einlaufenden Schiffen und Booten entgegen segeln um möglichst viele schöne Fotos von dem Feld der alten, historischen, traditionellen oder auch nur so aussehenden Booten und Schiffen zu schießen.
Selbst die als besonders schnelle Seglerin bekannte ANA
bemüht ihren Motor.
Doch wie so oft im Leben gilt auch jetzt: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein J.W. von Goethe dichtete. Nach vier Stunden haben wir dennoch die Ochseninseln erreicht aber noch keinen Teilnehmer der Fjord Regatta gesehen. Erst am Nachmittag kommen sie, vom Dieselwind bewegt, mit rauschenden Bugwellen durch Holnis' Enge und streben unverzüglich Richtung Flensburg. Allen voran JENSINE aus dem Jahr 1852, laut dem  Schiffshistorischen Archiv Flensburg der "älteste hölzerne Segler Dänemarks im Originalzustand" (wenn man mal vom Dieselmotor absieht). Also nix mit Fotos von alten Seglern mit vielen Quadratmetern Leinwand an den Masten. Um Aufsehen zu vermeiden ("habt ihr einen Maschinenschaden?") packten wir schließlich ebenfalls die Segel ein und drückten den Startknopf. Das hat auch seine gute Seite, kann doch der Motor mal wieder zeigen, wozu er an Bord ist.
Zwischenhoch über Dänemark und Schleswig-Holstein lässt die Luft still stehen. "Tiefe Stille herrscht im Wasser, ohne Regung ruht das Meer", wie
Die alten Schiffe liegen auch unter dem Historischen Krahn
Wer als Letzter von rund einhundert Schiffen in den Hafen einläuft, muss festmachen, wo noch ein freier Platz ist. Aber es macht sich schon bemerkbar, dass in diesem Jahr weniger Traditionssegler nach Flensburg kamen, als sonst. Das Flensburger Tageblatt berichtet von 99 Seglern, die an der Regatta teilnehmen. Wir finden gleich am Bohlwerk einen guten Platz neben angenehmen Nachbarn und machten uns erst mal was zu essen. Nicht, dass es während der Rumregatta an Nahrung mangelt, aber
... und auch am übrigen Bohlwerk
die Skipperin kocht eben doch besser. Auf der hölzernen Anlegebrücke herrscht Hochbetrieb, denn zusätzlich zu den ohnehin meist sehr zahlreichen Gästen von Bens Fischütte, versammeln sich zahllose Besucher und Schiffsleute um mal zu gucken, wer alles gekommen ist. Über das  vielsprachige Stimmengewirr hinweg klingen die Melodien eines gemischten Chors junger Leute. A capella gesungene, tolle Melodien und ein endloses, fröhliches Repertoire. Langsam senkt sich die Dämmerung über den Hafen und auf Schiffen und Booten gehen unter Segeln die Lampen an, lassen hier die Leinen aus dem Dunkel aufscheinen und dort
Auch die Jollen sind gut vertreten.
die eine Ecke eines Deckshauses. An Bord der alten Fischkutter und Frachtsegler sitzen Gruppen junger und jung gebliebener Seefreunde und Sehleute zusammen.
Schon um Mitternacht lichtet sich die drangvolle Enge auf dem Bohlwerk und zwischen den Buden des Gaffelmarktes. Wer will, kann jetzt ruhig schlafen.

Am Samstag Morgen um sieben Uhr ist die Welt immer noch in Ordnung. Wenige
Fotografen sind an der Kaikante auf der Suche nach einem interessanten Motiv unterwegs.
Begegnung auf der Regattabahn
Auf dem Gaffelmarkt bauen die erste Gastronomen Tische und Bänke auf. Um neun Uhr ist Skipperbesprechung die wir diesmal wieder schwänzen. Wir sind bekennende Regattamuffel und wollen das auch nicht ändern. Aber schon bei der Begrüßung auf dem Motorgüterschiff GESINE haben wir eine Startnummer bekommen, die wir jetzt wunschgemäß auf Steuerbord befestigen. Man kann ja nie wissen. Schließlich hat so eine Wettfahrt auch ihre interessanten Seiten. Nehmen wir beispielsweise den Start. Bei Regatten, die unter Wettkampfbedingungen stattfinden, fällt an der Startlinie oft die Entscheidung über Sieg
Beim Kreuzen wird es manchmal eng ...

und Niederlage. Als Erster über die Startlinie: Der einzige Moment, wo die Chancen unterschiedlicher Schiffe noch gleich verteilt sind und allein Taktik und Gefühl für das eigene Schiff zählt.  Die Rumregatta ist glücklicherweise nur eine "unernste" Geschwaderfahrt auf der bekanntlich nicht der Erste, sondern der Zweite den begehrten Preis erhält. Nur hat sich das bei manchen Teilnehmern auch nach mehrmaliger Teilnahme immer noch nicht rumgesprochen. Vielleicht weil zu oft vom Rum gesprochen wird, wenn wir
... manchmal auch nicht
uns mal diesen Kalauer erlauben dürfen.
Es gibt Schiffe die auch unter guten Skippern schlecht abschneiden, und es gibt andere,  die immer Erste werden (oder Zweite, respektive) ohne damit ein Werturteil über die Skipper zu fällen.
Wie gesagt, unser Vergnügen ist, möglichst als Erste über die Startlinie zu gehen. Ob uns das heute wieder einmal gelungen ist, wissen wir leider nicht, notiert wird nur, wann die Ziellinie überfahren wird. Weil der Wind beim Start aus Ost weht, starten wir auf der Westseite, segeln auf Backbordbug, haben also das Wegerecht schon gleich beim Start. Ab der ersten Wende müssen wir bis Holnis Enge kreuzen.
Ideal für halben bis raumen Wind: Das Besanstagsegel
Foto: Johannes Bieniek
Dort, Beim Runden der Tonne 12 fällt uns auf, dass wir jetzt doch die Hälfte der Regatta mitgesegelt sind. Wie es dazu kam? Null Ahnung - sind wir doch eigentlich Regattamuffel. Zurück geht es heute erheblich schneller. Backstags mit vier bis fünf Windstärken. Ideal, für das Besanstagsegel. Sobald es steht, geht die Geschwindigkeit um fast einen Knoten rauf. Der Gedanke, jetzt auch noch schnell auf den großen Klüver zu wechseln, müssen wir seufzend verwerfen. Zu viel Zeit ginge dabei verloren. Aber die 15 qm mehr an Segelfläche wäre noch gut zu verkraften. Doch wir sind
Dazwischen auch die Jollen -
mit beachtlicher Geschwindigkeit.
nur zwei Alte plus einem netten Nachbarn an Bord, der aber noch nie auf einem Segelschiff war. Also lassen wir es dabei, sechs Knoten ist für uns auch schon ganz nett.
Bald ist die Ziellinie erreicht und weil wir nun doch so halb gegen unsere Absicht das Rennen mit gefahren sind, zeigen wir auch die Regattanummer 038 und werden mit einem kurzen tröten als Teilnehmer quittiert.
Die Teilnehmer der Rumregatta segeln extrem unterschiedliche Boote: Wikingerboote, Fischerboote, Frachtsegler, Zollkreuzer unterschiedlicher Größe und Baujahre. Um für ein Mindestmaß an Gerechtikeit zu sorgen, wird jedes teilnehmende Schiff oder Boot einer Klasse zugeordnet. Also, alle Wikingerboote gehören zur selben Klasse.
In diesem Jahr gehören wir mal wieder zur Klasse "Besonders schnelle, modifizierte Repliken". Das ist besonders nett, dadurch konnten wir in dieser exklusiven Gruppe mit dem anspruchsvollen Namen immerhin einen ehrenvollen fünften Platz belegen.

Heute, am Sonntag sind die ersten Teilnehmer der Rumregatta schon sehr früh abgereist, andere liegen auch abends noch an der Stadtpier. Mittags haben uns nette Nachbarn geholfen unsere Leinen an den außeren Festmacherpollern zu befestigen. Nun liegt das Boot wieder an seinem gewohnten Platz in der gewohnten Richtung. Die Rumregatta ist Geschichte; eine schöne Geschichte.

Abends am Samstag sendet der NDR im "Schleswig-Holstein- Magazin" einen Bericht über die Rumregatta und GRETA.

10.05.18 Zum Schluss ein Guss

Das Jahr ohne Rumregatta geht heute mit Gewitter und einem Wolkenbruch zu Ende. Der Gaffelmarkt hat auf der Schiffbrücke seine Hütten geöffnet und die ersten Bummler nehmen auf den Bänken und Sesseln bei den Schank- und Imbißhütten Platz. Von fern sind die wummernden Bässe der Lautsprecher von Vatertagsumzüglern zu hören und die ersten alkoholseligen Gäste an einem Weinausschank auf dem Bohlwerk lassen es sich gut gehen. Mittags scheint der Andrang der Besucher insgesamt noch recht überschaulich.

Große Betriebsamkeit bei den Lüttfischern; dort sind zahlreiche Gäste von fern und nah mit ihren Booten eingetroffen. Die weitesten Wege haben Gäste aus England und Polen zurückgelegt. Nun werden sie auf dem Slipweg der Musueumswerft zu Wasser gelassen. Großes Hallo auf dem Steg und in der Hütte, man hat sich ein Jahr lang nicht gesehen und es gibt viel zu erfragen und zu erzählen.

Der Elbfischkutter GRETA ist nun tatsächlich noch segelfertig geworden. Die Crew hat bis in die frühen Morgenstunden an dem Boot gearbeitet. Als jetzt ein Wolkenbruch , legen sie ab für den ersten Schlag nach Sonderburg. Dem Gewitteregen hat das alte Fischerboot nicht viel entgegen zu setzten, einige Nähte an Deck konnten zum Schluss doch nicht mehr kalfatert und versiegelt werden. Nun strömt das himmlische Nass in breiten Bahnen in das Boot. Das ist eine gute Gelegenheit, um die Bilgepumpen zu testen. Die gute Laune der Crew leidet darunter nicht im geringsten. Da hat auch Petrus ein Einsehen, der Regen lässt nach und bald reißen die Wolken wieder auf. Da sind die wackeren Segler schon längs aus dem Hafen verschwunden.


Die Gäste kommen
RAGNA noch nicht ganz dicht
ERIK STEUERMANN aus Haitabu schwimmt schon

Die Ladeluke bekommt noch einen Deckel während die Maschine mit frischem Öl versorgt wird. Bald kann es losgehen

Bewährung für das neue Deckshaus der GRETA
Es gibt kein schlechtes Wetter - wenn die Ausrüstung stimmt



09.05.18 GRETA Auf den letzten Metern

Skizze: © W. Kühn
Die Crew der GRETA hat den Ehrgeiz, den 104 Jahre alten Elbfischerkutter für die unmittelbar bevorstehende Rumregatta weitgehend wiederherzustellen. Nur noch wenige Meter trennen sie von der Ziellinie ihres Projekts.

Diese Ziellinie ist zugleich die Startlinie der "Flensburg Fjord Regatta". Am Freitag um 11:00 Uhr beginnt in der Sonderburger Bucht die Wettfahrt nach Flensburg, wo tagsdrauf die 29. Rumregatta startet. Was ist nicht alles an dem alten Rumpf renoviert und teils neu hergestellt worden? Werftaufenthalte in Egernsund bei Chr. Johnssons Badebyggeri und bei Robbe & Berking in Flensburg, dienten etlichen wichtigen Reparaturen an Rumpf und Deck. Aber Vieles blieb unerledigt. Für diese Rumregatta haben sich die GRETA-Freunde vorgenommen, ein neues Deckshaus samt Schiebeluk zu bauen, das Deck weitgehend dicht zu machen, und den Rumpf samt Rundhölzern gut unter Lack zu bekommen. Das alles unter freiem Himmel bei diesem feuchten Frühjahr - eine große Herausforderung. Und was soll man glauben: Heute sind sie nahezu fertig. Nachmittags ist der Rumpf zwar noch grau und nicht schwarz, aber zur Tagesschauzeit werden die ersten Planken mit dem schwarzen Decklack gemalt. Erfolg macht glücklich. Kein Wunder, dass die Crew gute Laune hat.
Viel bleibt noch zu tun, an dem Boot das schon bei der Gründung des Museumshafens im Jahr 1979 mit dabei war, darunter auch wichtige strukturelle Reparaturen. Aber nun ist erst einmal ein wichtiges Etappenziel erreicht worden. Gratulation und Glückwunsch dazu!

Nachtrag: Am Folgetag wird bekannt, dass die GRETA-Freunde bis um drei Uhr morgens im Einsatz waren. Die Fotos stammen von 21.30 abends





08.05.18 Endstation Anfang (1)

...Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Was Hermann Hesse über die Wechselfälle des Lebens schrieb, kann vielleicht auch für das Leben der FEUERLAND gelten, das Expeditionsschiff des Flugpioniers, Forschers und Reiseschriftstellers Günther Plüschow. 


Wer heute zu Fuß, Rad Auto oder Bus an der Museumswerft vorbei kommt, wird vielleicht nicht einmal bemerken, dass dort ein weiterer maroder Schiffsrumpf steht. Aber heute lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn über Nacht ist dort ein Schiff mit einer langen und großen Geschichte eingetroffen.

Für die Hintergründe müssen wir ein wenig ausholen, weil seine Ursprünge heute weitgehend vergessen sind. Dabei fassen wir eine lange und spannende Lebensgeschichte  in wenigen Zeilen zusammen, die den Protagonisten Günther Plüschow noch zu  Lebzeiten sehr berühmt machte. Aber seine herausragenden Leistungen sind heute weithin vergessen.

Die Geschichte beginnt vor 104 Jahren, als das Deutsche Reich nach Beginn des Ersten Weltkriegs seine ausländischen Stützpunkte gegen die gegnerischen Mächte verteidigen musste. Darunter auch das "Schutzgebiet Tsingtau" gegen das Kaiserreich Japan, und seinen Verbündeten, das Britischen Empire. Die deutschen Truppen, darunter auch der Marineflieger Oberleutnant zur See Günther Plüschow, müssen schließlich kapitulieren. Plüschow bekommt den Auftrag, wichtige Papiere auszufliegen und  nach Deutschland zu bringen. Er war schon zuvor als "Flieger von Tsingtau" bekannt geworden, weil er mit damals noch sehr jungen Jagdflugzeugen im Kampf imponierende Erfolge erreichte. Nach einer abenteuerlichen Reise erreichte er über den Pazifik und Nordamerika schließlich Europa, und wurde in Gibraltar von den Briten gefangen genommen. Er floh aus der Kriegsgefangenschaft und kam im Jahr 1915 zurück nach Deutschland und setzte seinen militärischen Dienst fort. Er war der einzige Deutsche der je aus britischer Kriegsgefangenschaft floh. Er übernahm wichtige Aufgaben bei den Marinefliegern  und schied 1919 aus dem Militärdienst aus.  Ihm zu Ehren wurde der Hafen der Marineflieger in Kiel Holtenau "Plüschowhafen" genannt.
Nach dem Kriegsende beginnt Günther Plüschow  eine neue erfolgreiche Laufbahn als Forscher und Reiseschriftsteller. Er unternahm drei Expeditionen nach Südamerika, wo er als Pionier der Fliegerei bis heute unvergessen ist. Die erste Reise unternahm er 1925 an Bord der Viermastbark PARMA, für die zweite ließ er sich in Büsum ein Schiff bauen, FEUERLAND, das ihn zusammen mit seinem Team nach Punta Arenas brachte. Den größten Teil seiner Ausrüstung und das Flugzeug, ein Doppeldecker Heinkel HD 24W  kamen per Dampfer PLANET ebenfalls dorthin. Während seiner Expeditionsflüge diente im die FEUERLAND als schwimmender Stützpunkt.
Seine dritte Reise begann er im Jahr 1930 und unternahm weitere Flüge über Argentinien, wo er 1931 in einen Teil  des Lago Argentino stürzte und zusammen mit seinem Begleiter Ernst Dreblow den Tod fand.


























Seit heute Morgen, 03.45 Uhr gibt es auf dem Gelände der Flensburger Museumswerft ein ansehnliches Erinnerungsstück, das nicht übersehen werden darf: Das Expeditionsschiff FEUERLAND, dessen maritimes Leben ebenfalls Stoff für spannende Geschichten liefert. Die wichtigsten Stationen seiner Lebensreise sind Büsum, Punto Arenas, Falkland Inseln, Argentinien, Hamburg und jetzt endlich Flensburg.
Die FEUERLAND, mittlerweile in die Denkmalliste von Schleswig Holstein aufgenommen, soll auf der Museumswerft Flensburg nach musealen Standards restauriert werden. Für dieses 1,4 Millionen Euro Projekt macht sich eine gemeinnützige GmbH stark, die zu diesem Zweck mit viel Elan Geld und Sachspenden zusammentragen will.

Mit dieser Summe soll der ausgetrocknete, Rumpf auf einem wurmstichigen Kiel mit gebrochene Spanten und geborstenen Laibhölzern wieder zu dem schmucken Segler werden, der er vor 90 Jahren war.

Für die Initiatoren ist Flensburg der Ort, wo sich das Schicksal der geschichtsträchtigen FEUERLAND entscheidet: Entweder schwimmt sie wieder als zugelassenes Traditionsschiff mit Liegeplatz im Museumshafen, oder sie wird endgültig abgewrackt.

Um über die besondere Bedeutung des Schiffes zu informieren, plant das Flensburger Schiffahrtsmuseum ab 19. August eine Sonderausstellung mit dem Titel "Die sieben Leben der FEUERLAND".

Bereits am Sonntag der Rumregatta wird der Flensburger Modellbauer Adi Born im Beisein von Arved Fuchs ein detailgetreues Modell der FEUERLAND an das Schifffahrtsmuseum übergeben.

Wie endet das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse?
"So wird vielleicht auch noch die Todesstunde/ uns neuen Räumen jung entgegen senden/ Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden/ Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"
_________________________
Quellen: Internet (u.a.: WIKIPEDIA, Schloss Plüschow, Kiautschou/ Tsingtau, Plüschowhafen). Presseinformation 

08.05.18 Was lange währt ...

... wird hoffentlich bald gut. Das Bohlwerk soll in Kürze während der Nachtstunden für Unbefugte gesperrt werden.

Vor drei Tagen hatten wir noch geklagt, dass die Bootseigner am Bohlwerk seit Jahren mit Versprechungen vertröstet werden, wenn es um eine Lösung für das leidige Problem mit nächtlichem Vandalismus geht. Genau genommen sind es mittlerweile 13 Jahre ohne Aussicht auf Besserung.
Heute haben wir von Frank Petry, Geschäftsführer des Historischen Hafen Flensburg gGmbH, erfahren, dass zwei Zäune in Arbeit sind, die das Bohlwerk während der Nachtstunden absperren sollen. Sie sollen an der südlichen Plattform und am Übergang vom Zuweg zur nördlichen Plattform sicherstellen, das nur Berechtigte Zugang bekommen. Wenn Unberechtigte das Bohlwerk betreten, kann das als Hausfriedensbruch strafrechtlich verfolgt werden.
Bleibt noch der Liegeplatz des roten Frachtloggers RYVAR. Hier wird ein Torhäuschen errichtet, wie es am Zugang zum Schwimmsteg der Klassischen Yachten steht.

Die Mitglieder des Museumshafens haben sich jahrelang für einen unbeschränkten Zugang zu den traditionellen, teils historischen Schiffen am Bohlwerk eingesetzt. Aus gutem Grund. Wer die Sache der maritimen Kultur an die Öffentlichkeit tragen möchte, sollte sie nicht aussperren - und wenn es auch nur während der Nachtstunden ist. Und so trafen und treffen sich nachts Liebespaare, Träumer, Ruhesuchende auf dem Bohlwerk genießen die romantische Stimmung und die schönen Bilder, wie sie in Flensburg nur dieser besondere Ort bietet. Leider gibt es aber auch Einige, die sich im Schutz der abgelegenen Stelle sehr schlecht benehmen - mit üblen Folgen für die Bootsleute, den Kiosk und auch den Verein.
So bleibt am Ende leider keine andere Lösung, als alle Besucher nachts auszusperren.

06.05.18 GRETA im Endspurt

Das Projekt des Vereins der Freunde des Elbfischerkutter GRETA  geht heute die letzte Runde: Mast gestellt, Deckhaus gebaut, Schiebeluk vorbereitet, Deck und Steven geflickt.

Vor einem Monat: noch mit marodem Deckshaus
Drei Wochen später: das neue Deckshaus entsteht
Als der Elbfischer GRETA im November 2015 nach Flensburg zurückkehrte und ihr bedauernswerter, wenn nicht sogar hoffnungsloser Zustand erkennbar wurde, glaubten nur Wenige, dass dem über 100 Jahre alten Fischerboot von der Elbe eine zweite Jugend beschwert würde. Zu lange hatte der alte Kutter in einer zugigen Halle gestanden, zu schlecht war die gesamte Substanz des Bootes. Aber GRETA war schon bei der Gründung des Vereins Museumshafen Flensburg dabei und ist nunmehr das einzige Boot aus dieser Zeit im Verein.


Heute ist der alte Finkenwärder Fischkutter Zentrum eines eigenständigen Vereins, dem "Förderverein Elbkutter GRETA".


Heute: "Winsch dir was" - Frauenpower unterm Mastkran
Nach längeren Werftaufenthalten mit dem Ziel, das Boot wieder schwimm- und segelfähig zu bekommen, blieb immer noch sehr viel zu tun. Was vor nur zweieinhalb Jahren als vernachlässigtes Wrack nach Flensburg heimkehrte, sollte wieder ein schmucker Traditionssegler werden.

Längst schwimmt das Boot wieder und an der letzten Rumregatta nahm es auf eigenem Kiel teil - mit respektablem Ergebnis. Doch Vieles war vor einem Jahr noch improvisiert und der berüchtigte "Renovierungsstau" hätte auch Mutige das Fürchten lehren können. Aber "Bangemachen gilt nicht" scheint das Leitmotiv der Aktiven rund um GRETA zu sein.

Mast und neues Deckshaus sind wieder am Platz
Und so wird der geschichtsträchtige Kutter an der kommenden Rumregatta mit einem weitgehend überholten Rigg, neuem Deckshaus und nach vielen weiteren erledigten Reparaturen teilnehmen. Auch wenn noch viel zu tun übrig bleibt: Jetzt stehen die Chancen auf ein Gelingen des Projektes besser als vor einem Jahr.


Heute war ein besonderer Tag: Mit viel Elan und vollem Einsatz wurde der Mast gestellt.  Auch wenn die Uhr jetzt noch schneller läuft als vor ein paar Wochen könnte GRETA tatsächlich wieder an der Fjord- und der Rumregatta teilnehmen.


05.05.18 Alle Jahre wieder

Scherben an Deck und in den Festmacherleinen
Es ist nun schon so etwas wie ein Naturgesetz. Kommt das warme Wetter, kommen die Vandalen. Und alle Jahre wieder wird das Bohlwerk nachts Treffpunkt für die Chaoten am  Hafen. In der Nacht auf heute wurden betrunkene Männer- und Frauenstimmen auf dem Bohlwerk gehört, kurz bevor ein lauter Knall den Rest der Nachtruhe zunichte machte. Man erzählt, das Gröhlen und Schreien hätte nach einer osteuropäischen Sprache geklungen.

Als wir heute morgen zu unserem Boot kamen, war das Vorschiff von Glasscherben übersäht. Sie stammten von einer zerborstenen Flasche Cognac. Nicht die beste Sorte, aber immerhin.

Leider kann man den Vorfall nicht mit dem Gedanken "Das war's nun für dieses Jahr" abtun. Denn diese Übergriffe gibt es nun schon seit wir den Museumshafen kennen. Alle Jahre werden Pläne geschmiedet wie das Problem am besten zu lösen sei; alle Jahre werden im Frühjahr Lösungen angekündigt, die bis zum Herbst nicht begonnen werden. Und alle Jahre wird im Herbst von einer neuen Idee gesprochen, die dann auch nicht realisiert wird. Und jedes Jahr werden Einbrüche berichtet, mit und ohne Diebstahl, Randale auf den Schiffen, Sachbeschädigung, werden Schiffe und Boote losgebunden und Gäste an Bord angepöbelt.

Und alle Jahre macht es noch weniger Freude, sein traditionelles Boot im Flensburger Museumshafen öffentlich zu präsentieren. Wen wundert's wenn es mittlerweile immer weniger sind, die hier ihren Liegeplatz haben.

Wir haben diesmal Glück gehabt, die Schnapsflasche zerschellte an der Ankerwinsch. Die Scherben haben wir so gut es geht, zusammengefegt und entsorgt. Ob wir wirklich alles beseitigen konnten, wissen wir natürlich nicht. Wir wissen aber auch nicht, wann der nächste Angriff kommt. Unsere Freude an dem schönen Frühlingstag hatte einen gehörigen Dämpfer bekommen. Leider.

04.05.18 Endlich!

SPHINX wieder mit Mast und Baum
Hübschen Damen: Sie sehen eigentlich immer aus
wie immer. 
Der März zu kalt, der April weitgehend verregnet. Zwei Wochen Rückstand im Vergleich zum Vorjahr, als wir schon am zehnten April ansegeln konnten. In diesem Jahr hatten wir uns den ersten Mai für den Saisonstart vorgenommen, aber das grausliche Wetter und die konstante Vorhersage einer drastischen Wetterbesserung sorgten letztlich dafür, dass es heute endlich so weit war. Zum ersten Mal in diesem Jahr "Leinen los, vorn und achtern" und weg vom Liegeplatz am Bohlwerk, weg vom Hafen, raus auf die Förde. Die Bedingungen waren heute einfach ideal. Alle Wartungsarbeiten am Boot erledigt, alles Holz unter spiegelnd blankem Lack und alle Blöcke und Leinen da, wo sie hingehören. Um ehrlich zu sein - fast alle. Dafür war das Wetter so ideal, wie man es sich nur vorstellen kann. Strahlender Sonnenschein, angenehmen Temperatur und ein schwacher Wind aus irgend einer Richtung, aber meist aus West.
LILLE STJERN aus dem Museumshafen ist auch
unterwegs, wie beinahe täglich.
Die alten Griechen Ecken die schwierig zu passieren sind
"Skilla" oder  auch "Charybdis"
Gaffelriggs neigen zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Man guckt dreimal, ob alle Fallen und Schoten richtig laufen, aber letztlich zeigen sich kleine Fehler erst beim Segeln. Es ist schon vorgekommen, dass sich ein Zipfel eines Wimpels im Piekfallblock eingeklemmt hat mit dem Ergebnis, dass die Gaffel auch mit Fluchen und Flehen nicht mehr runter kommen wollte. Wer dann an den Mastringen hochklettert um das teure Tuch abzuschneiden, macht das im Zweifelsfall bei Schwachwind lieber als bei Sturm. Heute verschonte uns der Fehlerteufel, und was Wenige, das nicht ganz sauber lief, konnte nach der Rückkehr am Liegeplatz bereinigt werden. Also hatten wir Zeit und Muße, uns die Gegend anzusehen und die wenigen Segler, die mit uns unterwegs waren.
Beim Auslaufen sahen wir SPHINX, die dunkelblaue 12mR Regattayacht, wie sie vorbereitet wurde, um den Mast zu setzen und wir sahen sie bei unserer Rückkehr zum Hafen mit dann bereits stehendem Mast. Im Kontrast dazu freuten wir uns über die kleine geklinkerte Jolle aus dem Museumshafen, die uns bei dem schwachen Wind problemlos überholte. Zwischendurch freuten wir uns, wenn unsere nagelneue Nationale tatsächlich einmal auswehte und damit den scheinbaren Wind sichtbar machte. Ein zweiter Segler aus dem Museumshafen kreuzte weit entfernt in der Wasserslebener Bucht. Wir sahen ihn erst beim Einlaufen wieder. Mancher denkt, segeln bei schwachem Wind sei einfach im Vergleich zu Starkwind oder sogar Sturm. Aber eigentlich ist es nur anders. Geht es bei Sturmgebraus um Kraft und Schnelligkeit, dann braucht man bei schwachem Wind gute Nerven, Geduld und Ausdauer. Wer hat noch nicht zähneknirschend in absoluter Flaute mit Null Knoten auf der Logge zugesehen, dass sich ein anderer Segler nahebei zumindest etwas bewegt. Schon brennen die anklagenden Blicke der eigenen Crew Löcher in das Selbstbewusstsein mit der unausgesprochenen Frage: "Wieso kann DER das?"  Bei Schwachwind haben intime Kenner des eigenen Reviers meist einen Vorteil. Das bekommen wir heute auch bei der Flensburger Werft zu sehen. Der Wind in der Nähe der Werfthalle und der großen Schiffskörper stellt immer wieder große Herausforderungen. Heute können wir uns vor einem unangenehm schralenden Windhauch bis in den Hafen mogeln. Dort entschädigt uns eine günstige Brise aus West für 30 Minuten Zupfen an den Schoten und für einen heftigen Anfall von Selbstzweifeln. Gut so. Besser vor der Saison, als am Ende. Zum Trost grüßt Harald vom "Piratennest" einen Gruß mit seiner Tröte. Da kommt man doch gerne zurück!  

28.04.18 Schwalbe ANNY


Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sie kündet ihn an. 

ANNY aus Glückstadt ist heute zurückgekommen
THOR (im Jahr 2015)
Wie ein Zugvogel aus dem Süden zurückkehrt, lag heute morgen ANNY aus Glückstadt am Ponton der Museumswerft. Der Süden - in diesem Fall ist es Eckernförde, wohin der Toppsegelschoner Ende Sepember aus Flensburg reiste um den Winter auf der "Lütten Werft" von zu verbringen. Sie ist nicht der einzige Segler des Museumshafens, der Flensburg als Hafen und Liegeplatz für den Sommer ausgewählt hat. THOR, Nachbau eines Lotsenboots vom Reissbrett des berühmten Norwegers Colin Archer liegt im Winter in Hamburg. Üblicherweise kommt auch sie zur Rumregatta nach Flensburg zurück.
 
GRETA bekommt viel Zuwendung
Der Lynaeskutter ABSALON ist die Ausnahme von der Regel. Das alte Fischerboot liegt seit einigen Jahren in Hamburg, wo es in gebotener Gemächlichkeit restauriert wird. Sie sollte schon vor einem Jahr wieder ans Bohlwerk zurückkommen. Vielleicht können wir sie in diesem Jahr wieder in Flensburg begrüßen.





Andere Boote vom Bohlwerk sind nicht ganz so weit gereist. DAGMAR AAEN liegt zurzeit noch in der Werft in Egernsund; auch sie  wird vermutlich zur Rumregatta wieder hier zu sehen sein.


Währenddessen werden auf einigen Booten am Bohlwerk  die jährlichen Wartungsarbeiten mit vollem Einsatz vorangetrieben. Die Freunde der Elbfischerjolle GRETA haben sich besonders viel vorgenommen. Das neue Deckshaus nimmt schon deutlich Gestalt an. Es wäre schön, wenn das Projekt bis zur Fjordregatta, also in 11 Tagen abgeschlossen werden könnte. Mit ihr werden ca. 130 Traditionssegler an der "unernsten Geschwaderfahrt" teilnehmen und die Liegeplätze im Historischen Hafen füllen. Bis dahin sind es ab heute noch dreizehn Tage.

26.04.18 SEBBE ALS in Egernsund

Das historische Wikingerboot sollte heute ihr "sjøsætning" feiern können. Das musste leider verschoben werden. 


Die Heckansicht zeigt scharfe Linien. 
Vor dem Wind segelt sie schon mal
10 Knoten schnell.
SEBBE ALS -
hier die Arbeitsplätze der Wikinger
Vor der Rumregatta werden einige Boote mit Hochdruck für die Wettfahrt und die kommende Saison vorbereitet. Über das Geschehen in Flensburg haben wir immer wieder mal berichet. Heute sollte ein besonderes Ereignis gemeldet werden: 
Das Wikingerboot SEBBE ALS hätte nach einer gründlichen Überholung wieder zu Wasser gelassen werden sollen. Die historische Rekonstruktion eines schnellen Kriegsschiffs aus dem Roskildefjord war schon in vorletzten Jahr Gast der Rumregatta und will auch in diesem Jahr wieder teilnehmen. Wer darin eine Auszeichnung für Flensburg und die "nicht ganz ernsthafte Regatta auf der Flensburger Förde" sieht, hat durchaus Recht. Der historische Nachbau des alten Wikingerschiffs war schon in New York (zum 200sten Geburtstag im Jahr 1976) und  Dublin (zum 1000sten Geburtstag im Jahr 1988) zu Gast.

Heckzier der SEBBE ALS
SEBBE ALS- Bug links, Heck rechts
Anlass genug also, über dieses "sjøsætning" zu berichten. Aber leider, leider kam es anders. Der Kranwagen, mit dem der lange schlanke Rumpf angehoben und in sein angestammtes Element gesetzt werden sollte, kam eine Stunde früher als erwartet und war schon längst unverrichteter Dinge abgereist, als die übrige Crew eintraf. Sie hatte sich in der Verabredung in der Uhrzeit geirrt. Das soll nun voraussichtlich in einer Woche korrigiert werden. Das ist für die alte Kopie des historischen Schiffes eigentlich schon knapp bis zur Veranstaltung in Flensburg. Denn es lag für die Arbeiten schon einige Monate an Land und muss noch gründlich
gewässert werden, bis der geklinkerte Holzrumpf wieder wasserdicht ist.
Wir nutzten die Gelegenheit auch für ein Wiedersehen mit ein paar alten bekannten Holzschiffen auf der Werft, als da sind: AURORA, DAGMAR AAEN, GERDA, RUTH E87, und die Fähre TUNØ.



26.04.18 Die PEKING im NDR - Die Nordstory

Fernsehtipp 27. April 2018, 20:15 bis 21:15 im NDR – Die nordstory
Der Flying-P-Liner Viermastbark PEKING fährt heim. Vom East River an die Elbe. Ein Team des NDR begleitete die Überfahrt - daraus entstand eine beeindruckende Reportage.

NDR - Die Nordstory informiert:


PEKING
Foto: Stiftung Hamburg Maritim
Durch vier Jahrzehnte Liegezeit am East River gleich neben der Brooklyn Bridge in Manhattan ist der alte Hamburger Großsegler Flying P-Liner "Peking" zum Wahrzeichen in New York geworden. Und nun soll das Schiff dort weg? Die New Yorker Nachbarn sind sprachlos. Joachim Kaiser und Detlev Löll sind aus Hamburg gekommen, um die schwimmende Legende abzuholen.
Die Geschichte der "Peking" begann im Jahr 1911. Bei Blohm+Voss wurde die Viermastbark für die Laeisz-Reederei gebaut und über 20 Jahre lang in der für Hamburgs Wachstum so wichtigen Salpeterfahrt eingesetzt. 34 Mal segelte sie um Kap Hoorn, ehe sie 1932 als Schulschiff nach England und 1975, da bereits im Schlepp, zum South Street Seaport Museum nach New York kam. Und jetzt geht es wirklich noch einmal über den Atlantik? Nach 40 Jahren ohne Generalüberholung? Eigentlich undenkbar!
Doch bald soll die "Peking" in Hamburg spektakulärer Magnet des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums werden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hatte im November 2015 die Mittel dafür bereitgestellt. Aber wie soll das Schiff nur an den Ort seines Stapellaufs zurückkommen? Es war doch nahezu schrottreif, ein "Seelenverkäufer" am Kai.
Zunächst muss der Segler auf eigenem Kiel von Manhattan nach Staten Island über die New Yorker Upper Bay in die Werft gegenüber. Dazu sind zwei Spezialisten aus Hamburg gekommen: Joachim Kaiser und Detlev Löll gehen unter Deck, sichten die Schätze und Schwachstellen, denn die "Peking" hat mehr als ein Leck. Aber wenn der Wind nicht zu stark wird, die Fahrt nicht zu lange dauert, dann sollte sie zumindest auf den paar Seemeilen nicht kentern.
Auf der Caddell-Werft in Staten Island wird die "alte Dame" abgetakelt. Jetzt sind es die Werftarbeiter aus Puerto Rico, die schweißen und staunen: Das marode Schiff soll tatsächlich zurück nach Deutschland? Geht das gut? Über Monate wird aufgeräumt und ausgemistet, genug Zeit, um mit dem Schiff Freundschaft zu schließen.
Dann wartet das Dockschiff. Die "Combi Dock III" von der Bremer COMBI LIFT Reederei liegt in der Upper Bay, bereit, den alten Segler aufzunehmen. Die Bremer Ingenieure und Hamburger Schiffbauer überlegen jetzt gemeinsam, wie das Schiff-ins-Schiff eingeschwommen, wie es atlantikfest gesichert werden kann. Joachim Kaiser wird die Atlantikpassage begleiten und lässt die "Peking" nicht mehr aus den Augen. Aber es ist der ukrainische Kapitän der "Combi Dock III", Dmytro Poteshkin, der die Verantwortung auf dem Ozean hat. Auch für ihn ist dieser Transport eine Herzensangelegenheit, kommt er doch aus der ukrainischen Seefahrtshauptstadt Cherson und hat sein Handwerk auf der "Towarischtsch", der ehemaligen "Gorch Fock I" gelernt.
Auch auf der Fahrt über den Atlantik ist der NDR dabei. Die "Combi Dock III" weicht mit ihrer kostbaren Fracht erfolgreich jeder schweren Dünung, allen ungünstigen Winden aus, die "Peking" wird wie ein Augapfel von der ganzen Crew gehütet und erreicht am 30. Juli 2017 die Elbmündung, zum ersten Mal seit 1932. Als sie auf eigenem Kiel in die Peters Werft in Wewelsfleth überführt wird, sind viele Menschen aus Norddeutschland dabei.
Mit dem Mastenziehen beginnt die Restaurierung in der Peters Werft, dann wird die "Peking" in eine Art Privatgarage gezogen, sie bekommt für bis zu zwei Jahre ein Dock und ein Dach. Und jetzt geht es eigentlich erst richtig los: Das marode Holz des Oberdecks kommt heraus, der Rumpf und die Stahlträger werden vom Rost befreit, bis nur noch ein Gerippe übrig bleibt. Und jeden Dienstag kommen Joachim Kaiser und Detlev Löll und gucken, was mit der "Peking" passiert.
Die "Peking" war, so schien es, nur noch reif für den Hochofen. Mit dem jüngsten Kapitel, mit der Heimkehr nach Deutschland findet eine geradezu märchenhafte Geschichte ihre Fortsetzung.

(Quelle: NDR - Die Nordstory)
(Tipp von der Stiftung Hamburg Maritim. Wir sagen "Danke!")

22.04.18 Ohne Floß nix los

Anders als kleine Boote oder moderne Jachten bleiben die Schiffe des Museumshafens übers ganze Jahr im Wasser. Sie kommen meist nur einmal für kurze Zeit aufs Trockene um das Unterwasserschiff zu reinigen. Das geschieht von unten mit einem Hochdruckreiniger. Was über der Wasserlinie ist,  müsste währen der Werftzeit von einem Gerüst aus bearbeitet werden. Das ist umständlich zu montieren, kostet Zeit und damit auch Geld. Deswegen ist das Arbeitsfloß im Frühjahr mit Abstand der begehrteste schwimmende Untersatz am Bohlwerk. Es ist groß genug und liegt auch ziemlich stabil im Wasser. Man kann darauf sicher stehen und kommt runter bis an den Wasserpass. Und wer zu klein gewachsen ist, um mit dem Farbpinsel bis an die Reling zu kommen, kann sich zusätzlich auf eine stabile Kiste stellen. Nur wenn eines dieser verflixten Motorboote zu schnell und dicht vorbei fährt, kann es auch einmal nasse Füße geben. Andererseits muss die Plattform ohnehin immer wieder mal abgespült werden, weil Blesshühner, Enten, Möwen und Schwäne  die schwimmende Insel gerne als Ruheplatz aufsuchen. Am Bohlwerk gibt es gegenwärtig nur ein Floß.
Vor dem Saisonbeginn ist es sehr begehrt und wer es benutzt, gibt es zügig an den nächsten Wartenden weiter. Das gibt dann Gelegenheit für eine kleine sportliche Übung im SUP-Tandem. Das ist auch ganz allgemein als Freizeitbeschäftigung zu empfehlen. Hier ist eine der eher gemächlichen Fahrten zu sehen. Schnelleres Paddeln ist denkbar, aber wenig empfehlenswert. Schließlich soll die Kraft für die Arbeit am Boot geschont werden. Regattamäßiges Paddeln ist auch vorstellbar aber doch letzlich reine Zeitverschwendung. Obwohl - man kann nie wissen. Wenn die Idee jetzt aus Neuseeland oder Hawai an uns herangetragen würde?